Freitag, 9. September 2016

Gut und Böse / Falsch und Richtig

Wir haben leider immer mehr eine Kultur des Schwarz/Weiß-Denkens. Immer mehr scheint für die Medien eindeutig klar zu sein, was gut und richtig und demgegenüber böse und falsch ist. Offene Diskussionen, andere Meinungen, neue Sichtweisen, das ist gar nicht mehr möglich.
Überlegungen zur Diskussion zu stellen, zu hoffen, dass sich damit ernsthaft auseinandergesetzt wird – oft vergeblich. Innerhalb kürzester Zeit muss für den Mainstream feststehen, ob eine Aussage gut oder böse, schwarz oder weiß ist. Einfache Methode dafür: es wird die Frage gestellt, wer die Aussage gemacht hat. Mag man denjenigen, dann ist die Aussage gut, wenn man denjenigen nicht ausstehen kann, ist sie böse. Auf das inhaltliche kommt es nicht mehr an. Man kann doch nicht seine wertvolle Zeit damit verschwenden, sich ernsthaft Gedanken über Inhalte zu machen. Wo kommen wir denn da hin, wenn eine Person, die ich eigentlich nicht leiden kann, vielleicht eine inhaltlich gute Idee hat. Nein, das darf nicht sein, das kann nicht sein.

Diese Welt macht mich traurig. Schwarz und weiß sind nicht gerade die schönsten Farben! Ich mag es lieber bunt. So kann ich viel mehr entdecken, erleben, erkennen, wenn ich dem Gegenüber erst zuhöre und anhand des Inhalts möglicherweise eine Diskussion entstehen lasse.
In der Kommentarspalte auf Facebook zum Thema AfD wurde ich gefragt, was meine Version von Deutschland ist und daraufhin schrieb ich unter anderem folgendes:

„Ich habe keine komplette fertig gedachte Vision. Wie die Autorin richtig schreibt, ist eine Gesellschaft immer im Wandel und so kann es nie eine fertige Vision geben, die für alle Zeiten richtig ist. Mein Wunsch ist politisch gesehen, mehr Diskussion, mehr Sichtweisen und Meinungen. Neue Einblicke und andere Meinungen können dabei helfen, gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Das Problem der etablierten Politiker ist es meiner Meinung nach, dass bei vielen Themen keine Diskussion entsteht, ja nicht einmal entstehen soll. Man ist sich einig und jeder, der eine entgegengesetzte Meinung hat, wird als "rechts" abqualifiziert. Eine der wichtigsten Grundlagen der Demokratie ist eine offene Diskussion. Diese wieder zu ermöglichen, wäre der einzig konkrete Wunsch für Deutschland. Zunächst ergebnisoffen. Die AfD führt im Moment dazu, dass bei manchen Themen wieder diskutiert werden muss, da sie neue Meinung und Sichtweisen einbringt. Das finde ich gut. Unabhängig davon, ob ich die Meinungen der Partei an sich gut oder schlecht finde.“

Das ist im Übrigen auch einer der Gründe, warum ich das Entstehen neuer Parteien (solche, die Erfolg haben und einen bedeutenden Anteil Stimmen erzielen), zunächst immer positiv sehe. Ich habe mich über die Piratenpartei vor einigen Jahren ebenso gefreut wie über die AfD. Zunächst völlig unabhängig vom Inhalt bringen neue Parteien, die andere Ideen haben als die bisherigen, immer frischen Wind und Diskussion – das ist gut für unsere Demokratie.

Wenn jemand eine Idee von der AfD scheiße findet, dieselbe Idee aber unterstützt, wenn sie von der SPD oder CDU kommt, dann stimmt doch etwas mit der Person nicht. Wenn ich etwas scheiße finde, dann finde ich das immer scheiße – egal, wer das auch scheiße findet. Gleichsam finde ich etwas gut – unabhängig davon, wer das auch gut findet.
Nicht jeder, der die gleiche Meinung hat wie ich in einem bestimmten Punkt, ist mein Freund. Genausowenig teile ich jede Meinung einer Person, nur weil wir in einem Punkt gleicher Meinung sind. Warum ist es gerade bei der politischen Diskussion so schwer zu sagen: „Ich finde die AfD scheiße wegen …., aber mit …. Könnte sie vielleicht Recht haben.“ Warum ist die derzeitige Diskussion beschränkt auf: „Ich finde die AfD scheiße und deshalb ist alles scheiße, was die sagen und alles scheiße, was jemand sagt, der irgendwas von denen gut findet. Und warum ich die scheiße finde ist egal bzw. weil halt!“

Seit wann ist das eine Art zu diskutieren? Seit wann sollte das eine Art zu diskutieren sein?

Die Welt ist nicht so einfach in gut und böse  oder schwarz und weiß zu teilen! Ich hätte gerne viel mehr bunt! Eine bunte Welt für alle! Eine Welt voller unterschiedlicher Meinungen und Positionen!




Kommentare:

  1. "Eine der wichtigsten Grundlagen der Demokratie ist eine offene Diskussion." Was es amüsant macht, wenn jemand konträre Auffassung "undemokratisch" nennt -- und dann noch behauptet für eine "offene Gesellschaft" zu stehen. Die Methodik ist schlicht "guilt by association", und "Wahrheit durch Wiederholung". Ein Problem dabei ist, dass die Begriffe schaden nehmen, und Bedeutung verlieren. Dadurch werden Debatten verworrener, denn es wird schwerer den anderen inhaltlich zu verstehen. Zudem wandelt sich der Umgang mit Demokratie selbst. Achtloser Umgang mit Begriffen führt zu Achtungsverlust dessen was sie einst benannten. Und sobald Abscheu, Tabu, und Emotion einen Begriff bestimmen, bestimmen sie auch die Debatte.

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    1. Stephan, das ist auch genau meine Beobachtung.
      Danke daher für deinen Kommentar, der das Problem nochmal ein wenig näher beleuchtet!

      Liebe Grüße,
      Miria

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    2. So höflich, Miria.

      Plato's Republic:

      "(...) because there is no twofold or manifold man among us, since every man does one thing."

      "If a man then, it seems, who was capable by his cunning of assuming every kind of shape and imitating all things should arrive in our city, bringing with himself the poems which he wishes to exhibit, we should fall down and worship him as a holy and wondrous and delightful creature but should say to him that there is no man of that kind among us in our city, nor is it lawful for such a man to arise among us (...)." III-VIII, p. 243

      ""Then," said I, "we shall not need in our songs and airs instruments of many strings or whose compass includes all the harmonies." "Not in my opinion," said he. "Then we shall not maintain makers of triangles and harps and all other many-stringed and poly-harmonic instruments."" III-X, p. 249

      ""And by the dog," said I, "we have all unawares purged the city which a little while ago we said was luxurious." "In that we show our good sense," he said.", III-X, p. 251

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