Dienstag, 13. September 2016

Dummheit ist Trend

In der Schule war es für einige vielleicht normal, dass die „coolen Kids“ diejenigen waren, die schlechte Noten schrieben und keinen Wert auf Bildung legten. Aber als Erwachsene sollte man das doch überwunden haben. Ich selbst war schon in der Schule froh, dass es in unserer Klasse nicht als „cool“ galt, schlechte Noten zu schreiben, eher im Gegenteil. Was damit zu tun hatte, dass wir die Klasse in unserer Stufe auf dem Gymnasium waren, in der nur die Klassenbesten der umgebenden Grundschulen zusammenkamen (es musste sicher sein, dass man das Gymnasium nicht wieder verlassen muss).
 
Im Moment beobachte ich allerdings auch immer mehr unter Erwachsenen, dass es anscheinend „in“ ist, wenn man eine geringe Bildung bzw. wenig Intelligenz aufweist. Und die Medien orientieren sich mit ihrem Programm immer mehr an den dummen Menschen. Damit meine ich jetzt nicht nur Sendungen wie „Mitten im Leben“ oder irgendwelche Fake Polizeieinsätze und Gerichtsschows, sondern auch Berichte, in denen es eigentlich um Fakten geht. Alles wird so aufbereitet, dass es vermeintlich auch das kleinste Kind versteht. In einem Bericht über Zuckergehalt von Softdrinks wird nicht mehr die Grammzahl des enthaltenen Zuckers angegeben, sondern die Anzahl von Zuckerwürfeln. So als wenn ein normaler Mensch mit Gramm weniger anfangen kann als mit „Zuckerwürfel“.  Und dann werden erstaunte Passanten gezeigt, die angesichts des Stapels Zuckerwürfel, die in einer Dose Cola enthalten sind mit „Oh, wirklich so viel, das hätte ich jetzt nicht gedacht!“ reagieren. Ich sehe das und bin erstaunt über das Unwissen derjenigen, die gerade im TV vorgeführt werden. Auf jeder verdammten Coladose, Saftflasche etc. steht der Zuckergehalt drauf. Wie kann man da noch so dämlich sein, dass man das nicht weiß? Natürlich in Gramm statt in Zuckerwürfel, ist wohl zu kompliziert geworden für unsere Gesellschaft.
Die Größe eines Geländes wird in Reportagen nicht mehr mit Hektar oder Quadratkilometer angegeben, sondern in Fußballfeldern. Was soll denn bitte das?! Gibt es ernsthaft mehr Menschen, die sich für Fußball interessieren und demnach eine Vorstellung von der Größe eines Fußballfeldes haben als es Menschen gibt, die wissen, was ein Hektar ist?
Mich hat das schon als Jugendliche genervt; wie machten mit unserer Schulklasse eine Führung in einem Freilichtmuseum und der Museumsführer erzählte wie groß ein bestimmtes Gelände sei – in Fußballfeldern. Ich hatte als Jugendliche keine Vorstellung von einem Fußballfeld und wollte wissen, wie viel Hektar das sind. Diese Frage konnte mir leider nicht beantwortet werden….
 
Aussagen von Freunden, die sich wundern, wie man sich für politische Themen interessieren bzw. sich längere Zeit über diese unterhalten kann mit dem Zusatz „ mit mir kannst du ja auch gerne reden, aber ich interessiere mich mehr für Schuhe und Schminke!“ machen mich ratlos.
Menschen, die selbst etwas nicht verstehen und sich dann über vermeintlich gebildetere Leute lustig machen: „Der will sich doch nur wichtigmachen, mit seiner Ausdrucksweise!“
Statt genauer nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht so zu tun als handele es sich um etwas Negatives gebildet zu sein, finde ich merkwürdig. Wenn ich etwas nicht verstehe, so frage ich nach. So kann man doch immer nur etwas dazu lernen. Aber etwas zu lernen, sich zu bilden, dass scheint bei der breiten Masse heutzutage nicht mehr erwünscht zu sein.
 
Und gefördert wird es auch nicht mehr. Jeder sollte in Deutschland den Abschluss auf dem Gymnasium machen. Was natürlich zwangsweise zu einer Senkung des Standards führt. Aus meiner Grundschulklasse waren wir zwei, die ein Gymnasium besucht haben, das war normal. Mittlerweile sind es eher zwanzig. Dass die Menschen nicht intelligenter geworden sind, sondern die Anforderungen gesunken, kann ich tagtäglich beobachten.
In der Schule wird nicht mehr eigenständiges Denken, und auch mal mit dem gelernten neue Herausforderungen lösen, gelehrt. Nein, es wird auswendig gelernt – häufig auch nur bis zur nächsten Testarbeit. Und vielleicht beschäftigt man sich ja auch eher mit der Größe von Zuckerwürfeln und Fußballfeldern als mit der eines Hektars.
 
Wenn das allerdings so weiter geht, sind wir in einigen Jahren eine ungebildete dumme Gesellschaft. Der heutige Standard in Deutschland kann sich so nicht halten. Woher sollen die hochqualifizierten, gebildeten Menschen kommen. Woher die Motivation, zu lernen, sich zu bilden, wenn doch selbst Erwachsene Bildung negativ betrachten und ach so erstaunt sind, wie viele Zuckerwürfel ein Softdrink enthält?
 

Kommentare:

  1. Behavioral economics, nudging, bounded rationality. Effektiv, für den Moment. Kurzfristig wahrscheinlich gut für das Allgemeinwohl. Nachteilig daran ist, dass die Anreize sich zu bilden abnehmen. Und Paternalismus gewinnt an Macht. Er wird graduell akzeptiert, Menschen gewöhnen sich, und entsprechende (staatliche) Strukturen werden aufgebaut, denen eine Neigung zur Ausdehnung immanent ist. -- Wie gut ist dein Englisch, Miria?

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    1. Menschen wählen leider oft den auf kurze Zeit gesehen einfacheren Weg, auch wenn das zu späteren negativen Konsequenzen führt.
      Mein Englisch ist ähnlich schlecht wie mein Deutsch ;)

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    2. Wenn dein Deutsch schlecht ist, ist es auf gute Weise schlecht.

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    3. Ich wollte damit viel mehr zeigen, dass ich eine qualitative Benennung von schlecht und gut ohne entsprechende feststehende Kriterien sinnlos finde.
      Wenn ich nun mein Können der deutschen Sprache als Bezugspunkt nehme, ist es irrelevant, ob ich die Bezeichnung gut oder schlecht nutze, da diese eigentlich nichtssagend sind. ;)

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