Samstag, 22. Oktober 2016

Frauen Vorschriften machen - feministisch?

Auf Telepolis ist ein Text von einer angeblichen Feministin erschienen, in dem sie ihren Frust über andere Frauen auslässt und diese angreift. Im Speziellen Frauen, die aus ihrer Sicht dem Feminismus bzw. der Sache des Feminismus schaden – meist einfach dadurch, dass sie sind wie sie sind.
Gleich zu Beginn schreibt die Autorin:

Feminismus ist nämlich nicht der Kampf von Frauen gegen Männer. Sondern häufig genug der Kampf gegen andere Frauen.“

Wird sonst nicht eher „Frauensolidarität“ (der ich in dieser Formulierung auch kritisch gegenüberstehe) gefordert? Sollte Feminismus nicht das Bestärken von Frauen und ihren Lebensentwürfen sein? Feminismus als Kampf gegen Frauen finde ich irgendwie sehr unglücklich!
Sie sagt, dass sie sich in ihrem Text bewusst gegen Antifeministinnen wendet. Wer aber als Antifeminist gilt, wird von ihr definiert, anhand von Verhalten dieser Personen wie im Folgenden klar wird. So erzählt sie von einer Begegnung im Zug, bei der eine Mann einen blöden Kommentar zum Thema Maulkorb und Frauen machte als sie ihrem Hund diesen anlegte. Diesen Spruch lies sie jedoch ins Leere laufen – niemand lachte. Im Weiteren erwähnt sie Donald Trump, der eine Wahlkampagne hätte, die wie ein „einziger endloser Schwanzvergleich“ funktioniere, und kann nicht verstehen, warum dieser Frauen als Unterstützer hat. Und als nächstes charakterisiert sie die Frauen, die sie hier anspricht, die bösen Antifeministinnen:

Wenn ihr an meiner Stelle im Zug gewesen wärt, hättet ihr nur dämlich gelacht. Hö hö, ja, stimmt, Maulkorb für Frauen, gute Idee. Ihr findet es auch lustig, wenn auf Facebook eine Blondine Bananen isst, indem sie sich selbst am Kopf packt und ihn vor und zurück bewegt. Sicher habt ihr eine Freundin, die ihr markieren könnt. Augenzwinkernd. Ja, so sind wir, gell, wir verrückten Girlies. Und wir stehen drauf, wenn uns einer ordentlich den Arsch versohlt, denn manchmal haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern. "Isso."“

Wenn man also nicht alles so ernst nimmt, Spaß hat an möglicherweise sexuellen Anspielungen und darauf steht, den Arsch versohlt zu bekommen, ist man Antifeministin… Völlig unabhängig davon, wie man sich selbst gesellschaftlich einordnet bzw. welche Meinungen etc. man vertritt.
Natürlich können gewisse sexuelle Anspielungen sexistisch und beleidigend sein, aber manchmal auch einfach lustig (Wichtig: es kommt auf den Kontext und die Beziehung der Personen zueinander an!). Und tatsächlich denke ich, dass es für das Leben im Allgemeinen nicht unbedingt schlecht ist, auch mal über so einen Blödsinn zu lachen! Spaß und gute Laune machen einen sicherlich glücklicher als sich frustriert tagtäglich über das ach so antifeministische Verhalten anderer Menschen aufzuregen!
Interessant auch der rhetorische Trick, den die Autorin hier anwendet: Zunächst spricht sie die anderen mit „ihr“ an, anschließend wird auf das „wir“ gewechselt. So springt sie vom Vorwurf an eine vermeintlich andere Gruppe dazu, sich hier als Teil dessen zu präsentieren, die von innen heraus kritisiert. Kritik innerhalb der eigenen Gruppe wird meist offener begegnet als einem Vorwurf von außen. Dass es sich hier natürlich um Vorwurf von außen handelt geht aus dem Rest des Artikels eindeutig hervor.

