Sonntag, 9. April 2017

Wie wichtig ist eigentlich... Sex?

Irgendwo meinte jemand, dass mir Sex ja ganz besonders wichtig sein müsste, wenn ich diesen auch in „Freundschaften“ bzw. mit mehreren Menschen auslebe.
Mich wundert diese Auffassung, da ich das genau anders interpretieren würde: Muss nicht Sex demjenigen ganz besonders wichtig sein, der Sex als so etwas Besonderes/Heiliges betrachtet, dass man es nur mit einer einzigen Person teilt. Und derjenige, der dann der Auserwählte ist, darf auch nur mit einem selber Sex haben. Das ist doch eigentlich eine eher merkwürdige Auffassung, wenn man so genau darüber nachdenkt…
Eigentlich ist aber doch demjenigen etwas viel wert, der es nicht teilen und stattdessen beschränken will.
Für mich ist Sex mit vielen interessanten Spielarten, tollen Menschen einfach schön. Entspannend, erregend, macht Spaß, ist aber nicht heilig. Warum auch.

Für viele Menschen scheint Sex entweder heilig oder versaut zu sein:

-          Es ist so etwas Wichtiges und Besonderes, dass man es ja nicht mit zu vielen Menschen macht.  Erst recht nicht, wenn man eine Beziehung hat.

-          Ein Tabu, über das man natürlich nicht spricht.

-          Wer viel oder wahlweise auch ungewöhnlichen Sex hat, ist wohl (warum auch immer) moralisch irgendwie fragwürdig (wobei ich da auch Neid für möglichen Ursprung halte)

Bei vielen Streitereien in Beziehungen (Menschen, die sich angeblich lieben!) geht es um Sex bzw. um kein Sex, zu wenig Sex, schlechter Sex… scheint wohl doch enorm wichtig zu sein.
Sex ist für mich kein Grund zu streiten: Wenn er gut, erregend, aufregend ist, dann habe ich gerne auch mal Wiederholungsbedarf. Wenn er langweilig, schlecht ist, dann gibt’s keine Wiederholung. Was ist daran jetzt so schwierig?
Und wenn man das zweite innerhalb einer Beziehung hat, sollte man lieber miteinander reden statt sich gegenseitig zu verarschen und betrügen. Viele Menschen scheinen aber wohl einfach folgendes zu denken:

„Der Sex in der Beziehung ist schlecht, also suche ich mir doch eine andere Möglichkeit für guten Sex. Der eigentliche Partner darf davon aber nichts erfahren, das würde ihn ja verletzen. Aber mit meinem Partner darüber zu reden, das mache ich dann auch nicht, das könnte ja kompliziert sein und vielleicht stellt sich ja raus, dass es unter anderem auch an mir liegt. Dem gehe ich lieber aus dem Weg.“

Scheint für die meisten wohl doch irgendwie verdammt wichtig zu sein, wenn man für guten Sex seinen Partner belügt und betrügt….

Kommentare:

  1. "Irgendwo meinte jemand, dass mir Sex ja ganz besonders wichtig sein müsste, wenn ich diesen auch in „Freundschaften“ bzw. mit mehreren Menschen auslebe."

    Sag doch ruhig, dass ich das war. Und: ist das denn etwas Schlechtes, wenn einem Sex wichtig ist?

    "Muss nicht Sex demjenigen ganz besonders wichtig sein, der Sex als so etwas Besonderes/Heiliges betrachtet, dass man es nur mit einer einzigen Person teilt."

    Kann so sein, muss es aber nicht. Vielleicht hat man ja auch nur das Bedürfnis, den Sex nur mit dieser Person zu teilen, weil man für andere Menschen keine sexuelle Anziehung verspürt. Stell dir das mal vor!

    "Und derjenige, der dann der Auserwählte ist, darf auch nur mit einem selber Sex haben."

    Genau. Wenn man sich das so ausmacht, dann sollte man das auch so ausüben. Wenn nicht, dann passen die Partner eben nicht zusammen. Ist auch kein Drama.

    "Das ist doch eigentlich eine eher merkwürdige Auffassung, wenn man so genau darüber nachdenkt…"

    Ich finde eher deine merkwürdig, wenn ich darüber nachdenke. Vor allem deine Besessenheit von dem Wörtchen "Beschränken" (siehe unten).

    "Eigentlich ist aber doch demjenigen etwas viel wert, der es nicht teilen und stattdessen beschränken will."

    Würdest du BITTE mal mit deinem "Beschränken" aufhören? "Beschränken" bedeutet, dass man sich einschränkt. Noch mal: wenn nach etwas keinen Bedarf hat, wieso schränkt man sich dann ein? Jemand, dem nach Monogamie ist, schränkt sich nicht ein. Ihm ist nur danach, monogam zu leben. Und er wird mit einem Partner, der ebenfalls monogam ist, glücklicher, als mit jemandem, der polyamor ist. Ist das so schwer zu verstehen?
    Wenn du keinen Bock auf Broccoli hast, schränkst du dich dann auch ein, wenn du kein Gericht damit isst? Vermutlich sagst du jetzt "ja", schlicht um recht zu haben.

    "Für mich ist Sex mit vielen interessanten Spielarten, tollen Menschen einfach schön. Entspannend, erregend, macht Spaß, ist aber nicht heilig. Warum auch."

    Ist doch völlig in Ordnung! Niemand nimmt dir das. Wenn du es mit Partnern ausübst, die dieselbe Einstellung haben, ist es doch völlig ok. Nur, wie gesagt, man sollte da zusammenpassen.

    "Für viele Menschen scheint Sex entweder heilig oder versaut zu sein:"

    Für mich nicht.


    "- Wer viel oder wahlweise auch ungewöhnlichen Sex hat, ist wohl (warum auch immer) moralisch irgendwie fragwürdig (wobei ich da auch Neid für möglichen Ursprung halte)"

    Nein. Und nein. Ich finde niemanden fragwürdig, der eine andere Einstellung zu Sex hat, als ich, solange er diesen nicht mit unwilligen oder unmündigen Personen ausübt. Und neidisch auf etwas, nach dem einen schlicht der Sinn nicht steht?

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    1. "Ich finde niemanden fragwürdig, der eine andere Einstellung zu Sex hat, als ich (...)."
      Du findest Miria oft fragwürdig. Sex müsste sehr besonders sein, wenn du da eine Ausnahme machst.

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    2. @Shark:
      "Sag doch ruhig, dass ich das war."

      Wusste ich nicht mehr. Und auf die schnelle habe ich den Kommentar nicht gefunden.

      "Und: ist das denn etwas Schlechtes, wenn einem Sex wichtig ist?"

