Dienstag, 14. März 2017

Minimalismus

Was braucht ein Mensch eigentlich wirklich, was brauche ich eigentlich wirklich?
In der Menge der Dinge verliere ich mich selbst. Früher war es tatsächlich so, dass ich beispielsweise nur drei Paar Schuhe hatte: Alltagsschuhe, Winterschuhe, Sandalen – das war alles. Ein paar Schuhe habe ich so lange getragen, bis sie kaputt/durchgelaufen waren.
Ein paar Kleider, ein paar Hosen/Röcke und Oberteile (in der Anzahl meist unter zehn) waren auch ausreichend.
Mittlerweile besitze ich ca. 50  Paar Schuhe, 20 Röcke, annähernd 100 Oberteile und wohl auch über 50 Kleider – und ziehe sowieso meist die gleichen 5 Sachen an…
In meinen Regalen stehen 500 Bücher, von denen ich hunderte seit Jahren nicht mehr gelesen habe und vermutlich auch nie wieder lesen werde.
So viele Dinge, so viel Kram, den ich eigentlich nicht mehr brauche, nie verwende.
Eine Einstellung der Art: Dass die Dinge, die ich habe, mir niemand mehr nehmen könnte, führte dazu, dass ich immer mehr Dinge angehäuft habe. Dinge, die mich abhängig machen, die mich belasten. Bei jedem Umzug muss man Dinge einräumen, ausräumen, umräumen. Dinge nehmen Platz weg und bringen Unruhe ins Zuhause.
Ich merke, dass viele Dinge zu haben eher belastend ist als alles andere – man macht sich Sorgen um den Verlust der Dinge, die man eigentlich sowieso nicht braucht.

In einem Interview mit dem Gründer eines IT-Start-Ups hat dieser eine recht interessante Erkenntnis genannt: Je mehr Geld er hatte, umso weniger Wert hat er auf materiellen Besitz gelegt. Weil das meiste sich durch Geld jederzeit ersetzten lässt. Wenn man zwei Pullover hat, aber die Sicherheit, sich im Notfall (wenn einer kaputt geht) jederzeit einen neuen kaufen könnte, dann lebt es sich doch viel angenehmer als mit 50 Pullovern, bei denen man sich kaum entscheiden kann, welchen man anzieht.

Was macht das Leben wirklich lebenswert? Doch nicht 10.000 Dinge in der Wohnung, sondern tolle/großartige Erlebnisse und Menschen! Das ist das, was ich will: mich lösen vom Materiellen und wieder mehr auf Erlebnisse und das Entdecken der Welt konzentrieren!

Kommentare:

  1. Dein Minimalismus gilt also für Bücher, nicht aber für Menschen?

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    1. Ich unterscheide zwischen wichtigem und unwichtigem. Ich habe auch nicht 1000 Freunde, aber ich sehe keinen Grund, wichtige Menschen aus meinem Leben zu streichen.
      Genauso wie ich auch mir wichtige Dinge nicht aussortiere (habe auch zigtausend unwichtige ;) )

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    2. Ich habe nochmal darüber nachgedacht und muss mich korrigieren. Auch bei Menschen gilt mein Minimalismus: Ich habe vor ca. einem Jahr meinen Facebook Account deaktiviert und mir einen neuen erstellt, weil ich zu viele Freundschaftskontakte hatte und mich das irgendwie gestresst hat.
      Von über tausend Menschen bei Facebook (Facebookkontakte zähle ich übrigens nicht zwangsläufig als echte Freundschaft) auf unter 200 nun.
      Auch diese Menschen kannte ich alle und über die Hälfte habe ich mind. einmal im Jahr gesehen - daher auch der Stress. Jetzt ist es so, dass ich dem eine oder anderen davon zufällig begegne und mich das zwar freut, ich aber mich nicht bewusst ständig mit mehreren 100 Menschen treffen/kommunizieren muss.

      Die wenigen Menschen, die ich tatsächlich als Freunde zähle liegen wohl in der Anzahl bei ca. 10-20, mit denen ich mal mehr mal weniger Kontakt habe, die aber immer im Herzen sind! :)
      Und bei diesen wichtigen Menschen sortiere ich natürlich niemanden aus!

