Freitag, 28. April 2017

Sex: Das erste Mal

Mein erstes Mal war geplant, mit dem Richtigen und wunderschön.
Was hatte ich bis dahin alles über das erste Mal gehört:
 
„Beim ersten Mal tut es immer weh!“
„Das erste Mal ist immer scheiße, aber mit der Zeit wird es besser!“
„Es ist normal, dass es blutet!“
„Jeder ist aufgeregt“
„Ich war einfach nur froh, dass ich es endlich hinter mir hatte!“
 
Kaum jemand in meinem Umfeld, der das erste Mal Sex wirklich als etwas Positives erlebt hat. Da war der Freund, der mit 13 angetrunken auf einer Party von einer über zehn Jahre älteren Frau entjungfert wurde oder die Freundin, die mit ihrem Freund geschlafen hat, weil er sie ja sonst verlassen hätte. Eine andere Freundin, die unbedingt mal endlich Sex haben wollte, weil es ja peinlich sei, dass man mit 17 noch Jungfrau sei. Dass die Nummer auf einem Festival dann auch nicht unbedingt das Wahre war, muss man wahrscheinlich nicht extra erwähnen.
Und dann war da ich. Ich wusste ziemlich genau, dass ich nicht einfach mit irgendwem Sex haben wollte, sondern nur mit dem Richtigen, den ich auch liebe.
Ich wollte, das das erste Mal etwas Schönes und Besonderes wird und nicht so wie ich aus meinem Umfeld ständig zu hören bekam (scheiße und schmerzhaft). Als ich mit im Alter von 13 mit Freundinnen im Urlaub am Strand am Abend heimlich eine weitere Freundin (sie war damals so 15 oder 16) beobachtet habe, wie sie Sex hatte – wir waren neugierig, da sie sich ständig heimlich mit dem Kellner des Restaurants getroffen hat – fand ich das so am Strand mit Sternenhimmel total schön und romantisch. Und zu dem Zeitpunkt lag mein eigenes erstes Mal zwar noch weit in der Zukunft, aber ich wusste, dass ich das am Strand haben wollte.
Ich hatte also schon recht früh ziemlich genaue Vorstellungen davon, was ich für mein erstes Mal wollte: Sex mit dem Mann, den ich liebe und das an einem romantischen Strand unter Sternenhimmel.
 
Während ich also mit Freundinnen lustige Pornoabende veranstaltete, fast mal mitbekommen hätte, wie eine Freundin im Bett neben mir am vögeln war und die Bezeichnung für attraktive Jungs in unserem Freundeskreis einfach nur „fickbar“ statt attraktiv oder hübsch war, wartete ich auf den Richtigen.
Ich war auch ganz froh darüber, dass ich mich nicht auf solche Nummern eingelassen habe, als eine Bekannte mit 15 dann auf Youporn von der ganzen Schule zu bewundern war. Als sie auf einer Party im Elternschlafzimmer Sex hatte, wurde das durch den Türspalt gefilmt und online gestellt – zu sehen war beinahe nichts. Aber jeder wusste Bescheid und zu hören war sie natürlich auch.
Zur Polizei ist wegen der Nummer niemand gegangen, der Film war dann ein paar Tage online.
 
Was mich und Jungs anging, war ich einfach sehr schüchtern und unsicher. Ich meine, da waren zwar die Freunde, mit denen man ganz normal umgehen konnte, aber ich hätte diejenigen nie als potenzielle Sexualpartner wahrgenommen.
Eigentlich kann ich mich noch heute darüber wundern, dass ich überhaupt mal ein erstes Mal hatte. Das verdanke ich dann meinem Traumprinzen, der wirklich sehr hartnäckig war, wenn es darum ging, mich näher kennenzulernen.
Er war der beste Freund des Freundes einer Freundin und so nicht ein völlig fremder Mann, der mir Angst machte. Es war normal, dass ich nach der Arbeit (ich arbeitete zu der Zeit neben der Schule Abends bzw. Nachts in einer Coktailbar) noch gerne mit Arbeitskollegen und Freunden gemeinsam ausgingen. Und so habe ich dann auch irgendwann meinen Freund kennengelernt, man ging gemeinsam aus und anschließend noch zu Freunden usw. Und obwohl ich selbst mich immer zurückhielt und anfangs mich nie mit ihm alleine (meist Treffen zu viert) traf, gab er nicht auf und irgendwann trafen wir uns auch alleine, gingen Essen, feiern usw. Wir kamen uns näher und küssten uns und mal übernachtete ich auch bei ihm. Sex gab es noch nicht. Ich war Jungfrau und wollte ja, dass das erste Mal perfekt wird.
Aber irgendwann war da auch das Verlangen nach Sex – von beiden Seiten. Und da ich ihm von meiner Traumvorstellung erzählt hatte, planten wir ein Campingwochenende auf einem Campingplatz mit Sandstrand. Und als es dann am Abend ruhig wurde auf dem Campingplatz schnappten wir uns eine Decke und gingen zum Strand: Es war alles genauso wie ich es mir vorgestellt habe: der Richtige Mann, der Sternenhimmel, der Sex (ganz ohne Schmerz und Blut) – leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass es auf dem Campingplatz Personen gab, die die ganze Nacht umherliefen, um sich um die Einhaltung der Regeln bezüglich Nachtruhe zu sorgen. Als uns also dieser Wachmann sah (und ich konnte sein hochrotes Gesicht im Schein des Mondes erkennen), wies er uns darauf hin, dass wir bei seiner nächsten Runde weg sein sollten, da es nachts verboten sei, sich am Strand aufzuhalten. Nachdem er weg war, mussten wir beide loslachen: Ich glaube, das war ihm tatsächlich unangenehmer als uns.
 
Für mich war es so wie es war sehr gut. Es war definitiv die richtige Entscheidung auf den richtigen Menschen zu warten. In dem Moment wusste ich aber auch, dass ich selbst das Verlangen danach hatte, endlich Sex zu haben – nicht weil es ungewöhnlich ist, in dem Alter Jungfrau zu sein oder um irgendjemand weiß zu beweisen, sondern wegen des Gefühls selbst!
Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen sich Gedanken machen, was sie selbst wollen und auch versuchen, das umzusetzen statt sich in irgendwelche Betten zu werfen, weil man das so macht oder weil der Freund sonst Schluss macht.
Junge Menschen sollten selbstbewusst zu dem stehen, was sie wollen und was sie nicht wollen und sich da nicht reinreden lassen, dann wird das erste Mal auch zu einem schönen Erlebnis und nichts, was sowieso scheiße ist!
 
 

1 Kommentar:

  1. Ausgezeichnet, dass ein Wachmann die Nachtruhe wahrt. -- Was war das noch mit Sex?

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