      Nein, wie kommst du darauf. Ich finde es übrigens auch sehr interessant, dass du oft wertest (und sogar davon ausgehst, dass alle Menschen das machen). Dazu kommt Ende der Woche ein Artikel (und dann mit zitierten Kommentaren ;) )

      "Würdest du BITTE mal mit deinem "Beschränken" aufhören? "Beschränken" bedeutet, dass man sich einschränkt. Noch mal: wenn nach etwas keinen Bedarf hat, wieso schränkt man sich dann ein? Jemand, dem nach Monogamie ist, schränkt sich nicht ein. Ihm ist nur danach, monogam zu leben."

      Ich finde das Wort "Beschränken" oder auch "Einschränken" hier sehr passend.
      Ich glaube dir, dass es für dich persönlich keine Einschränkung bedeutet. Aber für einen großen Teil der "monogam" lebenden Personen eben schon. Denn sonst würde so etwas wie fremdgehen ja nicht so häufig vorkommen... (siehe dazu auch: http://www.glamour.de/liebe/beziehung/fremdgehen-der-seitensprungreport)

      Die Realität zeigt tatsächlich eher, dass den wenigsten Menschen tatsächlich nach Monogamie ist, obwohl es die meisten vorgeben ;)
      Ich glaube übrigens auch, dass man - sollte man den perfekten Partner gefunden haben - nicht zwangsläufig das Bedürfnis nach anderen hat. Aber diesen für einen perfekten Partner (sexuell, intellektuell und gleichzeitig bester Freund) finden die wenigsten. In der Hinsicht sind nur viele Menschen eben nicht ehrlich zu sich und ihrem Partner...
      In meiner monogamen Beziehung hatte ich auch wenig Bedürfnis nach anderen und mein Partner ebenso. Ich habe ihn einmal betrogen, er mich nie.
      Seine neue hat er bereits zig mal betrogen, einfach weil die zwei sexuell nicht zueinander passen. Dennoch macht er ihr und sich was vor, dass es eine glückliche monogame Beziehung sei...
      Sowas ist in dem Fall natürlich eine Beschränkung für denjenigen, der sexuell nicht zufrieden ist.

      "Wenn du keinen Bock auf Broccoli hast, schränkst du dich dann auch ein, wenn du kein Gericht damit isst?"

      Der Vergleich wäre eher, ich habe Lust auf Broccoli, aber der Großteil meiner Freunde nicht und deshalb verzichte ich auch auf Broccoli, weil sich das ja so gehört ;)
      Nochmal: Es geht nicht nur um dich als Person!

      "Und neidisch auf etwas, nach dem einen schlicht der Sinn nicht steht?"

      Wie gesagt, ich denke da nicht an dich. Aber denk mal allgemein über das von mir umformulierte Broccoli Beispiel nach ;)


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    3. "Die Realität zeigt tatsächlich eher, dass den wenigsten Menschen tatsächlich nach Monogamie ist, obwohl es die meisten vorgeben ;) "

      Wrong. They just want to have their strawberry cake and eat it too. Ambivalenz bedeutet nicht, dass die widerstreitenden Interessen/Präferenzen nicht echt sind. Und selbst wenn eines stabil überwiegt, bedeutet das nicht das Fehlen eines entgegengesetzten.

      (Am Rande bemerkt, Rosenkohl bewegt sich in einer ganz andere Sphäre des Schreckens. Broccoli ist dagegen belächelnswert. Oh, mögen sich du und Sharka eigentlich?)

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    4. "Nein, wie kommst du darauf. Ich finde es übrigens auch sehr interessant, dass du oft wertest (und sogar davon ausgehst, dass alle Menschen das machen). Dazu kommt Ende der Woche ein Artikel (und dann mit zitierten Kommentaren ;) )"

      Ich werte nicht öfter als du. Du leugnest es nur, im Gegensatz zu mir.

      "Ich finde das Wort "Beschränken" oder auch "Einschränken" hier sehr passend.
      [...]"

      Diejenigen, die fremd gehen, beschränken sich nicht. Im Gegenteil. Sie sind Arschlöcher, die einerseits vom Partner verlangen, treu zu sein, andererseits aber dieselben Ansprüche nicht an sich selbst stellen, und gleichzeitig natürlich auch noch lügen. Monogame Leute sind monogam.

      "Die Realität zeigt tatsächlich eher, dass den wenigsten Menschen tatsächlich nach Monogamie ist, obwohl es die meisten vorgeben ;)"

      Ich weiß nicht, ob die Zahlen wirklich akkurat sind. Ich habe mal was von 50/50 gehört (man hört immer und überall anderes, in diesem Bezug). Und man muss bedenken, dass manche bei einem Partner untreu sind, und beim nächsten wiederum nicht. Und man muss auch die Gründe beleuchten, die zu Untreue führen. Ich denke nicht, dass "den meisten Leuten (die vorgeben, monogam zu sein) nicht nach Monogamie ist (ich habe keine Ahnung, wie die Verteilung tatsächlich ist, und es ist mir auch egal)". Ihnen ist schon nach Monogamie, aber der Partner, den sie haben, ist für sie ungeeignet, und sie haben nicht die Eier, sich das einzugestehen. Oder sie sind unsicher und brauchen mehr Bestätigung. Oder sie fühlen sich einsam, et cetera. Das bedeutet nicht, dass sich alle Leute, die vorgeben, monogam zu sein, und ihre Partner betrügen, insgeheim nach Polyamorie sehnen. Siehe unten.

      "Ich glaube übrigens auch, dass man - sollte man den perfekten Partner gefunden haben - nicht zwangsläufig das Bedürfnis nach anderen hat."

      Ja.

      "Aber diesen für einen perfekten Partner (sexuell, intellektuell und gleichzeitig bester Freund) finden die wenigsten."

      Stimmt wahrscheinlich.

      "In der Hinsicht sind nur viele Menschen eben nicht ehrlich zu sich und ihrem Partner..."

      Ja. Siehe oben, ich stimme zu.

      "Der Vergleich wäre eher, ich habe Lust auf Broccoli, aber der Großteil meiner Freunde nicht und deshalb verzichte ich auch auf Broccoli, weil sich das ja so gehört ;)
      Nochmal: Es geht nicht nur um dich als Person!"

      Das habe ich schon mitgekriegt. Darum habe ich das Meiste in meinem Beitrag auch relativ allgemein gehalten.

      "Wie gesagt, ich denke da nicht an dich. Aber denk mal allgemein über das von mir umformulierte Broccoli Beispiel nach ;)"

      Siehe oben.
      Und du brauchst das Beispiel nicht umzuformulieren. Es funktioniert für beide "Seiten".

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    5. @Stephan:
      "Wrong. They just want to have their strawberry cake and eat it too. Ambivalenz bedeutet nicht, dass die widerstreitenden Interessen/Präferenzen nicht echt sind. Und selbst wenn eines stabil überwiegt, bedeutet das nicht das Fehlen eines entgegengesetzten."

