Sonntag, 25. September 2016

Bodyshaming

Ich habe mich ja schon das ein oder andere Mal zum Thema Fatshaming geäußert. Und muss sagen, davon halte ich generell nichts. Man solle jeden Menschen mit seinem Körper so akzeptieren wie er ist.
Aber weiterhin halte ich auch nicht viel davon, wenn man beim Versuch, sich für das Richtige einzusetzen, die Waage nicht nur ins Gleichgewicht bringt, sondern sie dann zur anderen Seite ausschlägt. Diese Gefahr sehe ich teilweise bei dem Verhältnis von Mann und Frau durch radikale Feministinnen (die damit der feministischen Sache leider eher schaden als alles andere).
Und mittlerweile sehe ich dieses Problem auch häufig beim Thema Körperformen. Statt Akzeptanz jeglicher Körperformen – weg von der allgemeinen Norm des extrem schlanken – werden die Gegner des Fatshamings leider selbst zu Bodyshamern. Und selbst in „Nachrichten-Magazinen“ wird nicht auf einen Bodyshaming-Kommentar verzichtet. Beim Beitrag zur Fashion Show von Ashley Graham sage die Moderatorin von Explosiv Weekend folgenden Satz:

„Aschley Graham präsentiert ihre Kollektion auf der New Yorker Fashion-Week, wo sonst nur Hungerhaken Mode zeigen, die keine normale Frau tragen kann.“

Ein solcher Satz über dicke Menschen, beispielsweise mit der Bezeichnung der Plus-Size-Modells als fett und nicht normal, würde sicher Wellen schlagen und von mehreren Seiten gerügt werden. Aber schlanke, dünne Models können problemlos als Hungerhaken bezeichnet werden. Hungerhaken, die Mode präsentieren, die keine „normale“ Frau tragen kann. Diese Frauen sind also nicht „normal“.
Ich finde Ashley Graham toll, finde es super, dass sie ihren Weg geht, eine Kollektion rausbringt, die auch fülligere Frauen gut tragen können.
Aber muss ich das positive des einen mit einer Beleidigung des anderen verbinden? Ich finde Sprüche wie „iss mal etwas!“ genauso scheiße wie „du solltest dir das Stück Küchen besser sparen!“
Beides vermittelt dem Angesprochenen, dass er sich verändern sollte, dass er bzw. sein Körper nicht „richtig“ ist. Und dass man mit dem Verhalten dazu beitragen sollte, eine Norm zu erfüllen. Jemand, der nicht in diese Norm passt, muss sich verändern, muss sonst mit Beleidigungen und beinahe „bösartigen“ Sprüchen rechnen.
Einer der schlimmsten Sprüche, den ich als sehr schlanker Mensch zu hören bekommen habe war: „Iss doch mal mehr! So wie du aussiehst, findest du keinen Mann, der würde ja Angst haben, dich zu zerbrechen!“ zu einer Zwölfjährigen, die alles andere im Kopf hatte als irgendeinen Mann zu finden. Und davon ganz bestimmt nicht ihr Essverhalten abhängig machen möchte.

Leute hört doch einfach auf mit Bodyshaming! Und wenn ihr so etwas lest oder hört, dann beschwert euch – egal ob dick oder dünn: jeder Mensch ist ok so wie er ist!

Kommentare:

  1. Body-Preferring

    (1) Die Verkehrungsproblematik (statt gegen Dicke geht es gegen Dünne) gleicht der in Sachen klassisch-feminin versus "progressiv". Zwar wird die Gleichwertigkeit von "Lebensentwürfen" beteuert. Das bringt aber bestenfalls ein abfälliges Lächeln. "Hausfrauen" werden nicht als gleichwertig angesehen. Die Art Dissonanz zieht sich durch, und weist auf ein fundamentales Problem hin.

    (2) Du bist nicht der Ansicht, dass alles gleichwertig ist. Aggressive Abwertung ist selten angebracht. Implizite Abwertung aber unweigerlich; denn wer etwas vorzieht, findet etwas anderes schlechter; wer erkennbar etwas vorzieht, wertet erkennbar etwas ab. Siehst du das anders?

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  2. @Stephan:
    "Zwar wird die Gleichwertigkeit von "Lebensentwürfen" beteuert. Das bringt aber bestenfalls ein abfälliges Lächeln. "Hausfrauen" werden nicht als gleichwertig angesehen. Die Art Dissonanz zieht sich durch, und weist auf ein fundamentales Problem hin."

