Montag, 21. August 2017

Frauen sollen in Berlin demnächst im Stehen pinkeln…

Wie die BZ berichtet, werden in Berlin zukünftig zu den Pissoirs für Männer Urinale für Frauen eingeführt, damit diese auch im Stehen pinkeln können.
Das Toilettenkonzept für Berlin aus dem Fachbereich Umwelt des Berliner Senats enthält neben Bestimmungen für Hygiene, Sicherheit etc. auch folgendes:

In Zukunft sollten Urinale, die von allen Geschlechtern benutzt werden können (vgl. Arbeitspaket 5, S.9), angeboten
werden.“

Mein erster Gedanke war: Warum zum Teufel?!
Es scheint in Berlin allerdings der Fall zu sein, dass es wohl mehr Urinale gibt als Toilettenkabinen bzw. an einigen Stellen in der Stadt nur Urinale vorhanden sind und keine Toilettenkabinen. Und das wird nun als ungerecht interpretiert, weil an diesen Stellen Frauen eben nicht die Möglichkeit haben, diese zu nutzen.
Aber warum man jetzt so einen Unsinn veranstaltet und Urinale für Frauen aufstellt, statt einfach noch ein paar Kabinentoiletten hinzu, ergibt für mich wenig Sinn. Vermutlich auch aus dem Punkt „WEIL HALT“.
Frauen beschweren sich ja sonst schon häufig darüber, dass sie sich nicht gerne auf öffentliche Toiletten setzen, da diese nicht besonders sauber sind. Ich kenne auch welche, die immer Papieraufleger für die Klobrille dabei haben, um diese nicht berühren zu müssen. Auch ich desinfiziere jede fremde Klobrille bevor ich mich auf diese setze. Als erstes hatte ich daher auch gedacht, dass das nun mit ein Grund wäre, warum Frauen gerne Urinale haben wollen. Die muss man schließlich nicht mit der Haut berühren.

Aber um das zu vermeiden gibt es ja auch noch die Hocktoiletten, wie sie häufig in südlichen Ländern wie Frankreich oder Italien vorkommen. Man hockt sich hin und hat so keine Berührung von Haut und Toilette.
Als in einem Bürgerzentrum in Köln  schließlich eine solche Toilette als zusätzliches Angebot eingebaut werden sollte (die sind kaum teurer als gewöhnliche Toilettenschüsseln), gab es gleich eine riesige Aufregung. Irgendein Idiot kam wohl auf die grandiose Idee, eine solche Hocktoilette als „kultursensible Toilette“ zu bezeichnen und diese auch noch im Zusammenhang mit muslimischen Mitbürgern zu erwähnen. Und da kommen natürlich gleich wieder die ganzen Spinner aus ihren Löchern, die alles muslimische auf alle Fälle vermeiden wollen.

Tatsächlich ist es so, dass in dem entsprechenden Zentrum viele verschiedene Angebote auch für Flüchtlinge gemacht werden und es aufgrund dessen zu der Idee kam, eine solche Toilette als zusätzliches Angebot einzubauen (während sowieso renoviert wurde). Das muss aber nicht zwangsläufig etwas mit der Religion zu tun haben, sondern kann einfach ganz praktisch sein, wenn ein Flüchtling eben eine Toilette vorfindet, die er angenehm, da aus der Heimat bekannt, findet. Und da es weiterhin ganz normale Toiletten gibt, kann ich die Aufregung auch nicht verstehen.
Würde es bei öffentlichen Toiletten dieses Angebot geben, wäre ich auch in Versuchung, eher die Hocktoilette zu nutzen aus bereits zuvor genannten Gründen.
Ich bin allerdings gespannt, ob die geplanten Urinale in Berlin tatsächlich von den Frauen angenommen werden.

Montag, 10. Juli 2017

Hallo lieber Frauenversteher!

Schön wie du deinen Artikel schon startest; ein paar allgemeine Aussagen, denen niemand widersprechen kann:

„Die Lebensrealitäten von Frauen und Männern sind grundlegend verschieden.“

Vermutlich genauso wie die Lebensrealitäten von Menschen auf dem Land und Menschen in der Stadt, von jungen und alten Menschen, von Arbeitern und Selbstständigen, von dicken und schlanken Menschen, von … Wie einfach jeder individuelle Mensch nicht das gleiche Leben und die gleichen Erfahrungen macht wie andere!

„Während die von Frauen oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt ist, genießen Männer im Vergleich viele Vorteile.“

Wo sind denn die Belege und Beispiele dafür?

„Unser Autor David versucht zu verstehen, weshalb sich viele Männer dessen nicht bewusst sind und was getan werden kann um diesen Graben zwischen den beiden Welten zu überwinden.“

Es muss also ein Mann kommen, der die Frauen versteht und deshalb erklären kann, wie das so läuft – also mit den Frauen und dem Verstehen.

Gleich nach der Einleitung kommt dann natürlich auch schon das erste Beispiel für eine Situation, in der die Frauen so viele Nachteile und die Männer so viele Vorteile haben:

„Wenn ich jetzt allein wäre, würde ich mich nicht durch diesen Hinterhof trauen“, sagt meine Freundin und greift meine Hand etwas fester. Bestimmten Schrittes gehen wir im Dunkeln voran. Zu unserer Rechten eine Gruppe Männer, die rauchend und trinkend eine Sitzbank in Beschlag nimmt. Augenpaare heben sich, musternde Blicke streifen im Vorbeigehen. Um die Ecke, außer Reichweite, betreten wir das Treppenhaus und nehmen die ersten Stufen. Sichtlich erleichtert geht meine Freundin voran.“

Und nur weil deine Freundin vielleicht ein armes verängstigtes Mäuschen ist, musst du das nicht pauschal auf alle Frauen übertragen. Und wie war das nochmal in der Einleitung: Die Lebensrealität von Frauen ist oft von Diskriminierung und Gewalt geprägt?
Wo war denn die Diskriminierung und Gewalt in dem Beispiel? Männer die gemütlich ihren Feierabend genießen, die kein Wort sagen und in keinster Weise irgendwie belästigen werden hier als Gefahr dargestellt?
Und natürlich wird diese Situation von dir, lieber Frauenversteher noch stark dramatisiert:

„Diese Begebenheit ist beispielhaft für eine simple Tatsache, der ich mir – leider – erst vor einiger Zeit wirklich bewusst wurde: Frauen leben in einer substantiell anderen Lebenswirklichkeit als Männer. Fast nie werden sie so respektvoll behandelt wie wir es gewohnt sind.“

Was ist in dieser Begebenheit nochmal passiert, was nicht respektvoll war? Hmm, gab es irgendwelche Sprüche? Gab es irgendwelche unangenehmen Berührungen, gab es irgendetwas, was nicht respektvoll war?
Außer vielleicht deine Unterstellung, dass man als Frau pauschal ein ängstliches Hascherl ist, weil deine Freundin so ist? Das ist im Übrigen sexistisch! Aber hey, du darfst das ja sagen, du bist ja ein lieber, einer der Guten, der Frauenversteher und du meinst das natürlich nicht so wie ein Machoarsch, der irgendwelche sexistischen Äußerungen ablässt!

Und im nächsten Absatz wird es dann noch allgemeiner:

„Weltweit sind Frauen Opfer von Unterdrückung, Sexismus und Gewalt. Im privaten und öffentlichen Raum, in der Beziehung, im Netz, im Beruf, auf Reisen – in allen Bereichen ihrer Leben. Weltweit gehen praktisch all diese Gewalttaten von Männern aus.