      Das empfinde ich tatsächlich als nicht nachvollziehbar... Entweder ich will, dass es kalt ist oder warm, aber doch nicht beides zur gleichen Zeit.

      "Oh, mögen sich du und Sharka eigentlich?"

      Ich stehe ihr neutral gegenüber, wie das umgekehrt aussieht, kann ich nicht beurteilen.

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    6. @Shark:

      "Ich werte nicht öfter als du. Du leugnest es nur, im Gegensatz zu mir."

      Ich verstehe nicht, wieso du hier nicht einfach mal akzeptieren kannst, wie ich manche Dinge sehe/verstehe?!
      Was soll deine Vehemenz, mir das zu unterstellen?

      "Diejenigen, die fremd gehen, beschränken sich nicht. Im Gegenteil. Sie sind Arschlöcher, die einerseits vom Partner verlangen, treu zu sein, andererseits aber dieselben Ansprüche nicht an sich selbst stellen, und gleichzeitig natürlich auch noch lügen. Monogame Leute sind monogam."

      Jain. Natürlich versuchen diejenigen, die fremdgehen, sich entsprechend zu beschränken (meist wohl für den Partner). Dass es Arschlöcher sind, in dem Punkt bin ich ganz bei dir.
      Jemand, der Monogamie vorgibt und dann fremdgeht, versucht sich zu beschränken, klappt aber wohl nicht immer. Aber vermutlich hat derjenige nicht so häufig Sex mit anderen Partnern wie wenn er sich diese Beschränkungen gar nicht auferlegen würde.

      "Ich weiß nicht, ob die Zahlen wirklich akkurat sind. Ich habe mal was von 50/50 gehört (man hört immer und überall anderes, in diesem Bezug)."

      Weiß ich natürlich auch nicht 100%, aber selbst bei 50/50, wären das wohl noch ganz viele Menschen, die sich selbst aufgrund einer gesellschaftlichen Erwartung einschränken bzw. das versuchen.

      "Und man muss bedenken, dass manche bei einem Partner untreu sind, und beim nächsten wiederum nicht. Und man muss auch die Gründe beleuchten, die zu Untreue führen. Ich denke nicht, dass "den meisten Leuten (die vorgeben, monogam zu sein) nicht nach Monogamie ist (ich habe keine Ahnung, wie die Verteilung tatsächlich ist, und es ist mir auch egal)". Ihnen ist schon nach Monogamie, aber der Partner, den sie haben, ist für sie ungeeignet, und sie haben nicht die Eier, sich das einzugestehen."

      Stimmt, habe ja auch das Beispiel mit meinem Exfreund genannt, wo genau das der Fall war/ist.
      Ich frage mich dann nur immer, warum diese Menschen miteinander Beziehungen führen...

      "Das bedeutet nicht, dass sich alle Leute, die vorgeben, monogam zu sein, und ihre Partner betrügen, insgeheim nach Polyamorie sehnen."

      Wer seinen Partner betrügt, lebt nicht monogam q.e.d. (ganz unabhängig von den Beweggründen)



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    7. "Ich verstehe nicht, wieso du hier nicht einfach mal akzeptieren kannst, wie ich manche Dinge sehe/verstehe?!
      Was soll deine Vehemenz, mir das zu unterstellen?"

      Ähm, hallo, Spiegel? Du tust doch genau dasselbe, mit derselben Vehemenz, und wirfst es dann aber mir vor. Du sagst, ich werte, und ich soll das schlucken (aus dem bloßen Grund, dass du das so empfindest), gestehst mir aber nicht dasselbe zu. Was soll das?

      "Jain. Natürlich versuchen diejenigen, die fremdgehen, sich entsprechend zu beschränken (meist wohl für den Partner). Dass es Arschlöcher sind, in dem Punkt bin ich ganz bei dir.
      Jemand, der Monogamie vorgibt und dann fremdgeht, versucht sich zu beschränken, klappt aber wohl nicht immer. Aber vermutlich hat derjenige nicht so häufig Sex mit anderen Partnern wie wenn er sich diese Beschränkungen gar nicht auferlegen würde."

      Was heißt, es klappt nicht? Du tust so, als wäre Fremdgehen keine bewusste Entscheidung. Man muss nicht jedem Instinkt nachgeben, überhaupt wenn man nicht bereit ist, dasselbe beim Partner zu akzeptieren. Demzufolge versuchen Fremdgeher nicht mal, sich zu beschränken. Niemand hält einen davon ab, eine polygame oder polyamore Beziehung zu führen, oder treu zu bleiben. Niemand außer dem eigenen Schweinehund.

      "Weiß ich natürlich auch nicht 100%, aber selbst bei 50/50, wären das wohl noch ganz viele Menschen, die sich selbst aufgrund einer gesellschaftlichen Erwartung einschränken bzw. das versuchen."

      Nicht aufgrund einer "gesellschaftlichen Erwartung". Aufgrund des Wunsches.

      "Ich frage mich dann nur immer, warum diese Menschen miteinander Beziehungen führen..."

      Weil sie sich keine Fehler eingestehen wollen, weil sie sich nicht eingestehen wollen, Jahre verschwendet zu haben, weil sie meinen, es kommt nichts Besseres nach ...

      "Wer seinen Partner betrügt, lebt nicht monogam q.e.d. (ganz unabhängig von den Beweggründen)"

      Nein. Aber polyamor zu leben, bedeutet, das auch dem anderen zuzugestehen. Sonst ist man bloß ein selbstsüchtiger, eifersüchtiger Pascha (m/f) in einem Harem, in dem eben die Partner nichts voneinander wissen. Mit Polyamorie hat das wenig zu tun.

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    8. Miria: "Das empfinde ich tatsächlich als nicht nachvollziehbar... Entweder ich will, dass es kalt ist oder warm, aber doch nicht beides zur gleichen Zeit."

      Du kannst an Erdbeerkuchen den Geschmack wollen, die Kalorien aber nicht wollen. Zugleich. Wie immer die Entscheidung dann ausgeht, du stehst in innerem Konflikt. Das entspricht auch Zeitpräferenzen (jetzt konsumieren, oder investieren und später mehr konsumieren). Daraus erklärt sich auch, dass jemand in einem "Moment der Schwäche" fremdgeht, und ihm trotzdem viel an der Beziehung liegt. Die Konstellation war schlicht ungünstig; in den meisten anderen gibt er der Beziehung mehr Wert. Man kann auch von verschiedenen Inkarnationen der (selben?) Person sprechen. (Intertemporal disunity. Das - die Behauptung - begründet auch Zwangsmaßnahmen des Staates; etwa Paternalismus in Sachen Rente und Krankenversicherung. Du kannst es dir als Umverteilung zwischen der gegenwärtigen und der künftigen Inkarnation der selben Person denken.)

