Freitag, 13. Oktober 2017

Diskussion zum Ethnopluralismus

Ich hatte eine sehr interessante Diskussion auf Twitter und möchte versuchen diese in diesem Artikel noch einmal etwas geordneter aufzufassen bzw. meine Meinung/Position und vielleicht auch mein Beweggründe, diese Meinung zu vertreten, deutlich zu machen.
Es geht um die Themen Ethnopluralismus, Rassismus und die Frage nach einer Leitkultur. Ich weise darauf hin, dass es hier nicht darum geht, eine wissenschaftlich vollkommen ausgearbeitete Antwort auf die Fragen zu geben, sondern eher meinen eigenen Bezug herauszuarbeiten (ist eben ein persönlicher Blog).
Zunächst möchte ich meine Sicht auf den Ethnopluralismus darstellen und warum ich das Konzept befürworte:
Das erste Mal als ich das Wort Ethnopluralismus gehört habe, ist mittlerweile schon einige Jahre her. Ich habe mich mit einer Freundin unterhalten, das Grundthema weiß ich gar nicht mehr genau, aber ich weiß noch, dass es darum ging, dass ich mich über die westliche Hegemonie und Ausbreitungsstrategien aufgeregt habe. Ich selbst vertrete die Meinung, dass jedes Land (bzw. dessen Bevölkerung) selbst am Besten weiß, was für es das Richtige ist und dass eine Entwicklung von Innen heraus kommen sollte (was nicht ausschließt, dass man Entwicklungshilfe leisten kann etc.). Auch die Einstellung, dass alles westliche unbedingt „besser“ und „weiter entwickelt“ ist, finde ich eher arrogant und überheblich. Ich wünsche mir, dass man nicht versucht andere Länder zwangsweise zu „demokratisieren“ oder denen unsere Kultur zu vermitteln. Auch die Geschichte zeigt, dass dadurch häufig nicht nur positive Entwicklungen entstanden sind. Jede eigene Kultur der unterschiedlichen Länder ist schützenswert, wir haben eine so wundervolle kulturelle Vielfalt auf der Welt, die ich gerne erhalten möchte. Ich möchte die Kultur und die Einstellung eines jeden Landes gleichermaßen respektieren.
Aufgrund dieser und ähnlicher Äußerungen meiner Meinung bekam ich dann die Antwort „Das ist Ethnopluralismus, das ist rechts!“. Und da „rechts“ allgemein als „böse“ verschrien war, war die Diskussion damit leider beendet. Ich blieb zurück mit der für mich verständnislosen Frage, was daran schlecht sei, wenn ich andere Völker und Kulturen gleichberechtigt respektieren und denen nicht mein Weltbild aufdrücken möchte.
Mittlerweile habe ich mich umfangreicher mit dem Ethnopluralismus und dessen Ausgestaltung befasst. Und dabei bin ich auch wieder auf die Gegner getroffen, die behaupten, Ethnopluralismus sei rassistisch bzw. eine rechtsextreme Einstellung. So auch bei Twitter:
 

 
Hier gleich der erste immer wieder behauptete Fehler im Zusammenhang mit Ethnopluralismus: Es geht nicht darum, das Völker sich nicht mischen und jeder unter sich bleiben soll. Es hat schon immer Zuwanderung und auch Familien mit unterschiedlicher Herkunft gegeben und das war und ist kein Problem (Vor allem hat es wenig mit irgendwelchen „Menschenrassen“ zu tun, sondern mit bestimmten kulturellen Eigenarten). Ein Problem entsteht erst dadurch, wenn der Anteil derjenigen aus einer fremden Kultur so groß ist, dass diese sich nicht mehr an die vorherrschende Kultur anpassen, sondern diese verdrängen. Wenn man sich die aktuellen Entwicklungen ansieht geschieht in Europa zurzeit leider genau das: Kindergärten verzichten aus Rücksichtnahme auf Schweinefleisch , Weihnachtsgebäck wird plötzlich als „winterliche Köstlichkeiten“ deklariert und Weihnachtskrippen aus Rücksicht vor Muslimen nicht aufgestellt.
 