    Das ist es, was mich ebenfalls nervt. Soll doch jeder so leben wollen, wie es ihm gefällt - egal ob Karriere oder Hausfrau.

    "(2) Du bist nicht der Ansicht, dass alles gleichwertig ist. Aggressive Abwertung ist selten angebracht. Implizite Abwertung aber unweigerlich; denn wer etwas vorzieht, findet etwas anderes schlechter; wer erkennbar etwas vorzieht, wertet erkennbar etwas ab. Siehst du das anders?"

    Du musst unterscheiden zwischen Gleichwertigkeit vor der Gesellschaft/staatlichen Institutionen und individuellen Vorlieben.
    Nur weil mir eines besser gefällt, werte ich das andere nicht ab, sondern sage einfach, das passt nicht zu mir, aber vielleicht ja zu wem anders.

    Nicht jede heterosexuelle Frau wertet Frauen ab, weil sie nicht mit denen ins Bett geht!

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  3. "Nicht jede heterosexuelle Frau wertet Frauen ab, weil sie nicht mit denen ins Bett geht!"

    Doch, Miria. Aus genau den philanthropischen Gründen bin ich bedacht darauf, Frauen zu überzeugen, eine Frau mit ins Bett zu nehmen.

    "Du musst unterscheiden zwischen Gleichwertigkeit vor der Gesellschaft/staatlichen Institutionen und individuellen Vorlieben." Vor dem Staat? Das hätte zwei Konsequenzen: entweder der Staat müsste in allem für Parität sein. Oder er müsste "agnostisch" sein, und dürfte nichts fördern. (Die Alternative ist, dass wenn alles "gleichwertig" ist, es gleichgültig ist, was ist und entsteht.)

    "Vor der Gesellschaft" gleichwertig ist interessant. Wenn 60% der Gesellschaft House vorziehen, und 40 Grey's Anatomy, sind House und Grey dann vor der Gesellschaft gleichwertig?

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    1. @Stephan:
      "Doch, Miria. Aus genau den philanthropischen Gründen bin ich bedacht darauf, Frauen zu überzeugen, eine Frau mit ins Bett zu nehmen."

      Dann solltest du aber aufpassen, dass ihr Männer nachher nicht zu kurz kommt und Frauen generell lieber nur mit Frauen ins Bett gehen! ;)

      "Vor der Gesellschaft" gleichwertig ist interessant. Wenn 60% der Gesellschaft House vorziehen, und 40 Grey's Anatomy, sind House und Grey dann vor der Gesellschaft gleichwertig?"

      Dies ist wieder eine anderer Fall - gemeint sind vielmehr im Vergleich zu staatlichen Institutionen wie beispielsweise Vereine o.ä. Das, was du beschreibst, zeigt nur wieder individuell unterschiedliche Interessen.

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    2. "Dann solltest du aber aufpassen, dass ihr Männer nachher nicht zu kurz kommt und Frauen generell lieber nur mit Frauen ins Bett gehen! ;)"

      Meritokratie, Miria. Ein Mann hat es in der Hand.


      "Das, was du beschreibst, zeigt nur wieder individuell unterschiedliche Interessen." Aggregierte Interessen. Vereine/Gesellschaften finden gerade nicht alles gleichwertig. Sie sind Zusammenschlüsse von Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zwecks, einer Präferenz. Stell dir einen "Model/Schönheits-Verein" vor, einen Modelleisenbahn-Verein, einen katholischen, etc.

      Und ein neutraler Staat, der alles gleichwertig findet, muss alle Vereine gleich fördern bzw, anerkennen, oder keinen.

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  4. [na, dann halt "Anonym", das funktioniert eigentlich ~~~Lolli]

    Was Stephan oben (vermutlich) ausdrücken wollte ist die so ziemlich jeder modernen "progressiven" Bewegung inhärente Bigotterie auf Basis von "wir haben hehre Ziele, die nicht, wir sind gut, die böse", und wir sind gut und dürfen derweil jeden Blödsinn behaupten, aber alle, die uns widersprechen, sind widerliche [Nazis].