      Nebenbei, welche Hierarchie stellst du zwischen mehreren Partnern her? Falls es dir wichtig ist, einen sicheren Platz und gewisse extern vorgegebene Regeln zu haben, wessen Mannes Regeln sind ranghöher?

      "Nein. Aber polyamor zu leben, bedeutet, das auch dem anderen zuzugestehen. Sonst ist man bloß ein selbstsüchtiger, eifersüchtiger Pascha (m/f) in einem Harem, in dem eben die Partner nichts voneinander wissen. Mit Polyamorie hat das wenig zu tun."

      Warum sollte es nicht einem der beiden erlaubt sein "fremdzugehen", dem anderen aber nicht? Soll alles andere was sie einbringen das Selbe sein (Schönheit, Humor, Geld, Kunstverstand, Wissen, etc.), sich unmittelbar spiegeln?

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    9. P.S.: "Nicht aufgrund einer "gesellschaftlichen Erwartung". Aufgrund des Wunsches."

      Ich teile Sharkas Auffassung da weitgehend. Nach welchem Prinzip bestimmst du, ob eine Entscheidung auf "gesellschaftlichen Erwartungen", oder auf unmittelbar Interessen beruht, als einem "Beziehungsvertrag"?

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    10. @Shark:
      "Du tust doch genau dasselbe, mit derselben Vehemenz, und wirfst es dann aber mir vor. Du sagst, ich werte, und ich soll das schlucken (aus dem bloßen Grund, dass du das so empfindest), gestehst mir aber nicht dasselbe zu. Was soll das?"

      Wenn du meinst... Du warst diejenige, die selbst sagte, dass jeder Mensch irgendwie wertet - nicht ich. Bei einer solchen Aussage gehe ich natürlich davon aus, dass du dich dabei selbst jetzt nicht ausschließt. ;)

      "Was heißt, es klappt nicht? Du tust so, als wäre Fremdgehen keine bewusste Entscheidung. Man muss nicht jedem Instinkt nachgeben, überhaupt wenn man nicht bereit ist, dasselbe beim Partner zu akzeptieren."

      Bei mir war es keine bewusste Entscheidung: Ich war betrunken und geil - mein Partner nicht verfügbar. In dem Moment habe ich gar nicht darüber nachgedacht, dass und ob ich unsere Beziehung damit gefährde.
      Ich vermute, dass es einigen anderen ähnlich geht.

      "Demzufolge versuchen Fremdgeher nicht mal, sich zu beschränken. Niemand hält einen davon ab, eine polygame oder polyamore Beziehung zu führen, oder treu zu bleiben. Niemand außer dem eigenen Schweinehund."

      Doch. der Partner, den man meint zu lieben. Der evtl. selbst einen großen Wert auf Monogamie und Treue legt.

      "Nicht aufgrund einer "gesellschaftlichen Erwartung". Aufgrund des Wunsches."

      Wessen Wunsches. Denkst du tatsächlich, dass der Wunsch der Fremdgeher eigentlich Treue (nicht nur beim Partner, sondern bei sich selbst) ist? Klingt für mich nicht nachvollziehbar.
      Vielleicht am ehesten noch der Wunsch des Partners, aber ansonsten wohl eher gesellschaftliche Erwartungen.


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    11. @Stephan:
      "Nebenbei, welche Hierarchie stellst du zwischen mehreren Partnern her? Falls es dir wichtig ist, einen sicheren Platz und gewisse extern vorgegebene Regeln zu haben, wessen Mannes Regeln sind ranghöher?"

      Ich verstehe die Frage nicht.

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    12. "Bei mir war es keine bewusste Entscheidung: Ich war betrunken und geil - mein Partner nicht verfügbar. In dem Moment habe ich gar nicht darüber nachgedacht, dass und ob ich unsere Beziehung damit gefährde. (...)

      Wessen Wunsches. Denkst du tatsächlich, dass der Wunsch der Fremdgeher eigentlich Treue (nicht nur beim Partner, sondern bei sich selbst) ist? Klingt für mich nicht nachvollziehbar.
      Vielleicht am ehesten noch der Wunsch des Partners, aber ansonsten wohl eher gesellschaftliche Erwartungen."

      Du hast von Perfektion gesprochen, einem Mann der alles vereint. Warum wäre das von Bedeutung, wenn du das Selbe auch durch/von einer Mehrzahl von Männern bekommen könntest? Gibt es etwas, dass den einen Mann im Vergleich zu einer Vielzahl auszeichnet, etwas dass du von einer Vielzahl nicht bekommen könntest, und etwas das du willst?

      Kennst du ernsthaft keinen inneren Konflikt außer solchem der durch den Willen anderer entsteht?

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    13. @Stephan:
      "Du hast von Perfektion gesprochen, einem Mann der alles vereint. Warum wäre das von Bedeutung, wenn du das Selbe auch durch/von einer Mehrzahl von Männern bekommen könntest? Gibt es etwas, dass den einen Mann im Vergleich zu einer Vielzahl auszeichnet, etwas dass du von einer Vielzahl nicht bekommen könntest, und etwas das du willst?"

      Es gibt nichts, was ich als Vorteil sehe, wenn ich alles in einem Mann habe gegenüber einer Mehrzahl von Männern.
      Es kommt halt darauf an, was mir für Männer im Leben begegnen. Wenn ich zufällig dem einen begegne, der mir für mich perfekt erscheint, dann würde ich vermutlich eine monogame recht treue Beziehung führen. Wenn das nicht der Fall ist, dann nicht...

      "Kennst du ernsthaft keinen inneren Konflikt außer solchem der durch den Willen anderer entsteht?"

      Ich denke, das, was du hier meinst, kenne ich tatsächlich nicht. Bei einem ersten Zwiespalt (etwas wollen, wo man nicht beides haben kann wie Kalorien und lecker Kuchen), mache ich eine Kosten-Nutzen Rechnung und setze Prioritäten.

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    14. "Ich verstehe die Frage nicht."

      Langsamer: Wenn zwei (+X) mit dir den selben Abend alleine verbringen wollen, wie entscheidest du?

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    15. "Ich denke, das, was du hier meinst, kenne ich tatsächlich nicht. Bei einem ersten Zwiespalt (etwas wollen, wo man nicht beides haben kann wie Kalorien und lecker Kuchen), mache ich eine Kosten-Nutzen Rechnung und setze Prioritäten. "

      Die Kosten und Nutzen haben eine emotionale Dimension. Deine Gefühle gehen durch Vernunft nicht verloren. Unerfülltes Begehren bleibt. Nicht umsonst spricht man von Selbstbeherrschung, und die Existenz eines Gewissens tut ihr übriges. (Ein einfaches Beispiel ist Müdigkeit, und die Entscheidung, statt zu schlafen etwas anderes zu tun. Dadurch geht Müdigkeit nicht verloren. Vernunft kommt ihr schlicht entgegen, indem sie dich ins Bett schickt bevor Müdigkeit dich in den Schlaf reißt. Auch zuvor zerrt sie sanft, dann stärker, an dir.)