Wie ich schon mal in anderen Texten erwähnt habe, bin ich selbst tatsächlich in einem kleinen Ort mit einem sehr hohen Anteil Migranten bzw. Personen mit Migrationshintergrund aufgewachsen. Ich bin aufgewachsen mit mehr Muslimen als Katholiken in meiner Grundschulklasse, mit Freunden aus den unterschiedlichsten Kulturen und empfand das als normal. Die kulturelle Vielfalt, die ich als Kind genossen habe, empfand ich auch als interessant und schön: Ich habe christliches Weihnachten gefeiert und ebenso muslimisches Zuckerfest. Gegessen haben wir Lamacun, gefüllte Weinblätter, Pelmeni oder Borschtsch. Ich wusste schon als Grundschulkind, dass es einen Konflikt zwischen Türken und Kurden gibt und Serbien und Kosovo sich ebenfalls nicht so grün sind. Natürlich gab es in meinem Umfeld Beleidigungen aufgrund der Herkunft (auch innerhalb besagter Bevölkerungsgruppen), auch „deutsch“ wurde gerne als Synonym für langweilig verwendet. Aber das, was ich erlebt habe und die anderen bei uns im Dorf würde ich nicht als Rassismus bezeichnen, das die Machtkomponente völlig fehlte: Es gab bei uns keine vorherrschende Gruppierung.
Wenn man nun aus einer Welt ohne Rassismus kommt, eine Welt, in der jeder seine Kultur und seine Eigenarten lebt – und auch stolz darauf sein kann. In eine Welt, in der es plötzlich gesellschaftlich akzeptiert ist, die eigene Kultur zu beleidigen, zu verdrängen und herunterzumachen. In eine Welt, in der sich die Deutschen immer mehr zurücknehmen müssen und man mit jedem Schritt aufpassen muss, dass etwas ja nicht irgendwelche Migranten beleidigt etc. In eine Welt in der es völlig en vogue ist Deutsche als Kartoffeln zu bezeichnen während ich bei anderen schon aufpassen muss, nicht schwarz (PoC ist wohl aktuell die korrekte Bezeichnung) zu sagen ohne als Rassist verschrien zu werden. Dann merke ich, dass da irgendetwas falsch läuft!
Wenn es verpönt ist, zu fordern, dass in Deutschland deutsch gesprochen wird (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-will-dass-migranten-zuhause-deutsch-sprechen-a-1006932.html) dann fehlt etwas. Es fehlt die Stärkung der eigenen Kultur und Identität, die gerade dazu dient, kulturellen Austausch erst zu ermöglichen. Bei uns in der Grundschule war es übrigens die Regel, dass Deutsch gesprochen wird. Und jedesmal, wenn jemand sich in einer anderen Sprache (russisch, albanisch, arabisch, türkisch, polnisch…) unterhalten hat, wurde von den Lehrern darauf hingewiesen, dass wir in Deutschland sind und man dort deutsch zu sprechen hat. Gerade die Sprache ist enorm wichtig für alle in Deutschland Lebenden!
 
Ethnopluralismus bedeutet für mich also nun, dass diejenigen, die in ein Land einwandern, sich an die vorherrschende Kultur anzupassen haben. Sie müssen die Gesetze akzeptieren, die Sprache sprechen und sollten nicht versuchen, ihre eigenen Gepflogenheiten zum gesellschaftlichen Standard zu erheben. Außerdem sollte man hingegen die eigene kulturelle Identität stärken und nicht im vorrauseilendem Gehorsam sich zurücknehmen. Anpassung kann nur funktionieren, wenn es klar ist, woran man sich anpassen soll. Allgemein wurde in der Diskussion das Wort „Leitkultur“ verwendet. Auf Twitter entstand die folgende Fragestellung, da ich eben erwähnt hatte, dass ich kein Problem bei einer Zuwanderung weniger sehe, aber dass die eigene Kultur verdrängt wird, wenn die Anzahl derjenigen, die einwandern zu groß ist:
 
 
 