Direkt im nächsten Absatz beginnt sie dann, entsprechende andere Frauen als dumm darzustellen und verfällt in pauschale Beleidigungen gegenüber zuvor charakterisierten Frauen:

Ihr denkt euch nicht viel dabei, wenn ihr den schmutzigen Spaß mitmacht (Denken ist sowieso nicht eure Stärke). Ihr wollt keine Spielverderberinnen sein. Ihr wollt die Stimmung nicht vermiesen. Ihr wollt zeigen, dass ihr Humor habt und dass ihr keine verbitterten Kampfemanzen seid (ihr habt keine Ahnung, was eine Kampfemanze eigentlich sein soll, aber wenn ihr das Wort verwendet, fühlt ihr euch voll klug). Emanzen gehen euch sowieso nur auf den Geist. Denn eins wisst ihr mit Sicherheit: Ihr seid keine. Ihr habt nichts gegen Männer. Aber eine ganze Menge gegen Frauen.“

Denken ist nicht die Stärke von Menschen, die gerne auch mal schmutzige Späße mitmachen? Vielleicht ist Denken auch einfach nicht die Stärke von Menschen, die ein Problem mit jedem solcher Späße haben. Sie scheinen nicht in der Lage zu sein zwischen ernst und Witz zu unterscheiden. Sie scheinen nicht intelligent genug zu sein, zu merken, dass man als Frau blöde Witze, sexuelle Anspielungen machen kann und diese in so manchem Kontext lustig findet, sich aber dennoch für Gleichberechtigung und Emanzipation einsetzen kann.
Lebt sich doch so viel einfacher mit Vorurteilen!
Der letzte Satz ist besonders interessant: Ist es nicht die Autorin, die hier eine ganze Menge gegen Frauen hat?

Geradezu ironisch/satirisch wirkt der folgende Satz in dem Artikel:

Wenn ihr gegen andere Frauen hetzt, habt ihr das schöne Gefühl, zu den Guten zu gehören, zu denen, die die Welt zu einem besseren Ort machen, weil sie "über sich selbst lachen können", statt immer alles bierernst zu nehmen und mieszumachen.“

Das man den ersten Teil dieses Satzes eins zu eins auf den Artikel bzw. die Autorin übertragen könnte, fällt ihr komischerweise nicht auf. Wer hetzt denn hier nochmal gegen Frauen? Wer hat da gerade ein schönes Gefühl zu den Guten zu gehören?
Wenn man über sich selbst auch mal lachen kann, hat man eben mehr Spaß am Leben. Das hat aber sicher nichts damit zu tun, ob man zu irgendwelchen ominösen „Guten“ gehört. Aber die Autorin scheint genau dies mit ihrem Artikel zu machen: Sie ist die vermeintlich Gute, die anderen Frauen erstmal die Welt erklären muss. Diejenige, die anderen Frauen vorschreiben muss wie man sich angemessen verhält! Ernsthaft?!
Dank Feminismus und Emanzipation sind Frauen heute fähig und in der Lage über sich und ihr Leben selbst zu bestimmen. Man braucht keinen Mann mehr, der einem vorschreibt wie man sich wo zu verhalten hat! Und ich brauche ganz sicher auch keine vermeintliche Feministin, die mir neue Vorschriften macht! Emanzipation: Befreiung! Und nicht das unterordnen über einen neuen Herrscher bzw. Herrscherin. Habe das Gefühl, dass die Autorin abgesehen von Vorurteilen bezüglich „Kampfemanze“ keine Ahnung hat, was Emanzipation eigentlich bedeutet!

Und natürlich hören die Vorwürfe an die vermeintlichen Antifeministinnen nicht auf:

„Nicht nur, dass ihr euch nicht gegen Sexismus wehrt, ihr tragt sogar aktiv zu seiner Verbreitung bei. Euer dämliches Hö-hö-hö beim frauenfeindlichen Spruch des Tages ist nur der Anfang. Ihr tut es nicht absichtlich, aber ihr füttert eure Väter, Ehemänner, Brüder, Freunde und Söhne mit ihrer täglichen Dosis Frauenverachtung, indem ihr selbst die Frauen seid, vor denen sie keine Achtung zu haben brauchen.“

Frauen, die sich manchmal wie beschrieben verhalten, sind also Frauen, vor denen man keine Achtung haben braucht? Ich würde sagen, damit hat die Autorin selbst den frauenfeindlichsten Spruch des Tages gebracht!
Egal, wie jemand sich verhält oder wie dämlich jemand ist, ein jeder Mensch hat Respekt und Achtung verdient. Wenn man dies nun einer bestimmten Gruppe Frauen abspricht, da sich diese nicht regelkonform (nach eigenen aufgestellten Regeln natürlich) verhalten, ist das schon ein Glanzstück an Frauenfeindlichkeit!