Klar, mit dem eigenen beschränkten Blick, mit dem du nicht einmal die Situation in Deutschland richtig einschätzen kannst (Kleiner Tipp: Es ist nicht alles nur schwarz weiß, sondern meist sehr viel grau), willst du erkennen können wie es im Rest der Welt zugeht?
Natürlich ist es in vielen Ländern so, dass Frauen unter Unterdrückung leiden müssen. Aber genau deshalb ist es doch noch perfider, so zu tun als wären Frauen hier in Deutschland ach so arme Opfer!
Und damit du nicht als ganz so mieser sexistischer Arsch dastehst (der du aber eigentlich bist), noch schnell eine Relativierung deiner Aussagen hinterhergeschoben:
„Um das klarzustellen: Das heißt nicht, dass alle Männer gewalttätig und Täter, alle Frauen friedfertig und Opfer sind. Auch Männer leiden an Gewalt, auch Frauen verhalten sich durchaus gewalttätig.“

Ernstnehmen kann das bei dem Rest deiner Ergüsse aber wohl keiner mehr…

Außerdem behauptest du folgendes:

„Diese strukturelle, in unseren Gesellschaften tief verankerte Gewalt bringt Frauen zum Schweigen, schränkt ihre Bewegungs- und Entfaltungsfreiheit erheblich ein.“

Das ist Unsinn. Das, was die Bewegungs- und Entfaltungsfreiheit von Frauen einschränkt sind solche Typen wie du, die Frauen immer als Opfer darstellen, die Frauen ängstigen, indem sie ihnen erzählen, dass es nicht möglich ist alleine als Frau durch die Stadt zu laufen. Die ihnen erzählen, wie groß doch die Gefahr von irgendwelchen Männern auf der Parkbank ist!
Und die dann meinen sich auch noch mit solchen Texten wie dem hier besprochenen als lieber netter Frauenversteher aufspielen zu müssen! Du bist schuld, dass deine Freundin Angst hat nachts alleine, weil du ihr immer wieder klar machst, dass die böse weite Welt ach so gefährlich für Frauen ist!

„Wenn ich reise, kümmere ich mich beispielsweise wenig darum, wie ich mich kleide oder zu welcher Tageszeit ich unterwegs bin. Im Netz bewege ich mich frei und unbeschwert, ohne Angst vor Androhungen von Vergewaltigung. Im Job muss ich mir keine anrüchigen Kommentare, ungebetene Annäherungen oder körperliche Übergriffe gefallen lassen. In einer Partnerschaft werde ich tendenziell nicht geschlagen oder missbraucht. Gemeinhin werde ich als Mensch und nicht als Objekt wahrgenommen.“

Freut mich für dich. Stell dir vor: den meisten Frauen geht es genauso! Außer vielleicht denjenigen, die so einen Freund oder Mann wie dich an ihrer Seite haben, der ihnen erzählt, dass das für sie alles nicht möglich ist, weil sie Frauen sind.
Außerdem erzählst du uns Frauen:

„Obwohl Frauen in ihrer Selbstbestimmung regelmäßig Einschränkungen erfahren, haben wir Männer viel zu selten ein Bewusstsein dafür.“

Welche Einschränkungen – abseits der idiotischen Behauptung Frauen könnten nicht alleine durch die Stadt gehen und sich frei bewegen – bitte?
Und du meinst vermutlich noch, du hast ein Bewusstsein dafür, wie es Frauen geht, was Frauen wollen? Oh man, ja du geiler Hecht, du hast es voll erfasst: Wir Frauen wollen alle einen Mann wie dich, der uns durch seine ständigen Erzählungen von Diskriminierung etc. davon abhält alleine auf die Straße zu gehen.
Ist das eigentlich so eine Masche? Der Macho verbietet der Frau, alleine rauszugehen und du ängstigst sie so sehr, dass sie sich alleine nicht mehr raus traut (zumindest ist das dann wohl der gewünschte und bei deiner Freundin auch erreichte Effekt)?

Und natürlich nimmst du alle Männer noch brav in Sippenhaft, gibst ihnen eine schuld qua Geschlecht an all den Verbrechen, die irgendwelche Arschlöcher da draußen begehen:

„Verantwortung zur Handlung tragen wir als Angehörige des männlichen Geschlechts, auch wenn wir nicht diskriminieren oder schlagen. Schweigen wir, so bedeutet das in gewisser Weise, dass wir uns auf die Seite einer ungerechten Sache stellen.“

Und du bist natürlich besser als all die anderen, die Schweigen, denn du hast diesen ach so tollen Artikel geschrieben, in dem du dich klar positionierst – natürlich auf der Seite der armen unterdrückten Frauen! Du bist sicher damit der Held aller Frauen!
Toll und bewundernswert finde ich auch, deine Tipps für andere Männer, damit sie ebenso ein so großartiger Frauenversteher und guter Mensch werden wie du:

„1) Sich bilden, fragen und zuhören: Es ist nicht an Frauen, uns Männern zu erklären, welche Probleme eine patriarchale Gesellschaft hervorruft.( …)Hierzu gehört auch, Fragen zu stellen und wirklich zuzuhören, wenn uns Frauen erklären, in was für einer Welt sie leben; im Gespräch davon abzusehen zu relativieren, zu verteidigen oder zum „Gegenangriff“ überzugehen.“

Es ist nicht an euch Männer zu erklären, sondern ihr sollt zuhören. Dass du mit deinem Artikel da eine klassisches Gegenbeispiel bietest merkste selber, oder?

„2) Anerkennen: (…)“

Aber sicher nicht die tatsächlichen vielen tausend unterschiedlichen Realitäten von vielen tausend unterschiedlichen Frauen. Sondern nur diejenigen, die dir, lieber Frauenversteher in den Kram passen!

„3) Neue Ideale von Männlichkeit entwickeln: (…)“

Oh ja. Am besten dich als Vorbild für das Ideal aller Männer! Du bist so gut, dass alle Männer sein sollten wie du!

Und ganz toll auch dein letzter Absatz im Artikel:

„Dann, vielleicht, geht eines Tages eine Frau allein bestimmten Schrittes im Dunklen über den Hinterhof. Zu ihrer Rechten findet sich eine Gruppe Männer, die rauchend und trinkend eine Sitzbank in Beschlag nimmt. Augenpaare heben und senken sich. Um die Ecke betritt die Frau das Treppenhaus und nimmt die ersten Stufen. Für sie ist das ein ganz normaler Weg nach Hause. Es ist nichts weiter dabei, vor allem keine Angst."

Nein, dafür sind deine Tipps alles andere als hilfreich! Du erreichst mit deinem dämlichen Getue nämlich genau das Gegenteil.
Stell dir vor, es gibt Frauen, die nicht einen solchen Frauenversteher wie dich an ihrer Seite haben und für die ist das heute schon ganz normal, sich alleine in der Welt zu bewegen – ohne irrationale Ängste!
Und vielleicht wäre auch deine Freundin eine solche selbstbewusste Frau, wenn du ihr nicht erzählen würdest, wie schlimm diskriminiert und Opfer sie doch ist!

Ps. Hier noch was interessantes für dich zum Lesen, damit du mal andere Lebensrealitäten von Frauen kennenlernst:

 
 
 

Mittwoch, 5. Juli 2017

Unzufriedene, faule, dicke Menschen

Diese Personen regen mich zur Zeit extrem auf. Diese Menschen, die sich selbst aufgeben, hässlich finden und frustriert durch die Gegend laufen. Und dann gleichzeitig noch behaupten, jeder dicke Mensch wäre so wie sie!
Nein verdammt! Ich bin nicht wie ihr und ich finde euer scheiß Verhalten einfach bescheuert. Mit der Art und Weise mit den Behauptungen schadet ihr nicht nur euch selbst, sondern auch der gesellschaftlichen Sicht auf dicke Menschen! Also genaugenommen regt mich nur Letzteres auf! Jeder Mensch soll gerne so viel er will faul auf der Couch rumgammeln und nichts tun und denken er ist hässlich – Aber bitte treibt auch doch nicht im Internet und in anderen Medien rum und behauptet, dass alle dicke Menschen so sind wie ihr!
 
