Samstag, 12. November 2016

Hillary Clinton: gescheitert, weil sie eine Frau ist

Antje Schrupp hat sich in ihrem letzten Artikel der Kandidatin Hillary Clinton gewidmet und ist (wie viele andere) der Meinung, ihr Scheitern läge an ihrem Geschlecht.
So schreibt sie beispielsweise:

„Es ist eine Haltung, die ich schon länger bei den Beiträgen von Frauen im öffentlichen Diskurs beobachte: Sie werden hoffiert, solange sie nützlich sind, aber wenn sie etwas sagen, das einem nicht passt, dann wird umso heftiger zurückgeschlagen.“

Aber ist das dieses Verhalten wirklich an das Geschlecht gebunden? Ist es nicht viel mehr so, dass jeder Politiker öffentlich nur solange hofiert wird, wie er nützlich ist bzw. eine dem medialen Mainstream passende Meinung vertritt?
Was war mit Wulf? Was mit Brüderle? Sind diese Männer nicht auch wegen Kleinigkeiten fallengelassen worden wie eine heiße Kartoffel? Nicht nur dass, es wurde in den Fällen auch nochmal ordentlich nachgetreten.
Aber wenn so etwas eine Frau trifft, dann liegt es natürlich nur daran, dass sie eine Frau ist.

Auch ihre nächste Schlussfolgerung ist für mich ziemlich schlecht nachvollziehbar:

„Es ist natürlich toll, dass die Demokraten Clinton aufgestellt habe, aber ich könnte mir denken, wenn sie einen Mann aufgestellt hätten – nicht Bernie Sanders, ich glaube nicht, dass er Chancen gehabt hätte, aber einen „Hillarius Clinton“, der hätte gegen Trump gewonnen.“

Wie kommt sie darauf, dass jemand, der genauso ist wie Clinton – nur mit einem männlichen Geschlecht – gewonnen hätte? Meiner Meinung nach gibt es nichts, was ein Argument dafür war, Hillary zu wählen. Bisher konnte keiner ein Argument nennen. Abseits natürlich von den beiden Standard Argumentationen: „Sie ist eine Frau“ und „Sie ist nicht Donald Trump“, aber das halte ich für keine wirklich guten Argumente.
Bei einem männlichen Kandidaten wäre es noch viel schwieriger, denn dann fehlt auch noch das für viele Wählerinnen wichtige Argument „Sie ist eine Frau“.
Ich glaube auch, dass andere Kandidaten gegen Donald Trump gewonnen hätten – ganz unabhängig vom Geschlecht. Vermutlich hätte auch eine Michelle Obama als Kandidatin haushoch gewonnen oder ein Bernie Sanders.
Das liegt aber nicht daran, dass diese Personen Mann oder Frau sind, sondern, dass das Volk sie für weitaus vertrauenswürdiger hält als Hillary Clinton – und vermutlich auch sympathischer.

Und so zu tun als hätten Hillary Clinton oder Obama keine Fehler gemacht ist schon mehr als verblendet meiner Meinung nach:

„Obama war im konservativen Milieu der USA auf eine solche Weise verhasst, dass sich das nur mit Rassismus erklären lässt. Diese acht Jahre aufgestauter Hass auf einen schwarzen Präsidenten, der dann noch nicht einmal richtige Fehler machte, und anschließend eine weibliche Kandidatin, die auch keine Fehler machte – das war zu viel.“

Vielleicht war Obama auch aufgrund dessen Politik verhasst? Man kann auch ein Problem mit einem schwarzen Menschen bzw. mit seiner Politik haben ganz unabhängig davon, ob er schwarz ist.
Ich selbst bin auch ziemlich enttäuscht von Obama. Eines der für mich wichtigsten Wahlversprechen hat er in den Jahren seiner Präsidentschaft immer noch nicht umgesetzt: es gibt weiterhin ein Gefangenenlager, in dem Menschen ohne Prozess jahrelang festgehalten und sogar gefoltert werden. Menschenrechte ausgesetzt. Ja, stimmt hat überhaupt keine Fehler gemacht, dieser tolle Präsident! 
Ach und die fehlerfreie Frau Clinton hat ja nicht nur jegliche kriegerische Intervention der USA befürwortet, sondern aktiv unterstützt. Außerdem freute sich Hillary Clinton über einiges an Spenden von Ländern, die es ebenfalls mit den Menschenrechten (speziell auch Frauenrechten) nicht so genau nehmen. Es gibt haufenweise Gründe dafür, dass Obama oder auch das Clinton nicht gerade beliebt sind bei allen, da muss man nicht die Rassismus- bzw. Sexismuskarte ziehen!
Und aufgrund dessen halte ich die folgende Aussage von Frau Schrupp schon für ziemlich verblednet:

„Ich bin felsenfest überzeugt, wäre Obama weiß gewesen und Clinton männlich und alle anderen Koordinaten identisch – dann wäre jetzt nicht Trump Präsident."

