Montag, 10. Oktober 2016

Wir haben das Jahr 2016

Diese Aussage scheint neuerdings immer wieder in Diskussionen als Argument genutzt zu werden. Meist natürlich dann, wenn die Menschen keine vernünftigen Argumente für ihre Ansichten haben. Gerne auch in der Abwandlung „wir haben das 21. Jahrhundert“. Und wofür ist das jetzt bitte ein Argument?  Zunächst ein paar Zitate, die genau so verwendet wurden:
Wir haben das Jahr 2016, Gendergerechtigkeit ist eine universelle Sache, aber wir haben sie noch nicht erreicht.“

„Wir haben das Jahr 2016 und in Verbrenner Deutschland gibt es eine Kaufprämie für Autos, die eine Steckdose haben.“

„Wir haben das Jahr 2016 und da erwarte ich als Gast mehr als so eine traurige Veranstaltung.“

„Wir haben das Jahr 2016 und es gibt immer noch keine hübsche, moderne, nicht überteuerte Modemarke in Plus Size.“

Meist wird dadurch versucht den Eindruck zu erwecken, dass die Meinung des Gegenübers „altbacken“ sei und nicht mehr in die heutige Zeit passt, die eigene Meinung soll so hingegen als „progressiv und modern“ verkauft werden. Selbst wenn es so ist, dass etwas in der Vergangenheit immer so war und eine lange Tradition hat, warum soll das alleine ein Argument dafür sein, dass dies nun schlecht ist? Ist es nicht eher im Gegenteil so, dass eine Tätigkeit oder Ansicht, die über mehrere Jahrzehnte als gut galt auch eine gewisse Bewährung bewiesen hat. Etwas, was so lange Zeit überdauert muss doch einen bestimmten Wert haben, sonst hätte sich doch schon früh etwas geändert.

Eine Neuerung allein mit der Tatsache verkaufen zu wollen, dass es bisher anders war, ist eigentlich eher ein  guter Beweis dafür, dass diese Neuerung wohl ziemlich schlecht ist. Denn sonst gäbe es erstens vernünftige Argumente und zweitens warum ist nicht schon längst jemand früher mal darauf gekommen, wenn das doch so toll ist?
Und zum Abschluss möchte ich allen, die so argumentieren oder argumentiert haben eines mit auf den Weg geben:
 
WIR HABEN DAS JAHR 2016 UND DAS IST KEIN ARGUMENT FÜR IRGENDWAS!

 

Kommentare:

  1. Sieh dir den "Lindy Effect" an.


    //Die folgende Antwort auf dich ist ein paar Tage alt. Margret hat sie noch nicht freigeschaltet. Wenn du das hier (irgendwo) erörtern willst, ordne sie entsprechend ein.

    Modifikation/Variante irgendeiner nominalen Definition, die in Lexika verbreitet ist. Der Art nach kann man auch Teekessel als „Dinosaurier“ definieren.
    Weder empririsch, noch logisch macht „deine“ Definition Sinn. Eine Gleichheitsphilosophie, die einzelne Gruppen betont ist absurd. Gleichheit ist totalitär. Eine Philosophie, die für die Gleichheit der Geschlechter ist, muss auch für die Gleichheit der Rassen — muss für die Gleichheit von allem sein. Das ist eher Egalitarismus/Humanismus. Wer das feminine/maskuline betont bedarf einer weiteren Annahme; etwa der Annahme, dass dort größere Ungleichheit herrscht, als in Dingen der Rasse, des Aussehens, der Stimme, etc — weswegen ein Bereich (hier: Mann-Frau) besonders zu betonen wäre. [Die Definition wäre als: Feminismus ist die Philosophie der Gleichberechtigung der Geschlechter, die dabei annimmt, dass die Ungleichheit hier größer/bedeutender ist als in allen anderen Dingen.]
    Würde es bei Gleichberechtigung der Geschlechter schlicht um Gleichberechtigung aller Männer und Frauen gehen, aller Menschen, würde es sich bereits auf den ersten Blick um Egalitarismus/Humanismus handeln.
    Zudem ist die Rede von „Gleichberechtigung“ verdammt sinnlos. Sie hat kaum eine Abgrenzungsfunktion. Es geht dabei darum „wesentlich gleiches gleich“ (und „wesentlich unterschiedliches unterschiedlich“) zu behandeln/berechtigen. Wenn ich annehme, dass ich allen wesentlich überlegen bin, können mir deshalb die Rechte des allen Überlegenen zustehen. Damit wäre meine vollkommene Herrschaft eine Sache der Gleichberechtigung. (Das berühren übrigens die Elemente „sex differences“ und „mehr benachteiligt“ meiner empirischen Definition [Realdefinition].) Stattdessen kann man auch von „Gerechtigkeit“ sprechen. Die ist leider auch totalitär.