Und dann werden die Vorwürfe richtig mies:

„Ihr seid die treibende Kraft hinter weiblicher Genitalverstümmelung, ihr redet dem Imam nach dem Mund, dem Exorzisten, ihr macht für den lüsternen Guru die Beine breit und wettert gegen jene Frauen, die euer masochistisches Spiel nicht mitspielen. Ihr wolltet immer schon pinke Glitzer-Prinzessinnen sein und als weiße Märchenbräute vor den Altar treten und euren Töchtern jeden Samstag die Nägel lackieren und sie so lange mit Kinderschminksets und Barbie-Ausstattung zumüllen, bis sie den Weg zur Kosmetikerinnenausbildung für gottgegeben halten.“

Der Vorwurf zur Genitalverstümmlung ist schon mehr als eine Frechheit! Eine Frau, die mal über einen albernen sexuellen Witz, eine solche Anspielung, lacht ist also nicht nur mit schuld an Genitalverstümmlung, sondern sogar die treibende Kraft?
Eigentlich versucht dieser Absatz den Frauen, die gerne heiraten möchten oder als Kind gern Prinzessin sein wollten zu sagen: Ihr seid schuld, dass die Welt so schlecht ist! Ihr seid schuld daran, dass woanders Frauen beschnitten werden! Ihr seid schuld daran, wenn man vor Frauen keinen Respekt hat. Denn wenn man Kindern Schminke und Barbie zum Spielen gibt, ist das natürlich gleichbedeutend damit, sie beschneiden zu lassen.
Dass die Autorin damit aber eine sehr große Gruppe Frauen verunglimpft, selbst die größte Sexistin ist, fällt ihr wieder mal nicht auf

Irgendwann fällt dann der beste Vorwurf überhaupt:

„Ihr habt kein bisschen begriffen, was Feminismus ist.“

Ich bin Feministin und weiß sehr gut, was Feminismus ist. Habe aber hier das starke Gefühl, diese Frau hat nicht begriffen, was Feminismus ist! Feminismus bedeutet, sich für Rechte von Frauen stark zu machen. Sich für Selbstständigkeit derer und Emanzipation (Freiheit von Bevormundung!) einzusetzen.
Feminismus bedeutet nicht, Handlungen anderer Frauen bzw. ganz Gruppen pauschal abzuwerten, ihnen das Recht auf Achtung abzusprechen und die Schuld an grausamen Verbrechen zu geben (Genitalverstümmlung). Feminismus bedeutet nicht, Regeln für andere Frauen formulieren und selbst bevormundend zu handeln.
Nein, da hat jemand wohl nicht begriffen, was Feminismus ist!

„Das ist traurig genug, aber das Traurigste ist, dass Feminismus manchmal sogar frauenfeindlich sein muss, nämlich dann, wenn es gegen Frauen wie euch geht.“

Richtig! Frauenfeindlichkeit ist natürlich nicht per se falsch, sondern nur, wenn es gegen die Guten, Richtigen, Braven Frauen geht! Alle anderen darf man gerne bekämpfen, beleidigen, bevormunden.
Ich krieg das Kotzen, wenn ich so eine scheiße lese!

