Mittwoch, 22. März 2017

Echte Frauen und das böse Photoshop

Schon wieder begegnete mir eine neue Werbekampagne , die doch – ganz revolutionär – nun echte Frauen zeigen sollte. Echte Frauen in einer Bikiniwerbung. Also echte Frauen am Strand, echte Frauen unter Palmen und alles ganz toll echt.
Ich frage mich bei solchen Bezeichnungen immer gerne, was sonst alles so unecht ist an Bikini-Models. Aber die Antwort wird natürlich sofort gegeben: Photoshop! Denn Photoshop ist böse…

Wo zum Teufel ist das Problem mit Photoshop? Ich finde ein unbearbeitetes Bild mehr so naja. Kann man natürlich machen, wenn man genau darauf die ganze Kampagne aufbaut und versucht, so die Damen zu gewinnen, die sowieso immer gegen Photoshop sind, weil keine Frau auf den Bildern aussieht wie sie.
Aber generell macht Photoshop (oder natürlich wahlweise ein anderes Bearbeitungsprogramm) natürlich den Unterschied zwischen einfacher Urlaubsfotografie und professionellen Bildern. Kein guter Fotograf verzichtet heutzutage auf dieses tolle Hilfsmittel. Und wenn ich beispielsweise ein TFP Shooting (Time for prints – es fließt kein Geld von keiner Seite) mache und der Fotograf würde die Bilder nicht bearbeiten, würde ich mir auch irgendwie verarscht vorkommen.
Schnappschüsse kann ich auch selber mit dem Selbstauslöser oder der Selfiekamera.
Dabei ist es im Normalfall nicht so, dass bei Fashion oder auch Streetfotografie die Bearbeitung bis zur Unkenntlichkeit ausgereizt wird. Normalerweise wird ein wenig an Kontrast, Schärfe, Licht etc. gearbeitet und auch Hautunreinheiten werden entfernt. Also kein professioneller Fotograf macht mit Photoshop aus einem 100kg Model, eines mit 50kg – außer natürlich die Gegner von Photoshop, die damit zeigen wollen, was so böse und schlimm an Photoshop ist.
Wenn es um künstlerisch gestalterische Bilder geht, dann kann Photoshop natürlich auch etwas weiter genutzt werden, z.B. für interessante, märchenhafte Composings. Aber wo ist dabei das Problem? Das ist eben eine neue moderne Art der Kunst. Und jedem Betrachter wird schnell klar sein, dass das Model nicht wirklich auf einem Einhorn daher reitet oder mit einem Minotaurus kämpft.
Angeblich ist das Problem von Photoshop in der Werbung aber, dass Frauen diese Plakate betrachten und ein Ideal sehen, welches sie selbst erreichen wollen und das frustriert dann.
Ist ja auch nicht klar, dass Models geschminkt und die Bilder bearbeitet werden – die sehen täglich so aus, wenn sie aufwachen. Für so blöd scheinen die Gegner von Photoshop zumindest die Mehrheit der Frauen zu halten, wenn sie fordern, Werbung ohne Photoshop oder Bilder die gephotoshopped sind, entsprechend zu kennzeichnen.  Man könnte ja auch einfach immer ein Einhorn ins Bild photoshoppen, um dem Betrachter zu zeigen: Hey, hier stimmt was nicht ;)
Vielleicht sollte sich jede Frau, die tatsächlich meint, in der Werbung ein unerreichbares Bild präsentiert zu bekommen, mal ein Fotoshooting bei einem guten Fotografen gönnen, dann gibt’s nämlich oft auch Bilder, die annährend einem Magazin entsprungen sein könnten.
Und im Übrigen heißt ohne Photoshop noch lange nicht „natürlich“, denn keine normale Frau lässt sich jeden Morgen ein bis zwei Stunden von einer professionellen Visagistin schminken. Und auch die haben es drauf – was Hautunreinheiten etc. angeht teilweise durchaus ähnlich gut wie Photoshop.
 
Ich denke, ich bin immer echt auf meinen Bildern – egal ob Urlaubsschnappschuss, professionelles Fashionfoto oder Composing. Echte Frauen bleiben echte Frauen! Und auch Models sind echte Frauen!

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