Anlass, warum das jetzt wieder in meine Gedanken gekommen ist, war tatsächlich der Beitrag mit und über Nicola bei FrauTv, die unter anderem auch über Fat-Acceptance etc. auf ihrem Blog bloggt. Ich muss sagen, ich mag ihren blog, lese ihn ganz gerne mal, aber immer wieder kann man raushören, das sie eigentlich nicht zufrieden damit ist, wie sie ist. Und sich dann hinzustellen und zu sagen, dass sie „Fettaktivistin“ ist und alles toll so ist wie es ist finde ich einfach scheiße.
Wenn man nicht zufrieden ist, dann muss man was ändern (nein, nicht unbedingt abnehmen, vielleicht einfach mal am Selbstbewusstsein arbeiten)!
Jemand, der Dinge schreibt wie „ ‚Du hast so ein hübsches Gesicht‘ heißt nichts anderes als ‚Warum bist du nur so fett?‘“  und im TV verkündet: „Ich habe so hart gearbeitet, um mit diesem Körper endlich Frieden zu schließen“ kann doch nicht ernsthaft mit sich selbst zufrieden sein. Wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, dann freue ich mich doch über Komplimente! Auch ein Kompliment für mein hübsches Gesicht, Kleidungsstil etc. sagt doch nicht gleichzeitig, dass ich fett sei! (Abgesehen davon, wenn die Aussage damit verknüpft ist, eine bestimmte Handlung sei "mutig", weil man dick sei.)Diese Aussage demjenigen, der einen vielleicht einfach wirklich hübsch findet, zu unterstellen, finde ich eigentlich schon eine Frechheit.
Und wenn ich mit mir selbst zufrieden bin, warum muss ich daran arbeiten, mit meinem Körper Frieden zu schließen? Wieso hat man den Körper ursprünglich als Feind betrachtet?
 
Weiterhin stellt Nicola im TV-Beitrag die Frage, wieso es überhaupt so wichtig sei, schön zu sein. Hmm, vielleicht weil es einem einfach gut tut, wenn man sich im Spiegel selbst gefällt, wenn man sich freut, wenn man sein Spiegelbild sieht?
Ich finde es hingegen überhaupt nicht wichtig, einem gesellschaftlichem Schönheitsideal von Schlankheit etc. zu entsprechen – tue ich selber ja auch nicht. Will ich auch gar nicht! Aber ich möchte mich im Spiegel mögen! Ich möchte nicht in den Spiegel gucken und denken: Ich bin zwar hässlich, aber es ist doch nicht wichtig, schön zu sein! Nein, ich möchte in den Spiegel gucken und denken, wow bin ich schön! (Klappt bei mir übrigens wunderbar ;) )
Selbstliebe ist so unglaublich wichtig! Es geht einem einfach besser, wenn man sich selbst gefällt, als wenn man „Frieden schließt mit einem Körper, den man eigentlich nicht mag“ und sich einredet, man muss ja nicht schön sein!
Und dieses nicht schön fühlen bestätigt Nicola auch gleich mit der weiteren Aussage: „Als dicker Mensch, weil man sich so blöd fühlt, stellt man sich oft nicht vor den Spiegel.“
Und warum sollte man sich als dicker Mensch bitte nicht oft vor den Spiegel stellen? Der einzige Grund ist, dass man mit sich selbst unzufrieden ist! Dann sollte man etwas an sich selbst ändern: Am besten an Selbstbewusstsein und Selbstliebe arbeiten – und falls das nicht klappt evtl. an seinem Körper!
Aber doch nicht versuchen allen anderen dicken Menschen einzureden, sie könnten sich gar nicht schön finden, sie schauen nicht gerne in den Spiegel…
 
Ich möchte mich in diesem Beitrag aber nicht nur an Nicola abarbeiten, der Beitrag war lediglich der eine einzige Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Weiterhin aufgeregt hat mich beispielsweise auch die dicke Kassiererin, die es kaum schafft, den 5k Kettlebell (ich liebe die Übungen damit!) über den Skanner zu wuchten und dann kommentiert: „Ich krieg den ja kaum hoch und kann mir gar nicht vorstellen, dass du damit trainieren willst!“ Ernsthaft?!
Was geht diese Dame mein Einkauf an? Und warum muss sie in der Öffentlichkeit selbst das Bild einer faulen, schwachen dicken Person abgeben und das gleichzeitig auf mich projizieren?! Mein gesamter Einkauf wiegt übrigens normalerweise ca. 20-30 Kilogramm, was ich verteilt auf zwei Tüten problemlos in den zweiten Stock trage (selbst ohne Kettlebell).
 
Auch erinnere ich mich noch an die erste Staffel von „Curvy Supermodel“ auf RTL2, als nach den ersten Sendungen schnell überall Artikel erschienen, in denen sich gemeinsam darüber aufgeregt wurde, dass die Jury bei einer Bewerberin bemängelt hat, sie solle Sport machen, damit es weniger schwabbelt. Dazu hatte ich damals bereits in einem Artikel geschrieben:
 
„Generell scheint es aber die Autorin sehr zu stören, dass ein Modelkörper eben nicht schwabbeln soll, sondern fest zu sein hat. Bereits in der Überschrift heißt es also „Bloß nicht schwabbeln!“ und auch im Text findet sich dann folgende Passage:
 
„Einer geschassten Kandidatin wird immerhin gesagt, sie könne nächstes Jahr wiederkommen - wenn sie abgenommen hat und nichts mehr schwabbelt.“
 
Hier gibt die Autorin die Stelle einfach komplett falsch wieder. Es ging in keinem Moment darum, dass die Frauen aufgefordert wurden abzunehmen. Sie interpretiert die Aufforderung, ein wenig Sport zu machen, damit es nicht mehr schwabbelt einfach um. Fakt ist natürlich, dass man auch in einem dicken Körper sportlich sein kann und dieser dann auch weniger schwabbelt. Wenn sich nämlich unter oberflächlichem Fett Muskeln befinden.“
Und genau das scheinen unglaublich viele Menschen nicht zu verstehen: Dick bedeutet nicht, dass es schwabbelt! Wenn es schwabbelt, dann ist jemand unsportlich, aber nicht jeder dicke Mensch ist unsportlich. Und nicht jeder unsportliche Mensch, bei dem was schwabbelt ist dick! Ich bin dick und habe auch dicke Oberarme, aber wenn ich jemandem zuwinke, dann schwabbelt da sicher nichts am Arm! Denn ich bin nicht nur dick, sondern auch fit und sportlich. (Könnte vermutlich nahezu jeden durchschnittlichen Mann im Armdrücken schlagen ;) ).
 
Aber Nein, das darf es ja auch nicht geben: Dick und sportlich ist ja wieder mal ein unlösbarer Widerspruch. Es ist gerade so unglaublich, dass jemand wie Mirna Valerio, eine dicke Frau, die gerne läuft, einfach damit sehr bekannt werden kann, dass sie täglich joggen geht. Es scheint für die gesamte Welt einfach so unfassbar zu sein, dass man auch als dicker Mensch gerne läuft! Weil dicke Menschen sind ja faul und so!
Ich laufe übrigens auch gerne, nicht täglich, sondern jeden zweiten Tag. Ziel ist es, nächstes Jahr einen Marathon zu laufen. Ich liebe laufen, es ist einfach super entspannend und man fühlt sich gut dabei! Und hey, ich bin dick und fit und sportlich (und körperlich wahrscheinlich gesünder als die meisten dünnen Menschen!)!
Aber so lange dicke, faule Menschen weiterhin verkünden: wenn jemand dick ist, dann ist es normal, dass es schwabbelt, glauben zu viele Menschen, dass man nicht fit und sportlich sein kann wenn man dick ist.
Und so lange dicke faule Menschen weiterhin erzählen, es ist nicht wichtig, dass man schön ist und man muss nur mit seinem Körper „Frieden schließen“, werden viele dicke Menschen weiterhin zu hören bekommen, dass es gar nicht sein kann, dass sie sich wohl fühlen, weil sie ja dick seien!
Verdammt noch mal! Ich fühle mich sehr wohl so wie ich bin und ihr alle, die frustriert Zuhause rumsitzt, euch nicht ins Schwimmbad traut und meint, es wäre normal sich nicht schön zu finden, weil man ja dick ist: Haltet doch einfach mal die Fresse und beschäftigt euch mit euren eigenen Komplexen!
 