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    16. @Stephan:
      "Langsamer: Wenn zwei (+X) mit dir den selben Abend alleine verbringen wollen, wie entscheidest du?"

      Ganz spontan danach, auf wen ich in dem Moment mehr Lust habe. Würde da keiner festgelegten Hierarchie oder Regeln folgen.

      "Die Kosten und Nutzen haben eine emotionale Dimension."

      Ja natürlich: negative Gefühle sind als Kosten und positive Gefühle als Nutzen einzuordnen.

      "Unerfülltes Begehren bleibt. Nicht umsonst spricht man von Selbstbeherrschung, und die Existenz eines Gewissens tut ihr übriges."

      Interessant, dass du das ansprichst. Auch das ist etwas, was ich bei anderen Menschen nicht nachvollziehen kann. Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich, wenn ich mich entscheide, voll dahinter stehe.
      Wenn ich also das Stück Kuchen esse, weil ich sage, dass mir der leckere Geschmack von Kuchen jetzt wichtiger ist als die paar Kalorien, dann genieße ich den Kuchen und der Rest ist beiseite geschoben.
      Ich habe das bei einer Freundin mal beobachtet, dass das nicht so ist: Wir waren essen und sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil das Essen für sie außergewöhnlich teuer war. Ich hatte ihr mal gutbürgerliche Tiroler Küche zeigen wollen und sie war vom Geschmack auch begeistert. Konnte es aber trotzdem nicht genießen, wegen dem Preis. (obwohl es nach meinem Empfinden preislich eher durchschnittlich war).

      "Ein einfaches Beispiel ist Müdigkeit, und die Entscheidung, statt zu schlafen etwas anderes zu tun. Dadurch geht Müdigkeit nicht verloren."

      Richtig. Wenn ich mich aber entscheide, nicht zu schlafen, dann weiß ich, dass ich dazu problemlos in der Lage bin. Müdigkeit ist dann zwar da, spielt aber eher eine untergeordnete Rolle.

      "Vernunft kommt ihr schlicht entgegen, indem sie dich ins Bett schickt bevor Müdigkeit dich in den Schlaf reißt."

      Eben. In dem Moment ist die Entscheidung mit dem besten Kosten-Nutzen Verhältnis, schlafen zu gehen. :)

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    17. "Interessant, dass du das ansprichst. Auch das ist etwas, was ich bei anderen Menschen nicht nachvollziehen kann. Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich, wenn ich mich entscheide, voll dahinter stehe."

      Ich verstehe deinen in gewissen Extremen, und das Beispiel ist ziemlich repräsentativ. Allerdings bezweifle ich, dass deine vernünftige Entscheidung deine Gefühle komplett klärt, und dass es dann nur noch ein konfliktfreies gibt. Sicherlich gibt es einen Effekt, ein sich klarer werden, sich einiger werden. Das aber komplett aufzuheben? Seltsam. Wie bist du mit Ungeduld/Vorfreude? Beseitigt deine Vernunft das Gefühl der Ungeduld? (Wie mit Trauer?) Wie stark ist deine Vorfreude ausgeprägt, Miria?

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    18. @Stephan:
      "Allerdings bezweifle ich, dass deine vernünftige Entscheidung deine Gefühle komplett klärt, und dass es dann nur noch ein konfliktfreies gibt."

      Solange etwas nicht komplett klar ist, treffe ich keine Entscheidung bzw. sobald ich mich aufgrund einer Kosten-Nutzen Abwägung entscheide, gibt es keine Konflikte mehr.

      "Sicherlich gibt es einen Effekt, ein sich klarer werden, sich einiger werden. Das aber komplett aufzuheben? Seltsam."

      Ich kann eben genau die andere Variante nicht nachvollziehen...

      "Wie bist du mit Ungeduld/Vorfreude? Beseitigt deine Vernunft das Gefühl der Ungeduld? (Wie mit Trauer?) Wie stark ist deine Vorfreude ausgeprägt, Miria?"

      Ich bin ziemlich ungeduldig, verstehe aber nicht, wie genau Vernunft dem entgegenstehen sollte?
      Wie stark die Vorfreude ausgeprägt ist, ist abhängig davon, auf was ich mich freu und wie wahrscheinlich es ist, dass dem doch noch etwas entgegensteht.

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    19. "Solange etwas nicht komplett klar ist, treffe ich keine Entscheidung bzw. sobald ich mich aufgrund einer Kosten-Nutzen Abwägung entscheide, gibt es keine Konflikte mehr."

      Nehmen wir an du müsstest dich entscheiden entweder dein Lieblingstier zu retten oder deine Lieblingsfreundin. (Soll ich das in eine Geschichte einbetten?) Du entscheidest dich nach Abwägung für eine(s). Gibt es dann keinen Konflikt mehr, geht ein Gefühl verloren?

      "Ich bin ziemlich ungeduldig, verstehe aber nicht, wie genau Vernunft dem entgegenstehen sollte? "

      Wie vernünftig ist denn Ungeduld, bezogen auf einen Zeitlauf den du nicht ändern kannst? Sie scheint auch eine negative Emotion zu sein, vielleicht nicht als nagend zu bezeichnen (denn der Zahn der Zeit soll ja verzehren) -- aber sie beeinträchtigt die Gegenwart, stellt einen Konflikt dar (wobei ich nicht klar benenne zwischen was).

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    20. @Stephan:
      "Nehmen wir an du müsstest dich entscheiden entweder dein Lieblingstier zu retten oder deine Lieblingsfreundin. (Soll ich das in eine Geschichte einbetten?) Du entscheidest dich nach Abwägung für eine(s). Gibt es dann keinen Konflikt mehr, geht ein Gefühl verloren?"

      Komm doch nicht immer mit so unrealistischen Beispielen, die in der Realität sowieso keinen Bestand haben.
      Allerdings würde mir diese Entscheidung nicht schwer fallen: Mensch vor Tier, ganz einfach. Und nein, dann gibt's keinen Konflikt.

      "Wie vernünftig ist denn Ungeduld, bezogen auf einen Zeitlauf den du nicht ändern kannst?"

      Meist hat man ja doch gewissen Einfluss auf den Zeitlauf ;)
      Wenn nicht, so würde ich Ungeduld weder als vernünftig noch als unvernünftig eingruppieren. Wieso meinst du, dass Ungeduld pauschal unvernünftig bzw. negativ ist?
      Ungeduld kann dazu führen, etwas schneller zu erledigen/erreichen - insofern doch eher eine antreibende statt nagende, negative Emotion.

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    21. "Komm doch nicht immer mit so unrealistischen Beispielen, die in der Realität sowieso keinen Bestand haben."

