Montag, 20. März 2017

Kribbeln im Bauch

Nein, ich schreibe jetzt nicht, dass ich die große Liebe gefunden habe oder ähnliches. Das ist nicht der Fall. Aber wie auch schon ein oder zwei andere Texte nahelegen, mache ich mir in letzter Zeit Gedanken über Verliebtheit, Liebe, Beziehung und so weiter.
Ich habe mich bisher immer gefragt, was ist eigentlich Verliebtheit – und vor allem wie schaffen andere Menschen das so oft, sich in kürzester Zeit zu „verlieben“?
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich jemanden nur ein paar Tage oder Wochen kenne und dann bereits eine Beziehung mit demjenigen anfange. Ich muss jemanden erst gut kennenlernen und wissen, dass ich demjenigen vertrauen kann. Und gerade in dem Punkt bin ich oft extrem unsicher. Da es allgemein so ist, dass die Mehrheit der Menschen eben oft und gerne lügt, weiß ich nie, ob da jetzt jemand ehrlich zu mir ist oder nicht.
Aber jetzt hatte ich ein Erlebnis, bei dem ich eine interessante Beobachtung machen konnte: Ich habe einen Menschen kennengelernt (bisher sogar nicht einmal real), bei dem ich von Anfang an ein unglaublich gutes Gefühl hatte, dem ich sofort vertrauen konnte.
Wir haben über einiges geredet, was kaum ein anderer von mir weiß – und ich hatte das Gefühl, dass er mir ebenfalls auch vertraut, da er mir auch einige persönliche Dinge erzählt hat.
Ob wir deshalb jetzt Freunde werden, muss sich natürlich noch ergeben – da bin ich dann doch so, dass ich jemanden zunächst besser kennenlernen muss.

Aber ich freue mich über den Kontakt, über die guten (und manchmal auch ziemlich versauten) Gespräche. Und ich habe manchmal eben dieses Gefühl, dieses Kribbeln im Bauch, was ich kaum kenne bzw. äußerst selten gespürt habe.
Und möglicherweise ist es genau das, was andere Menschen eben als verliebt bezeichnen. Aber vielleicht denke ich einfach zu rational, zu überlegt, um Worte wie dieses für Menschen zu nutzen, die ich kaum kenne…

Kommentare:

  1. Das könnte auch erklären, warum du deine bisherige Haltung zur Monogamie hast.

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    1. Könntest du mir den Zusammenhang genauer erklären?

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    2. Dass du bisher noch nicht so verliebt warst.

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    3. Ich war schon mal sehr verliebt, wir wollten sogar heiraten.
      Allerdingst glaube ich nicht an dieses "Liebe auf den ersten Blick" - Ding. Und ich interpretiere so ein Kribbeln im Bauch wie hier eben geschrieben nicht gleich als Liebe.

      Und ich glaube im Übrigen auch, dass du meine Einstellung bezüglich Monogamie falsch einschätzt (wohl trotz haufenweise Erklärungen zum Thema). Ich habe überhaupt nichts gegen Monogamie, sondern stelle lediglich Kategorisierungen wie Liebe, Freundschaft (in die Kategorie hatte ich bisher dieses genannt Kribbeln eher einsortiert) bzw. deren Grenzen und Unterscheidung infrage.
      Für Liebe

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    4. "Und ich glaube im Übrigen auch, dass du meine Einstellung bezüglich Monogamie falsch einschätzt (wohl trotz haufenweise Erklärungen zum Thema). Ich habe überhaupt nichts gegen Monogamie, sondern stelle lediglich Kategorisierungen wie Liebe, Freundschaft (in die Kategorie hatte ich bisher dieses genannt Kribbeln eher einsortiert) bzw. deren Grenzen und Unterscheidung infrage."
      Ich halte dich nicht für feindselig. Dass du die Grenzen anders ziehst, und das Wesen der Erscheinungen anders verstehst -- das bestätigt die Möglichkeit, dass du bisher nur eine andere Form von Liebe erlebt hast als es die Verfechter haben.

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    5. "Ich halte dich nicht für feindselig. Dass du die Grenzen anders ziehst, und das Wesen der Erscheinungen anders verstehst -- das bestätigt die Möglichkeit, dass du bisher nur eine andere Form von Liebe erlebt hast als es die Verfechter haben."