Freitag, 30. Juni 2017

Alpenflair 2017

Ich bin ja normalerweise nicht so der Festivalmensch: Dreck/Matsch, Zelten, Krach, kaum Duschen und Toiletten – nein, das ist nicht die Art der Umgebung, in der ich mich wohlfühle.

Aber ein Festival muss einfach sein und das ist das Alpenflair!

Beim Alpenflair kann ich tolle Musiker sehen, eine Menge Freunde aus dem gesamten deutschsprachigen Raum treffen und habe einfach extrem viel Spaß!

Da ich mich jetzt gar nicht so detailliert äußeren möchte, lasse ich einfach die Bilder sprechen:


Der Eingang zum Festivalgelände


Super Stimmung während Kärbholz auf der Bühne performt


Spät am Abend dann: Hämatom


Gittarist der Band Hämatom

 


Tag 2 mit: Subway to Sally


Subway to Sally


Manchmal muss man sich auch etwas ausruhen! ;)


Headliner am 2. Tag: Anthrax


Anthrax


Und nach den Auftritten auf der Bühne geht es im Zelt weiter mit: Tim Toupet


Headliner am 3. Tag: Frei.Wild
Frei.Wild
 
Grandiose Stimmung und Wunderkerzen beim Auftritt von Frei.Wild

Im nächsten Jahr bin ich sicher wieder dabei beim Alpenflair! Und nächstes mal weiß ich von Anfang an, dass ich – egal bei welchem Wetter – Schuhe mit Stahlkappen tragen werde. Dieses mal sind mir leider häufiger Menschen auf die Füße getreten (ich dachte bei 35°C im Schatten wären leichte Schuhe sinnvoll), aber am 3. Tag hatte ich entsprechend stabile Schuhe an und das war viel angenehmer!

Gefreut hat mich diesmal übrigens auch, dass Anthrax mein Foto auf Instagramm und Facebook gepostet (natürlich unter Angabe der Quelle) hat!

Samstag, 10. Juni 2017

Das Umfeld

Ich bin aufgewachsen in einem kleinen ländlichen Dorf, welches man schon ein wenig als eine Art Ghetto beschreiben könnte: Einer meiner besten Freunde hat bereits mit 13 Autos geklaut, um in die nächste größere Stadt zu fahren, Freunde haben gesoffen, gekifft oder andere Drogen genommen bzw. diese verkauft.  Nicht selten hatte jemand ein Messer griffbereit. Ich erinnere mich noch gut, als ich einen Bekannten damals mit blutüberströmten T-Shirt abholen musste, weil ein anderer ihn mit dem Messer angegriffen hat, da er aus dem Drogenhandel aussteigen wollte…
Ein Nachhilfeschüler, der eher aus einem bürgerlichen Umfeld stammte sagte einmal zu mir, er hätte Angst bei uns Nachts auf die Straße zu gehen – der Junge war 19 Jahre alt, muskulös und fast zwei Meter groß. Damals habe ich mich darüber noch gewundert, denn ich hatte keine Angst, kannte aber beinahe alle, die Nachts bei uns auf den Straßen rumlungerten und wusste mich zu behaupten.
Auch später waren Menschen in meinem Umfeld irgendwie immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Obwohl der beste Freund meines (mittlerweile Ex-)Freundes aus einer völlig anderen Stadt stammte, war dieser wieder jemand, der sein Leben durch Betrügereien finanzierte und bereits über zwei Jahre wegen Drogenhandel im Knast gesessen hatte. Als ich mit meinem Freund zusammen in einer Wohnung gelebt und die Post geöffnet habe, durfte ich dann auch noch erschrocken feststellen, dass Haftbefehle tatsächlich einfach in den Briefkasten geworfen werden – kein schönes Gefühl.

Durch meine Kindheit und Jugend im Ghetto habe ich den Vorteil, dass ich mich behaupten kann und so gut wie keine Angst vor irgendwelchen Menschen habe. Natürlich kann mir was passieren, wenn ich alleine unterwegs bin – speziell, wenn ich in bestimmten Gegenden bin, wo sich mehr kriminelle Typen rumtreiben als woanders (beispielsweise Reeperbahn o.ä.). Bisher habe ich mir immer gesagt, ich lass mir mein Leben nicht einschränken bzw. schränke mich nicht selbst ein indem ich solche Orte meide.
Ein Freund meinte allerdings letztens zu mir, dass es einem ja auch selbst besser gehen würde, wenn man eben nicht unbedingt dorthin geht, wo Kriminalität an der Tagesordnung ist. Zu viele kriminelle Freunde und Bekannte tun dem eigenen Wohlbefinden nicht gut.
Ich denke im Moment darüber nach, ob er damit Recht haben könnte. Vermutlich hat er das tatsächlich. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass gerade an solchen Orten die Menschen unglaublich offen und tolerant sind (und ja leider auch kriminell) und ich schnell mit tollen Leuten ins Gespräch komme während das in einer beschaulichen Eckkneipe auf dem Land wohl eher weniger der Fall ist.

Leute, die komplett behütet in einer Bilderbuchfamilie aufgewachsen sind, mit denen kann ich häufig leider nicht viel anfangen. Sie können so vieles nicht nachvollziehen, nicht verstehen, was mich umtreibt, was mich beschäftigt, was ich erlebt habe. Ich denke dann im Gespräch oft, da hat aber jemand keine Ahnung vom Leben – Tatsache ist, da hat jemand ein komplett andere Vorstellung vom Leben, komplett andere Erfahrungen.
Als ich im Gespräch mit einer Freundin erwähnte, dass ich es total schade finde, wenn Frauen sich so klein machen und sich nicht gegenüber unverschämten Männern behaupten, bekam ich als Antwort, dass diese das nie gelernt haben. Auch sie sei sehr behütet aufgewachsen und immer waren „Beschützer“ da, so dass man sich einfach niemals selbst verteidigen musste. Wenn man dann mit besoffenen Männern konfrontierte wird, die einen dämlich anmachen oder betatschen, bekommt man eben Angst, statt denen eine ordentliche Ansage zu machen.
In dem Punkt hatte mein Ghetto immerhin einen Vorteil für mich: Ich lass mich nicht schnell klein machen! Im Notfall schlag ich zurück!
Und irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass ich automatisch immer wieder mit Menschen in Kontakt komme, die es mit dem Gesetz nicht ganz so genau nehmen: Selbst hier im beschaulichen Südtirol wüsste ich wieder problemlos, wen ich fragen müsste bezüglich Drogen oder Waffen – und das obwohl Südtirol nicht unbedingt zu den Gegenden gehört, die man wegen ihrer Gefährlichkeit meiden sollte…
Also vielleicht kann ich dem auch einfach nicht aus dem Weg gehen.

Montag, 29. Mai 2017

Wann ist Sex einvernehmlich - und muss das sein?

Im Zuge der Diskussion zum Jubiläum der Reform des Vergewaltigungsparagraphen §177, äußerte Anne sich folgendermaßen:

„Wenn für mich nicht-einvernehmlicher Sex OK (und sogar wahnsinnig geil) ist, bedeutet das auch nicht, dass ich dies für andere Leute verallgemeinern möchte.“

Da stellt sich zunächst die Frage, was es bedeutet, dass Sex einvernehmlich ist. Ich verstehe es so, dass beide (oder alle) Beteiligten mit dem Geschehen einverstanden sind – und von keinem der Wille gebrochen wird. Eine „Spielerei“ wie ein wenig Gegenwehr überwinden, ändert nichts an der Einvernehmlichkeit.