    Das Problem ist, dass diese so handelnden Ideologien, sei es nun der moderne Feminismus oder die HAES-Bewegung hauptsächlich durch Ignorieren der Realität (und damit Lügen) sich ihre Traumwelt schaffen wollen, in der Aussagen wie Deine, Miria, wahr wären: "jeder Mensch ist ok so wie er ist!"

    Das _stimmt_ aber halt nicht. Nichtmal ohne Wertung stimmt das - Menschen sind nicht immer so, wie sie sind, sondern verändern sich. Gilt für Meinungen, gilt für Körpergewicht. Und es wird immer Leute geben, die eine Meinung besser finden oder ein Gewicht, und was "normal" oder Mainstream ist, das zentriert sich auch in immer variierenden Bereichen, auch wenn die beim Körpergewicht weniger stark schwanken.

    Das mit den Sprüchen... mei, einem Alkoholiker zu sagen, das reicht jetzt mit dem Bier nützt wenig, einem Nichtraucher zu sagen, er sei eine Spaßbremse und solle mal etwas chillen ist widerlich (ich lasse Magersucht jetzt mal aus). Menschen mögen aber halt zunächst sich selbst, zumindest idealerweise, und es kostet einen Schritt Überwindung, das auch von anderen anzunehmen. Insbesondere, wenn die Realität mit dem Selbstbild konfligiert... Ashley Graham ist sicher mehrheitstauglich sexy, vor allem mit genug Photoshop, aber davon bekäme Renee Somerfield (beach body ready) auf der gleichen Party trotzdem 90% der Aufmerksamkeit.

    Damit kann man klarkommen - auf einer Party mit Chris Hemsworth, um bei Australiern zu bleiben, bliebe mir eher bestenfalls Resteficken, aber davon ist Chris kein "unrealistisches Männerbild", und es wäre mir _peinlich_, Unsinn wie "echte Männer sehen aus wie Johnny Galecki" zu verbreiten.

    Die Abwertung der Übrigen ist jeder totalitären Ideologie inhärent, weil man ja _in der Realität_ eben nicht besser ist als "die anderen" - Frauen sind keine besseren Menschen als Männer, das Proletariat nicht besser als die Bourgeoisie, arische Deutsche nicht besser als der Rest der Welt.

    Und da haben die Fat-Acceptance-Frauen halt ein echtes Problem: Dicke Frauen sind halt für das absolute Gros der Menschen unattraktiver als schlanke Supermodels. Ist so, war so, wird so bleiben. Da kann man nicht gegen anreden, und natürlich kann man abfällig über die "Hungerhaken" reden, auch wenn die noch so Mila Kunis-Bäuchchen haben, aber damit macht man sich nur selbst lächerlich.

    Die Welt wird sich nicht ändern, weil eine alternde Moderatorin Hungerhaken als Hungerhaken bezeichnet - davon sind die Hungerhaken nämlich immer noch schlank und sexy, und die Graham-Models immer noch dick. Mei.

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    1. Hallo Lolli,

      "Das Problem ist, dass diese so handelnden Ideologien, sei es nun der moderne Feminismus oder die HAES-Bewegung hauptsächlich durch Ignorieren der Realität (und damit Lügen) sich ihre Traumwelt schaffen wollen, in der Aussagen wie Deine, Miria, wahr wären: "jeder Mensch ist ok so wie er ist!""

      Du bist also der Meinung, dass die Aussage: "Jeder Mensch ist ok so wie er ist!" falsch ist in der Realität. Kannst du mir das bitte näher erläutern? Und wer entscheidet deiner Meinung nach, wer ok ist und wer nicht?

      "Das _stimmt_ aber halt nicht. Nichtmal ohne Wertung stimmt das - Menschen sind nicht immer so, wie sie sind, sondern verändern sich. Gilt für Meinungen, gilt für Körpergewicht."

      Nur weil Menschen sich verändern bedeutet das doch noch lange nicht, dass sie nicht in jedem Moment eben so wie sie sind in Ordnung sind. Der Zusammenhang macht hier nicht wirklich Sinn.

      "Die Abwertung der Übrigen ist jeder totalitären Ideologie inhärent, weil man ja _in der Realität_ eben nicht besser ist als "die anderen" - Frauen sind keine besseren Menschen als Männer, das Proletariat nicht besser als die Bourgeoisie, arische Deutsche nicht besser als der Rest der Welt."

