Samstag, 17. September 2016

Sextipps und Ratgeber - Untenrum frei?

Margarete Stokowski hat ein Buch geschrieben. „Untenrum frei“, auf Spiegel Online lese ich kurze Auszüge  aus dem Buch und wundere mich. So schreibt Frau Stokowski beispielsweise davon, wie es für sie und ihre Freundinnen in der Jugend normal war, einen Sexratgeber oder die Tipps aus Zeitschriften wie Cosmopolitan oder Joy zu lesen. Und sie schreibt davon, dass diese eine Frauenbild vermitteln, dass ihr nicht gefällt. Ein Frauenbild, das Frauen sich selbst als Sexobjekt darstellen lässt. Sie schreibt:

„Das Schlimme ist, welche Vorstellung das Buch Frauen von sich als Sexobjekt und -dienstleisterin vermittelt, und zwar im Gewand vermeintlichen Empowerments.“

Hier spricht sie von einem Buch, dass sich „die perfekte Liebhaberin“ nennt, welches damals von einer Freundin gekauft und auch von der Autorin gelesen wurde. Aus besagtem Buch zitiert sie folgende Passagen:

"Sie haben jederzeit die Freiheit, nein zum Sex zu sagen, aber bedenken Sie dabei auch, dass es zur Liebe gehört, füreinander da zu sein, auch wenn man manchmal am liebsten ganz woanders wäre."

"Sie treffen die Entscheidung, meine Damen. Egal, ob Sie schlucken wollen oder nicht, sollten Sie fairerweise erfahren, dass es Männer tatsächlich antörnt, wenn sie sehen, dass ihre Partnerin Sperma schluckt. Die Tatsache, dass sie im Mund ihrer Partnerin ejakulieren dürfen, gibt ihnen das Gefühl, angenommen zu werden."

In beiden Passagen ist meiner Meinung nach die Auffassung vertreten, dass es letztendlich immer die Frau selbst entscheidet, was sie tut und was sie machen möchte. Es wird weiterhin daran erinnert, dass man vielleicht auch einmal für seinen Partner das sein könnte, wenn man selbst vielleicht gerade keine Lust darauf hat. Oder eine Praktik (Sperma schlucken) dem Partner zu Liebe machen könnte. Dennoch wird betont, dass die Frau entscheidet, ob sie das tut oder nicht. Diese Passagen versteht Frau Stokowski hingegen völlig anders:

„Mit anderen Worten: Tun Sie beim Sex auch Dinge, die Sie nicht wollen, damit Ihr Mann sich pudelwohl fühlt. Wenn Sie ihn wirklich lieben, dann hat er ein Recht auf Ihren Körper.“

Nirgendwo ist geschrieben, ein Mann hätte ein Recht auf den Körper einer Frau. Nirgendwo, außer im Kopf von Margarete Stokowski. Hat sie das damals eventuell so verstanden und heute ein Problem mit ihrer damaligen Auffassung, weshalb sie sich komplett gegen entsprechende Ratgeber wendet?
Weiter schreibt die Autorin:

„Es ist nicht so, dass wir unser gesamtes Selbstbild aus solchen Ratgebern holen - aber uns fällt eben auch nicht auf, was für eine abgefuckte Scheiße das ist. Woher soll das kommen, dass man als Frau selbstsicher und fürsorglich mit dem eigenen Körper umgeht und den Sex hat, den man will, wenn man solche "Ratschläge" für normal hält?“

Tja, woher soll das Kommen? Vielleicht aus der Realität? Aus dem Kontakt mit Menschen statt mit Ratgebern?
Was spricht gegen Ratschläge, die einen auch dazu animieren, sich zu bemühen, dass der Partner den Sex hat, der ihm gefällt. Was spricht dagegen, im Bett nicht immer nur an sich zu denken? Sex ist doch immer ein Zusammenspiel von zwei Personen, wobei eindeutig beide ihren Spaß haben sollten. Jeder Partner sollte doch darum bemüht sein, es dem anderen schön zu machen!
Wenn ich beim Sex nur auf mich und meinen Orgasmus konzentriert bin, brauche ich doch nicht den Partner dazu, dann reicht ein Vibrator oder meine Hand. Dann denke ich nur an mich (oder vielleicht den/die geile/n Schauspieler/in aus dem letzten Film) und mein Vergnügen. Aber das ist sicher nicht das, was Sexratgeber meinen, wenn es um guten Sex geht.
Die Auszüge aus dem Buch schließen ab mit:

„Würde die Menschheit dieselben Anstrengungen in die Raumfahrt stecken wie die Redaktionen von Frauenzeitschriften in Blowjob-Ratgeber, könnten wir längst zum Kaffeetrinken auf den Mars.“

Mag möglicherweise stimmten, aber welches Motiv sollte das haben. Ist Kaffeetrinken auf dem Mars ebenso erstrebenswert wie guter Sex? Ganz ehrlich: Was soll ich auf dem Mars, einem Haufen Geröll?

Kommentare:

  1. "Ganz ehrlich: Was soll ich auf dem Mars, einem Haufen Geröll?"

    Sex haben. Deswegen wurden auch Flugzeuge und Riesenräder erfunden. Verdächtigerweise von Männern. Und Sterne vom Himmel holen erscheint mir ziemlich problematisch.

    Die ganze Grundordnung, ihre erkennbare Weltanschauung ist lächerlich. Bergarbeiter, Soldaten, Sanitärarbeiter, Bauarbeiter, Chemiearbeiter, Metallarbeiter, Schlachter, und so fort haben ein vollkommen anderes Gesundheitsverständnis. Und ihr Beschwerdevolumen ist um Größenordnungen geringer, kaum sichtbar. Demgegenüber ist weibliche Schönheit in Wellness eingebettet. Dieses weibliche Körperbewusstsein führt auch zu zahlreicheren Besuchen bei Ärzten (wobei die Kosten per Umverteilung von den fernbleibenden Männern getragen werden, die zudem früher sterben und somit die Sozialkassen weniger belasten). Weibliche Schönheit fließt zudem in den Eindruck, dass Frauen moralischer sind als Männer. Dass sich das männliche Sex-Defizit wirtschaftlich (im Weitesten Sinne) nutzen lässt, ist ein gewaltiger Vorteil. Stokowski ist daher gering zu schätzen.

    AntwortenLöschen
  2. Erstens stimmt es nicht, dass Frauen schöner sind als Männer und zweitens - wer verbittet Männern zum Arzt zu gehen, um sich gesund zu halten? Was ist ein männlicher Sex-Defizit?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. @Anonym:
      "Erstens stimmt es nicht, dass Frauen schöner sind als Männer"

      Hat ja auch niemand behauptet... Die Aussage war, dass Frauen sich insgesamt mehr um ihren Körper kümmern.


      Löschen
    2. @Anon, Miria

      Sex-Defizit ist ein Mangel an Sex. Bedeutsam ist dabei, dass Männer mehr Sex (mehr) wollen als Frauen, oder das zumindest glauben. Dann greift das Principle of Least Interest.

      Arztbesuche. Wer meint das Verhalten wäre durch die Gesellschaft beeinflusst, und Nachteile der Gesellschaft ankreidet, sollte das hier eher auch tun. (Ein Denken in trade-offs [Abtäuschen], in Vor-und korrespondierenden Nachteilen wäre sinnvoller. Männliche Härte hat auch spezifische Vorteile.) Es stimmt, niemand zwingt Männer nicht zum Arzt zu gehen. Allerdings zwingt jemand Männer die Arztbesuche von Frauen querzufinanzieren. Ich sage damit nicht, dass Männer es insgesamt schlechter haben.

      "Hat ja auch niemand behauptet..."

      Dein genaues Auge ist angenehm. Ich finde Frauen schöner. Allerdings ist das komplex. Wenn ich mich richtig erinnere, ist das auch die Meinung der Mehrheit der Gesellschaft.

      Löschen
  3. Bald ist es vorbei, bald gibt es die Sexroboter und das feministische Paradies kann kommen. Höret - die Ankunft der Göttin Gaia ist nahe.
    Bin ich froh, wenn ich nicht mehr auf Frauen angewiesen bin um ein erfülltes Sexleben zu haben.

    AntwortenLöschen