Mittwoch, 13. September 2017

Label

Mal vorweg, dieser Artikel beschäftigt sich mit meinen Überlegungen zu bestimmten Labeln, die man sich selbst gibt oder von anderen zugeschrieben bekommt. Ich selbst habe noch überhaupt keine abschließendes Ergebnis, sondern lediglich ein paar offene Gedanken und freue mich daher über weitere Anregungen und Überlegungen in den Kommentaren!

Mein Artikel zum Thema „Gegen Feminismus, für Frauenrechte?“ und der insgesamt damit entstandenen Diskussion, hat mich zu diesen Überlegungen gebracht. Feminismus ist häufig verknüpft und für viele automatisch gleichbedeutend mit der politischen Richtung links.
Ich selbst habe mich nie einem solchen politischen Label zugeordnet, vermutlich würde noch am ehesten Liberal und konservativ passen, aber das ist heute auch häufig mit Bedeutungen verknüpft, hinter denen ich nicht stehen kann.
Besonders interessant als Label für Selbstbezeichnungen sind in der Geschlechterdebatte: Feminist, Antifeminist, Maskulist, Männerrechtler, Frauenrechtler und in der politischen Debatte eben links und rechts.
Während wie erwähnt der Feminismus häufig automatisch mit links verknüpft wird, wird die Gegenbewegung des Maskulismus gerne mit rechts in Verbindung gebracht – nicht selten auch von deren Gegnern, um diese zu diskreditieren. (Wobei ich hier links und rechts als „neutrale“ Bezeichnungen ohne Wertung verwenden möchte, negativ wird es für mich erst, wenn es ins Extreme und Gewalttätige abrutscht.) Dann gibt es wieder einige Männerrechtler und/oder Maskulisten, die sich selbst davon abgrenzen und bewusst als links bezeichnen wie beispielsweise Arne Hoffmann, der auch die bekannte Seite Genderama betreibt.
 
Bei dem Blog radikal feminin, dass sich zwar positiv für die Rechte von Frauen, aber gegen den Feminismus positioniert, könnte es sich eben auch in Abgrenzung zum linken „Gender-Feminismus“ um einen „Feminismus von rechts“ (hier meine Zuschreibung, das Blog selbst definiert sich als antifeministisch) handeln. Da die Betreiberinnen eher im politisch rechten Spektrum Zuhause sind. Meine Vermutung war ja zuvor, dass man eben den Kontakt mit dem Feminismus nur durch das universitäre Umfeld hatte, welches heutzutage klar links geprägt ist. Das bedeutet häufig leider, dass von Annahmen Ausgegangen wird, in denen die Frau stehts als Opfer zu sehen ist. Die letzten Entwicklungen dieser Art des Feminismus schränken Frauen häufig mehr ein (bzw. wollen das) als dass sie empowernd und ermutigend sind. Und um dem etwas entgegenzusetzen kann man sich natürlich als „antifeministisch“ bezeichnen. Allerdings bin ich der Meinung, dass man damit eben auch sich gegen den Feminismus generell stellt, der auch eine lange Geschichte von Kämpfen von Frauen für ihre Rechte und den Drang nach der Gleichberechtigung beinhaltet. Warum also Antifeminismus und nicht einfach als Entgegnung auf linken Feminismus, der Feminismus von rechts?!
 

 

Kommentare:

  1. "Warum also Antifeminismus und nicht einfach als Entgegnung auf linken Feminismus, der Feminismus von rechts?!"

    Warum bezeichnest du dich als Feministin, und nicht einfach als rechts-Feministin?

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    1. Weil ich mich bisher nicht einer politischen Strömung wie rechts oder links zuordne. Das sieht bei den Gründerinnen von radikal feminin aber anders aus ;)

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    2. Eh. Wenn es innerhalb des "Feminismus" kategorisch entgegengesetzte Positionen gibt, sollten nicht alle schlicht das Label "Feminismus" verwenden. Das wäre ausgesprochen unpraktisch, wenn Gruppe A "feministisch" alle Frauen nackt und schwanger in der Küche will, und Gruppe B "feministisch" alle Frauen angezogen wo anders haben will, ist es alles andere als hilfreich, hier jeden "Feminist" zu nennen.

      Und wenn alle meinen, dass Feminismus linke Gleichheitsideologie bedeutet, ist es ziemlich sachdienlich, klarzustellen, dass man nicht das meint, wenn man sich feministisch nennt.

      Warum nennst du dich "Feministin", wenn es bestenfalls nichtssagend ist, oder - realistisch - das beinahe alle anders verstehen als du?

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  2. "Ich selbst habe mich nie einem solchen politischen Label zugeordnet, vermutlich würde noch am ehesten Liberal und konservativ passen"

    Du bist auf dem richtigen Weg, Dir Deine grundlegende ideologische Ausrichtung zuerst klar zu machen. Die bestimmt nämlich die persönlichen Grundwerte und vor allem deren Priorisierung sowie den selektiven Blick, mit dem man die überkomplexe Realität filtert.

    Diese allgemeinen Werte und Wahrnehmungspräferenzen wendet man auf alle möglichen sozialen Themen an, die Geschlechterbeziehungen sind nur ein Thema von vielen.

    Deshalb kann auch ein "linker Feminismus" in konkreten Fragen diametral entgegengesetzt zu einem "rechten Feminismus" sein.

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    1. @mtm:
      "Du bist auf dem richtigen Weg, Dir Deine grundlegende ideologische Ausrichtung zuerst klar zu machen."

      Jain,es geht tatsächlich nur um eine Labelbezeichnung in dem Zusammenhang, meine grundlegenden Werte sind seit 20 Jahren die gleichen.

      "Diese allgemeinen Werte und Wahrnehmungspräferenzen wendet man auf alle möglichen sozialen Themen an, die Geschlechterbeziehungen sind nur ein Thema von vielen."

      Wie gesagt, diese allgemeinen Werte stehen seit Jahren für mich fest, oberste Priorität haben Ehrlichkeit, Freiheit und Gleichberechtigung (nicht nur aufs Geschlecht bezogen).

      "Deshalb kann auch ein "linker Feminismus" in konkreten Fragen diametral entgegengesetzt zu einem "rechten Feminismus" sein."

      Genau das war eben auch meine Überlegung beim Schreiben dieses Artikels. ;)

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