    „Pauschalaussagen sind nie richtig!“

    Ist dir die Absurdität der Aussage bewusst? (Wie dem auch sei, wenn ich sage „Frauen“, meine ich grundsätzlich nicht jede einzelne.)

    Und erst selbst eine Gruppe konstruieren, denen du dann etwas unterstellt, aber zeitgleich mir und anderen Personen, die sich selbst als Mitglied der Gruppe Feministinnen betrachten, dies abzusprechen. Wo liegt da der Sinn? Ist das eine Methode, um die Chance nutzen zu können, gegen Feministinnen zu hetzten – ohne anwesende zu sehr angehen zu wollen?

    Was spreche ich dir ab? Ich habe vier Elemente vorgelegt. Meiner Einschätzung nach bist du wenig für staatlichen Zwang; relativ wenig der Ansicht, dass sex differences rein kulturell sind; wenig der Ansicht, dass Frauen mehr benachteiligt sind als Männer; und wenig „pseudo-egalitär“/opportunistisch. Damit bist du im Sinne meiner Definition wenig feministisch. Wo behauptest du irgendeinen Fehler?
    Dich „angehen“ — glaubst du ernsthaft ich behandle dich unkritisch? Bemerkenswert, dass du von „Hetze“ sprichst. Sieh dir deine Blogeinträge zu Diskussionsstil, Meinungsfreiheit etc. nochmal an. Du verhältst dich widersprüchlich. Was behauptest du ist hier „Hetze“? Deine Antworten auf alle Fragen wären sehr interessant; die hängen zusammen.

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  2. @Stepahn:

    "ordne sie entsprechend ein."

    Habe lange überlegt, aber eigentlich ist das schwierig, da sie unter das Thema bei Margret gehört... Ich werde jetzt hier darauf antworten.
    Morgen erscheint ein Blogpost zu dem Thema, dann notfalls bitte dort weiterkommentieren, da es hier einfach echt unpassend ist.

    "Eine Gleichheitsphilosophie, die einzelne Gruppen betont ist absurd. Gleichheit ist totalitär."

    Es geht nicht um Gleichheit, sondern um Gleichberechtigung.

    "Eine Philosophie, die für die Gleichheit der Geschlechter ist, muss auch für die Gleichheit der Rassen — muss für die Gleichheit von allem sein"

    Warum müsste ich, wenn ich für eine Gleichheit der Geschlechter wäre automatisch für eine Gleichheit der Rassen sein?
    Ich kann einerseits sagen, Frauen und Männer sollen gleichberechtigt sein und trotzdem weiße bilden die Herrenrasse. Das wäre kein Widerspruch in sich!

    "Wer das feminine/maskuline betont bedarf einer weiteren Annahme; etwa der Annahme, dass dort größere Ungleichheit herrscht, als in Dingen der Rasse, des Aussehens, der Stimme, etc — weswegen ein Bereich (hier: Mann-Frau) besonders zu betonen wäre. [Die Definition wäre als: Feminismus ist die Philosophie der Gleichberechtigung der Geschlechter, die dabei annimmt, dass die Ungleichheit hier größer/bedeutender ist als in allen anderen Dingen.]"

    Nein, es reicht die Annahme, dass ich persönlich von dem einen Thema stärker betroffen bin als von dem anderen. Daher möchte ich meine Kraft eben der Gleichberechtigung der Geschlechter widmen statt irgendeines anderen Themas.

    "Würde es bei Gleichberechtigung der Geschlechter schlicht um Gleichberechtigung aller Männer und Frauen gehen, aller Menschen, würde es sich bereits auf den ersten Blick um Egalitarismus/Humanismus handeln."