      Ich verstehe nicht ganz, was du mit anderer Form von Liebe meinst?
      Die Liebe zu meinem Verlobten war - im Gegensatz zu den meisten Beziehungen - von Ehrlichkeit und Loyalität geprägt. Ja, vielleicht ist das anders.
      Das Gefühl, was für die meisten Menschen augenscheinlich ausreicht, eine monogame Beziehung einzugehen, reicht mir einfach nicht. Das geht auch zu mehr als einer Person und dafür möchte ich nicht andere Menschen von mir wegstoßen.

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    6. "Das Gefühl, was für die meisten Menschen augenscheinlich ausreicht, eine monogame Beziehung einzugehen, reicht mir einfach nicht."

      Ich bin mir nicht sicher, dass du das selbe Gefühl bisher hattest. (Und um das zu vervollständigen, ich stehe dir nicht feindselig gegenüber.) Allerdings denke ich nicht, dass du dessen unfähig bist.

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    7. "Ich bin mir nicht sicher, dass du das selbe Gefühl bisher hattest. (Und um das zu vervollständigen, ich stehe dir nicht feindselig gegenüber.) Allerdings denke ich nicht, dass du dessen unfähig bist."

      Ich bin mir sicher, dass ich bessere, ehrlichere und vertrauensvollere Beziehungen habe als die meisten in monogamen Zweierbeziehungen. Meine Freunde belügen und betrügen mich nicht!
      Und wie gesagt, was anderen reicht, reicht mir nicht. Ich habe einfach andere Ansprüche ;)

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    8. Ich spreche nicht von Ehrlichkeit und Vertrauen, sondern von einer anderen Art Gefühl, was immer auch dieses Gefühl für Folgen haben mag, die nur unzureichend von "Monogamie" erfasst sein mögen.

      Im Übrigen wäre es keine große Leistung, wenn dich keiner bestielt, dem du es freistellst alles zu nehmen, und auch keine große Leistung, dich über das Nehmen nicht zu belügen. Das nur als Denkansatz; ich verkürze dich und deine Beziehungen nicht darauf.

      Hier, zu Polyamorie: http://www.npr.org/sections/13.7/2017/03/23/521199308/a-cultural-moment-for-polyamory

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    9. "Im Übrigen wäre es keine große Leistung, wenn dich keiner bestielt, dem du es freistellst alles zu nehmen, und auch keine große Leistung, dich über das Nehmen nicht zu belügen. Das nur als Denkansatz; ich verkürze dich und deine Beziehungen nicht darauf."

      Ich verstehe worauf du hinauswillst. Aber das weiß ja keiner von Anfang an. Es ist eher umgekehrt, dass ich nur die Menschen nah an mich ranlasse, die von Anfang an ehrlich sind.
      Beispiel: Eine sehr gute Freundin hat sich vor ein paar Tagen von ihrem Freund getrennt, weil der sie betrogen hat - zweimal (Nachbarin und Arbeitskollegin). Als wir uns am Telefon darüber unterhalten haben, meinte sie noch zu mir: "Warum redet der denn nicht mit mir, wenn er sowas will?! Er hätte sie ja alle haben können, müsste nur mal was sagen!".
      Der Typ hingegen war derjenige, der immer und immer wieder betont hat, wie wichtig ihm doch Treue ist...
      Meine Freundin hingegen hatte zuvor bereits einmal eine offene Beziehung und hätte sicher eine Möglichkeit gefunden, wenn er ehrlich mit ihr geredet hätte - so aber ist die Beziehung vorbei.
      Genau so etwas meine ich: Statt ehrlich zueinander zu sein, wir sie hintergangen - und solche Menschen möchte ich nicht in meinem Leben!

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    10. Ehrlichkeit ist damit noch kein besonderes Feature deiner Beziehungsform. Die ergibt sich zuerst aus Gleichheit. Hier:

      ""Warum redet der denn nicht mit mir, wenn er sowas will?! Er hätte sie ja alle haben können, müsste nur mal was sagen!"."
      Hätte er wahrscheinlich nicht. Glaubst du sie hätte ihm gestattet, mit anderen Frauen Sex zu haben, während sie keinen Sex mit anderen Männern hat/haben wird? Es ist naheliegend, dass Menschen/Männer dass wollen. Es lässt sich aber im Allgemeinen nicht durch Ehrlichkeit erreichen, sondern eher durch die Täuschung gleicher Regeln/Pflichten.