      Widersprichst du damit nicht deiner ursprünglichen Behauptung, dass eben nicht jeder Mensch ok ist so wie er ist?

      "Und da haben die Fat-Acceptance-Frauen halt ein echtes Problem: Dicke Frauen sind halt für das absolute Gros der Menschen unattraktiver als schlanke Supermodels."

      Je nachdem wie man dick in dem Zusammenhang definiert. Fakt ist, dass rein von der Attraktivität her weder schlanke Supermodels noch Ashley Graham das sind, wes der Durchschnitt attraktiv findet, sondern dies liegt irgendwo dazwischen. Die meisten Menschen möchten weder einen Menschen ohne Brüste und ohne Arsch, noch mit zu viel Fett. Aber was bei der persönlichen Wahl - abseits irgendwelcher Werbefotos - viel wichtiger ist, ist sowieso der Charakter bzw. die Ausstrahlung. Du kannst jetzt gerne wieder behaupten, das wäre nicht die Realität, ändert aber dennoch nichts daran.
      Nimm als Beispiel Robert Pattinson: Als die Twillight Filme rauskamen standen plötzlich alle Teenies auf Robert Pattinson, obwohl der eher durchschnittlich aussieht. Der Punkt ist, dass seine Rolle des Vampirs in Twillight eine gewisse Ausstrahlung, Charisma hat und dies automatisch auf den Schauspieler übertragen wird.

      "Da kann man nicht gegen anreden, und natürlich kann man abfällig über die "Hungerhaken" reden, auch wenn die noch so Mila Kunis-Bäuchchen haben, aber damit macht man sich nur selbst lächerlich."

      Anscheinend verstehst du das Problem bei der Aussage nicht: Es gibt durchaus auch sehr schlanke Personen, die sich vielleicht in ihrer Optik unsicher sind und es trägt sicher nicht zu deren Selbstbewusstsein bei als "Hungerhaken" bezeichnet zu werden. Oder wie findest du beispielsweise den Spruch zu der Zwölfjährigen, den ich im Artikel erwähnt habe?

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    2. Hallo Miria,

      > Du bist also der Meinung, dass die Aussage: "Jeder Mensch ist ok so wie er ist!" falsch ist in der Realität. Kannst du mir das bitte näher erläutern?

      Allaussagen sind fast immer falsch. Ich z.B. finde, wie die meisten Menschen, vergewaltigende und mordende ISIS-Kämpfer absolut überhaupt nicht "ok so, wie sie sind".

      Und es geht ja (hoffentlich) nicht nur ums Körpergewicht, sondern vielmehr um die damit verbundenen Eigenschaften - und man muss dicke Menschen nicht "OK" finden, man kann sie auch unästehetisch finden. Das muss man umgekehrt auch nicht OK finden, aber es ist müßig, zu denken, man könnte da was dran ändern.

      > Und wer entscheidet deiner Meinung nach, wer ok ist und wer nicht?

      Idealerweise niemand. Ich bin da sehr freiheitlich, und ich sehe, dass man bei bestimmten Verhaltensweisen Grenzen ziehen könnte oder sollte - nimm z.B. Päderastie - ich habe aber kein kategorisches Problem mit Gesellschaften, die sowas nicht verbieten, solange eine Mehrheit das so sieht und niemand zu irgendwas gezwungen wird.

      Von meinem Standpunkt werde ich der Letze sein, der Leute dafür kritisiert, dass sie Fatshaming oder Bodyshaming betreiben. Oder Leute blöld anzugehen, die die erste Gruppe für dumme Arschlöcher hält. Ist halt so; mei. Man kann Dummheit und Unsicherheit nicht verbieten oder wegreden. Was nicht heißt, dass ich es gut finde, Unsinn wie HAES zu verbreiten, damit sich unsichere dumme Dicke Wohlsein einreden können, wenn sie nach ein paar Dutzend Treppen durchgeschwitzt und hechelnd oben auf dem Burgberg kurz vor dem Herzinfarkt stehen. Ich hechle da oben auch, was daran liegt, dass ich rauche wie Deng Xiaoping, aber ich erwarte nicht, dass das irgendwer gut, intelligent oder richtig oder so findet.

      > Widersprichst du damit nicht deiner ursprünglichen Behauptung, dass eben nicht jeder Mensch ok ist so wie er ist?

