Dienstag, 6. Dezember 2016

Ein bisschen Bi schadet nie?

Margret hat einen Artikel zum ThemaBisexualität von Frauen geschrieben, bei dem sie die von ihr so bezeichneten „Dreier- Bis“ verurteilt.

So schreibt sie beispielsweise:

„Dreier-Bis sind Frauen, die noch nie eine Beziehung mit einer Frau hatten, noch nie in eine verliebt waren und das auch gar nicht wollen („Irgendwie stand ich schonmal bissel auf meine BF, so rein optisch – hihihi“). Sie haben ausschließlich Beziehungen mit Männern. Warum sie sich trotzdem bi nennen (aber bloß nicht zuviel!)? Weil sie Dreier „irgendwie schick“ finden. Ab und an rennen sie dann noch auf ebenso todschicke „Bi-Partys“.“

Hier haben wir also schon mal eine Definition für die verhassten „Dreier-Bis“. Was besagte Parties angeht, so liefert Margret natürlich gleich ein Beispiel mit:

„Wer sich nun fragt, was genau das sein soll, der lese gerne hier nach. Jup. Der fleischgewordene Hetero-Mainstream-Porno-Traum.“

Statt zu betonen, dass es auf der Party im Artikel tatsächlich darum geht, dass Frauen ohne Druck durch männliche Blicke (oder evtl. vorhandene männliche Partner) ihre Sexualität ausleben können, wird so getan, als ginge es mal wieder nur um Männer.
Warum kann man nicht einfach mal – gerade wenn es eigentlich nur um Frauen geht - die Männer außen vor lassen?

Sehr schön auch der folgende Absatz, der besagte Party beschreiben soll:

„Lauter geile wilde Weiber, natürlich allesamt ganz wunderherrlich und eigentlich doch hetero und in festen Beziehungen mit Männern und so, aber schon auch irgendwie bi, nur so im sexuellen Sinne und nur so bisschen, bloß nicht zuviel, versteht sich, und alle mit mindestens C-Körbchen und so, die gemeinsam mal die Sau rauslassen – mit Vibrator und Strapsen etc. (wird das eigentlich gleich live ins Netz übertragen?).Der geneigte Leser fragt sich, ob da irgendeine(r) deutlich zuviel Beate Uhse Pornos gesehen hat. Aber lassen wir das.“

Wenn man den anderen Artikel tatsächlich liest, so stellen sich mir allerdings folgende Fragen:

-          Woher weiß Margret, dass alle Gäste auf der Party eigentlich hetero und in Beziehungen mit Männern sind? Im Artikel wird lediglich, erwähnt, dass die Autorin den Eindruck hat, dass einige der Gäste eigentlich Beziehungen mit Männern führen.

-          Auch die Körbchengröße wird nicht so allgemein erwähnt, wie hier der Eindruck erweckt werden soll. Nur in der Beschreibung einer einzelnen Person wird gesagt, diese hätte ein C-Körbchen. (eine einzige Person – nicht alle!) Woher also weiß Margret über die Körbchengrößen der anwesenden Personen Bescheid?

-          Und wieso überhaupt ist die Körbchengröße irgendwie relevant?

-          Und zum Schluss natürlich: Alles, was man selbst nicht kennt bzw. nur aus Pornos, kann wohl nicht real sein?

Hier wird also pauschal das Ausleben weiblicher Sexualität negativ konnotiert, als unrealistisch abgestempelt oder einfach nur wieder als nicht wertig/eigenständig genug (man macht das ja sowieso nur, um irgendwelche Männer zu beeindrucken) angesehen.
Frauen, die selbstbewusst ihre Sexualität ausleben, sollten gerade von Feministinnen unterstützt und nicht verurteilt werden.
Auch wenn diese Art nicht meiner eigenen Sexualität entspricht, so muss ich dennoch niemanden verurteilen.

Aber Margret hat natürlich einen Grund, warum sie die „Dreier-Bis“ so hart verurteilt:

„Mit anderen Worten: Dreier-Bis sind unglaublich nervig. Und unglaublich laut. Und unglaublich lästig. Und der Grund dafür, warum viele Bis sich Homosexuellen gegenüber gar nicht mehr outen wollen. Wer will schon ernsthaft mit denen (also den Dreier-Bis) verwechselt werden?“

Ganz schlimm, wenn man andere Menschen pauschal in eine Schublade steckt statt sie als Individuum mit eigenen Vorlieben und Interessen zu betrachten. Und wohl noch schlimmer, wenn man versehentlich selbst mit in dieser Schublade landen könnte. Nein, so eine ist man dann doch nicht! Klar, es ist natürlich viel einfacher auf andere von oben herabzusehen und diese für ihr vermeintlich falsches Verhalten zu verurteilen.
Denn:

„Dreier-Bis flöten Sätze wie „Ich will mal meine lesbische Seite entdecken“. Ihre Motivation bewegt sich irgendwo zwischen „Mein Freund findets geil“ und „Mein Mann wird eifersüchtig, wenn ich mit nem Kerl fremdgehe, aber bei einer Frau steht er drauf („Darf er mal zugucken?“)“.
Dreier-Bis sind sich nicht zu blöd, lesbische Frauen nach einem Dreier zu fragen oder zumindest nach besagtem“Zugucken“ („Das wär ja dann schon eher mit mir, er hält sich dann mehr im Hintergrund“).
Dreier-Bis denken, bi zu sein, besteht hauptsächlich darin, es unbedingt mit einem Mann und einer Frau gleichzeitig treiben zu wollen. In ihrer Vorstellungswelt gibt es gar keine Bisexuellen, die nicht auf Dreier stehen („Aber dann bist Du doch nicht bi!“).
Bis vor kurzem fanden die meisten Dreier-Bis Lesbensex noch „irgendwie eklig“, aber seit sie regelmäßiger Pornos gucken, haben sie verstanden, dass das grad in sein muss.

Also ganz schlimm sind anscheinend bisexuelle Frauen, die tatsächlich mal einen Dreier wollen. Ob die Motivation für den Artikel neben dem verlinkten auf Bento wohl die Frage nach einem Dreier an Margret war? (Vermutungen über die Motivation zu bestimmten Handlungen scheinen ja gerade „in“ zu sein ;) )

Was ist für Erwachsene Frauen eigentlich so schlimm daran, auf die Frage nach einem Dreier mit „Nein, ich steh nicht darauf“ zu antworten. Was ist daran eine so große Zumutung?
Ganz ehrlich, ich habe noch nie eine Frau nach einem Dreier gefragt und bin auch noch nie so direkt gefragt worden, aber verstehe einfach nicht, warum man nicht in der Lage sein sollte, entsprechend seiner eigenen Wünsche zu handeln und dies auch mitzuteilen?
Den einzigen Punkt, den ich ein wenig verstehen kann ist, dass man selbst eben von anderen nicht in eine Schublade gesteckt werden möchte, in die man nicht hineingehört, nur weil man sich eben als bi outet.

„Ich hab’s dann gelassen. Grund: Das grottenschlechte Image von bisexuellen Frauen bei lesbischen Frauen.“

Also weil man selbst nicht in die Schublade gesteckt werden möchte, steckt man lieber andere in Schubladen und gibt denjenigen die Schuld und die Verantwortung für ein bestimmtes Image. Statt die Chance zu nutzen und zu zeigen: Hey, wir bisexuellen Frauen sind nicht alle immer geil und wollen nur Dreier, hält sie sich zurück.

Damit ist sie genauso mitverantwortlich für das von ihr behauptete schlechte Image bisexueller Frauen.

Nebenbei bemerkt finde ich Outings generell komisch…. Also dieses „Achtung, ich muss dir mal von meiner sexuellen Orientierung erzählen!“.
Ich habe mich noch nie so bewusst geoutet, einfach nur, um das zu erzählen. Es hat sich immer irgendwie ergeben, oder es wir nachgefragt, wenn ich beispielsweise beim Filmgucken einen bestimmten Charakter anziehend finde und der weiblich ist.
Egal, ob es um Bisexualität oder BDSM geht, ich bin ich und das nicht, um ein bestimmtes Image zu kreieren, Klischees zu bestätigen oder zu brechen. Mir sind Image und Klischees egal, ich beurteile andere nicht danach und möchte auch selbst als Individuum und nicht als Mitglied einer Schublade, auf der eine bestimmte Bezeichnung klebt, beurteilt werden.

Kommentare:

  1. "Hier wird also pauschal das Ausleben weiblicher Sexualität negativ konnotiert, als unrealistisch abgestempelt oder einfach nur wieder als nicht wertig/eigenständig genug (man macht das ja sowieso nur, um irgendwelche Männer zu beeindrucken) angesehen."

    Immerhin werden die korrespondierenden - angeblichen - Wünsche von Männern auch abgewertet.

    "Mir sind Image und Klischees egal, ich beurteile andere nicht danach und möchte auch selbst als Individuum und nicht als Mitglied einer Schublade, auf der eine bestimmte Bezeichnung klebt, beurteilt werden."

    Wahrscheinlichkeiten spielen für dich aber irgendeine Rolle, oder?


    Am Rande, ich schlage vor, dass du Margret über deine Replik informierst.

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    1. "Immerhin werden die korrespondierenden - angeblichen - Wünsche von Männern auch abgewertet."

      Zumindest werden diese als eigenständig angesehen.

      "Wahrscheinlichkeiten spielen für dich aber irgendeine Rolle, oder?"

      Kommt auf den Zusammenhang an. Wahrscheinlichkeiten spielen eine Rolle, wenn es um Planung bestimmter Bereiche geht o.ä.
      Bei persönlichen Begegnungen beurteile ich den Menschen tatsächlich eher danach, wie er persönlich ist als danach, welche Schublade gerade passt.

      "Am Rande, ich schlage vor, dass du Margret über deine Replik informierst."

      Ich bin davon ausgegangen, dass das automatisch passiert, wenn ich ihren blog hier verlinke...

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    2. "Zumindest werden diese als eigenständig angesehen."

      Ausgesprochen bemerkenswert.


      "Bei persönlichen Begegnungen beurteile ich den Menschen tatsächlich eher danach, wie er persönlich ist als danach, welche Schublade gerade passt."