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  2. "... weil ich zu viele Freundschaftskontakte hatte und mich das irgendwie gestresst hat."

    Was nebenbei die Grenzen illustriert, die ich im Mono-Zusammenhang genannt habe. (By the way, Dunbar's number.)

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    1. @Stephan:

      "Was nebenbei die Grenzen illustriert, die ich im Mono-Zusammenhang genannt habe."

      Es gibt zeitliche Beschränkungen, da man nicht in einem Jahr 1000 Freunde gleichzeitig treffen kann, das Jahr hat nunmal nur 365 Tage.

      Aber ich beschränke die Anzahl meiner Freunde nicht, weil ich generell die Anzahl Menschen beschränken möchte. Ich wähle eben diejenigen aus, die nicht so viel Wert darauf legen, dass man ständig miteinander in Kontakt steht - dann würden auch 1000 Freunde funktionieren ;)

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    2. "Es gibt zeitliche Beschränkungen, da man nicht in einem Jahr 1000 Freunde gleichzeitig treffen kann, das Jahr hat nunmal nur 365 Tage."

      Meine Rede. Wobei mehr Ressourcen als die Zeit eine Rolle spielen. Hör auf versuchen auszuweichen ohne auszuweichen, Miria.

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  3. Guten Tag die Dame,

    bin gerade zum ersten Male hier vorbei gesurft und daher mit etwas Verspätung ein Kommentar von mir:

    Willkommen im Klub, kann ich nur sagen. Ich selber (männlich, ü. 50, verheiratet, 2 Kinder) habe lange, sehr lange bis zu dieser Erkenntnis gebraucht: Das viel Besitz eine Belastung ist und einem guten Leben eher entgegen steht. Das Wertvollste, was man besitzt, ist die Zeit. Zeit für Menschen, die einem etwas bedeuten. Zeit für Erleben und auch Zeit für sich selbst. Statt dessen tauscht man die Zeit für Geld und kauft / unterhält davon Dinge, die man oft genug eigentlich gar nicht braucht.

    Das Problem ist jetzt aber (jedenfalls für mich): Wie dreht man das wieder runter? Insbesondere wenn man Familie hat und Frau und Kinder durchaus andere Ansichten darüber haben, was man für ein gutes Leben braucht. Jedenfalls würde ich gerne mal wieder umziehen, denn dann kann man so schön viel Zeug wegschmeißen.

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    1. Hallo Rano64,

      freut mich, dass du meinen Blog entdeckt hast :)
      Schau gerne häufiger vorbei!

      "Statt dessen tauscht man die Zeit für Geld und kauft / unterhält davon Dinge, die man oft genug eigentlich gar nicht braucht."

      Das ist wirklich total unlogisch. Irgendwo habe ich auch mal eine Geschichte gelesen, in der es darum ging, dass zwei Tiere sich unterhalten haben, warum der Löwe denn faul in der Sonne rumliegt statt zu jagen. Und der Löwe meinte nur, er jagt dann, wenn er Hunger hat und kann den Rest des Tages in der Sonne liegen.
      Darauf das andere Tier, aber er könnte doch auf Vorrat jagen bzw. etwas an andere Tiere verkaufen, müsste dann nämlich einen Kühlschrank haben usw. bis man schließlich zum Schluss kam, dass er ja, wenn er genug Geld verdient hat, dann entspannt in der Sonne liegen kann.
      Und so als Löwe liegt man dann doch lieber gleich entspannt in der Sonne - schon komisch, dass die meisten Menschen das nicht sehen...

      "Das Problem ist jetzt aber (jedenfalls für mich): Wie dreht man das wieder runter? Insbesondere wenn man Familie hat und Frau und Kinder durchaus andere Ansichten darüber haben, was man für ein gutes Leben braucht."

      Ich persönlich habe eben sehr sehr viel aussortiert (es geht aber noch weiter) und muss dafür auch nicht umziehen ;)
      Aber ich bin alleine, habe keine Kinder o.ä., da ist das vermutlich auch einfacher.
      Vielleicht kann man seiner Familie mit tollen Erlebnissen auch zeigen, dass das eigentlich viel schöner ist, als all der Besitz.

      Viele Grüße,
      Miria

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