      Radikal ausgedrückt vertrete ich eher die Position, dass kein Mensch so, wie er ist, gut ist. Bei Gruppen von Menschen nivelliert sich das dann in der Regel auf "durchschnittlich scheiße", und es mag Gruppen geben, die überdurchschnittlich Scheiße sind, aber das sind üblicherweise die, die ihr eigenes Toll-sein hervorheben.

      > Die meisten Menschen möchten weder einen Menschen ohne Brüste und ohne Arsch, noch mit zu viel Fett. Aber was bei der persönlichen Wahl - abseits irgendwelcher Werbefotos - viel wichtiger ist, ist sowieso der Charakter bzw. die Ausstrahlung. Du kannst jetzt gerne wieder behaupten, das wäre nicht die Realität, ändert aber dennoch nichts daran.

      Im Gegenteil - ich hoffe, dass sich das gerade irgendwie aufklärt - deswegen ist ja die Behauptung, dass dicke Menschen kategorisch "OK" wären so dämlich. Es gibt sehr widerwärtige dicke Menschen, und es gibt sehr nette dicke Menschen, was null mit ihrem Körpergewicht zu tun hat. Ich stimme Deinem Artikel ja wirklich zu - das war keine Kritik, außer in dem einen Punkt, der sicher schön wäre, das streite ich ja nicht ab, er ist halt nur eine Träumerei.

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    3. [2/2]

      > Nimm als Beispiel Robert Pattinson

      Ja - das ist ein sehr schlechtes Beispiel. 15jährige Mädchen laufen allem hinterher, was irgendwie durch die Bravo oder Tumblr oder whatsoever geprügelt wird; aber Dir ist hoffentlich klar, dass es da einen ganz enormen Unterschied zwischen Männern und Frauen bzgl. der Relevanz des Aussehens gibt, oder? 14-jährige Jungs stehen wegen sowas eher nicht auf Bella, sondern - keine Ahnung, bei mir wäre das vielleicht Holly Marie Combs. Cougaring ftw! - aber ernsthaft, das war eher Lilly* aus der Tanzschule. Mmmmh... Erdbeer-Lipgloss...

      > Anscheinend verstehst du das Problem bei der Aussage nicht: Es gibt durchaus auch sehr schlanke Personen, die sich vielleicht in ihrer Optik unsicher sind und es trägt sicher nicht zu deren Selbstbewusstsein bei als "Hungerhaken" bezeichnet zu werden.

      Ich kenne keine 14jährigen Mädchen, und das ist auch ganz gut so. Zu meiner Zeit war das eher normal, schlank zu sein (als Frau, besonders), richtig Dicke - also, so wie heute - waren in den 90ern eher seltenst. Dünn war da ziemlich normal, und eine "Hungerhaken"-Aussage hätte auch keiner gemacht. Wenn man sein Selbstwertgefühl über sein Aussehen bezieht, hat man m.E. sowieso was falsch gemacht, da hat aber - wie Du ja auch andeutest - nicht so sehr etwas mit dem Körper zu tun, sondern mit dem Selbstbewusstsein. Ich bin aber nun nicht für das Wohlbefinden Dritter verantwortlich - außerhalb von (guten) Freunden und Familie - von daher

      > Oder wie findest du beispielsweise den Spruch zu der Zwölfjährigen, den ich im Artikel erwähnt habe?

      ... ist sowas natürlich Scheiße, - wobei - warst Du denn kurz vor Magersüchtig, oder waren die Leute einfach nur widerlich?

      Es geht aber bei Ashley Grahams Unterwäsche nicht um 12jährige Mädchen, sondern um Frauen um die 30. Zum Erwachsen werden gehört aber halt dazu, sowas ignorieren zu lernen. Die sollten das eigentlich hinbekommen haben mit dem Selbstbewusstsein und keine Medienpämperung brauchen - das ist doch peinlich. Und fies, die Models haben alle so Ashley-Graham-Figur mit BMI~30 und tragen wahrscheinlich die _kleinste_ angebotene BH-Größe (36D). Wenn das eine ehrliche Kampagne wäre, würden sie da eine mit 44D fotografieren, aber das ist halt zu viel Photoshop-Aufwand, damit das noch jemand kauft.