      Wahrscheinlichkeitsannahmen, und schrittweise Anpassung/Konkretisierung/Abgleich.

      "Ich bin davon ausgegangen, dass das automatisch passiert, wenn ich ihren blog hier verlinke..."

      Kein Vorwurf wegen mangelnder Kenntnis. Ich bin digital foreigner.

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    3. "Wahrscheinlichkeitsannahmen, und schrittweise Anpassung/Konkretisierung/Abgleich."

      Selten.

      "
      Kein Vorwurf wegen mangelnder Kenntnis. Ich bin digital foreigner."

      Ich wohl auch.

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  2. "Woher weiß Margret, dass alle Gäste auf der Party eigentlich hetero und in Beziehungen mit Männern sind?"

    Die Autorin schreibt selbst, dass eben das bei den meisten der Fall ist. Dass sie eigentlich hetero sind und mit dem Begriff bi koketieren, ergibt sich für mich aus dem Gesamtbild.

    "Im Artikel wird lediglich, erwähnt, dass die Autorin den Eindruck hat, dass einige der Gäste eigentlich Beziehungen mit Männern führen."

    Sie hat nicht den Eindruck, sie schreibt es explizit. Und nicht einige sondern "die meisten".

    "Auch die Körbchengröße wird nicht so allgemein erwähnt, wie hier der Eindruck erweckt werden soll. Nur in der Beschreibung einer einzelnen Person wird gesagt, diese hätte ein C-Körbchen. (eine einzige Person – nicht alle!) Woher also weiß Margret über die Körbchengrößen der anwesenden Personen Bescheid?"

    Es ging um das Gesamtkonzept des Artikels (der ein irrsinniges Klischeebild von Bifrauen entwirft)- und da war es einfach interessant, dass die Autorin so explizit darauf hinweist.

    "Und wieso überhaupt ist die Körbchengröße irgendwie relevant?"

    Weil es das Klischee erfüllt. Es war aber auch von mir nur ein Beispiel unter vielen, wie der Artikel das Mainstream-Porno-Klischee von Bi-Frauen erfüllt.

    "Also ganz schlimm sind anscheinend bisexuelle Frauen, die tatsächlich mal einen Dreier wollen"

    Nein, schlimm sind angeblich "bisexuelle" Frauen, die Frauen als Partner ausschließen und nahezu nur Dreier oder allenfalls noch eine Kurzaffäre mit Frauen wollen, weil sie a) ihren Partner beeindrucken wollen oder b) fremdgehen wollen, ohne dass der Partner allzu sauer wird. Und die glauben und nach außen transportieren, Bi wäre gleichbedeutend mit Dreier und Bifrauen wären prinzipiell sowas wie "omnisexuell". Und ganz besonders schlimm sind "bisexuelle" Frauen, die ernsthaft lesbische Frauen nach einem Dreier fragen und nicht auf die Idee kommen, dass die natürlich kein Interesse daran haben (nein, die letzteren kamen nicht explizit in dem Artikel vor, der Artikel war nur der Auslöser, mal über die mich schon lange nervenden Dreier-Bis zu schreiben).

    "Nebenbei bemerkt finde ich Outings generell komisch…. Also dieses „Achtung, ich muss dir mal von meiner sexuellen Orientierung erzählen!“."

    Ich oute mich auch nicht andauernd, falls Du das denken solltest ^^ (Hallo, ich bin die Margret und ich bin bi ..." ^^). In dem Fall wär es aber eventuell angebracht gewesen - "Vertrauen gegen Vertrauen". Auch, um ihrer Angst, ich könne sie verurteilen, entgegenzuwirken.

    "Ich bin davon ausgegangen, dass das automatisch passiert, wenn ich ihren blog hier verlinke..." Nö. Funktioniert nur, wenn Du auch wordpress hättest.

    LG

    Margret

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    1. "Nein, schlimm sind angeblich "bisexuelle" Frauen, die Frauen als Partner ausschließen und nahezu nur Dreier oder allenfalls noch eine Kurzaffäre mit Frauen wollen, weil sie a) ihren Partner beeindrucken wollen oder b) fremdgehen wollen, ohne dass der Partner allzu sauer wird. Und die glauben und nach außen transportieren, Bi wäre gleichbedeutend mit Dreier und Bifrauen wären prinzipiell sowas wie "omnisexuell"."

      Du machst zur Grundlage, dass du im Besitz der Wahrheit dessen bist was richtiges "bi" ist. Zudem wendest du dich gegen bloß mittelbare Beeinträchtigungen.
      Es wäre vergleichbar, wenn ich mein Verständnis von Männlichkeit zum einzig richtigen erkläre, und mich gegen feminine Männer wende, weil sie dieses Bild der Männlichkeit beschädigen.

      Mir gefällt, dass du deine Gefühle ausdrückst. Die Gedanken sind interessant. Mir missfällt, dass du dich widersprüchlich verhältst, gar scheinheilig. Das wäre wenig bedenklich, wenn du nicht zur staatlichen Durchsetzung deiner Vorstellungen neigen würdest. Nichtsdestoweniger, es ist gut, dass du es geschrieben hast, und ebenso, dass Miria darauf eingeht. Sie berührt einige Dinge, die nicht zufällig sind. Das attraktivste ist die Körbchengröße.