Die Aussage von Anne ist für mich daher völlig unverständlich! Entweder man möchte Sex bzw. es ist „OK (oder sogar wahnsinnig geil)“ oder man möchte eben keinen Sex und der andere nimmt sich dennoch, was er möchte: Das erste ist einvernehmlich, das zweite eindeutig nicht.  Aber wie man Sex gleichzeitig wollen und dennoch nicht wollen kann, das begreife ich einfach nicht. Auf die Frage an Anne, wie sie denn das Wort „einvernehmlich“ interpretiert (möglich dass daher das Missverständnis rührt) habe ich leider keine Antwort bekommen.
Sondern sie hat hingegen wieder auf das Gesetz verwiesen:

„Im Gesetzestext steht etwas von „gegen den erkennbaren Willen“, nichts von „Einvernehmlichkeit“.
Es ist also müßig, darüber zu diskutieren.“

Ich habe das Gefühl, dass Anne die Passage „erkennbaren Willen“ so interpretiert, dass nur die Wahrnehmung von außen zählt – also wenn ein Zuschauer den Eindruck hat, es handelt sich um eine Vergewaltigung, wird der vermeintliche Täter verurteilt, obwohl der Sex eigentlich keine Vergewaltigung war.
Allerdings ist das erkennbarer Willen genau aus einem ganz anderen Grund dort und muss auch völlig anders interpretiert werden. Es geht dabei darum, ob im Falle einer Beschuldigung der tatsächliche Willen des Opfers von außen erkennbar war – sofern dieser natürlich gegen den Sex stand. Der Grund ist ganz einfach der, dass man niemanden der Vergewaltigung verurteilen darf, der gar nicht die Möglichkeit hatte, zu erkennen, dass das vermeintliche Opfer nicht will. Dieser Absatz schützt hier also den Beschuldigten – genau das Gegenteil, was Anne dort hineininterpretiert!

Ich vermute mal, dass es bei Anne und ihrer Fantasie von nicht einvernehmlichem Sex auch ein wenig einfach um das überwältigt werden und sich fallen lassen können bzw. auch mal einfach benutzt werden, geht. Es gibt ja Untersuchungen, die zeigen, dass ein nicht geringer Teil der Frauen solche und ähnliche Fantasien hat.

Und ich kann diese Wünsche als BDSMlerin natürlich auch nachvollziehen. Auch mich reizt es manchmal einfach ein wenig widerspenstig zu sein und mich zu wehren, bevor er mich dann überwältigt. Aber würde das keinesfalls als „nicht einvernehmlich“ kategorisieren. Denn letztendlich will ich ja genau das: überwältigt werden.
Sex, der von beiden gewollt ist, ist einvernehmlich! Das ist es völlig egal, wie das für einen Dritten von außen scheint. Egal, ob der Nachbar sagt: „Aber er hat sie geschlagen, gefesselt und vergewaltigt. Das habe ich ganz genau gesehen! (durchs Fenster, mit meinem Fernglas)“. Sobald beide Beteiligten sagen, dass es genau so gewollt war, wird sich kein Staatsanwalt und kein Gericht dafür interessieren. Also auch das Argument, das man bei härterem Sex befürchten müsste, eine dritte Person könne dies zufällig beobachten und als Vergewaltigung anzeigen, finde ich eher ein wenig überängstlich. Schließlich dürfte es auch in dem Fall kein Problem sein, deutlich zu machen, dass alle Beteiligten einverstanden waren.
Dass das Wort der Ehefrau in dem Fall nicht zählen würde, wie Anne bei sich auf dem Blog schreibt, ist auch Unsinn. Natürlich muss geschaut werden, ob die Frau unter Druck gesetzt wird (was bei missbräuchlichen Beziehungen nicht selten der Fall ist), aber das lässt sich meist recht schnell erkennen: Wirkt die Frau selbstbewusst und sagt deutlich, dass sie das wollte oder wirkt sie eher ängstlich und eingeschüchtert. Ich denke nicht, dass eine Frau wie Anne da ein großes Problem hätte, ihren Standpunkt deutlich zu machen.

Natürlich ist ein solcher Kontakt mit dem Gesetz bzw. dessen Hütern zunächst nicht besonders angenehm, aber dennoch nötig, damit Menschen, die tatsächlich in Gefahr sind bzw. vergewaltigt wurden, geholfen werden kann. Und natürlich kommt es vor,  dass übereifrige Nachbarn die Polizei rufen, Bekannten von mir ist das tatsächlich passiert: Die Polizisten haben Frau und Mann voneinander getrennt befragt und da sich beide Aussagen deckten in der Hinsicht, dass alles einvernehmlich war, sind sie wieder weg – also keine Anklage, kein garnichts.

Niemand sollte nicht-einvernehmlichen – und damit gegen den eigenen Willen – Sex haben müssen und niemand sollte im Netzt eine Vergewaltigung runterspielen, indem man so tut als wünsche man sich das! Kein Mensch möchte vergewaltigt werden, denn das ist alles andere als toll oder geil!

Freitag, 26. Mai 2017

Leistungswahn?

Ich bin vor kurzem über einen Artikel auf Edition F gestolpert: „Leistungswahn amWochenende: Power dich aus, bis zu zusammenbrichst!“. Ist ja erstmal schön und gut, dass sich da jemand gegen einen „Leistungswahn“ ausspricht. Niemand sollte sich auch gerade noch am Wochenende stressen und unter Druck setzen, stattdessen sollte man sich entspannen, die Zeit mit angenehmen Dingen verbringen, die einem Spaß machen!
Aber da fängt das Problem mit dem Artikel schon an: Die Autorin scheint der Meinung zu sein, dass nur die Dinge, die ihr Entspannung bringen auch gut für andere sind und kritisiert deshalb die Hobbies anderer Menschen:

„Selbst auf Sardinien habe ich einen Jogger auf der Landstraße gesehen – bei 43 Grad im Schatten! „Junge, hau Dich an den Strand“, hätte ich am liebsten gerufen.“

Und warum sollte faul am Strand rumliegen jetzt so viel schöner sein, als joggen? Ich persönlich würde es schrecklich finden, den ganzen Tag nur rumzuliegen . Speziell im Urlaub, will ich mich bewegen, was erleben und was vom Land sehen. Und vermutlich würde ich auch viel lieber bei Sonnenaufgang am Strand joggen gehen als dort unter zigtausend Touristen im Sand zu liegen – das ist definitiv nicht das, was ich als entspannend empfinde.

Und weiter wird die folgende Frage gestellt:

„Was ist eigentlich los mit unserer Gesellschaft, dass wir glauben, auch  noch in der Freizeit Leistung erbringen zu müssen? Warum liegen wir – als so ungefähr die Privilegiertesten auf dem Planeten – nicht in der  Hängematte und chillen? Was müssen wir uns denn beweisen?“
 
Was ist eigentlich los mit der Autorin, dass sie glaubt, in der Hängematte zu chillen wäre für alle so unglaublich erstrebenswert? Warum ist sie der Meinung, dass man nicht auch im Laufen, Schwimmen, Radfahren und Berge besteigen seine Erfüllung und Entspannung finden kann? Was ist so schrecklich daran, wenn andere Menschen ihre Freizeit auf andere Art verbringen als die Autorin?
Fühlt sie sich selbst durch die Hobbies oder Erfolge anderer irgendwie unter Druck gesetzt, ebenfalls so sein zu müssen und versucht deshalb als Gegenpol die anderen aufzufordern, so zu sein wie sie ist. Wenn alle faul am Strand oder in der Hängematte rumliegen, muss man selbst sich in der Situation gar nicht mehr so schlecht fühlen.

Wenn ich aber einen Marathon laufen möchte, mich dabei oder bei meinem Training dafür gut fühle – laufen genieße und es entspann, dann möchte ich bitte auch nicht von anderen belehrt werden. Soll sie doch tagelang irgendwo rumliegen und dabei glücklich sein - und andere ebenfalls ihre Freizeit genießen lassen!