Bei ansonsten identischen Koordinaten sicher nicht! Und davon bin ich jetzt mal felsenfest überzeugt.
Auch die Schreckensszenarien, die von Schrupp entworfen werden, lassen mich ziemlich kalt:

„Wir werden jetzt wieder für Selbstverständlichkeiten und Minimaldinge kämpfen müssen, statt uns darauf konzentrieren zu können, weiter zu gehen. Wir werden nicht Clinton für all die Dinge kritisieren können, die man ihr zu Recht vorwerfen kann, sondern wir werden dafür kämpfen müssen, dass Arme nicht einfach auf der Straße verrecken, dass es nicht alle ganz normal finden, wenn Frauen geschlagen und vergewaltigt werden und so weiter. Mit der Wahl von Trump ist eine Verschiebung der symbolischen Ordnung geschehen.“

Mit keinem einzigen Satz hat Trump jemals gesagt, dass er es in Ordnung findet, wenn Frauen geschlagen und vergewaltigt werden. Und ein paar dämliche Sprüche führen noch lange nicht dazu, dass Verbrechen plötzlich nicht mehr geahndet werden können.
Ja, Trump macht vermutlich eine andere Politik, als sie Hillary Clinton gemacht hätte. Aber die große Vorkämpferin für Frauenrechte ist sie auch nicht gerade. Sie wirkt auf mich eher so, dass sie sich selbst am nächsten ist. Einzig was sie interessiert ist Macht. Und um Macht zu erhalten, erzählt sie dann auch gerne was davon, dass Frauen zusammenstehen müssen. Sie hoffte so auf eine hohen Anteil der weiblichen Wählerschaft. Wäre das tatsächliche ihre ernsthafte Meinung, so würde sie nicht kritiklos Spenden von Ländern annehmen, denen Frauenrechte auf deutsch gesagt „am Arsch vorbeigehen“.
Was Frauenrechte angeht, so ist Clinton kein bisschen besser als Trump – sie sagt es nur nicht  so öffentlich.
Und was Trump von seinem populistischen Gerede tatsächlich in irgendeiner Weise umsetzen kann, ist sowieso noch eine andere Frage. Die USA ist schließlich keine Diktatur. Herr Trump wird sowohl den Senat als auch andere Personen seiner Partei berücksichtigen müssen.

Weiter schreibt Antje Schrupp:

„Ich hatte heute kurz den Gedankenblitz, dass der Umbruch vielleicht so groß ist, dass sogar die Tage von Marine Le Pen und Frauke Petry gezählt sind – als Frauen waren sie gut für eine Übergangszeit, weil sie rechtsextreme Politik im Gewand weiblicher Zivilisation präsentierten. Nach dem Motto: Wenn Frauen das gut finden, wird es wohl nicht so schlimm sein. Aber ich glaube, diese Bastion ist jetzt gebrochen. Trump hat gezeigt: Rechtspopulismus kann man auch im Westen mit Männern an der Spitze gewinnen.“

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich lese da ein wenig Frauenfeindlichkeit heraus: Le Pen und Petry haben sich also nur als Frauen vor den Karren der Rechtspopulisten spannen lassen, weil diese der Meinung sind, mit Frauen wären Wahlen einfacher zu gewinnen. Ernsthaft?
Kann es nicht einfach sein, dass es auch Frauen gibt, die eine solche Meinung vertreten und sich eben stark politisch engagieren möchten? Glaubt Antje Schrupp wirklich, dass diese Frauen so unfähig sind und sich einfach benutzen lassen? Nur weil das nicht mit dem Weltbild zusammenpasst, dass Frauen gewöhnlich das friedliche Geschlecht sind?
Beate Zschäpe war sicher auch nur Mitglied im NSU, um diesem nach außen hin einen freundlicheren Anstrich zu geben, weil männliche Mörder kommen in der Gesellschaft eben nicht so gut an wie weibliche.

