Samstag, 1. Oktober 2016

„Kleine Titten sind wie Flüchtlinge: Sie sind nun mal da, aber eigentlich will man sie nicht.“

Mit besagtem Satz und einem dazu passendem Bild auf dem sie ihre eigenen Brüste in der Hand hält (bekleidet) löste Sophia Thomalla gestern einen schönen Shitstorm auf Facebook aus.

Im Nachhinein klärte sie auf: Das Ganze war ein Experiment, gemeinsam mit Micky Beisenherz.  
 
 
 

Ich habe schon oft Äußerungen von Sophia Thomalla in irgendwelchen Talkrunden gehört und auch einiges auf ihrer Facebookpage gesehen. Es ist durchaus glaubhaft, dass sie es tatsächlich nicht ernst meint. Einige Kommentatoren vermuteten Joko und Klaas bzw. die Sendung „Circus Halligalli“ hinter dem merkwürdigen Post. In der Sendung werden immer wieder Prominente dazu angestiftet Sätze auf ihrer Facebookseite zu posten und die wütenden Reaktionen der Kommentatoren werden dann in der Sendung gezeigt. Dieses Spiel wird als „Shitstormroulette“ bezeichnet.  

Allein die Tatsache, dass ein solches Spiel funktioniert und sich die Netzgemeinde so schnell zu wütenden Kommentaren hinreißen lässt, ist durchaus interessant. Denn dies zeigt, dass viele einfach nicht mehr nachdenken, nicht mehr die Hintergründe sehen, nicht mehr bewusst handeln. Sonst würde Shitstormroulette nie funktionieren. Sonst würden die Menschen bedenken, welche Meinung die besagte Person sonst vertritt. Menschen würden überlegen, ob der Account gehackt wurde oder was das soll. Aber die letzte Möglichkeit wäre es, dass man beleidigend wird.

Sophia Thomalla bekam stattdessen Kommentare wie die folgenden:

 
 
 


Dies zeigt, wie leicht Menschen sich manipulieren lassen, wie leicht sie bereit sind, Teil einer blinden Masse zu werden. Auf diese Art und Weise kann man mit den Menschen spielen – ohne dass sie es merken. Ich fand so etwas immer schon sehr interessant. Bereits in der Schule habe ich einige Experimente bezüglich der Beeinflussung von Menschen gestartet: Auf Klassenfahrt haben einige Freunde und ich uns über jede Person in der Klasse ein Gerücht (teilweise absurd) ausgedacht und versucht diese zu verstreuen, um festzustellen, welches Gerücht letztendlich als vermeintliche Tatsache wieder bei uns ankommt. Und es war tatsächlich faszinierend wie überzeugt eine Person sein kann, dass etwas so ist, wenn ich Zweifel daran äußerte. Obwohl ich in dem Moment wusste, dass das Erzählte totaler Quatsch war.

Insgesamt hat dieses Experiment für mich deutlich gemacht, dass die Mehrheit der Menschen, die Masse sich extrem leicht manipulieren lässt. Und im Großen und Ganzen sollte das jedem zu denken geben. Menschen, die sich manipulieren lassen, einer blinden Masse folgen, sind nicht wirklich positiv für das Funktionieren einer Demokratie.

Nachtrag: Hier nun die detaillierte Auflösung von Mickey Beisenherz.

 
 

 

Kommentare:

  1. "Bereits in der Schule habe ich einige Experimente bezüglich der Beeinflussung von Menschen gestartet (...)."

    Codes.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Stephan:

      "Codes."

      Möglich, dass ich tatsächlich teilweise sogar versucht habe, herauszufinden, wie deren Codes funktionieren...

      Löschen
    2. @Miria (Der Name passt wahrscheinlich zu dir)

      Ja, das denke ich. Social (reverse-)engineering.

      Löschen
    3. @Stephan:

      "Der Name passt wahrscheinlich zu dir"

      Wie ist das gemeint?

      Löschen
  2. "Dieses Spiel wird als #Shitstormroulette" bezeichnet"

    Meine Güte, das kannte ich noch nicht, aber man lernt ja nie aus. Da passen ja alle hauptberuflich Empörten und politisch Oberkorrekten wunderbar ins Beuteschema.

    "dass viele einfach nicht mehr nachdenken"

    Solche Leute gab es schon immer, nur waren es vor den Zeiten vor dem Internet wahlweise Rüpel oder Spinner, die nur einem kleinen Bekanntenkreis auf die Nerven gingen. Im Zeitalter der (a)sozialen Medien hat diese Spezies eine viel größere mediale Reichweite.

    AntwortenLöschen
  3. Ich weiß gerade nicht, ob Du meine Kommentare nur nicht freischaltest (wäre OK, aber verwunderlich) oder die nur verschwinden, aber weder mein Kommentar zu Bodyshaming noch der von heute sind da. Sag mal was. Vg, Lolli.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Keine Ahnung, bei mir ist kein anderer Kommentar außer dieser angekommen...