      Denn - um wieder auf oben zurückzukommen - Du hast mit

      > Fakt ist, dass rein von der Attraktivität her weder schlanke Supermodels noch Ashley Graham das sind, wes der Durchschnitt attraktiv findet, sondern dies liegt irgendwo dazwischen.

      schon auch Recht. Aber Ashley Graham ist halt im obersten Prozentbereich von "echt hübsches Gesicht", und das macht doch vielen adipösen (ist Ashley nicht) Frauen irgendwie falsche Hoffnungen - die sind ja nun auch nicht alle nett oder intelligent oder weltoffen oder sonstwas, um daraus ein attraktives "Gesamtpaket" zu machen. Ich finde es von daher falsch und verlogen, Ashley und ihre Models als "normal" zu präsentieren, weil sie die absolute Ausnahme sind. Moppelig & sexy ist noch seltener als dürr & sexy, und der Charakter leidet (meist) unter beidem.

      Liebe Grüße,

      Lolli

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    4. Hallo Lolli,

      "Allaussagen sind fast immer falsch. Ich z.B. finde, wie die meisten Menschen, vergewaltigende und mordende ISIS-Kämpfer absolut überhaupt nicht "ok so, wie sie sind"."

      Gut, darauf können wir uns einigen. Ich hätte, ok so, wie jemand ist nicht zwangsläufig auf Handlungen bezogen.

      "Von meinem Standpunkt werde ich der Letze sein, der Leute dafür kritisiert, dass sie Fatshaming oder Bodyshaming betreiben. Oder Leute blöld anzugehen, die die erste Gruppe für dumme Arschlöcher hält. Ist halt so; mei."

      Diese Einstellung wirkt auf mich ein wenig so wie "ist mir doch egal, wenn andere sich scheiße verhalten, brauche ich mich nicht drum zu kümmern." Eine Alles-egal-Haltung ist aber auch nicht wirklich so sinnvoll.

      "Was nicht heißt, dass ich es gut finde, Unsinn wie HAES zu verbreiten, damit sich unsichere dumme Dicke Wohlsein einreden können, wenn sie nach ein paar Dutzend Treppen durchgeschwitzt und hechelnd oben auf dem Burgberg kurz vor dem Herzinfarkt stehen. Ich hechle da oben auch, was daran liegt, dass ich rauche wie Deng Xiaoping, aber ich erwarte nicht, dass das irgendwer gut, intelligent oder richtig oder so findet."

      Ich weiß nicht genau, was Burgberg ist bzw. wie hoch ;) Aber ich gehe gerne auf Berge und fühle mich da sehr wohl - trotz Übergewicht.
      Ich finde es nicht schlecht, wenn Menschen sich auch in einem dicken Körper wohlfühlen. Das ist allemal besser als sich irgendwo aus Scham zu verkriechen. Und ich finde es eher problematisch, wenn man Menschen erzählen möchte, dass sie sich doch nicht wohl fühlen dürften.

      "Radikal ausgedrückt vertrete ich eher die Position, dass kein Mensch so, wie er ist, gut ist. Bei Gruppen von Menschen nivelliert sich das dann in der Regel auf "durchschnittlich scheiße", und es mag Gruppen geben, die überdurchschnittlich Scheiße sind, aber das sind üblicherweise die, die ihr eigenes Toll-sein hervorheben."

      Im Prinzip ist es das Gleiche, was ich auch sage, nur du drückst es pessimistisch aus: Ich sage jeder ist ok so wie er ist und du sagst, niemand. Bei mir ist das Glas eben halb voll und bei dir halb leer. Davon ändert sich aber die Menge des Wassers nicht.

      "Es gibt sehr widerwärtige dicke Menschen, und es gibt sehr nette dicke Menschen, was null mit ihrem Körpergewicht zu tun hat."

      Ja, dem stimme ich auch zu. Das war viel mehr darauf bezogen, dass nicht Körpergewicht ein Grund sein sollte zu sagen, jemand ist eben nicht ok.

      "Ja - das ist ein sehr schlechtes Beispiel."

      Finde ich nicht. Ich habe auch an mir selbst bemerkt, dass ich irgendwelche Schauspieler attraktiv finde, das aber durchaus mit dem Charakter im jeweiligen Film zusammenhängt. Ich bin mir (im Unterschied vielleicht zu 15jährigen Teenies) bewusst, dass ich einen Filmcharakter anziehend finde in dem Moment und keine reale Person.