Auch die folgende Behauptung wieder auf das Geschlecht zu projezieren halte ich für komplett falsch:

„Aus den Erfahrungen von Hillary Clinton und Angela Merkel können wir sehen, dass „emanzipierte“ Frauen in dem derzeitigen Politsystem nur Autorität haben, solange sie die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben. Sobald sie Konflikte eingehen (wie zum Beispiel Merkel in der Flüchtlingsfrage) werden sie auf eine Weise demontiert, wie es Männern nie passieren würde.“

Für mich ist völlig unvorstellbar, wieso hier suggeriert wird, dass Männern so etwas nie passiert wäre. Ich nehme eher Gegenteiliges wahr: Egal, was Merkel macht, sie ist und bleibt bei den meisten in der Bevölkerung eine beliebte Kanzlerin. Ebenso gibt es kaum Medien, die gegen sie anschreiben – wie es damals beispielsweise bei zu Guttenberg oder Wulf der Fall war. Wäre Merkel ein Mann, hätte sie für ihr Handeln sicherlich schon mehr Probleme bzw. negativere Presse als aktuell.

Zum Ende hin ihres Artikels macht sie einen – wie sie auch selbst sagt – recht schwammigen Vorschlag, wie man handeln könnte, um eine bessere Welt zu schaffen:

„Aber vielleicht könnten wir – also die radikalen Feministinnen – uns mit den anderen Anderen zusammentun. Gezielt die Beziehungen mit denen pflegen, die ebenfalls mit dem Demokratieprojekt, so wie es sich weiße bürgerliche Männer ausgedacht haben, weder „mitgemeint“ noch einverstanden sind. Die auch längst wissen, dass Integration und Anpassung keine echten Optionen sind, sondern nur Simulationen. Also eine intersektional agierende Bewegung aller möglichen „Nicht-Typen“, die die Differenz zu ihrem Motto macht. Vielleicht sowas ähnliches, wie Negri/Haardts „Multitude“, aber nicht als Theorie, sondern als Praxis, in Form einer Politik der Beziehungen. Und auch nicht als einfachen Zusammenschluss, sondern in Auseinandersetzung und Konflikt.“

Mir ist nicht ganz klar, was sie meint. Aber fraglich ist für mich, warum eine Lösung im Konsens eine andere Gruppe ausschließen soll. Warum muss man immer spalten? Eine Lösung , die allen passt sollte alle Menschen beinhalten und nicht nur vermeintlich „andere“. Auch weiße Männer sind Teil unserer Gesellschaft und ich sehe nicht, warum diese weniger Mitspracherecht haben sollten als andere.
Aber was genau ist denn jetzt die Alternativer zum „Demokratiprojekt“, gibt es eine vernünftige Alternative? Diktatur? Monarchie?

Kommentare:

  1. Clinton hat Dunham zu einer ihrer Sprecherinnen gemacht, und damit den Feminismus aufgenommen, den letztere vertritt. Das ist eine inhaltliche Position, keine Frage von Clintons oder Dunhams Geschlecht (welches auch immer letztere hat), und daran gibt es einiges abzulehnen.
    Im Übrigen wird es langsam haltlos. Anscheinend sind die Menschen weniger rassistisch als sie "sexistisch", und Frauen damit unterdrückter als Schwarze. Immerhin hat Obama zwei Amtszeiten gewonnen. Putzig.

    Grundsätzlich sollten sich Frauen überlegen als was sie sich darstellen, worauf sie sich berufen, und was sie vertreten. Wenn Clinton sich teils darauf beruft, dass sie zu wählen ist, weil sie die erste/eine Frau ist, ist das fragwürdig. Auch ihren - und, in Erweiterung auf Dunham, männerfeindlichen - Feminismus suspendiert sie, wenn es ihren Interessen dient. Sie und ihre Anhänger berufen sich willkürlich einerseits auf ihre Rolle als Mutter und Großmutter, und darauf wie gefühlvoll sie sei. Andererseits tun sie so als sei sie ein Mann. Insgesamt ist das widersprüchlich.