      Beschwerst du dich jetzt schon über beschränkende Beispiele, Miria? (Es geht um Klarheit. Solche Beispiele sind als erster Schritt vorteilhaft. Vor allem wenn du merkwürdig wirkst.)

      Mir geht es nicht um die Regel. Ich würde auch eine Wahl treffen, allerdings dabei bedauern, dass ich nicht beide retten kann, und wünschen - wollen-, dass ich es könnte. Der Konflikt hätte also Bestand.

      "Wenn nicht, so würde ich Ungeduld weder als vernünftig noch als unvernünftig eingruppieren. Wieso meinst du, dass Ungeduld pauschal unvernünftig bzw. negativ ist?
      Ungeduld kann dazu führen, etwas schneller zu erledigen/erreichen - insofern doch eher eine antreibende statt nagende, negative Emotion."

      Hey, ich habe das begrenzt ("bezogen" und "kannst nicht ändern"). Hätte ich Weihnachten als Beispiel genommen hättest du wieder mit "gibt es nicht" angefangen. -- Hm. Nimm einen Orgasmus, und Hinauszögern. Den willst du irgendwie jetzt haben, irgendwie aber auch nicht. Gerade dieses Verwehren (ein Konflikt, ein Aspekt der Ungeduld) ist sexy. Selbst wenn du sagst du entscheidest dich für den Konflikt, es ist ein Konflikt. Wenn jemand anderes die Kontrolle hat mitunter sogar noch mehr.

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    22. @Stephan:
      "Vor allem wenn du merkwürdig wirkst."

      Ich wirke merkwürdig?

      "Ich würde auch eine Wahl treffen, allerdings dabei bedauern, dass ich nicht beide retten kann, und wünschen - wollen-, dass ich es könnte. Der Konflikt hätte also Bestand."

      Naja, wenn es tatsächlich unmöglich ist, dass man nicht beide retten kann, dann kann man das natürlich kurz bedauern und dann ist gut - hilft ja sonst nichts.

      "Hm. Nimm einen Orgasmus, und Hinauszögern. Den willst du irgendwie jetzt haben, irgendwie aber auch nicht."

      Beim Orgasmushinauszögern geht es darum, dass der später umso besser ist, also ist das doch gut - ohne Ungeduld.
      Ein Beispiel, was ich auch mal in einer Fernsehshow gesehen habe, wo ich auch die Entscheidung der meisten Menschen nicht verstanden habe: den Personen wurde angeboten, sie erhalten sofort 50 Euro oder in einem Monat 70 Euro, die meisten wählten sofort Geld - für mich völlig unlogisch und unverständlich.
      Da wäre ich auch nicht ungeduldig.
      Wenn ich so richtig überlege, bin ich vermutlich meist dann ungeduldig, wenn ich tatsächlich die Möglichkeit einer Beeinflussung des Zeitlaufs für gegeben halte.



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    23. "Bei mir war es keine bewusste Entscheidung: Ich war betrunken und geil - mein Partner nicht verfügbar. In dem Moment habe ich gar nicht darüber nachgedacht, dass und ob ich unsere Beziehung damit gefährde.
      Ich vermute, dass es einigen anderen ähnlich geht."

      Ich bitte dich. Keine bewusste Entscheidung. Wenn du nicht bewusstlos warst, war es eine bewusste Entscheidung. Alkohol ist keine Entschuldigung, Geilheit ebenso wenig. Ja, du hast nicht darüber nachgedacht. Das macht die Entscheidung nicht unbewusster.

      "Doch. der Partner, den man meint zu lieben. Der evtl. selbst einen großen Wert auf Monogamie und Treue legt."

      Der hält einen auch nicht ab. Siehst du ja bei dir selbst.

      "Wessen Wunsches. Denkst du tatsächlich, dass der Wunsch der Fremdgeher eigentlich Treue (nicht nur beim Partner, sondern bei sich selbst) ist? Klingt für mich nicht nachvollziehbar.
      Vielleicht am ehesten noch der Wunsch des Partners, aber ansonsten wohl eher gesellschaftliche Erwartungen."

      Der Wunsch des Partners. Vielleicht sogar der eigene. Dem man sich aber nicht unterwerfen muss. Wenn man es tut, ist man selbst schuld, nicht die "Gesellschaft".

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    24. https://en.wikipedia.org/wiki/Hyperbolic_discounting

      "Beim Orgasmushinauszögern geht es darum, dass der später umso besser ist, also ist das doch gut - ohne Ungeduld."

      Mir scheint wir stoßen allmählich an die Grenze bloßer Beschreibung. Was immer du da erzählst, Miria (schon mal mit Miriam [Robin Hood] verglichen worden?), bedürfte* einer tatsächlichen Testreihe.

      Oh, ein Ansatz noch: gemeinhin wird behauptet, dass je größer der Hunger desto besser etwas schmeckt. Hunger ist wesentlich dass aktuelle körperliche Bedürfnis etwas zu essen. Willst du mir erzählen, dass du, wenn du hungrig bist, tatsächlich keinen inneren Konflikt verspürst zwischen jetzt etwas essen und später etwas essen das noch besser schmeckt, mithin dass du eigentlich gar nicht hungrig bist?

      *Wird als falsch markiert.

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    25. @Shark:
      "Ich bitte dich. Keine bewusste Entscheidung. Wenn du nicht bewusstlos warst, war es eine bewusste Entscheidung."

      Hier bin ich mir sicher, dass wir eine unterschiedliche Definition von "bewusster Entscheidung" haben. Eine bewusste Entscheidung bedeutet für mich, dass man sich überlegt, wie man sich entscheidet und evtl. Vor- und Nachteile abwiegt. Eben nicht eine Dummheit, die man volltrunken macht.
      Wenn du jede Entscheidung, die nicht unter Bewusstlosigkeit getroffen wurde als bewusste Entscheidung definierst, kann es für dich ja gar keine unbewussten Entscheidungen geben? So wäre diese Bezeichnung in deiner Einteilung völlig irrelevant?

      "Der hält einen auch nicht ab. Siehst du ja bei dir selbst."

      Doch natürlich. Es ist schon ein Unterschied, ob man häufig mal einen ONS hat oder feste Affären oder ob man innerhalb von einer fast vierjährigen Beziehung unter Alkohol einen Ausrutscher hat...


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    26. Entscheidung bei Bewusstsein - bewusste Entscheidung - bedachte Entscheidung.

      Miria: "Doch natürlich. Es ist schon ein Unterschied, ob man häufig mal einen ONS hat oder feste Affären oder ob man innerhalb von einer fast vierjährigen Beziehung unter Alkohol einen Ausrutscher hat..."

      Slippery when wet.

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    27. @Stephan:

      "Slippery when wet."

      Was willst damit sagen?

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    28. *"Slippery when wet."