Ob ein Anteil von 5% jetzt wenige sind, hängt davon ab, ob sie gleichmäßig verteilt sind oder sich so sehr auf wenige große Städte konzentrieren, dass der Anteil dort über 50% beträgt.
Viel schwieriger ist allerdings die Frage nach der starken Leitkultur. Während unsere Integrationsministerin abstreitet, das es eine solche überhaupt gibt/geben sollte sehe ich das anders: Ich stimme zu, dass es schwierig ist, eine Leitkultur zu identifizieren, aber dennoch wichtig. Es gibt natürlich auch regionale Unterschiede, beispielsweise ist der Krampus als Begleiter des Nikolaus Teil der Kultur im Alpenraum, in Norddeutschland aber nahezu unbekannt. Kulturelle Identität/Leitkultur ist also nicht nur eine rein nationale Frage, sondern auch eine regionale. Gewisse Bestandteile sind allerdings deutschland- oder sogar europaweit zu finden wie beispielsweise ein starker Bezug zum Christentum (auch wenn viele europäische Staaten sich als säkular verstehen). Viele kulturelle Eigenarten erkennen die meisten, die nicht viel Kontakt zu anderen Ländern/Kulturen hatten gar nicht, da es ihnen nicht als solches vorkommt. Besonders interessant ist daher auch das Gespräch mit Menschen anderer Herkunft (Einwanderer, Touristen) darüber, was sie als „deutsch“ empfinden. So kann man der Beschreibung einer solchen Kultur schon sehr nahe kommen. Aber wenn man ehrlich ist, weiß eigentlich jeder, was Bestandteil seiner Kultur ist (auch wenn man nicht immer in der Lage ist, das in Worte zu fassen), wie auch mein Diskussionspartner auf Twitter richtig schreibt: Kultur ist was Gefühltes.
Daneben aber natürlich auch etwas Gelebtes: Sprache, Werte, Brauchtum. Die Anpassung an eine Leitkultur funktioniert aber wie bereits geschrieben nur, wenn die Menge der Zuwanderer nicht zu groß ist. Dazu auf Twitter: 
 
 
Da werden gleich mehrere Denkfehler gemacht: 1. Weder geht es beim Ethnopluralismus um eine komplette Verhinderung von Migration, noch um einen kompletten Einschluss ohne Kontakte zu anderen Ländern/Kulturen. 2. Die Forderung nach Rückführung betrifft in den wenigsten Fällen legale angepasste Einwanderer oder sogar Menschen, die bereits hier geboren sind. In erster Linie sollten illegal Eingewanderte und Verbrecher wieder in ihr Land abgeschoben werden. Es sollen also niemandem irgendwelche Rechte entzogen werden, da diese Personengruppen gar nicht das Recht haben, sich in Europa aufzuhalten. Außerdem sollte man die bestehenden Regelungen und Gesetzgebungen wie das Asylrecht und die Genfer Flüchtlingskonvention anwenden, was natürlich auch bedeutet, dass die Menschen, wenn die Gefahr in den Heimatländern vorüber ist, wieder zurückkehren. Eine Rückkehr kann übrigens nicht nur über Zwang stattfinden, sondern auch über Hilfe und Unterstützung, dass diejenigen sich in ihren Herkunftsländern ein gutes Leben aufbauen können. Auch Menschen, die aus ihrer Heimat wegen Not geflohen sind, haben natürlich einen Bezug zu eben dieser und es ist nur verständlich, wenn diese zurückwollen. Schade, dass für viele Menschen in Deutschland gar nicht ersichtlich ist, dass es nicht gezwungenermaßen darum geht, all diese Menschen zu integrieren, sondern ihnen Schutz zu bieten und dann eine Heimkehr zu ermöglichen.
Auch viele Deutsche sind nach Ende des 2. Weltkriegs wieder zurückgekehrt, weil es eben nie darum ging, dass die Kultur in dem anderen Land so viel schöner ist, sondern um Schutz.
 
Jetzt ist der Text schon viel länger geworden als ursprünglich geplant und trotzdem könnte ich noch so viel mehr schreiben. Als Fazit möchte ich nochmal kurz zusammenfassen, warum ich das Konzept des Ethnopluralismus als positiv empfinde und gerade kulturelle Vielfalt darin verwirklicht sehe:
Jede Kultur/jedes Volk sollte gestärkt und geschützt werden. Man richtet sich gegen Kolonialisierung und Universalismus, da jede Kultur ihre eigenen Eigenarten hat und die westliche Welt nicht das Recht haben sollte, darüber zu richten. Durch die Stärkung der eigenen Identität überall entsteht eine wunderbare Vielfalt der Kulturen! 
 

Kommentare:

  1. > das, was ich erlebt habe ... würde ich nicht als Rassismus bezeichnen, das die Machtkomponente völlig fehlte

    Rassismus ist *gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". Das erfordert keine Machtkomponente; der Unsinn ist m.E. von rassistischen Minderheiten und deren sich selbst hassenden "Allys" in den USA ins deutsche linksgrüne Millieu rübergeschwappt.