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    11. "Glaubst du sie hätte ihm gestattet, mit anderen Frauen Sex zu haben, während sie keinen Sex mit anderen Männern hat/haben wird?"

      Nein. Natürlich würde eine offene Beziehung wohl auch bedeuten, dass sie ebenfalls andere Männer haben darf.

      "Es lässt sich aber im Allgemeinen nicht durch Ehrlichkeit erreichen, sondern eher durch die Täuschung gleicher Regeln/Pflichten."

      Du meinst im Prinzip wollen Männer eigentlich ihre Frau kleinhalten (ihr Kontakt mit anderen untersagen etc.), aber selbst alle Freiheiten genießen?
      Und das erreichen sei eben durch ihre Lügen...

      Wenn das tatsächlich das ist, was Männer wollen, bin ich froh, dass ich mich auf so etwas wie monogame exklusive Beziehungen erst gar nicht einlasse.

      Eine Beziehung kann immer nur gut funktionieren, wenn sich zwei Menschen zunächst auf Augenhöhe (was du vielleicht mit Gleichheit meinst) begegnen und dann ehrlich miteinander über die Gestaltung der Beziehung reden.

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  2. "Du meinst im Prinzip wollen Männer eigentlich ihre Frau kleinhalten (ihr Kontakt mit anderen untersagen etc.), aber selbst alle Freiheiten genießen?
    Und das erreichen sei eben durch ihre Lügen..."

    "Kleinhalten" nimmt ein spezielle Wertung vorweg. Es muss nicht einmal kategorisch "ungerecht" sein. Das Ideal, welches einer Person vorschwebt könnte etwa eine unterschiedliche Kombination von Pflichten und Rechten für jeden der beiden Partner vorsehen. Sexuelle Enthaltsamkeit des einen ist dabei nur eines der möglichen und zahlreichen Elemente. Er könnte ihr Studium finanzieren, sich um ihr Kind kümmern, und die Pflanzen gießen (schlecht Idee), dafür mit einer anderen Frau pro Monat Sex haben dürfen -- sie aber nicht. Und nochmals, es muss nicht notwendig (nur) über Monogame getäuscht werden. Das bring mich zu "Gleichheit".

    Wenn sich die Präferenzen der Partner exakt entsprechen - was niemals vorkommt - hat keiner einen Anreiz, den anderen zu täuschen, oder für sich etwas anderes, vorteilhafteres auszuhandeln. Wichtig ist dabei, dass sich erst die Frage stellt, ob sich das Gewünschte mit hinreichender Sicherheit* und ohne übermäßigen Aufwand aushandeln lässt. Falls dem nicht so ist, überwiegt das Interesse daran zu täuschen.

    *Das gilt für mehrere Dinge, etwa harten Sex, politische Positionen, Familiensituationen, Kinderwunsch, und so weiter. Das Anzubringen kann in Anfangsphasen riskant sein (Abbruch der Beziehung, der andere erlangt geheime Kenntnisse, ...).

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    1. @Stephan:
      "Er könnte ihr Studium finanzieren, sich um ihr Kind kümmern, und die Pflanzen gießen (schlecht Idee), dafür mit einer anderen Frau pro Monat Sex haben dürfen -- sie aber nicht."

      Wenn das ehrlich miteinander vereinbart wird, spricht da nichts gegen. Ich verwehre mich nur gegen Lügen und Täuschung.

      "Wichtig ist dabei, dass sich erst die Frage stellt, ob sich das Gewünschte mit hinreichender Sicherheit* und ohne übermäßigen Aufwand aushandeln lässt. Falls dem nicht so ist, überwiegt das Interesse daran zu täuschen."

      Und genau das ist das Problem. Für mich ist die Täuschung viel schlimmer als irgendetwas anderes. Und in einer Partnerschaft sollte man doch einander vertrauen und über alles reden können. Jemand, der meint, mich täuschen zu müssen, kann definitiv dahin gehen, wo der Pfeffer wächst!
      Und das gilt auch für mehrere Dinge, nicht nur für sexuelles ;)

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    2. Mein Kern ist der, dass Monogamie nicht der Hort der Täuschung ist, dass sich Täuschungen vielmehr beinahe überall finden können, in verschiedenen Beziehungsformen, und in deren (unspezifischen) Elementen. "Offene" Partnerschaft ist also kein Garant dafür, dass kein Geld unterschlagen wird, das kein Kinderwunsch besteht, ... -- sie ist noch nichteinmal Garant dafür, dass eine offene Beziehung gewollt ist.