      Eine besondere Frage: falls 75% der Frauen echt feminin sind, würdest du ihnen entsprechendes Verhalten untersagen wollen, etwa weil es Stereotypen bestätigt? Wäre es moralisch falsch von ihnen, sich weiblich zu verhalten?

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    2. Hallo Margret,

      "Die Autorin schreibt selbst, dass eben das bei den meisten der Fall ist. Dass sie eigentlich hetero sind und mit dem Begriff bi koketieren, ergibt sich für mich aus dem Gesamtbild."

      Für mich klang das in dem Artikel ganz anders. Mehr nach einer persönlichen Vermutung der Autorin. Alles andere halte ich auch eher für wenig glaubwürdig. Sie wird wohl kaum eine Umfrage auf besagter Party gemacht haben, um tatsächlich zu wissen, ob die meisten einen männlichen Partner haben...

      "Es ging um das Gesamtkonzept des Artikels (der ein irrsinniges Klischeebild von Bifrauen entwirft)- und da war es einfach interessant, dass die Autorin so explizit darauf hinweist."

      Gehört zu irgendeinem Klischeebild ein C-Körbchen? Wenn ein Artikel in dem Stil geschrieben wird wie auf Bento, dann ist eben detaillierte Sprache für bildliche Vorstellung gegeben.
      Ich denke nicht, dass man dem Punkt viel Bedeutung beimessen sollte.

      "Weil es das Klischee erfüllt. Es war aber auch von mir nur ein Beispiel unter vielen, wie der Artikel das Mainstream-Porno-Klischee von Bi-Frauen erfüllt."

      Was für ein Klischee hast du eigentlich genau im Kopf?

      "Nein, schlimm sind angeblich "bisexuelle" Frauen, die Frauen als Partner ausschließen und nahezu nur Dreier oder allenfalls noch eine Kurzaffäre mit Frauen wollen, weil sie a) ihren Partner beeindrucken wollen oder b) fremdgehen wollen, ohne dass der Partner allzu sauer wird."

      Wie viele Personen kennst du oder triffst du online, die tatsächlich solche Motivationen für gleichgeschlechtliche Erfahrungen angeben?
      Auch zu dem Artikel hatte ich ja bereits geschrieben, dass ich die Motivation, den Partner oder irgendwelche Männer beeindrucken zu wollen, ziemlich weit hergeholt finde - bei einer reinen Frauenparty.

      "Und ganz besonders schlimm sind "bisexuelle" Frauen, die ernsthaft lesbische Frauen nach einem Dreier fragen und nicht auf die Idee kommen, dass die natürlich kein Interesse daran haben (nein, die letzteren kamen nicht explizit in dem Artikel vor, der Artikel war nur der Auslöser, mal über die mich schon lange nervenden Dreier-Bis zu schreiben)."

      Steht den lesbischen Frauen ihr Lesbischsein auf der Stirn oder woher soll jemand anders das wissen? Was ist daran denn so schwierig, auf eine solche Frage einfache ablehnend zu antworten?

      "Ich oute mich auch nicht andauernd, falls Du das denken solltest ^^"

      Das war jetzt nicht explizit auf dich persönlich bezogen, sondern mehr allgemein. Das Konzept "Outing" finde ich merkwürdig.

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    3. "Für mich klang das in dem Artikel ganz anders. Mehr nach einer persönlichen Vermutung der Autorin."

      Sie schreibt es so, als habe sie gefragt. Aber das ist auch alles Mutmaßung. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich. Und für die Autorin selbst wird ihre eigene Aussage ja auf jeden Fall zutreffen ("wie ich").

      "Gehört zu irgendeinem Klischeebild ein C-Körbchen?"

      Ja definitiv. Die "Bifrau" in Pornos ist immer eine verruchte Frau mit großen Brüsten.

      "Was für ein Klischee hast du eigentlich genau im Kopf?"

      Naja, das Klischee über Bifrauen halt, das in Mainstream-Pornos und teils sogar in Filmen rauf- und runter durchgenudelt ist. Stehen drauf, mit Frauen und Männern gleichzeitig zu vögeln. Fliegen auf alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist (omnisexuell). Finden sich selbst unglaublich geil. Sind männer- und frauenmordende "Vamps" mit Riesenbrüsten. Sind supererfahren und denken den ganzen Tag an nichts anderes als den nächsten Aufriss. Sind aber eigentlich schon mehr hetero und nur im sexuellen Sinne (damit ein Dreier möglich ist) "bisexuell".

      "Wie viele Personen kennst du oder triffst du online, die tatsächlich solche Motivationen für gleichgeschlechtliche Erfahrungen angeben?
      Auch zu dem Artikel hatte ich ja bereits geschrieben, dass ich die Motivation, den Partner oder irgendwelche Männer beeindrucken zu wollen, ziemlich weit hergeholt finde - bei einer reinen Frauenparty."