Geradezu religiös mutet dann der folgende Satz an:

„Und der Feminismus geht sogar noch einen Schritt weiter. Er setzt sich sogar für Frauen wie euch ein, obwohl ihr es selbst nicht wollt und obwohl ihr es wahrscheinlich nicht einmal verdient. Der Feminismus hält euch und euren rosaroten Töchtern die Hand hin, und er hält es aus, wenn ihr ihn verschmäht und bekämpft. Der Feminismus hält euch die Tür offen, damit ihr irgendwann, falls der Tag kommen sollte, aus eurem selbstgeschaffenen Gefängnis ausbrechen könnt.“

Klingt fast wie eine Kirche, die betont, dass sie auch immer offen ist für die verlorenen Schafe. Diejenigen, die jetzt in einer schlechten Welt leben und sich an den falschen Werten orientieren. „selbstgeschaffenes Gefängnis“ ist eine tolle Bezeichnung für freiheitliche Entscheidungen, die sich an anderen Werten orientieren als den religiös vorgegebenen.

Und zum Abschluss noch ein weiterer rhetorischer Kniff:

„Ihr wollt mich in die Schranken weisen, weil ihr nämlich ganz anders seid und euch keiner in eine Schublade sperren kann, weil ihr nämlich viel mehr drauf habt als die olle Hausmütterchen-Nummer.
Aber wenn das stimmt, dann seid ihr das, was ihr nie sein wolltet, ob es euch gefällt oder nicht. Dann seid auch ihr verkappte Feministinnen, die sich gegen Fremdzuschreibungen wehren. Daran solltet ihr denken, wenn ihr das nächste Mal stillhaltet, weil ihr keine Spielverderberinnen sein wollt. Und in euer Poesiealbum solltet ihr mit Goldstift schreiben: Der Sexismus beginnt im Schweigen seiner Opfer. Oder in ihrem dümmlichen Lachen.“

Also, wer den Artikel gelesen und sich angesprochen gefühlt hat, sollte einfach sein Verhalten ändern. Denn eigentlich seit ihr ja gar nicht so bzw. wollt nicht so sein. Eigentlich wollen ja alle Frauen so sein wie es die Artikel Autorin vorgibt: Bloß nicht über sexuelle Anspielungen lachen, Barbie, Schminke und alles weibliche verteufeln, aber natürlich selbstbewusst Entscheidungen treffen (selbstverständlich nur, wenn diese mit den vorgegebenen Regeln übereinstimmen!)
Ich habe selten etwas frauenfeindlicheres gelesen als diese scheiße! Auch so manch ein fieser Maskulist kann da nicht mithalten. Und dann noch so zu tun, als sei man selbst feministisch und all das sagt man natürlich nur im Sinne der guten Sache… Widerlich!

 

Kommentare:

  1. "Ihr wollt mich in die Schranken weisen, weil ihr nämlich ganz anders seid und euch keiner in eine Schublade sperren kann, weil ihr nämlich viel mehr drauf habt als die olle Hausmütterchen-Nummer.
    Aber wenn das stimmt, dann seid ihr das, was ihr nie sein wolltet, ob es euch gefällt oder nicht."

    Nett. Es gibt nur "olles Hausmütterchen", oder was immer die Autorin (Dissonanza) ist (dessen sie sich kaum bewusst ist), nichts dazwischen, und nichts darüber hinaus.

    Das Wesen der Freiheit erfasst sie ebensowenig. Weder schulden Frauen Dissonanza Gefolgsamkeit weil sie Frauen bereichert. Wahrscheinlicher wäre, dass sie zahlreichen Frauen "Schaden" zufügt, die Dinge also schlechter für sie macht. Schadensersatz kommt Dissonanza kaum in den Sinn. Allenfalls wären gegenwärtige Frauen den Frauen der entfernteren Vergangenheit verpflichtet. Die sind allerdings tot.

    Wie dem auch sei, "Sexismus" ist immer noch nicht definiert. Wäre er es, würden weite Teile des feministischen Gebäudes zusammenbrechen. Dir sollte übrigens aufgefallen sein, dass es hier nicht um Rechtsgleichheit geht, sondern alle Lebensbereiche erfasst werden. Das ist totalitär. Aber wenn Frauen es machen auch irgendwie niedlich.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Wie dem auch sei, "Sexismus" ist immer noch nicht definiert."