      "Dünn war da ziemlich normal, und eine "Hungerhaken"-Aussage hätte auch keiner gemacht."

      Das stimmt so nicht, kann ich dir als Jugendliche der 90er aber versichern.


      "Wenn man sein Selbstwertgefühl über sein Aussehen bezieht, hat man m.E. sowieso was falsch gemacht, da hat aber - wie Du ja auch andeutest - nicht so sehr etwas mit dem Körper zu tun, sondern mit dem Selbstbewusstsein."

      Das ist richtig.

      "Ich bin aber nun nicht für das Wohlbefinden Dritter verantwortlich - außerhalb von (guten) Freunden und Familie - von daher"

      Solltest du selbst zu ähnlichen Sprüchen neigen, bist du das natürlich.

      "... ist sowas natürlich Scheiße, - wobei - warst Du denn kurz vor Magersüchtig, oder waren die Leute einfach nur widerlich?"

      Würde mal sagen, war meine widerliche Verwandtschaft ;)

      "Es geht aber bei Ashley Grahams Unterwäsche nicht um 12jährige Mädchen, sondern um Frauen um die 30."

      Bei der Aussage im Fernsehen geht es aber darum, dass diese nicht nur von Erwachsenen um die 30 wahrgenommen wird, sondern eben auch von Kindern und Jugendlichen, die durch so etwas Gekränkt werden könnten (Wenn sie eben sehr schlank sind).

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    5. Teil 2:
      "Und fies, die Models haben alle so Ashley-Graham-Figur mit BMI~30 und tragen wahrscheinlich die _kleinste_ angebotene BH-Größe (36D)."

      Ich kenne mich mit amerikanischen BH-Größen nicht aus. Und natürlich ist das eine ehrliche Kampagne. Frauen wie die sind nunmal dick und werden auch gesellschaftlich so gesehen. Dass man als Modell dennoch gewisse Standards erfüllen muss wie eine gute Haut etc. ist ja unabhängig davon immer so. Auch normale schlanke Frauen haben selten eine so reine Haut wie die Models auf dem Laufsteg.

      "Aber Ashley Graham ist halt im obersten Prozentbereich von "echt hübsches Gesicht", und das macht doch vielen adipösen (ist Ashley nicht) Frauen irgendwie falsche Hoffnungen - die sind ja nun auch nicht alle nett oder intelligent oder weltoffen oder sonstwas, um daraus ein attraktives "Gesamtpaket" zu machen."

      Wie definierst du den adipös. Laut der gängigen Definition ist ein Mensch mit einem BMI von über 30 adipös. Und das trifft auf Ashley Graham ziemlich sicher zu.
      Natürlich gibt es auch dicke Menschen, die nicht nett und intelligent sind, genauso wie es schlanke gibt, die einfach doof oder unhöflich sind. Aber mir ist eine nette dicke Person allemal lieber als eine unhöflich schlanke und umgekehrt.

      "Moppelig & sexy ist noch seltener als dürr & sexy, und der Charakter leidet (meist) unter beidem."

      Ist wohl Ansichtssache. Ich persönlich finde äußerst wenig Menschen sexy und würde nicht sagen, dass es da groß auf moppelig oder dürr ankommt - viel mehr auf die Ausstrahlung, die eine Person hat.

      Was genau meinst du, worunter der Charakter leidet und warumß

      Liebe Grüße,
      Miria


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  5. Hallo Miria,

    ich denke wir sind grundsätzlich ziemlich d'accord und reden halt viel aneinander vorbei, daher nur das Wichtige: Ich bin mir recht sicher, dass Ausstrahlung, Charakter und Aussehen (und damit Gewicht) miteinander synergieren. Der Eindruck, den man von jemand anderem hat, ist halt immer ein Gesamtpaket - und darauf kommt es an.

    Worunter der Charakter leidet ist, wenn das Selbstbild zu sehr mit dem Fremdbild konfligiert. Nun ist das scheiße, wegen kognitiver Dissonanz, und man will es ändern, aber das Fremdbild zu ändern ist nahezu unmöglich. Man muss also zwangsweise sein Selbstbild anpassen, wenn man sich nicht noch mehr von der Realität lösen und noch mehr kognitive Dissonanz haben will. Das führt dann recht schnell zu echten Psychosen - nimm mal eine hypothetische, schlanke 14-jährige, der in einem Ana-Forum erzählt wird, sie sei zu dick - und wupps ist sie magersüchtig. Jetzt nimm eine dickliche 14-jährige, der erzählt wird, jeder fette Körper sei schön, und die geht auf die nächste Party mit dem Nuttenkleidchen aus Pretty Woman. Ich weiß nicht, wie fies 14-jährige heute sind, aber wupps schneidet die sich die Pulsadern auf.