      Habe auch im Spam geschaut, da ist nichts. Vielleicht einfach nochmal versuchen. Nicht freischalten mache ich normalerweise nur, wenn es arg beleidigend ist - oder wie in dem einen Fall von Leszek thematisch unpassend und viel zu viel (hatte ich da aber erklärt).

      Liebe Grüße.
      Miria

      Löschen
  4. Danke fuer die Aufklaerung. Hab ich gar nicht mitbekommen.
    Dein Kommentar ist absolut korrekt, denke ich. Wir sind so gestrickt, dass wir eine vermeintliche Mehrheitsmeinung nachplappern. Die modernen Massenmedien gaukeln eine Mehrheit vor, obwohl nur einige Tausend Schrottjournalisten dahinterstehen.

    So ist es leicht zu erklaeren, dass etliche Menschen wider besseres Wissen Geschichten ueber Frauenunterdruckung, armen Fluechtlingen oder Klimatod glauben. |
    Aehnliche KOnstrukte wie WAldsterben, Atomtod etc haben sich als Bloedsinn herausgestellt. Trotzdem fallen etliche Idioten, vor allem Gebildete, immer wieder drauf rein.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Konformit%C3%A4tsexperiment_von_Asch


    Axel AE

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Axel:
      "Wir sind so gestrickt, dass wir eine vermeintliche Mehrheitsmeinung nachplappern. Die modernen Massenmedien gaukeln eine Mehrheit vor, obwohl nur einige Tausend Schrottjournalisten dahinterstehen."

      Richtig. Genau von dem Thema handelt auch mein nächster Artikel.

      Löschen
  5. Für Sophia wäre es medientechnisch Selbstmord, sowas ernsthaft zu sagen, und ich denke zudem, dass es nicht sonderlich gut ankommt mit dem "war nur ein Scherz" - ich meine, will denn irgendwer wirklich kleine Brüste? Eben, ist nicht lustig.

    Und wenn ich mir ihre Kommentare zu Frauenquote 2015 (die unsägliche, wiederholte Sendung) und Fatacceptanz Mitte der Woche so ansehe, ist es gar nicht so abwägig, dass das eigentlich ihre Meinung ist - auch wenn ich sie nicht für derart doof halte, das öffentlich ehrlich zu sagen.

    Das Problem ist aber, natürlich, wie Du schreibst, dass der dressierte Mob sie sofort in ein Gulag einweisen lassen will... und Demokratie (deswegen) nicht grundsätzlich eine gute Idee ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. [Signed: ~~~Lolli]

      Löschen
    2. Hallo Lolli,

      "Und wenn ich mir ihre Kommentare zu Frauenquote 2015 (die unsägliche, wiederholte Sendung) und Fatacceptanz Mitte der Woche so ansehe, ist es gar nicht so abwägig, dass das eigentlich ihre Meinung ist - auch wenn ich sie nicht für derart doof halte, das öffentlich ehrlich zu sagen."

      Glaubst du ernsthaft, jemand, der gegen die Frauenquote ist, zeigt dadurch, dass er gegen Flüchtlinge ist. Ich finde gerade, dass sie sich in der von dir genannten Sendung recht vernünftig (im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten) geäußert hat.

      Löschen
  6. Hallo Miria,

    ich habe die Sendung nicht gesehen, nur darüber gelesen. Und ich finde nicht, dass sie sich mit der Aussage "gegen" Flüchtlinge positioniert - das wird aber halt so interpretiert. Ich meine, wer will denn _wirklich_ Flüchtlinge _haben_? Das setzt ja nun Fluchtgründe voraus, die man dann auch _haben_ wollen müsste? Das ist eher widerlich, oder? Den Thomalla-Tweet kann man auch menschlich und vernünftig interpretieren - also in der Richtung "wir wollen keine Flüchtlinge, weil wir lieber Frieden wollen". Wir hätten ja auch gerne größere Brüste, aber das ist halt nicht so leicht, wie mit dem Frieden. Es sind die Shitstormer, die ihr da was negatives unterstellen. Und die Metapher ist gar nicht so schlecht... ich meine, wer will denn ernsthaft Flüchtlinge (echte) da haben (außer den Leuten, die damit Geld verdienen für überteuerte Wohnlager etc.?)? Es ist nur _besser_, sie aufzunehmen, als sie vom ISIS erschießen oder im Mittelmeer ersaufen zu lassen. Kleine Brüste sind ja auch besser als keine.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Anonym,

      ich denke, das muss man schon ziemlich um die Ecke interpretieren, um daraus einen Wunsch nach Frieden zu lesen. Dann müsste man nicht sagen, man will keine Flüchtlinge, sondern keinen Krieg bzw. wahlweise andere Fluchtursachen.

      Löschen