      Sexismus ist die unterschiedliche Behandlung aufgrund des Geschlechts. Legitim oder nicht, ist wieder eine andere Frage. Dazu hatte ich auch schon einiges geschrieben vor kurzem: http://nur-miria.blogspot.it/2016/08/kann-sexismus-legitim-sein.html

      Löschen
    2. @Miria

      Yeah. Das ist aber nicht vollendet. Ich habe dort geantwortet.

      Löschen
  2. Danke für deine zutreffende Analyse des Textes.
    Ob die Autorin tatsächlich erwartet, für ihre anmaßenden Äußerungen Zustimmung zu erhalten?

    Meinen Post zu diesem Thema kennst du bereits: https://auschfrei.wordpress.com/2016/10/21/was-feministinnen-wirklich-ueber-frauen-denken/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @breakpoint:
      "Ob die Autorin tatsächlich erwartet, für ihre anmaßenden Äußerungen Zustimmung zu erhalten?"

      Vermutlich wird sie das natürlich erwarten. Und ich denke, dass es durchaus einige Personen gibt, die dem Artikel zustimmen.

      Löschen
  3. Als ich den Text Mahlknecht las, kam mir schon beim Lesen der Verdacht, das könnte ein Troll sein, der sich als Frau ausgibt, so absurd war das alles (sag ich selbst als Masku). Diese Frau Mahlknecht scheint aber echt zu sein, sie schreibt öfter für TP und hat in der Vergangenheit schon einen ziemlichen Stuß über Männer (aber ohne so ausfällig zu werden) geschrieben. Weitere Texte von ihr habe ich meinem Nerven zuliebe nicht angesehen.

    Ich behaupte ja immer, der Feminismus mag abstrakt gesehen auch heute noch einige berechtigte Anliegen haben, aber real existierende, von unserer feministischen Presse medial inszenierte Feminismus ist eine reine Hetzideologie, vor allem gegen Männer. Er muß Probleme konstruieren und die Frauen "sensibilisieren" (= aufhetzen), um seine Existenzberechtigung nachzuweisen und weiterhin 1000e Stellen für Frauenbeauftragte etc. in der gigantischen feministischen Infrastruktur fordern zu können.

    Diese Hetzmethoden kommen unterschiedlich gut an. Bei manchen Frauen prallt es ab, machen werden ein bißchen fanatisiert und manche stark fanatisiert. Letztere sind 1 - 2 Standardabweichungen vom mittleren Fanatisierungsgrad entfernt und machen nur noch 1 Promille der weiblichen Bevölkerung aus. Dieses eine Promille drängelt sich aber in die Medien, weil sie da ihren missionarischen Ehrgeiz austoben können.

    Mahlknecht scheint mir so ein Fall zu sein. Deswegen nehme ich solche Texte auch nicht mehr ernst. Trotzdem war es gut, daß Du dagegenhältst, solche Texte sind viel zu lange ohne Widerspruch geblieben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @mtm:
      "Ich behaupte ja immer, der Feminismus mag abstrakt gesehen auch heute noch einige berechtigte Anliegen haben, aber real existierende, von unserer feministischen Presse medial inszenierte Feminismus ist eine reine Hetzideologie, vor allem gegen Männer."

      Hier handelt es sich aber mal um einen großen Rundumschlag gegen Frauen, nicht gegen Männer!

      "Dieses eine Promille drängelt sich aber in die Medien, weil sie da ihren missionarischen Ehrgeiz austoben können."

      Wenn du dir dessen bewusst bist, dass das nicht die Mehrheit der Frauen, ja selbst unter Feministinnen eine kleine Minderheit ist, warum wird sich dann in Diskussionen im an den Einstellungen dieser fanatischen Menschen abgearbeitet?

      "Deswegen nehme ich solche Texte auch nicht mehr ernst."

      Das ist schön zu hören, aber andere tun es. Und dann kommen diejenigen und werfen mir diese Dinge vor, da ich ja auch Feministin sei und das sei ja typisch für Feministinnen. (ist jetzt natürlich nicht auf dich bezogen.)