      Der Stil des Artikels war aber eben genau so. Die Fotos beim Skirt Club auch. Zum ersten Teil: Man wäre ja mit dem Klammeraffen gepudert, wenn man diese Motivation offen aussprechen würde. Aber wenn man das mal eine Weile verfolgt, fällt auf, dass darunter z. B. nicht wenige Frauen sind, die sich in der Vergangenheit negativ über "Lesben" oder "Lesbensex" geäußert haben. Frauen, die auch ansonsten sehr oft ihre Meinung ändern und von Modetrends sehr beeinflussbar sind. Die Bisexualität als eine Art "Mode" betrachten. Ist halt grad in. Darum ja mein etwas böser Satz mit der grünkarierten Tennissocke auf dem Kopf.

      "Steht den lesbischen Frauen ihr Lesbischsein auf der Stirn oder woher soll jemand anders das wissen?"

      Wenn man das Pärchen kennt, weiß man es. Und das, was ich von lebischen Frauen immer wieder höre, ist, dass sie, eben weil ihre Orientierung bekannt ist, gefragt werden. Und es ist einfach völlig daneben und zeigt, dass diejenigen nichts von sexuellen Orientierungen wissen oder ihnen der andere Mensch schlicht und einfach egal ist.

      "Was ist daran denn so schwierig, auf eine solche Frage einfache ablehnend zu antworten?"

      Klar kann man das. Es nervt trotzdem.

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    4. "Es wäre vergleichbar, wenn ich mein Verständnis von Männlichkeit zum einzig richtigen erkläre, und mich gegen feminine Männer wende, weil sie dieses Bild der Männlichkeit beschädigen."

      Nein, dein Verhalten wäre vergleichbar mit dem der Dreier-Bis. Denn die dominieren ja das öffentliche Bild von uns. Mein Verhalten wäre dann das des Mannes, der nachdrücklich darauf hinweist, dass es sich bei deinem Bild um ein Klischee handelt und tatsächlich die wenigsten Männer so sind.

      "Mir missfällt, dass du dich widersprüchlich verhältst, gar scheinheilig."

      Ich wüsste nicht, wo.

      "Das wäre wenig bedenklich, wenn du nicht zur staatlichen Durchsetzung deiner Vorstellungen neigen würdest."

      Seht witzig. Sicher, ich will morgen ein Gesetz erlassen, in dem festgelegt wird, wie Bi zu definieren ist.

      "Eine besondere Frage: falls 75% der Frauen echt feminin sind, würdest du ihnen entsprechendes Verhalten untersagen wollen, etwa weil es Stereotypen bestätigt? Wäre es moralisch falsch von ihnen, sich weiblich zu verhalten?"

      "Echt femininin" - Gnihihi. Das alleine ist schon witzig. Eigentlich düfte das aus meinen bisherigen Blogbeiträgen klargeworden sein. Moralisch falsch wäre es bloß, so zu tun, als wäre ihr Verhalten allein "weiblich", während sie nebenbei ignorieren, dass es auch andere Formen von Weiblichkeit gibt.

      Das ist tatsächlich das Problem mit Dreier-Bis. Sie dominieren die öffentliche Meinung über bisexuelle Frauen, obwohl tatsächlich die wenigsten Bifrauen so sind. Eine kleine, aber laute Gruppe, die deshalb so gehört wird, weil sie ein ohnehin schon bekanntes Image (Klischee) bestätigt.

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    5. Wie stellst du fest, dass die Menschen eine unzutreffende Vorstellung von bisexuellen Frauen (BF) haben? Verwechselst du Interesse, Präferenz und statistisches Bild? Männer beispielsweise könnten sich Menschen schlicht für bestimmte BFs mehr Interessieren (Ich stelle auf Sex ab, nicht auf "bi-amouröse" Neigung), und diese vorziehen, ohne eine falsche Vorstellung von der Statistik zu haben. (Verdienen andere mehr Aufmerksamkeit?)

      Überhaupt, was ist dein Begehren in Sachen Stereotypen? Wendest du dich auch gegen zutreffende, oder nur gegen unzutreffende?

      "Moralisch falsch wäre es bloß, so zu tun, als wäre ihr Verhalten allein "weiblich", während sie nebenbei ignorieren, dass es auch andere Formen von Weiblichkeit gibt." Wiese? Wenn sich zwei Definitionen von Weiblichkeit gegenseitig ausschließen, warum sollten sie die Auffassung vertreten, dass beide wahr sind?

      ""Echt femininin" - Gnihihi." "Echt" grenzt zu "falschem Bewusstsein/falschen Präferenzen ab". Übrigens, schreib "hihihi". Gnus sind nicht sexy.

      "Seht witzig. Sicher, ich will morgen ein Gesetz erlassen, in dem festgelegt wird, wie Bi zu definieren ist."
      Erst solltest du noch Männer zwingen, Elternzeit zu "nehmen". Danach, willst du gender-neutrale Sprache zur Pflicht machen?

