Mittwoch, 5. Juli 2017

Unzufriedene, faule, dicke Menschen

Diese Personen regen mich zur Zeit extrem auf. Diese Menschen, die sich selbst aufgeben, hässlich finden und frustriert durch die Gegend laufen. Und dann gleichzeitig noch behaupten, jeder dicke Mensch wäre so wie sie!
Nein verdammt! Ich bin nicht wie ihr und ich finde euer scheiß Verhalten einfach bescheuert. Mit der Art und Weise mit den Behauptungen schadet ihr nicht nur euch selbst, sondern auch der gesellschaftlichen Sicht auf dicke Menschen! Also genaugenommen regt mich nur Letzteres auf! Jeder Mensch soll gerne so viel er will faul auf der Couch rumgammeln und nichts tun und denken er ist hässlich – Aber bitte treibt auch doch nicht im Internet und in anderen Medien rum und behauptet, dass alle dicke Menschen so sind wie ihr!
 
Anlass, warum das jetzt wieder in meine Gedanken gekommen ist, war tatsächlich der Beitrag mit und über Nicola bei FrauTv, die unter anderem auch über Fat-Acceptance etc. auf ihrem Blog bloggt. Ich muss sagen, ich mag ihren blog, lese ihn ganz gerne mal, aber immer wieder kann man raushören, das sie eigentlich nicht zufrieden damit ist, wie sie ist. Und sich dann hinzustellen und zu sagen, dass sie „Fettaktivistin“ ist und alles toll so ist wie es ist finde ich einfach scheiße.
Wenn man nicht zufrieden ist, dann muss man was ändern (nein, nicht unbedingt abnehmen, vielleicht einfach mal am Selbstbewusstsein arbeiten)!
Jemand, der Dinge schreibt wie „ ‚Du hast so ein hübsches Gesicht‘ heißt nichts anderes als ‚Warum bist du nur so fett?‘“  und im TV verkündet: „Ich habe so hart gearbeitet, um mit diesem Körper endlich Frieden zu schließen“ kann doch nicht ernsthaft mit sich selbst zufrieden sein. Wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, dann freue ich mich doch über Komplimente! Auch ein Kompliment für mein hübsches Gesicht, Kleidungsstil etc. sagt doch nicht gleichzeitig, dass ich fett sei! (Abgesehen davon, wenn die Aussage damit verknüpft ist, eine bestimmte Handlung sei "mutig", weil man dick sei.)Diese Aussage demjenigen, der einen vielleicht einfach wirklich hübsch findet, zu unterstellen, finde ich eigentlich schon eine Frechheit.
Und wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, warum muss ich daran arbeiten, mit meinem Körper Frieden zu schließen? Wieso hat man den Körper ursprünglich als Feind betrachtet?
 
Weiterhin stellt Nicola im TV-Beitrag die Frage, wieso es überhaupt so wichtig sei, schön zu sein. Hmm, vielleicht weil es einem einfach gut tut, wenn man sich im Spiegel selbst gefällt, wenn man sich freut, wenn man sein Spiegelbild sieht?
Ich finde es hingegen überhaupt nicht wichtig, einem gesellschaftlichem Schönheitsideal von Schlankheit etc. zu entsprechen – tue ich selber ja auch nicht. Will ich auch gar nicht! Aber ich möchte mich im Spiegel mögen! Ich möchte nicht in den Spiegel gucken und denken: Ich bin zwar hässlich, aber es ist doch nicht wichtig, schön zu sein! Nein, ich möchte in den Spiegel gucken und denken, wow bin ich schön! (Klappt bei mir übrigens wunderbar ;) )
Selbstliebe ist so unglaublich wichtig! Es geht einem einfach besser, wenn man sich selbst gefällt, als wenn man „Frieden schließt mit einem Körper, den man eigentlich nicht mag“ und sich einredet, man muss ja nicht schön sein!
Und dieses nicht schön fühlen bestätigt Nicola auch gleich mit der weiteren Aussage: „Als dicker Mensch, weil man sich so blöd fühlt, stellt man sich oft nicht vor den Spiegel.“
Und warum sollte man sich als dicker Mensch bitte nicht oft vor den Spiegel stellen? Der einzige Grund ist, dass man mit sich selbst unzufrieden ist! Dann sollte man etwas an sich selbst ändern: Am besten an Selbstbewusstsein und Selbstliebe arbeiten – und falls das nicht klappt evtl. an seinem Körper!
Aber doch nicht versuchen allen anderen dicken Menschen einzureden, sie könnten sich gar nicht schön finden, sie schauen nicht gerne in den Spiegel…
 