Montag, 22. Mai 2017

Tinder - so oberflächlich bin ich einfach nicht

Ich habe mich vor kurzem bei Tinder angemeldet, einfach weil ich neugierig auf diese App war. Gleich vorweg, um die Spannung rauszunehmen: Bisher habe ich mich mit keiner Person über Tinder getroffen – das Ding scheint irgendwie nicht für mich geeignet zu sein… Ich glaube, ich bin einfach zu wenig oberflächlich dafür.
Für mich zählt einfach mehr Charakter und Ausstrahlung als reine Optik. Ich habe mich selbst beobachtet, worauf ich dabei achte, wenn ich entscheide, ob ich ein Profil nach links (nope) oder rechts (like) schiebe. Meine eigenen Kriterien waren für mich durchaus interessant und aufschlussreich:

-       Als erstes ist das wichtigste für mich ein besonderes Lächeln (schwer zu beschreiben)
-       Tiere mit auf dem Bild wurden von mir ebenfalls positiv bewertet, weil ich selber gerne Tiere mag (habe auch zwei Katzen)
-       Wenn jemand nur Bilder in seinem Profil hatte, auf denen er nicht eindeutig zu erkennen war (mehrere Personen oder Helm etc.), fiel das eindeutig negativ auf, Tinder ist doch nicht für „Katze im Sack kaufen“
-       Positiv kamen bei mir tolle Sprüche im Profil an, denn wenn mir jemand optisch zugesagt hat, habe ich mir die kurzen Profile angesehen, bevor ich mich entschieden habe.
-       Und noch ein wichtiges Kriterium: Die Sprache (da habe ich zu Beginn leider wenig drauf geachtet), derjenige sollte deutsch oder englisch beherrschen.

Also alles eher weniger oberflächliche Kriterien. Scheine demnach nicht wirklich geeignet zu sein für Tinder. Ein einziger, mit dem ich mich etwas länger unterhalten hatte, mit dem ich mich auch getroffen hätte, allerdings war mir eine Entfernung von ca. 100km dann irgendwie doch auch zu weit.

Die Gespräche über Tinder waren dann auch eher weniger niveauvoll wie beispielsweise:

Er: „Hast du WhatsApp und kannst du mir deine Nummer geben?“
Ich: „Ja, habe ich, aber bisher weiß ich noch nicht, ob ich dir meine Nummer geben sollte…“
Er: „Warum das :*“
Ich: „Bisher weiß ich noch zu wenig von dir… Warum willst du das denn?
Er: „Könnten Bilder tauschen und so“
Ich: „Du hast mir noch nicht einmal verraten, was du hier eigentlich suchst?“
Er: „Was sich ergibt und du <3“
Ich: „Was sich ergibt klingt gut… Sehe ich ähnlich, aber ich möchte, dass jemand ehrlich zu mir ist“
Er: „ja J Ich liebe deine Augen… und vor allem diese großen Brüste“
Ich: „Meine Augen sind aber nicht im Dekolleté ;P“
Er: „Hehe trotzdem schön… Darf ich dir einen Knutschfleck machen“
Ich: „Ne“
Er: „Warum?“
Ich: „Weil ich das nicht mag und das voll kindisch ist“
Er: „Oke. Aber auf Tittenmassage hast schon lust?“

Darauf habe ich dann nicht mehr geantwortet. Das ist es also, was ein Mann versteht unter „was sich ergibt“

Also mein Fazit ist, ich schau mich noch ein wenig bei Tinder um, vielleicht gibt’s da ja doch ganz lustige interessante Erlebnisse, die man dann wieder verbloggen kann.
Möglicherweise melde ich mich bald auch einfach wieder ab: So oberflächlich bin ich dann doch einfach nicht…  
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Samstag, 20. Mai 2017

Ansprechen und die Körbe

Auf allesevolution  gab es im Zusammenhang mit diesem wundervollen Comic  von erzählmirnix eine interessante Diskussion. Dort kam die Aussage auf, dass man es als Frau nicht nachempfinden könne, wie es für Männer sei, einen Korb (oder besser ständig einen Korb) zu bekommen.
Matze stellt die Frage:
 
„Wäre mal interessant zu erfahren wie viele Körbe Männer und Frauen sich jeweils durchschnittlich abholen müssen, bevor sie in einer festen Beziehung stecken.“
 
Meine Vermutung geht tatsächlich auch in die Richtung, dass es bei Männern einige mehr sind und bei Frauen gegen Null geht. Das aber nicht, weil Männer keine Körbe verteilen, sondern in erster Linie, weil Frauen nicht aktiv auf Männer zugehen. Zumindest die meisten nicht. Sie warten. Sie warten darauf, dass der von ihnen ausgesuchte Mann aktiv wird. Und wenn es der falsche ist, dann muss man eben einen Korb verteilen.
Wobei ich mich hier im Text mehr dem Thema Flirten und Ansprechen statt einer tatsächlichen Beziehungsanbahnung (die es meiner Ansicht nach erst nach einiger Zeit des Kennenlernens gibt) widmen möchte.
 
Wenn Frauen so auf Männer zugehen würden, wie es Männer tun, die häufig Körbe kassieren, würden diese ebenso viele Körbe bekommen. Blöde auswendig gelernte Anmachsprüche wie der in dem Comic von Erzählmirnix oder völlig ohne vorheriges Gespräch die Frage nach der Telefonnummer. Hallo? Warum sollte ich als Frau Interesse daran haben, einem für mich in dem Moment völlig fremden Mann meine Telefonnummer zu geben?
So naiv kann man doch nun wirklich nicht sein. Aber Männer sind so naiv! Viele Männer sind so naiv. Viele Männer haben auch kaum eine Vorstellung davon, in welcher Liga sie spielen und dass ich mich nicht über einen (vielleicht auch nett gemeinten) auswendig gelernten Spruch von einem Mann, der mein Vater sein könnte freue, sollte demjenigen auch im Voraus klar sein…
 
Ich bin wirklich immer nett und höflich, ich lerne tatsächlich gerne neue Menschen kennen. Das heißt, wenn sich ein Mann nicht zu dämlich anstellt und nicht gerade doppelt so alt ist wie ich, dann lasse ich mich meist zumindest auf ein Gespräch ein (außer ich habe an dem Tag absolut keine Lust auf Menschen), um den Charakter kennenzulernen  - vielleicht verbirgt sich ja auch hinter einer durchschnittlichen Fassade ein wunderbarer Mensch J
Aber auch hier sind Männer wieder ziemlich naiv: Vielen denken doch tatsächlich, dass die Zusage zu einem gemeinsamen Getränk gleich die Zusage zu mehr ist. Ein Freund von mir hat mir das mal so erklärt, dass es heute wohl normal ist, dass die meisten Frauen einfach extrem unfreundlich sind und wenn dann mal eine nett ist, macht man sich schnell Hoffnungen auf mehr. Scheint ein Teufelskreis zu sein, denn als Frau denkt man dann, dass man eher etwas deutlicher sein muss, in einer Ablehnung, damit sich jemand nicht falsche Hoffnungen macht usw....
 