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    6. Margret: "Naja, das Klischee über Bifrauen halt, das in Mainstream-Pornos und teils sogar in Filmen rauf- und runter durchgenudelt ist. Stehen drauf, mit Frauen und Männern gleichzeitig zu vögeln. Fliegen auf alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist (omnisexuell). Finden sich selbst unglaublich geil. Sind männer- und frauenmordende "Vamps" mit Riesenbrüsten. Sind supererfahren und denken den ganzen Tag an nichts anderes als den nächsten Aufriss. Sind aber eigentlich schon mehr hetero und nur im sexuellen Sinne (damit ein Dreier möglich ist) "bisexuell"."

      Klingt nach einem Korrektiv für die Ansicht, dass bei Frauen Sex stärker an Zuneigung, Gefühl, und Bindung ... gebunden ist. Ich glaube du hast den Überblick verloren. Desweiteren haben "echte Lesben" (mit "echt" meine ich dein Verständnis), tendenziell weniger Sex als homosexuelle Männer, und weniger Sex als heterosexuelle Paare. Eine einseitige Fehleinschätzung zeichnet sich nicht ab. Vielmehr finden sich einige Differenzierungen, und das Gesamtbild wirkt recht zutreffend.

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    7. "Gnus sind nicht sexy."

      Wunderbar. Dann gleich nochmal. Gnihihi. Stephan, Du bist witzig. Wenngleich ich fürchte, oft unfreiwillig.

      "Erst solltest du noch Männer zwingen, Elternzeit zu "nehmen"."

      Der Vorschlag kam nicht von mir. Anyway finde ich ihn konsequent, wenn man gleichzeitig Hausfrauen/Hausmänner zu Halbe / Halbe nach der Scheidung zwingen will. Dann bitte auch schon vorher. Oder eben gar nicht.

      "Willst du gender-neutrale Sprache zur Pflicht machen?"

      Bis jetzt nicht. Aber du bringst mich immer wieder auf neue Ideen.

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    8. @Margret:
      "Sie schreibt es so, als habe sie gefragt. Aber das ist auch alles Mutmaßung. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich. Und für die Autorin selbst wird ihre eigene Aussage ja auf jeden Fall zutreffen ("wie ich")."

      Auf sie selber trifft es sicher zu. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sie die Mehrheit der Anwesenden gefragt hat. Aber in diesem Punkt werden wir uns vermutlich nicht einig - und die Wahrheit können wir auch nicht feststellen.

      "Ja definitiv. Die "Bifrau" in Pornos ist immer eine verruchte Frau mit großen Brüsten."

      Vielleicht schaue ich einfach zu wenig Pornos...
      Wobei ich unter große Brüste C jetzt nicht verstehen würde.

      "Naja, das Klischee über Bifrauen halt, das in Mainstream-Pornos und teils sogar in Filmen rauf- und runter durchgenudelt ist. Stehen drauf, mit Frauen und Männern gleichzeitig zu vögeln. Fliegen auf alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist (omnisexuell). Finden sich selbst unglaublich geil. Sind männer- und frauenmordende "Vamps" mit Riesenbrüsten. Sind supererfahren und denken den ganzen Tag an nichts anderes als den nächsten Aufriss. Sind aber eigentlich schon mehr hetero und nur im sexuellen Sinne (damit ein Dreier möglich ist) "bisexuell"."

      Entweder schaue ich tatsächlich zu wenig Pornos (oder die falschen/klischeefreien) oder wir interpretieren das einfach völlig anders.
      Mir ist ein solches Klischee noch nie begegnet...

      "Aber wenn man das mal eine Weile verfolgt, fällt auf, dass darunter z. B. nicht wenige Frauen sind, die sich in der Vergangenheit negativ über "Lesben" oder "Lesbensex" geäußert haben."

      Das bedeutet also, du hast über längeren Zeitraum mit diesen Personen zu tun? Das wäre mir doch zu blöd, wenn ich die nervig finde...

      "Die Bisexualität als eine Art "Mode" betrachten. Ist halt grad in. Darum ja mein etwas böser Satz mit der grünkarierten Tennissocke auf dem Kopf."

      Wie ich schon im Artikel schrieb, kann ich diesen Punkt von dir ja nachvollziehen.

      "Und es ist einfach völlig daneben und zeigt, dass diejenigen nichts von sexuellen Orientierungen wissen oder ihnen der andere Mensch schlicht und einfach egal ist."

      Was genau ist daran völlig daneben? Ohne jemanden zu fragen, weiß ich einfach nicht, ob derjenige Interesse daran hat oder nicht - woher also.
      Auch eine Frau, die in einer Beziehung mit einer anderen Frau ist, kann doch auch an einem Dreier interessiert sein...

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    9. "Wunderbar. Dann gleich nochmal. Gnihihi. Stephan, Du bist witzig. Wenngleich ich fürchte, oft unfreiwillig."

      Fürchte nicht. Du siehst dich bei deinem Blog zu ausgeprägter Neutralität, Besonnenheit, und Höflichkeit verpflichtet. Dafür habe ich gewissen Respekt. Deshalb gebe ich dir andernorts Gelegenheit, freier zu sein. Wenn ich dir sonst "objektive" Ketten anlege, finde ich es sympathisch, dich anders zu sehen. In Kurzform, ich mache es in vollem Bewusstsein, Margret, damit du dich entfalten kannst, weil mit das gefällt.