Ich möchte mich in diesem Beitrag aber nicht nur an Nicola abarbeiten, der Beitrag war lediglich der eine einzige Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Weiterhin aufgeregt hat mich beispielsweise auch die dicke Kassiererin, die es kaum schafft, den 5k Kettlebell (ich liebe die Übungen damit!) über den Skanner zu wuchten und dann kommentiert: „Ich krieg den ja kaum hoch und kann mir gar nicht vorstellen, dass du damit trainieren willst!“ Ernsthaft?!
Was geht diese Dame mein Einkauf an? Und warum muss sie in der Öffentlichkeit selbst das Bild einer faulen, schwachen dicken Person abgeben und das gleichzeitig auf mich projizieren?! Mein gesamter Einkauf wiegt übrigens normalerweise ca. 20-30 Kilogramm, was ich verteilt auf zwei Tüten problemlos in den zweiten Stock trage (selbst ohne Kettlebell).
 
Auch erinnere ich mich noch an die erste Staffel von „Curvy Supermodel“ auf RTL2, als nach den ersten Sendungen schnell überall Artikel erschienen, in denen sich gemeinsam darüber aufgeregt wurde, dass die Jury bei einer Bewerberin bemängelt hat, sie solle Sport machen, damit es weniger schwabbelt. Dazu hatte ich damals bereits in einem Artikel geschrieben:
 
„Generell scheint es aber die Autorin sehr zu stören, dass ein Modelkörper eben nicht schwabbeln soll, sondern fest zu sein hat. Bereits in der Überschrift heißt es also „Bloß nicht schwabbeln!“ und auch im Text findet sich dann folgende Passage:
 
„Einer geschassten Kandidatin wird immerhin gesagt, sie könne nächstes Jahr wiederkommen - wenn sie abgenommen hat und nichts mehr schwabbelt.“
 
Hier gibt die Autorin die Stelle einfach komplett falsch wieder. Es ging in keinem Moment darum, dass die Frauen aufgefordert wurden abzunehmen. Sie interpretiert die Aufforderung, ein wenig Sport zu machen, damit es nicht mehr schwabbelt einfach um. Fakt ist natürlich, dass man auch in einem dicken Körper sportlich sein kann und dieser dann auch weniger schwabbelt. Wenn sich nämlich unter oberflächlichem Fett Muskeln befinden.“
Und genau das scheinen unglaublich viele Menschen nicht zu verstehen: Dick bedeutet nicht, dass es schwabbelt! Wenn es schwabbelt, dann ist jemand unsportlich, aber nicht jeder dicke Mensch ist unsportlich. Und nicht jeder unsportliche Mensch, bei dem was schwabbelt ist dick! Ich bin dick und habe auch dicke Oberarme, aber wenn ich jemandem zuwinke, dann schwabbelt da sicher nichts am Arm! Denn ich bin nicht nur dick, sondern auch fit und sportlich. (Könnte vermutlich nahezu jeden durchschnittlichen Mann im Armdrücken schlagen ;) ).
 
Aber Nein, das darf es ja auch nicht geben: Dick und sportlich ist ja wieder mal ein unlösbarer Widerspruch. Es ist gerade so unglaublich, dass jemand wie Mirna Valerio, eine dicke Frau, die gerne läuft, einfach damit sehr bekannt werden kann, dass sie täglich joggen geht. Es scheint für die gesamte Welt einfach so unfassbar zu sein, dass man auch als dicker Mensch gerne läuft! Weil dicke Menschen sind ja faul und so!
Ich laufe übrigens auch gerne, nicht täglich, sondern jeden zweiten Tag. Ziel ist es, nächstes Jahr einen Marathon zu laufen. Ich liebe laufen, es ist einfach super entspannend und man fühlt sich gut dabei! Und hey, ich bin dick und fit und sportlich (und körperlich wahrscheinlich gesünder als die meisten dünnen Menschen!)!
Aber so lange dicke, faule Menschen weiterhin verkünden: wenn jemand dick ist, dann ist es normal, dass es schwabbelt, glauben zu viele Menschen, dass man nicht fit und sportlich sein kann wenn man dick ist.
Und so lange dicke faule Menschen weiterhin erzählen, es ist nicht wichtig, dass man schön ist und man muss nur mit seinem Körper „Frieden schließen“, werden viele dicke Menschen weiterhin zu hören bekommen, dass es gar nicht sein kann, dass sie sich wohl fühlen, weil sie ja dick seien!
Verdammt noch mal! Ich fühle mich sehr wohl so wie ich bin und ihr alle, die frustriert Zuhause rumsitzt, euch nicht ins Schwimmbad traut und meint, es wäre normal sich nicht schön zu finden, weil man ja dick ist: Haltet doch einfach mal die Fresse und beschäftigt euch mit euren eigenen Komplexen!
 

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