      Was willst damit sagen?*

      Rutschig wenn feucht. Ausrutschgefahr wenn geil. (Können wir das ausnahmsweise unter "inneren Konflikt" fassen, Miria?)

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  2. "Scheint für die meisten wohl doch irgendwie verdammt wichtig zu sein, wenn man für guten Sex seinen Partner belügt und betrügt…. "

    Für mich offenbar sich anhand eines klassischen Beispiels eine gewisse Unlogik.

    Jemand betrügt seinen Partner und versucht sich zu erklären. "Es war doch nur Sex. Hat mit uns nix zu tun."

    Was implizieren soll, dass der Partner dem Sex keine so große Bedeutung geben dass man dafür eine Partnerschaft beendet. Allerdings scheint dem Betrügenden der Sex doch so wichtig zu sein, dass er ihn sich woanders holt und dafür sogar seine Partnerschaft aufs Spiel setzt.

    Man müßte sich schon mal entscheiden, WIE wichtig Sex denn nun wirklich für einen ist. Und vor allem, dass man an sich die gleichen Maßstäbe ansetzt, die man von anderen erwartet.

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    1. @Onyx:
      "Für mich offenbar sich anhand eines klassischen Beispiels eine gewisse Unlogik."

      Volle Zustimmung hier.

      "Und vor allem, dass man an sich die gleichen Maßstäbe ansetzt, die man von anderen erwartet."

      Das tun leider die wenigsten...

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    2. "Gleichheit" schon wieder.

      ""Und vor allem, dass man an sich die gleichen Maßstäbe ansetzt, die man von anderen erwartet."

      Das tun leider die wenigsten..."

      Ist es zulässig, dass einer monogam ist, der andere es nicht ist, müssen beide also dieselben Werte und (hi, Miria) Beschränkungen haben?


      Zu der "nur Sex" Sache, ich entsinne mich dunkel, dass das tatsächlich einen Unterschied ausmacht. Ich glaube, es baut darauf auf, dass Frauen dazu neigen Sex und Romantik (dauerhafte Beziehung, Investition) zu verbinden, dem bei Männern nicht so ist. Die Implikationen sind nicht vollkommen klar.

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    3. @Stephan:
      "Ist es zulässig, dass einer monogam ist, der andere es nicht ist, müssen beide also dieselben Werte und (hi, Miria) Beschränkungen haben?"

      Wie schon beim letzten Mal als du diese Frage gestellt hast: Wenn es abgesprochen ist und beide damit einverstanden sind, warum nicht.
      Der Betrug ist das Schlimme, nichts anderes.

      "Zu der "nur Sex" Sache, ich entsinne mich dunkel, dass das tatsächlich einen Unterschied ausmacht. Ich glaube, es baut darauf auf, dass Frauen dazu neigen Sex und Romantik (dauerhafte Beziehung, Investition) zu verbinden, dem bei Männern nicht so ist."

      Ich glaube nicht, dass sich das klar zwischen Mann und Frau unterscheidet, sondern eher individuell unterschiedlich ist.
      Meine Erfahrung ist, dass Männer sehr gerne Sex und Romantik verbinden bzw. sich durch Sex schnell verlieben...

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    4. "Meine Erfahrung ist, dass Männer sehr gerne Sex und Romantik verbinden bzw. sich durch Sex schnell verlieben..."

      Das deckt sich mit meiner.

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    5. Sharka: *"Meine Erfahrung ist, dass Männer sehr gerne Sex und Romantik verbinden bzw. sich durch Sex schnell verlieben..."

      Das deckt sich mit meiner.*

      Ich denke nicht, dass Männer gänzlich anderen Gesetzen unterworfen sind als Frauen. Sex und Romantik sind auch für Männer nicht ganz unabhängig. (Das gilt ausdrücklich für mich.) Allerdings sind sie oft schon verliebt, wenn eine Frau mit ihnen Sex hat; andernfalls hätten die Männer eher nicht so lange gewartet. Durch casual sex in Liebe fallen [mir sagt die Übersetzung zu] ordne ich eher Frauen zu. (Den weiblichen Wesenszug finde ich unter Umständen durchaus attraktiv.)

      Die Sache ist komplex, und ich finde eure Einschätzung interessant, ebenso wie die beiden Studien (die nur ein unvollständiges Bild zeichnen): http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00224499.2016.1255874?journalCode=hjsr20 ; http://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1474704916682903

      (Darüberhinaus ziehe ich auch einen Zusammenhang zu "tend and befriend". Das ist auch ein Erklärungsansatz dafür, warum manche Frauen Angst oder fremde Dominanz anmachen, gar Nähe schaffen, in gewissem Gegensatz zu Männern.)

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    6. @Stephan:

      "Allerdings sind sie oft schon verliebt, wenn eine Frau mit ihnen Sex hat; andernfalls hätten die Männer eher nicht so lange gewartet. Durch casual sex in Liebe fallen [mir sagt die Übersetzung zu] ordne ich eher Frauen zu. (Den weiblichen Wesenszug finde ich unter Umständen durchaus attraktiv.)"

      Und genau hier, in diesem Punkt unterscheiden sich unsere Wahrnehmungen/Erfahrungen. Das durch casual sex in Liebe fallen habe ich bisher immer nur von Männern erlebt.
      Den Punkt mit so lange gewartet verstehe ich allerdings nicht... Klingt eher unlogisch in dem Zusammenhang, weil es ja gerade nicht darum ging, mit einer lang ersehnten großen Liebe Sex zu haben, sondern sich durch Sex zu verlieben.

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    7. Und genau hier, in diesem Punkt unterscheiden sich unsere Wahrnehmungen/Erfahrungen. Das durch casual sex in Liebe fallen habe ich bisher immer nur von Männern erlebt.
      Von wem hast du es den erleben können? Warst du die einzige weibliche Figur?


      "Den Punkt mit so lange gewartet verstehe ich allerdings nicht... Klingt eher unlogisch in dem Zusammenhang, weil es ja gerade nicht darum ging, mit einer lang ersehnten großen Liebe Sex zu haben, sondern sich durch Sex zu verlieben."
      Unlogisch? Es geht nicht um ein zweckgelenktes Unterfangen sich zu verlieben. Das "Warte-Szenario" ist eine Vergleichskonstellation. Um den Effekt von Sex auf Romantik zu verstehen hat es kaum Nutzen, auf eine Konstellation zu blicken, in der bereits Romantik gegeben ist, wie das Warte-Szenario. Daher sollte man vorrangig casual sex untersuchen.

      Das hier ist in dem Zusammenhang ein weiteres Element: https://www.researchgate.net/publication/278968755_Consensual_Victim-Perpetrator_Intercourse_after_Nonconsensual_Sex_The_Impact_of_Prior_Relationship - Die These wird nämlich bestärkt, wenn selbst nicht-konsensualer Sex einen "Beziehungseffekt" hat. (Wiederum, komplex, mit mehreren Variablen.)