      Liebe Grüße,
      Miria




      Löschen
    2. "Wenn du dir dessen bewusst bist, dass das nicht die Mehrheit der Frauen, ja selbst unter Feministinnen eine kleine Minderheit ist, warum wird sich dann in Diskussionen im an den Einstellungen dieser fanatischen Menschen abgearbeitet?"

      Weil nur die Fanatiker genügend Energie haben, sich in die Machtpositionen hochzuarbeiten, wo sie dann für die Allgemeinheit gefährlich werden. Mit Machtpositionen meine ich vor allem politische Positionen in den Parteien oder staatlichen Strukturen, wo man ernsthaften Einfluß auf Gesetze oder Ressourcen nehmen kann. Ferner am Rande Meinungsmacht dahingehend, den Diskussionsstand in größeren Gruppen oder wichtigen Medien zu dominieren.

      "dann kommen diejenigen und werfen mir diese Dinge vor, da ich ja auch Feministin sei und das sei ja typisch für Feministinnen."

      Dieses Problem is kaum lösbar. Der Begriff Feminismus ist als allgemeiner Sammelbegriff verbrannt, weil alles mögliche damit assoziiert wird, dasselbe beim Begriff Antifeminismus. Eventuell findest Du eine Feminismusvariante wie den Equity-Feminismus, die Deine Standpunkte schon einmal grob eingrenzt und gegen andere Strömungen abgrenzt

      Löschen
  4. Ich sehr das Problem, was Du mit dem Artikel hast, in diesem Satz von Dir zusammengefasst:

    > Dank Feminismus und Emanzipation sind Frauen heute fähig und in der Lage über sich und ihr Leben selbst zu bestimmen.

    Der stimmt nämlich nicht. Feministen waren immer eine sehr breite Veranstaltung. Nimm man einfach Emmy Pankhurst, die neben dem Wahlrecht für Frauen - also Emanzipation - auch gleich mal fleißig Männer beschämt hat, die keine Lust auf Kriege hatten (White Feather). In den USA waren die Suffragetten ganz vorne bei der Prohibitionsforderung dabei. Feminismus ist mehr als Emanzipation, und das war er auch immer; Feminismus ist eine lose Versammlung von Frauen, die sich die Welt so machen wollen, wie sie ihnen gefällt - natürlich zu Lasten aller anderen - auch Frauen.

    Es ist auch heute nichts grundsätzlich negatives daran zu sehen, eine emanzipierte Frau zu _sein_, es ist aber eine andere Sache, zu sagen, man _wäre_ eine emanzipierte Frau - das ist in etwa so glaubwürdig wie die Aussage, man wäre nicht dumm.

    Es gibt auch nicht umsonst seit den 60ern, wo die Feministen völlig durchdrehten, den auch ohne den Vorsatz "Kampf-" negativen Begriff für "Emanze". Der hat heute - aufgrund der Handlungen angebliche emanzipierter Frauen in der Vergangenheit, die nur forderten und jammerten, eine negative Konnotation. "Nazi" ist ja auch nicht sonderlich positiv konnotiert, und auch dafür gibt es Gründe.

    Wir hatten das vor zwei Jahren schon, und es ist ja ein hehres Ziel, dass Du gerne eine Feministin bist, weil Du Feminismus als Einsatz für Gleichberechtigung siehst und das eine gute Sache ist, aber das hat ähnliche Erfolgschancen wie Petrys Versuch, "völkisch" (wieder) positiv zu besetzen.

    AntwortenLöschen
  5. @Lolli:
    "Der stimmt nämlich nicht. Feministen waren immer eine sehr breite Veranstaltung."

    Das ist doch kein Widerspruch, dass (ein Teil der) Feministinnen eben genau das erreicht hat.

    "Feminismus ist eine lose Versammlung von Frauen, die sich die Welt so machen wollen, wie sie ihnen gefällt - natürlich zu Lasten aller anderen - auch Frauen."