    Es ist auch keine "Rücksicht" auf Muslime, auf Weihnachtskrippen oder Schweinefleisch zu verzichten. Es ist feige Selbstaufgabe, die zeigt, dass einem das beliebige Befinden offensichtlich intoleranter Arschlöcher wichtiger ist als sein eigenes. Das ist auch nicht "kulturell offen" oder "Gastfreundlich" - gastfreundlich ist, dass man in der Türkei in größeren Supermärkten *natürlich* Schweinespeck kaufen kann. In einer separaten Kühltruhe (mit anderen haram-Produkten, halt), natürlich, damit es niemanden stört.

    Leute, die sich an einer Weihnachtskrippe stören sind genauso widerlich wie beliebige Neonazis, die sich an Moscheen stören - also, an Moscheen per se; rumbrüllende Muezzins und sich nicht benehmende Besucher sind da jetzt ein vollkommen anderes Thema.

    Insgesamt finde ich Deine Sicht etwas - niedlich...

    > Jede eigene Kultur der unterschiedlichen Länder ist schützenswert, wir haben eine so wundervolle kulturelle Vielfalt auf der Welt, die ich gerne erhalten möchte. Ich möchte die Kultur und die Einstellung eines jeden Landes gleichermaßen respektieren.

    ... nur weil - ich meine, Du kannst Dir in Afrika ja gerne den Großteil der Vulva abschneiden lassen und Dich danach in der Levante für Deinen Kleidungsstil steinigen lassen, wenn Du das so toll findest, aber ich habe irgendwie den Eindruck, dass auch Du *eigentlich* findest, dass nicht alle Kulturen so wahnsinnig prickelnd sind.

    Im Kern hast Du aber natürlich Recht, und der "europäische" Einheitsbrei, von dem die Sozialisten träumen, ist meiner Meinung nach keinesfalls erstrebenswert und - naja, wenn man rot und grün mischt, kommt halt braun raus...

    Btw. funktioniert die Anpassung an eine Leitkultur hervorragend, auch bei enorm vielen Zuwanderern, sofern diese Zuwanderer eben wegen dieser Leitkultur einwandern - siehe USA vor 100 Jahren.

    Zu Deinem Twitterer - mei, wenn Leute tatsächlich das "Recht" haben, hier auf Kosten der Gemeinschaft zu leben, und das selbst bei kriminellem Verhalten, dann müsste man den Leuten *tatsächlich* "Rechte entziehen". Ich zumindest habe keine Lust, Leuten ihren Lebensunterhalt zu bezahlen, die mich dann auch noch auf offener Straße ausrauben; ich habe *auch* Rechte.

    Da auch mir da schnell Rassismus vorgeworfen wird, schlage in der Situation dann übrigens immer vor, auch den "White Trash" rauszuwerfen. Das verstößt halt gegen "Rechte", klar, aber mehr als "Rechte" habe ich noch nicht als Gegenargument gehört. Und Rechte sind immer ein Konsens der Gemeinschaft; die sind also nicht in Stein gemeißelt, wie alle diejenigen, denen sie gerade nutzen, gerne tun.

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    1. @Lolli:
      "Rassismus ist *gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". Das erfordert keine Machtkomponente"

      Dann fehlte eben die Menschenfeindlichkeit ;)


      "Es ist auch keine "Rücksicht" auf Muslime, auf Weihnachtskrippen oder Schweinefleisch zu verzichten. Es ist feige Selbstaufgabe, die zeigt, dass einem das beliebige Befinden offensichtlich intoleranter Arschlöcher wichtiger ist als sein eigenes."

      Da bin ich mir dir einer Meinung! Rücksicht ist immer nur die Begründung derjenigen, die so handeln, daher habe ich das Wort so verwendet.

      "aber ich habe irgendwie den Eindruck, dass auch Du *eigentlich* findest, dass nicht alle Kulturen so wahnsinnig prickelnd sind."

      Richtig. Aber es ist auch nicht mein Wille, der ganzen Welt meine Maßstäbe aufzunötigen! Das ist alles. Ich kann diese Verhaltensweisen verabscheuen und es trotzdem falsch finden, in entsprechende Länder einzumaschieren!

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  2. Darf ich demnach davon ausgehen, dass Du Genitalbeschneidung, Steinigung und Verfolgung von Schwulen für richtig hälst?

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    1. @Adrian:
      Nein! Ich halte diese Praktiken sicher nicht für richtig. Aber ich bin eben auch der Meinung nicht die einzig richtige Wahrheit für mich gepachtet zu haben. ;)

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    2. Ich verstehe. Du denkst also, dass es Umstände gibt, in denen diese Praktiken gerechtfertigt sind.

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