Und wie ist das jetzt mit den Körben, die Frauen bekommen?
Wenn ich abends weggehe und jemanden anspreche, habe ich noch nie einen Korb bekommen – und das sogar, obwohl ich recht häufig wen anspreche. Wenn ich an diesem Abend beispielsweise auf Sex aus war, habe ich das auch in 100% der Fälle bekommen.
Ich kann in dem Punkt also vermutlich echt nicht nachvollziehen, wie sich jemand fühlt, der immer wieder abgelehnt wird. Aber ich spreche auch nicht wahllos irgendwelche Typen (was einige Männer meinem Eindruck nach genauso machen) an, damit irgendwer schon darauf eingeht, sondern nur diejenigen, die mir gut gefallen.
Die Normalität allerdings sieht auch für die meisten Frauen anders aus: Die meisten Frauen sprechen keine Männer an! Wenn man niemanden anspricht, kann man auch keinen Korb bekommen. Das führt dann zu solchen Szenen, dass Freundinnen von mir einen ganzen Abend lang irgendeinen Typen anstarren, den sie heiß finden und hoffen, er möge doch Kontakt aufnehmen (was meist nicht passiert). Die Angst vor Körben ist vorhanden, denn genau sie verhindert in dem Moment, dass sie sich den Typen einfach krallt. Ich mache eben genau das: Wenn mir einer gefällt, dann gehe ich hin und spreche ihn an. Denn so ist der Erfolg um einiges größer als wenn man nur rumsitzt und versucht ihn durch den Raum zu hypnotisieren.
Ich selbst bin vermutlich das, was man positiv als „Vamp“ und negativ mal als „Schlampe“ bezeichnen könnte. Von Freunden höre ich manchmal Aussagen wie:
„Wie machst du das, dass du immer die Typen kriegst, die du willst?“ oder nachdem ich zu Beginn einer Party zu einer Freundin gesagt habe, welchen Typen (definitiv der attraktivste der ganzen Party) ich an dem Abend gerne mitnehmen würde (zu dem Zeitpunkt hatte ich mit demjenigen noch nicht ein Wort gewechselt) und wir nachher gemeinsam ins Hotel gehen, einfach nur „ich versteh einfach nicht wie du das immer hinkriegst“. Und erst heute meinte eine Freundin zu mir: „ich glaube, du könntest einfach jeden verführen – egal ob Mann oder Frau, also natürlich, wenn die Frau nicht strikt hetero ist“ (wenn die wüsste, dass ich auch sie mal gerne… nein, lassen wir das ;) )
Der Punkt ist, ich bin auch in diesem Punkt vermutlich nicht repräsentativ für die meisten Frauen.  Die meisten Frauen können sich durchaus vorstellen wie es ist, einen Korb zu bekommen – sonst hätten sie ja nicht so eine Angst, Männer anzusprechen. Und auch ich habe eine – wenn auch wage – Erinnerung wie es ist, diese Ansprechangst zu spüren, denn ich war in meiner Jugend nicht so selbstbewusst wie ich es jetzt bin. Ich war eher das genau Gegenteil: schüchtern, zurückhaltend, unsicher und bloß nicht blamieren. Das Problem an dieser Einstellung ist, dass man im Leben immer die Arschkarte zieht und nie das erreicht, was man eigentlich will!
Also liebe Männer: versucht zu verstehen, wer ihr seid und was ihr wollt. Versucht zu erkennen, wo ihr steht und welche Frauen zu euch passen. Und dann keine blöden Anmachsprüche oder die unverschämte Frage nach der Handynummer aus dem nichts, dann sind die Chancen auf ein erstes nettes Gespräch sicher gar nicht so schlecht ;)
(Und für diejenigen, die intelligent sind und ernsthafte Absichten haben, würde ich auch ein wenig Pick Up empfehlen)
 

Donnerstag, 18. Mai 2017

§177: Seit 20 Jahren ist jede Vergewaltigung auch als solche strafbar

Noch bis in das Jahr 1997 war ein Vergewaltigung innerhalb der Ehe ebenso nicht als Vergewaltigung strafbar wie die Vergewaltigung eines Mannes. Diese beiden Punkte wurden vor heute zwanzig Jahren im Gesetz geändert.
Heute spielt es bei der Vergewaltigung keine Rolle mehr, ob die beteiligten Personen miteinander verheiratet sind oder nicht: Wer den Beischlaf vollzieht, obwohl die andere Person sich dagegen wehrte, musste seit 1997 damit rechnen wegen Vergewaltigung vor Gericht gestellt zu werden.
Aber dieser Bereich ist sehr schwierig zu be- und sicher auch zu verurteilen. Es gibt kaum Zeugen neben den beteiligten Personen und wer zeigt schon seinen eigenen Partner an.
Zahlen, wie viele Vergewaltigungen in der Ehe es seit 1997 tatsächlich zu einer Verurteilung gebracht haben, konnte ich leider auch nicht finden.
Sollte es sich also doch eher um eine Symbolpolitik handeln? Einerseits vermutlich schon, aber es ist ein wichtiges Symbol! Eines, was den Opfern zeigt, dass es nicht in Ordnung ist, was mit ihnen gemacht wird. Eines, das Kraft geben soll, aufzustehen und sich zu Wehr zu setzen! Eines, das zeigt: keiner muss es hinnehmen vergewaltigt zu werden – auch nicht innerhalb der eigenen Partnerschaft! Beischlaf ist keine Pflicht!

Es gibt auch Personen, die das Thema etwas anders beurteilen und diese Gesetzesänderung anscheinend für überflüssig halten wie beispielsweise Anne. Sie schreibt in ihrem Artikel zum Thema:

„Mit der Einführung der Strafbarkeit von „Vergewaltigung in der Ehe“ wurde staatlicherseits die Ehe abgewertet. Grundsätzlich geht es Außenstehende nämlich überhaupt nichts an, was Ehepartner im Rahmen ihrer Ehe miteinander treiben."

Mit dieser Auffassung würde man aber auch jegliche Gewalt legitimieren sofern sie innerhalb einer Ehe stattfindet. Und wenn ein Opfer dann gehen will, wird es eben eingesperrt, geschlagen und vergewaltigt – aber den Staat geht das Ganze ja überhaupt nichts an!
Doch, der Staat ist in der Verantwortung, seine Bürger zu schützen und auch innerhalb einer Ehe, sollte jeder noch als eigenständiger schützenswerter Bürger wahrgenommen werden. Man gibt doch nicht seine Menschenrechte bei der Hochzeit ab!
 
Die erste Aussage wird allerdings ein klein wenig abgeschwächt dadurch, dass Anne auf die bereits vor 1997 bestehenden Gesetze verweist, die sexuelle Nötigung durchaus auch innerhalb der Ehe bestrafen.

Ich muss zugeben, dass ich Annes Sicht ein klein wenig nachvollziehen kann, da ich selber auch mal so bzw. ähnlich gedacht habe: Vergewaltigung innerhalb der Ehe ist doch unlogisch, da man ja einerseits sowieso gerne miteinander Sex hat und andererseits natürlich aus Liebe und Rücksicht dem anderen Gegenüber handelt (also nicht zum Sex zwingen bzw. auch mal dem Sex zustimmen, wenn man Selbst gerade nicht ganz so geil ist).
Und dieser Meinung bin ich eigentlich noch immer, aber eben nicht im Bezug auf die Ehe. Der Unterschied ist, dass das von mir genannte Verhalten das Übliche in einer glücklichen Partnerschaft zweier sich liebender Personen ist. Aber weder ist eine solche Partnerschaft an eine Ehe gebunden, noch bedeutet eine Ehe zwangsläufig glückliche Partnerschaft.
Ich denke daher: In einer glücklichen Partnerschaft kann es keine Vergewaltigung geben, innerhalb der Ehe (die vielleicht zu Beginn mal eine glückliche Partnerschaft war) allerdings schon.

Nicht alle Eheleute sind dauerhaft glücklich miteinander, so manch einer bleibt nur noch wegen der Kinder beim Partner, was nicht bedeutet mit diesem weiterhin Sex haben zu wollen. Auch möglich, dass ein Alkoholiker sich volltrunken dann gerne mal holt, was er denkt, dass ihm gehört – ohne Rücksicht. Es gibt viele denkbare Szenarien für eine Vergewaltigung in der Ehe, die in jedem Fall strafbar sein sollten.

Die Frage, die sich dann stellt ist natürlich, warum geht das Opfer nicht statt sich weiterhin diesen Zuständen auszusetzen? Die Antwort ist einerseits ziemlich einfach und simpel, aber andererseits für die Menschen in einer solchen Situation dennoch schwer zu ändern: Gewohnheit. Menschen hassen Veränderungen und Unsicherheiten und die jetzige Situation ist immerhin eine bekannte Situation, man muss nichts verändern. Außerdem hat man immer noch die Hoffnung, dass es vielleicht so wird wie früher. Nicht jeder Mensch hat einen so starken Charakter und das Selbstbewusstsein, dass er es schafft sich möglichst schnell aus einer solchen Beziehung zu lösen.
Leute wie Anne (oder auch ich selbst) hätten vermutlich die Kraft dazu, aber die Gesetze sind eben dazu da auch die Schwächsten zu schützen und das sind in solchen Situationen eben jene, die nicht die Kraft haben! Dafür braucht es dieses Gesetz: Um Täter und Opfer klar zu machen, dass das, was geschieht nicht in Ordnung ist und bestraft werden muss!