    Nein! Ich stimme dir zu, dass Feminismus mehr ist als einfach nur Emanzipation, sondern auch Gleichberechtigung.
    Und ja, es gibt auch viele (wie auch die Autorin des hier von mir kritisierten Artikels), die unter dem Label Feminismus Unsinn verbreiten. Das sollte aber nicht dazu führen, diesen Unsinn als generell maßgeblich für Feminismus zu verstehen. Sondern viel mehr, sich klar dagegen zu positionieren und deutlich zu machen: Das ist eben kein Feminismus!
    Klar kann auch eine Forderung nach Gleichberechtigung mal zu Lasten anderer sein, nämlich zu Lasten derer, die zuvor im Vorteil sind. Aber im Endeffekt ist das Ziel sicher nicht irgendwen zu benachteiligen!

    "
    Es ist auch heute nichts grundsätzlich negatives daran zu sehen, eine emanzipierte Frau zu _sein_, es ist aber eine andere Sache, zu sagen, man _wäre_ eine emanzipierte Frau - das ist in etwa so glaubwürdig wie die Aussage, man wäre nicht dumm."

    Warum sollte es unglaubwürdig sein, wenn jemand ein gewisses Selbstbewusstsein hat? (Selbstbewusstsein in dem Sinne zu verstehen, dass man sich seiner selbst bewusst ist).
    Wenn ich mich selbst gut kenne, meine Stärken und Schwächen etc., dann kann ich auch Aussagen darüber treffen, die Tatsachen entsprechen. Egal ob es um Intelligenz oder Emanzipation geht, die Aussage alleine sagt wenig darüber aus, ob sie glaubwürdig ist oder nicht.

    "Es gibt auch nicht umsonst seit den 60ern, wo die Feministen völlig durchdrehten, den auch ohne den Vorsatz "Kampf-" negativen Begriff für "Emanze". Der hat heute - aufgrund der Handlungen angebliche emanzipierter Frauen in der Vergangenheit, die nur forderten und jammerten, eine negative Konnotation. "Nazi" ist ja auch nicht sonderlich positiv konnotiert, und auch dafür gibt es Gründe."

    Nazi war noch nie positiv konnotiert! Emanze in abwertender Form wird eben häufig von jenen verwendet, die selbst ein Problem damit haben, mit selbstbewussten Frauen klarzukommen. Das als Hinweis dafür, dass Emanzipation negativ zu betrachten ist, sehe ich als Unsinn.
    Und der Nazivergleich ist nebenbei bemerkt ebenfalls nicht gerade weiterbringend für die Diskussion hier.

    "Wir hatten das vor zwei Jahren schon, und es ist ja ein hehres Ziel, dass Du gerne eine Feministin bist, weil Du Feminismus als Einsatz für Gleichberechtigung siehst und das eine gute Sache ist, aber das hat ähnliche Erfolgschancen wie Petrys Versuch, "völkisch" (wieder) positiv zu besetzen."

    Auch der Vergleich hinkt. Die Grundidee von Feminismus ist eben Gleichberechtigung! Und ich bin sicher nicht die einzige Feministin, die das so sieht!

    Viele Grüße,
    Miria

    AntwortenLöschen
  6. "Das ist eben kein Feminismus!"

    Deiner Definition nach. Der ist zu widersprechen, was ich schon getan habe.

    AntwortenLöschen
  7. @Miria: Dass die Grundidee des Feminismus Gleichberechtigung sei, stelle ich eben in Abrede, übrigens mit Beispielen. Dein Gegenargument, also:

    >Nein! Ich stimme dir zu, dass Feminismus mehr ist als einfach nur Emanzipation, sondern auch Gleichberechtigung.

    ist Unsinn, da Emanzipation Gleichberechtigung voraussetzt; Menschen mit eingeschränkten Rechten _können_ nicht emanzipiert sein. Um das zu detaillieren:

    > Klar kann auch eine Forderung nach Gleichberechtigung mal zu Lasten anderer sein, nämlich zu Lasten derer, die zuvor im Vorteil sind. Aber im Endeffekt ist das Ziel sicher nicht irgendwen zu benachteiligen!