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    8. @Stephan:
      "Von wem hast du es den erleben können? Warst du die einzige weibliche Figur?"

      Nicht zwangsläufig. Aber eine Frau, mit der ich geschlafen habe, hat sich noch nie in mich verliebt nach ein paar mal Sex.

      Außerdem spricht man natürlich auch mit Freunden über das Thema, wodurch man abgesehen von seinen eigenen Erfahrungen auch solche der Freunde mitbekommt.

      "Unlogisch? Es geht nicht um ein zweckgelenktes Unterfangen sich zu verlieben. Das "Warte-Szenario" ist eine Vergleichskonstellation."

      Ich habe es nicht als Vergleichskonstellation, sondern als dazugehörig interpretiert, daher die Aussage unlogisch. Als Vergleich: alles klar.
      Ich dachte eben, es ging generell bereits um casual Sex ;)

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    9. "Nicht zwangsläufig. Aber eine Frau, mit der ich geschlafen habe, hat sich noch nie in mich verliebt nach ein paar mal Sex."

      Ich ordne entsprechend meiner eigenen Hypothese - "Weltverständnis" wäre grandioser - die ich auch durch Literatur ("Geschichten") und Studien begünstigt sehe. Das soll ein gewisses Selbstbewusstsein, auch eigener Eingenommenheit ausdrücken, zudem Respekt vor und Interesse an deinen Erfahrungen -- deinem Weltverständnis.

      Wenn ich annehme, dass die Frauen mit denen du Sex hattest sich deiner stärkeren romantischen Hingezogenheit zu Männer bewusst waren, dann wären ihre Entscheidungen und Erwartungen von vornherein auf Sex ausgerichtet, begrenzter. (Umso mehr, dir gegleicht haben.)

      Zudem sieht es so aus, als würde deine Trennung von Sex und (exlusiver/monogamer) Romantik die Gefühlsebene von Männern hervorheben. Du bist darin Teil eines Kontrasts, wo sonst die stärkeren Gefühle von Frauen die von Männern weniger sichtbar machen.

      Du bist nicht nur als Frau etwas ungewöhnlich; dass könnte sich auf die Wahl deiner Freunde erstrecken. (Nichtsdestoweniger habe ich den Eindruck gewonnen, dass du durchaus romantisch bist.)

      Grundsätzlich, deine Nachfragen (auch zur Klärung) stören mich nicht, im Gegenteil. Zudem steht es mir kaum zu Gesicht mich zu beschweren; immerhin lasse ich zwischendrin Wörter aus, und mein Kontakt zum Englischen hat Rückwirkungen auf mein Deutsch, die nicht immer allein von schierer Eleganz und Schönheit sind. Für die freundliche Aufnahme steht dir mein Wohlwollen zu.

      (By the way, I recommend Karen Armstrong, Fields of Blood.)

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    10. @Stephan:
      "
      Wenn ich annehme, dass die Frauen mit denen du Sex hattest sich deiner stärkeren romantischen Hingezogenheit zu Männer bewusst waren, dann wären ihre Entscheidungen und Erwartungen von vornherein auf Sex ausgerichtet, begrenzter. (Umso mehr, dir gegleicht haben.)"

      Ich würde gar nicht sagen, dass ich mich zwangsläufig stärker romantisch zu Männern hingezogen fühle. Es ist hier in der Gegend nur einfacher, entsprechenden Kontakt mit Männern aufzunehmen als mit Frauen.

      "Zudem sieht es so aus, als würde deine Trennung von Sex und (exlusiver/monogamer) Romantik die Gefühlsebene von Männern hervorheben. Du bist darin Teil eines Kontrasts, wo sonst die stärkeren Gefühle von Frauen die von Männern weniger sichtbar machen."

      Das ist eine interessante These. Du meinst also, dass es sich sonst so abspielt, dass eine Frau sich durch casual Sex eher verliebt und dann die Gefühle von Männern eher nicht so stark hervortreten, da sie nicht den Drang verspüren, das mitzuteilen, wenn die Frau das schon tut?

      "Nichtsdestoweniger habe ich den Eindruck gewonnen, dass du durchaus romantisch bist."

      Natürlich bin ich romantisch, aber wohl auch "anders romantisch", mit Kitsch und Kerzen kann ich nichts anfange. ;)


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    11. "Natürlich bin ich romantisch, aber wohl auch "anders romantisch", mit Kitsch und Kerzen kann ich nichts anfange. ;)"

      Romantik hat eine Spannung zwischen Ordnung - einschließlich Ritual - einerseits, und dem Außergewöhnlichen und Exklusiven andererseits. (Ich bin deiner Haltung gewogen.)

      "Das ist eine interessante These. Du meinst also, dass es sich sonst so abspielt, dass eine Frau sich durch casual Sex eher verliebt und dann die Gefühle von Männern eher nicht so stark hervortreten, da sie nicht den Drang verspüren, das mitzuteilen, wenn die Frau das schon tut?"

      Ja, das ist ein bedeutender Teil dessen. Das gilt spiegelbildlich für Sex (drive).

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  3. "Was implizieren soll, dass der Partner dem Sex keine so große Bedeutung geben dass man dafür eine Partnerschaft beendet. Allerdings scheint dem Betrügenden der Sex doch so wichtig zu sein, dass er ihn sich woanders holt und dafür sogar seine Partnerschaft aufs Spiel setzt."

    Ersetze Sex durch Erdbeerkuchen. Als Gedankenexperiment.

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    1. Ich glaube, es ist völlig egal, ob Sex oder Erdbeerkuchen. Möglicherweise willst du darauf hinaus, dass man bei "Es war doch nur Erdbeerkuchen" nicht wirklich mehr einsieht, deshalb eine Partnerschaft zu beenden.

      Für mich allerdings wäre es egal, ob Sex oder Erdbeerkuchen: Wenn die Vereinbarung zuvor war, dass man das nur gemeinsam genießt, einer hält sich nicht daran und man findet das heraus, dann wäre das ein Grund, die Partnerschaft zu beenden.

      Der Grund ist für mich dann aber weder Sex noch Erdbeerkuchen, sondern der Betrug, die Lüge.

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  4. Auf die Gefahr dummer - aber erhellender - Antworten, frag was Sex ist.

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  5. "Der Grund ist für mich dann aber weder Sex noch Erdbeerkuchen, sondern der Betrug, die Lüge. "

    So ist es. Wenn man Sex unkompliziert und vogelfrei genießen will, ohne sich dafür auf eine bestimmte Person festzulegen, die man liebt, kann man das natürlich gerne tun, aber es ist dann mindestens unfair und unredlich, eine Person in diesem Glauben zu lassen.
    Menschen, die damit prahlen, welche amourösen Abenteuer sie nebenher angeblich heimlich pflegen, verachte ich, denn es sind nur miese Lügner.

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