Es haben sich bereits weitere Blogger mit dem Thema auseinandergesetzt:

Donnerstag, 4. Mai 2017

Ein Bett ist keine Erwartungshaltung


Es gibt mehrere Situationen, bei denen ich mit einer weiteren Person in einem Bett lieg/schlafe. Die bekannteste ist sicherlich auch, dass ich die Person sexuell anziehend finde und es Sex gibt, aber es gibt meiner Meinung nach noch haufenweise anderer guter Gründe, eine gemeinsame Nacht (und nein, damit ist kein Sex gemeint!) miteinander zu verbringen. Beispielsweise ein DVD-Abend im gemütlichen Bett (speziell in einer WG gibt es oft nur ein gemeinsames Wohnzimmer oder eben das Bett für diesen Zweck) oder nach dem Feiern zu betrunken und/oder zu müde, um noch nach Hause zu fahren.
Und ich muss zugeben, dass ich auch bei Freunden lieber im Bett schlafe und noch lange Gespräche bis in die Nacht führe statt einsam und alleine auf dem Sofa zu übernachten.
Wo ist überhaupt der Vorteil, wenn man auf dem Sofa übernachtet statt im Bett. Ich sehe da keinen Sinn drin – außer natürlich der unterstellten sexuellen Komponente, die von anderen mit ins Spiel gebracht wurde aus dem Weg zu gehen.
Anne schreibt in ihrem Text „Zwei in einem Bett“:

„Ich würde niemals auf die Idee gekommen, mich mit jemandem ins Bett zu legen, mit dem ich keinen Sex haben wollte (was nicht impliziert, dass der Sex tatsächlich sofort stattfinden muss).“

Aus meiner Sicht impliziert diese Aussage aber, dass mit dem gemeinsamen Bett eine Erwartung nach Sex verknüpft ist. Das bedeutet, Anne selbst legt sich nicht mit jemanden ins Bett, mit dem sie keinen Sex möchte. Und in der Bewertung einer anderen Situation (die der ursprüngliche Ausgangspunkt der Diskussion war), legt sie einen ähnlichen Maßstab auch an andere an. Das bedeutet also, wenn ich mich zu jemandem ins Bett lege, muss ich damit rechnen, dass derjenige versucht, mit mir zu schlafen. Das finde ich sehr merkwürdig.
Und vor allem finde ich es auch merkwürdig, welches Männerbild damit einhergeht: Der Mann, der bei einer Frau in seinem Bett nicht an etwas anderes als Sex denken kann, von seinem Trieb geleitet/bestimmt. Obwohl Anne auch erwähnt, dass es Männern wohl möglich ist, diesen zu unterdrücken. Also nochmal Glück gehabt: Männer sind wohl doch keine völlig triebgesteuerten Tiere, die gleich über einen herfallen, wenn man sich zu demjenigen ins Bett legt.

Ob es mit jemandem zum Sex kommt, mit dem ich in einem Bett liege, hängt vor allem auch von der Beziehung zueinander ab, die bereits zuvor bestand. Es gibt bei mir Freunde, die ich sehr anziehend finde und mit denen ich auch Sex habe und diejenigen, die ich in gewisser Weise als asexuelle Wesen wahrnehme und dann noch diejenigen, mit denen ich mir sexuell was vorstellen könnte, aber die nicht mit mir. Wenn man sich freundschaftlich gut versteht, sehe ich dennoch überhaupt kein Problem dabei, mich zu jemandem ins Bett zu legen – auch wenn ich weiß, es gibt kein Sex bzw. ich kein Sex mit der Person will.

Ich gehe da von der Eigenverantwortung aus: Jeder ist für sich und seine Gefühle selbst verantwortlich. Wenn jemand nicht damit klarkommt, dass ich halbnackt neben demjenigen liege und schlafe (aber nicht mit ihm schlafe), dann sollte derjenige mich am besten gar nicht in sein Bett lassen bzw. sich nicht in meines legen. Kommentare wie die folgenden auf eben diese Aussage haben mich dann schon etwas schockiert:  

„Im Endeffekt ist „jeder ist für sich selbst verantwortlich“ vor allem eines: eine bequeme Ausrede, seinen Mitmenschen beliebig auf den Kopf zu schei***. Ich nenne es wie es ist: asozial.“

„Wer die unterschiedliche *Reaktion* auf „zusammen Eis essen gehen“ und „zusammen in einem Bett schlafen“ abkanzelt mit „Jeder ist für seine Gefühle alleine verantwortlich“, der negiert auf eine fundamentale Weise die Tatsache dass sein Handeln Konsequenzen hat. Besonders perfide ist das, wenn diese Konsequenzen unangenehm (für einen selbst) sind. In diesem Fall ist „Jeder ist für seine Gefühle alleine verantwortlich“ nichts anderes als dem anderen etwas in die Schuhe zu schieben und den eigenen Anteil auszublenden.“

Um welche Konsequenzen geht es hier? Wohlmöglich sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung? Nein verdammt! Dafür ist genau eine Person verantwortlich: Derjenige der nötigt und/oder vergewaltigt und niemand sonst.
Wie ich schon einmal schrieb: Männer sind keine triebgesteuerten Tiere! Eine sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung ist niemals die Schuld der entsprechenden Frau (oder auch des Mannes), sondern immer des Täters (aka Täterin)!
Natürlich gehe ich auch davon aus, dass man als Frau deutlich macht, was man will und was nicht, wenn man das nicht tut, sondern bei sexuellen Handlungen aus irgendeinem ominösen Pflichtgefühl mitmacht (ja weil man vielleicht so einen Unsinn gehört hat, dass man selbst schuld ist, wenn man sich zu jemanden ins Bett legt), dann ist man tatsächlich selbst schuld. Man muss sich eben auch mitteilen! Der andere muss natürlich wissen, dass Berührungen o.ä. nicht erwünscht sind!

Was mich freut ist, dass Anne innerhalb der Kommentardiskussion bemerkt:

„Wie die Diskussion hier zeigt, ist dies eigentlich einfache Thema doch sehr von unterschiedlichen Grundannahmen geprägt.
Wenn zwei Menschen, die dies gegensätzlich sehen, gemeinsam in einem Bett landen, sind Missverständnisse vorprogrammiert.“

Und genau damit hat sie absolut Recht und deshalb ist auch Kommunikation so wichtig. Ich hatte zu Beginn der Diskussion den Eindruck, dass es für Anne eine Selbstverständlichkeit ist, sich nicht mit einer Person in ein Bett zu legen, mit der sie keinen Sex will und dass sie bisher davon ausgegangen ist, das sei bei allen so, man wecke falsche Erwartungen, wenn man das macht.
Aber ein Bett ist keine Erwartungshaltung! Es gibt die mündliche Kommunikation und auch die körperliche: Wenn jemand körperlich wird und ich zeige, dass es mir gefällt, ist es ok. Wenn mich jemand anfasst und ich ihm deutlich mache, dass er das zu lassen hat, dann muss das respektiert werden – so einfach ist das. Und dabei ist es völlig egal, ob wir gemeinsam auf einer Parkbank sitzen oder im Bett liegen.
 
 

Anmerkungen:
Ausgangspunkt war ursprünglich dieser Text bei kleinerdrei, in dem eine Frau rückblickend ein Erlebnis aus ihrer Jugend beschreibt. Dieses Erlebnis kategorisiert sie in der Rückschau als sexuelle Gewalt, was sie damals nicht so wahrnahm.

Als Reaktion darauf schreibt Christian bei AllesEvolution einen Text  in dem er die Meinung vertritt, dass sie selbst mitverantwortlich ist und es sich nicht um sexuelle Gewalt handelte, da sie ja immer wieder zu ihm ging und sich mit ihm in ein Bett legte.

Darauf hat Anne mit „Zwei in einem Bett“ reagiert