    Eigentlich _muss_ eine Forderung nach gleichen Rechten für A, der Rechte von B nicht hatte, mehr oder weniger Nachteile für B haben, das geht einher wenn sich die Masse der "Stimmberechtigten" vergrößert. Das ist nicht meine Kritik. Meine Kritik ist, dass Feminismus - mit Ausnahme der Emanzipation - für Frauen nichts gebracht hat und sich immer nur darauf beruft.

    Im 2014/07 diskutierten Post hattest Du als Argumente für den Feminismus, den _Du_ vertrittst, das (1) Ehe- und Scheidungsrecht angeführt, was zumindest damals nur (a) für Frauen eine lebenslange Versorgung trotz Verlassen und der damit verbunden Pflichten ermöglichte und (b) Frauen allgemein von jeglicher Verpflichtung in einer Ehe befreite – wenn der Mann nicht mehr genug anschaffte, konnte sie ja gehen und ihn gerichtlich dazu zwingen, das zu machen. Sehr seltsame Vorstellung von „Gleichberechtigung“. Und nein, das galt „nicht umgekehrt genauso“, der Mann hatte die Ehe nach altem Recht abgeschlossen und keine Möglichkeit, einfach ohne eigene Verpflichtungen auszutreten; das war (de facto) ein _reines_ Frauenrecht, und es geht _Dir_ ja mehr „um die Geisteshaltung einer Gesellschaft“ als um die Sinnhaftigkeit.

    (2) war Vergewaltigung in der Ehe, die auch bereits vorher (aber anders) strafbar war und zu sicher unendlich vielen Gerichtsprozessen geführt hat (nenne einen).

    Was Du wirklich willst ist genau das, was eben weder emanzipatorisch noch gleichberechtigt ist, nämlich das, was Du damals Stefan Fleischhauer geantwortet hast:

    (1) Ich möchte gerne, dass alle Gesetze, die irgendeinem Geschlecht den Einstieg in einen Beruf erschweren abgeschafft werden!
    Also, dass Feuerwehrleute auch mit Atemschutzausrüstung in den 100sten Stock rennen können müssen, weil es für Dich wichtiger ist, dass da auch Frauen dabei sind, als das Menschen gerettet werden? Sorry für das krasse Beispiel, aber das passiert gerade wirklich. Bundeswehr, Polizei etc. wären da auch wichtige Punkte. Und das sind nichtmal Gesetze, das sind nur Regeln.

    (2) Ich möchte keine Stigmatisierung mehr von unterschiedlichen Sexualitäten, die nicht der Norm entsprechen.
    Ja, das ist schön, aber träumerisch. Meine Oma stirbt wohl leider bald, aber sowas dauert halt, und ich hoffe sehr, dass ich auch sterbe, bevor Pädophilie nicht mehr stigmatisiert wird. Wenn Du nur vögeln willst, wen Du willst, ist das für mich OK; wenn Du erwartest, dass ich in der xy-Pride-Parade mitlaufe oder sie bejuble, nicht.

    (3) Ich möchte nicht, dass der Staat bestimmte Lebensmodelle anderen gegenüber bevorzugt und versucht, so ein ganzes Volk zu erziehen.
    Und das kommt dann in der Praxis wieder auf deinen Punkt 1 oben zurück: Du findest es also OK, dass ein Mann, der irgendwann eine Frau geschwängert hat, für die nächsten 25 Jahre zahlt, aber ihn dafür zu belohnen, dass er das macht, ist nicht in Ordnung?
    Wo ist da die Gleichberechtigung? An anderer Stelle forderst Du, dass Arbeitgeber auch Frauen einstellen, obwohl die schwanger werden und (sehr kostspielig) ausfallen können – auch das wäre ein _reines_ Frauenrecht, was nichts, aber auch gar nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat.
    Es ist niemandes Pflicht und _sicher_ nicht Dein Recht, Dir dabei zu helfen.

    Was übrigens der Grund ist, warum „Emanze“ negativ ist – die Emanzen sind nicht, waren nicht und werden niemals emanzipiert sein, sondern immer nur rumjammern und wollen.

    AntwortenLöschen