      "Der Vorschlag kam nicht von mir. Anyway finde ich ihn konsequent, wenn man gleichzeitig Hausfrauen/Hausmänner zu Halbe / Halbe nach der Scheidung zwingen will."
      Du hast ihn nicht eingebracht, soweit zutreffend. Allein konsequent wäre es, zu Parität in allem zu zwingen. Selbigkeit. ("The parties[/partners] are in fact more likely to benefit from exchange the more their needs differ." Das ist so eine willkürliche Sache mit der "Diversität".)

      "Bis jetzt nicht. Aber du bringst mich immer wieder auf neue Ideen."
      Entfaltung, Baby.

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  3. Übrigens werd ich den Eindruck nicht los, dass Du dich irgendwie persönlich getroffen fühlst. Der Artikel IST böse, das hab ich gleich zu Anfang geschrieben. Ich nehm dabei eine Sorte Frauen aufs Korn, die mich persönlich einfach nerven. So wie andere "Helikopter-Eltern","Neureiche", "Neu-Berliner aus Bawü" oder was auch immer. Mit einem gewissen Augenzwinkern, einer kleinen Prise schwarzen Humors und einer großen Prise persönlicher Genervtheit. Warum gerade das dich jetzt so auf die Palme bringt, versteh ich nicht wirklich.

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    1. "Der Artikel IST böse, das hab ich gleich zu Anfang geschrieben. Ich nehm dabei eine Sorte Frauen aufs Korn, die mich persönlich einfach nerven."

      Irgendwie persönlich getroffen.

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    2. "Übrigens werd ich den Eindruck nicht los, dass Du dich irgendwie persönlich getroffen fühlst."

      Nein. Ich kann es nur nicht leiden, wenn jemand sich selbst als moralisch oder generell besser als andere darstellt.
      Und andere aufgrund ihrer Sexualität abzuwerten bzw. deren Sexualität nicht ernstzunehmen trifft mich eben auch manchmal (auch wenn ich das bei deinem Artikel so nicht sehe). Daher mag ich es auch nicht, wenn man das bezogen auf andere tut.

      "Warum gerade das dich jetzt so auf die Palme bringt, versteh ich nicht wirklich."

      Keine Sorge, ich stehe noch mit beiden Beinen auf dem Boden ;)

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  4. Antworten
    1. Es ist zumindest langsam ein Ende in Sicht ;)

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    2. "Es ist zumindest langsam ein Ende in Sicht ;)"

      Je nachdem welche Art Ende, zieh' in Betracht vorher die zwei Bücher zu besprechen. Verrate aber die Enden nicht.

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  5. "Statt die Chance zu nutzen und zu zeigen: Hey, wir bisexuellen Frauen sind nicht alle immer geil und wollen nur Dreier, hält sie sich zurück.

    Damit ist sie genauso mitverantwortlich für das von ihr behauptete schlechte Image bisexueller Frauen.

    Nebenbei bemerkt finde ich Outings generell komisch…. Also dieses „Achtung, ich muss dir mal von meiner sexuellen Orientierung erzählen!“."

    Soll ich mich denn nun outen oder nicht?

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    1. "Soll ich mich denn nun outen oder nicht?"

      Was jemand tut oder nicht, soll wohl derjenige selbst entscheiden.
      Ich habe lediglich kausale Zusammenhänge aufgeführt.
      Wenn Verhalten eins, dann Folge eins.
      Wenn Verhalten zwei, dann Folge zwei.

      Hier also: Wenn man seine eigene sexuelle Orientierung versteckt, um nicht mit den "Dreier-Bis" in einen Topf geworfen zu werden, dann Folge, dass das Klischee sich nicht ändert.
      Ob einem das wichtig ist und man deshalb so handelt oder nicht, ist eine ganz andere Sache.

      Dass ich Outings an sich komisch finde, hat mit dem ersten kausalen Zusammenhang wenig zu tun - außer, dass es bei beiden Sätzen um Outing geht.

      Nochmal dazu, warum ich Outings komisch finde: Ich verstehe einfach nicht, warum man jemandem bewusst seine sexuelle Orientierung erzählen muss (einzige Ausnahme, man will etwas von der entsprechenden Person, selbst dann muss man nicht damit beginnen, das man homosexuell oder bi ist).
      Ich bin einfach so wie ich bin und gut ist. Ich habe auch noch nie von einer heterosexuellen Person gehört, die irgendwem gesagt hat: "Du ich bin übrigens hetero".

      Bei mir wissen es manche und manche nicht. Aber nicht aus dem Grund, weil ich es offensiv zum Thema mache, sondern wenn ich beispielsweise davon erzähle, dass ich eine Schauspielerin heiß finde oder so, dann wird das eben deutlich.
      Auch BDSM muss ich nicht offensiv jedem auf die Nase binden. Aber wenn Freunde z.B. fragen, warum ich denn so große Flecke (oder wahlweise andere Verletzungen) habe, sage ich eben die Wahrheit.



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    2. Miria: "Ich habe auch noch nie von einer heterosexuellen Person gehört, die irgendwem gesagt hat: "Du ich bin übrigens hetero"."