    Niedlichkeit beiseite, die Nummer der Benachteiligung ist auch empirisch widerlegt: https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/06/05_women_lawless_fox.pdf ; http://press.princeton.edu/titles/10033.html

    Zuletzt bleibt festzuhalten, dass die nachfolgende Hysterie, in der nahezu Untergangsszenarien beschrieben werden, in ihrer schrillen Dissonanz und Feindlichkeit ziemlich aufschlussreich ist (ohne zu fragen, was deren Lieblingsbücher sind). Amüsanterweise liegt Clintons Scheitern womöglich am eigenen Lager. Und es liegt an Frauen.

    http://reason.com/blog/2016/11/09/an-anti-mandate-for-clinton

    http://reason.com/blog/2016/11/10/white-women-who-voted-for-trump

    http://www.salon.com/2016/11/09/the-misogyny-apocalypse-turns-out-being-white-and-male-counts-for-more-than-intelligence-grace-or-decency/

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  2. "Aber wenn so etwas eine Frau trifft, dann liegt es natürlich nur daran, dass sie eine Frau ist."

    Aber das ist doch Standard im Feminismus. Wenn Frauen versagen/schlechter dastehen, dann immer weil sie Frauen sind. Wenn Männer gewinnen/ besser dastehen dann immer weil sie Männer sind. Feministen behaupten schon seit Jahren das Männer in Führungspositionen da nur aufgrund ihres Geschlechts sind und nicht weil sie gute Arbeit leisten und sich anstrengen. Gleichzeitig behaupten Feministen immer wieder das wenn Männer oder Jungen Probleme haben es an ihren männlichen Verhaltensweisen liegt, man also keine Hilfe anbieten muss, außer ihnen zu helfen ihre Männlichkeit zu überwinden. In der Schule sieht man das sehr gut. Z.Z. noch sind Mädchen schlechter in Mathe und sonst sind sie durchschnittlich überall besser. Was muss also getan werden? Man muss den Unterricht ändern so das Mädchen auch in Mathe besser werden iwe Jungen (und wenn Mädchen dann überall besser sind, kommt die Begabtenförderung, natürlich nur für das begabte Geschlecht. Genauso wurde in den USA schon argumentiert. Feministisch Chancengleichheit...). Bei Jungen, die überall, außer in Mathe, schlechter sind, ist man der Meinung das sie nur ihre veralteten Geschlechterrollen überwinden müssen und schon wird alles besser. Den Unterricht mehr auf sie abstimmen. No way!

    "der dann noch nicht einmal richtige Fehler machte, und anschließend eine weibliche Kandidatin, die auch keine Fehler machte"

    Schrupp nimmt das mit der Filterbubble wirklich ernst, hm? Damit lässt sich ja auch jeder Erklärung zusammenschustern.

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    1. Schoppe schreibt es auch ähnlich, bezogen auf Weiße:

      "Es ist rätselhaft, dass die Situation für Schwesig rätselhaft bleibt. Die Armut in den USA ist zu einem großen Teil weiß. Trump wurde wesentlich von einer weißen Mittelschicht gewählt, die sich vom Abstieg bedroht sieht. Natürlich ist weißen Frauen wiederum bewusst, dass nicht nur ihre Männer, sondern auch sie selbst und ihre ganzen Familien leiden, wenn der Mann arbeitslos wird und die Familie nicht mehr finanziell versorgen kann.

      Trump hat diesen Menschen das Versprechen gemacht, Arbeitsplätze zu schaffen. Linke hingegen erläutern ihnen, ihre Probleme würden vor allem darauf beruhten, dass sie falschen und antiquierten Familienkonzepten nachhängen würden. Ist es wirklich so unverständlich, dass diese Frauen lieber Trump als Clinton gewählt haben?"

      https://man-tau.com/2016/11/13/wie-man-einen-trump-bastelt/

      Weiße sind an ihren Problemen selbst Schuld. Bei Schwarzen hingegen ist es mit Sicherheit die rassistsiche Gesellschaft...

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  3. Frau Schrupp wird noch Augen machen wenn Frau Le Pen in Frankreich gewählt wird und ihre tolle EU den Bach runter geht wegen einer Frau :)

    Frauen können genauso oder mehr rechts sein wie Männer.

    Ich als AFD Sympathisant bin mit Frau Petry total zufrieden. Warum glaubt die das Männer Frauen nicht für voll nehmen??

    Ich bin 30 und wenn ich eine schwierige Entscheidung treffen muss frage ich immer meine Mutter nach ihrer Meinung dazu.

    Das heisst nicht das ich ein Muttersöhnchen bin oder das ich das tue was sie sagt.

    Nein, aber ihre Meinung dazu ist mir äusserst wichtig.

    Vielleicht leidet Frau Schrupp selbst an Frauenhass bzw. hält Frauen selbst für blöde und versucht es nun auf Männer zu übertragen.

    Reine Projektion meiner Meinung nach.

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