      Ohne ihn mit Gewissheit vollständig verstanden zu haben, kann ich deiner Wertschätzung für Wahrheit beträchtlich etwas abgewinnen.

      (Ist Selbstbeherrschung für Bedeutung für dich? Sicher ja. Wie stellst du die - in ihm - sicher?)

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  3. @Stephan:
    "Mein Kern ist der, dass Monogamie nicht der Hort der Täuschung ist, dass sich Täuschungen vielmehr beinahe überall finden können, in verschiedenen Beziehungsformen, und in deren (unspezifischen) Elementen."

    Ich habe nie etwas anderes behauptet. Du warst derjenige, der den Bezug hergestellt hat, indem du schriebst:

    "Im Übrigen wäre es keine große Leistung, wenn dich keiner bestielt, dem du es freistellst alles zu nehmen, und auch keine große Leistung, dich über das Nehmen nicht zu belügen."

    Aber genau in den vielen monogamen Beziehungen, die ich kenne wird eben über sexuelle Treue in mehr als 50% der Fälle getäuscht.

    "Ist Selbstbeherrschung für Bedeutung für dich? Sicher ja. Wie stellst du die - in ihm - sicher?)"

    Wie definierst du Selbstbeherrschung und in welchem Zusammenhang siehst du die Frage hier?

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  4. Welcher Eindruck auch immer der richtige gewesen sein mag, mir reicht im Moment, dass wir den jetzt teilen.

    "Aber genau in den vielen monogamen Beziehungen, die ich kenne wird eben über sexuelle Treue in mehr als 50% der Fälle getäuscht."
    Für 2 mal Sex mit ihr, 1 mal Sex mit einer anderen?

    Selbstbeherrschung --- hm, für den Moment, das Unterdrücken von Leidenschaft, eher noch das der Leidenschaft nicht entsprechende Handeln. Sich nicht seiner Leidenschaft zu unterwerfen. Eine Art ist sexuelle Leidenschaft. Insofern sind vorgeblich monogam Lebende relativ gut darin, sich zu beherrschen, mit gewissen... Faux Pas.

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    1. "Für 2 mal Sex mit ihr, 1 mal Sex mit einer anderen?"

      Nein. Ich bezog mich auf die Anzahl der monogamen Zweierbeziehungen in meinem privaten Umfeld. Die Prozentzahl gibt an, dass bei mehr als der Hälfte der Beziehungen eine vorgetäuschte sexuelle Treue eben mind. einseitig nicht eingehalten wird.

      "Selbstbeherrschung --- hm, für den Moment, das Unterdrücken von Leidenschaft, eher noch das der Leidenschaft nicht entsprechende Handeln."

      Welchen Sinn sollte so etwas haben? Warum sich etwas verwehren, was gut tut? Nichts anderes ist doch Leidenschaft.

      " Eine Art ist sexuelle Leidenschaft. Insofern sind vorgeblich monogam Lebende relativ gut darin, sich zu beherrschen, mit gewissen... Faux Pas."

      Sich beherrschen und dann täuschen? Wo liegt da jetzt das Positive darin?

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    2. "Welchen Sinn sollte so etwas haben? Warum sich etwas verwehren, was gut tut? Nichts anderes ist doch Leidenschaft."
      Leidenschaft ist nicht wirklich altruistisch oder sonderlich philanthropisch. Kriege sind durchzogen von Leidenschaft, und Leiden. Das gilt für Staaten wie für Nachbarschaften. Begehren steht das Eigentum und die Autonomie anderer gegenüber. Selbst ihr das Dessert zu lassen kann Beherrschung erfordern. Es ist fraglos wichtig zu wissen, wie er unter Stress reagiert, wie er Zorn, Wut, Trauer, Enttäuschung, und so fort handhabt. Und wenn du jemand bist, der Grenzen testet, gilt das umso mehr.

      "Sich beherrschen und dann täuschen? Wo liegt da jetzt das Positive darin?" Es ist ein Test der Selbstbeherrschung. Selbst wer mal fremdgeht beherrscht sich ziemlich oft, in der weit überwiegenden Zahl der Fälle, wahrscheinlich.

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