    Nicht, dass das beides gut wäre, aber das ist halt so, und die Realität wird sich auch nicht ändern.

    Die Realität ist nicht zu jedem gleich, und darunter leidet dann auch der Charakter bei jungen, schlanken Mädels am Prinzessinen-Syndrom, weil ihnen die Welt zu Füßen zu liegen scheint. Und bei den Dicken, weil sich alle nur für die blöden, schlanken Kühe interessieren, also vor allem, der Typ, der aussieht wie Thor. Was nicht heißt, dass die Dünne sich von Hassan schwängern und sitzengelassen wird und mir 21 an einer Überdosis Meth stirbt und die dicke eine frustrierte Kampflesbe mit sieben Katzen wird - merkt man ja an Dir.

    Man sollte halt schlicht nicht auf jeden hören. Es heißt ja auch _Selbst_bewusstsein.

    Vor allem eben nicht auf Leute, die einem einreden, Ashley Graham (BMI 29,6 nach erstbesten auffindbaren Zahlen) und ihre Models wären "normale" Frauen - sagst Du ja selbst - denn deren Aussehen und Top-Figur ist halt leider überhaupt nicht zu erreichen, wenn man sie nicht eh schon hat, das Gewicht von schlanken Models hingegen schon. Das ist, nachdem das als "echt Frauen" propagiert wird, m.E. schon unehrlich. Aber gut, im Krieg und im Marketing ist alles erlaubt. Dass die Presse das dann hochlobt hingegen ist scheiße.

    Liebe Grüße,

    Jo

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    1. Hallo Jo,

      "Was nicht heißt, dass die Dünne sich von Hassan schwängern und sitzengelassen wird und mir 21 an einer Überdosis Meth stirbt und die dicke eine frustrierte Kampflesbe mit sieben Katzen wird - merkt man ja an Dir."

      Welchen von den beiden fiktiven Charakteren stelle ich denn dar? ;)

      "Man sollte halt schlicht nicht auf jeden hören. Es heißt ja auch _Selbst_bewusstsein."

      Richtig! Hast du meinen Artikel dazu schon gelesen: http://nur-miria.blogspot.it/2015/06/selbst-bewusst-sein.html

      "
      Vor allem eben nicht auf Leute, die einem einreden, Ashley Graham (BMI 29,6 nach erstbesten auffindbaren Zahlen) und ihre Models wären "normale" Frauen - sagst Du ja selbst - denn deren Aussehen und Top-Figur ist halt leider überhaupt nicht zu erreichen, wenn man sie nicht eh schon hat, das Gewicht von schlanken Models hingegen schon."

      Den Satz verstehe ich nicht? Ich habe selbst lediglich nicht gesagt, dass ich das eine oder andere als normal dargestellt sehen möchte, während das andere nicht so ist. Natürlich sind diese Models normale Frauen, wie auch jede andere Frau/ Model.
      Und warum sollte eine Optik wie die von Ashley Graham und ihren Models nicht zu erreichen sein?

      Liebe Grüße,
      Miria

      Ps. Warum auf einmal Jo, war erst verwirrt?


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  6. Hallo Miria,

    ich heiße halt Jo. Wenn man sich wohlfühlt, schreibt man das halt auch...

    Den Artikel kannte ich, fand ihn jetzt auch immer noch gut - ich würde aber jetzt nicht in jedem Umfeld meine Meinung gleich stark kundtun; mann muss ja nicht gleich bei jedem anecken. Wobei ich das trotzdem gut schaffe.

    Und das mit "normal" und Erreichbarkeit bezog sich auf die Figur. So ziemlich ausnahmslos alle "Plus Size"-Mädels haben im Gegensatz zu - keine Ahnnung - 90% der restlichen Frauen eine Sanduhrfigur, das hilft optisch enormst. Und das ist bei schlanken Models nicht so sehr Voraussetzung.

    Viele Grüße

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