    Wie ich bereits schrieb, muss alle Männer und Frauen nicht gleichzeitig heißen, keine anderen Unterscheidungen vorzunehmen.

    "Wenn ich annehme, dass ich allen wesentlich überlegen bin, können mir deshalb die Rechte des allen Überlegenen zustehen. Damit wäre meine vollkommene Herrschaft eine Sache der Gleichberechtigung. (Das berühren übrigens die Elemente „sex differences“ und „mehr benachteiligt“ meiner empirischen Definition [Realdefinition].) Stattdessen kann man auch von „Gerechtigkeit“ sprechen. Die ist leider auch totalitär."

    Interessanter Punkt, da müsste ich nochmal genauer drüber nachdenken.

    "Ist dir die Absurdität der Aussage bewusst?"

    War Absicht ;P

    "Damit bist du im Sinne meiner Definition wenig feministisch. Wo behauptest du irgendeinen Fehler?"

    Der Fehler liegt darin, dass du eine eigene Definition schaffst, um mir meine Selbstbezeichnung abzusprechen.

    "Dich „angehen“ — glaubst du ernsthaft ich behandle dich unkritisch?"

    Hätte ich nicht erwartet und wäre auch ziemlich naiv.

    "Was behauptest du ist hier „Hetze“? Deine Antworten auf alle Fragen wären sehr interessant; die hängen zusammen."

    Ich habe zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass irgendetwas Hetze ist. Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass dein Vorgehen ein typisches ist, um so vorzugehen. Ich als Feministin kann die Vorurteile, die du über Feministinnen hast nicht widerlegen, da du mir einfach die Bezeichnung Feministin absprichst.





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  3. "Habe lange überlegt, aber eigentlich ist das schwierig, da sie unter das Thema bei Margret gehört... Ich werde jetzt hier darauf antworten.
    Morgen erscheint ein Blogpost zu dem Thema, dann notfalls (...)."

    Bei Margret geht es eigentlich um Sex, Porn, and Affection. Unterhaltungen führe prinzipiell nicht notfalls.

    Ich ziehe es vor, auf die Punkte einzeln einzugehen, um Fortschritt besser zu gewährleisten. Erst zum Wesen der Gleichheit:

    *"Eine Gleichheitsphilosophie, die einzelne Gruppen betont ist absurd. Gleichheit ist totalitär."

    Es geht nicht um Gleichheit, sondern um Gleichberechtigung.*

    Gleichberechtigung ist das Bestehen bzw. Gewähren gleicher Rechte. Es geht um die Gleichheit der Rechte, des Rechts (als Ordnung aller Rechte). Gleichheit (Widerspruchsfreiheit) ist ein Wesenselement der Rechtsordnung, und sie ist allumfassend. Es gibt keine "rechtsfreien Räume", wohl aber Freiheit.

    *"Eine Philosophie, die für die Gleichheit der Geschlechter ist, muss auch für die Gleichheit der Rassen — muss für die Gleichheit von allem sein"

    Warum müsste ich, wenn ich für eine Gleichheit der Geschlechter wäre automatisch für eine Gleichheit der Rassen sein?

    Ich kann einerseits sagen, Frauen und Männer sollen gleichberechtigt sein und trotzdem weiße bilden die Herrenrasse. Das wäre kein Widerspruch in sich!*

    Auf philosophischer Ebene - abseits der Willkür von Personen - wäre das ein Widerspruch (siehe aber den Herrscheraspekt, über den du noch nachdenken "müsstest"). Deine Definition beruft sich auf Gleichberechtigung, sie fordert wesentlich gleiches gleich zu behandeln (berechtigen) und wesentlich ungleiches ungleich zu behandeln (berechtigen).
    Es ist ein Widerspruch, wesentlich gleiche Frauen und Männer gleich zu behandeln, nicht aber wesentlich gleiche Weiße und Schwarze. Denn das Prinzip der Gleichheit/Gleichberechtigung beansprucht gleiche Geltung, und damit Anwendung auf alles.

    Du könntest ohne philosophischen Widerspruch sagen, dass "alle (weißen) Männer und Frauen je einen Teekessel bekommen sollen, schwarze aber keinen bekommen sollen". Denn hier berufst du dich auf kein Prinzip.

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