      Unter anderem weil Heterosexualität ein zutreffendes Stereotyp ist. Hinzu kommt etwa, dass sich über besonderes (Homosexualität, etc.) eine (besondere) Bindung herstellen lässt.

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    3. @Stephan:
      "Unter anderem weil Heterosexualität ein zutreffendes Stereotyp ist."

      Was bedeutet zutreffendes Stereotyp?

      Ich kenne zu viele Menschen, auf die die Bezeichnung Heterosexualität nicht zutrifft, als das ich nicht pauschal davon ausgehe, eine Person sei heterosexuell, wenn ich diese neu kennenlern.

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    4. Miria, das entspricht meinem Sinn von zutreffenden Stereotypen:

      - http://www.spsp.org/blog/stereotype-accuracy-response
      - https://www.newscientist.com/article/mg23130930-500-we-accurately-weigh-up-a-persons-character-in-01-seconds/
      - http://www.bbc.com/future/story/20150312-what-the-face-betrays-about-you
      - https://openpsych.net/paper/49

      "Ich kenne zu viele Menschen, auf die die Bezeichnung Heterosexualität nicht zutrifft, als das ich nicht pauschal davon ausgehe, eine Person sei heterosexuell, wenn ich diese neu kennenlern."

      Abstraktionsgrad (Enge der Definition) im Zusammenhang mit Wahrscheinlichkeit und Nutzen dieses Wahrscheinlichkeitswissens für (soziale) Interaktionen. Etwa für die Auswahl von Geschenken. Wir könnten statt Heterosexualität auch Weiblichkeit verwenden.

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  6. Ich hoffe, ich antworte jetzt an der richtigen Stelle (finde ich wesentlich unübersichtlicher als bei wordpress).

    "Das bedeutet also, du hast über längeren Zeitraum mit diesen Personen zu tun? Das wäre mir doch zu blöd, wenn ich die nervig finde..."

    Ich beobachte das fast nur im Netz (und, mehr unfreiwillig, weil ich da Kontakt haben muss, an zwei Personen im RL).

    Prinzipiell haben mich die Beschreibungen der Autorin über ihre Beziehung und die Dreier noch mehr genervt als die Beschreibung der Party an sich (oder sagen wir mal, die Beschreibung der Party nervte mich besonders im Zusammenhang mit den Beschreibungen über ihre Beziehungssituation). Aber das habe ich schon recht ausführlich bei mir drüben erklärt.

    LG

    Margret

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  7. Ich denke viele sehen ihre Homosexualität als wesentlichen Teil ihrer Identität. Vorallem Menschen, die stereotyp sind und schon früh von außen mit dem Thema konfrontiert wurden erleben sich immerwieder als Außenseiter in allen erdenklichen Lebenssituationen. Dadurch bekommt ihre Homosexualität über den sexuellen und auch partnerschaftlichen Aspekt eine weitere Bedeutung. Lesbisch/Schwulsein ist dann darüber hinaus noch viel mehr. So kommt es zum Spiel zu Klischees, die alle nichts mit Sex oder Liebe zu tun haben, wie Lifestylefragen nach Habitus, Haarschnitt, Kleidung, weibliches vs. männliches Verhalten. Eine Frau, für die Sex mit einer Frau eine sexuelle Spielart ist wie BDSM führt klar ein ganz anderes Leben als eine Lesbe die vor der Erkenntnis steht, dass ihr ein Stück konservativer Welt mit Ehe/Kindern verschlossen bleiben wird(oder zumindest erschwert). Die Erkenntnis, dass man nicht Heteroleben wird kann so weitere ungewünschte Konsequentzen nach sich ziehen.

    Ich denke deshalb empfinden einige, vorallem Menschen aus einem konservativem Umfeld, ein outing als notwendig. Hat eine Person sich "geoutet" und lebt dann eine "queere" Identität, wird diese gerne gegenüber anderem verteidigt, da es für diese Leute ausdruck einer speziellen Erfahrung ist, die die hier als "Dreier-Bis" bezeichneten Personen nicht gemacht haben.


    Ich persönlich würde aber sagen, dass der laschere Umgang mit Labels auch ein Zeichen einer toleranteren Gesellschaft ist und würde es gut finden, wenn die Politisierung dieser Themen abnehmen würde. An der Frage nach der sexuellen Orientierung wird dort von links und rechts oft eine Weltbildfrage zementiert, die eigentlich mit der privaten Natur der Sexualität nicht zusammen passt. Wäre dies medial und politisch kein so brisantes Thema dann wäre es auch nicht mehr so wichtig, ob jemand bi/pan/homo/hetero/a/sonstwie-sexuell wäre. Meiner Beobachtung nach, zeigt sich die Sexualität wesentlich vielfältiger und auch als über die Lebensanschnitte durchaus wandelbar, desto eher Leute davon berichten. Die "Dreier-Bis" zeigen mir daher nur, dass es heute eben kein Tabu mehr ist sich auszuprobieren und auch mal homosexuelle Erfahrungen zu machen, ohne "inneres coming-out" oder Identitätskrise. Meiner Ansicht nach also durchaus ein sehr positives Zeichen.

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