Mittwoch, 10. August 2016

Was darf Satire?

Immer wieder hieß und heißt es, Satire dürfe alles. Egal ob bei den Anschlägen auf Charlie Hebdo oder bei der aktuellen Debatte um Jan Böhmermann. Satire müsse das doch dürfen.
Aber wo ist die Grenze? Wo der eindeutige Unterschied zwischen Satire und Beleidigung.
Laut Wikipedia wird Satire folgendermaßen definiert:
 
Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die Übertreibung.
 
Weiter heißt es dann:
 
„Satire kann folgende Funktionen haben (nicht alle müssen im Einzelfall gleichermaßen gegeben sein):
  • Kritik: Nach Schiller stellt die Satire die mangelbehaftete Wirklichkeit einem Ideal gegenüber
  • Polemik: Einseitigkeit, Parteilichkeit, Agitation bis hin zur Aggression.
  • Didaktik: direkte oder indirekte Absicht zu belehren und zu bessern.
  • Unterhaltung: Nähe zu Formen der Komik und zur Parodie, von denen sie sich durch die kritische Haltung unterscheidet“
Die Satire, um die es konkret geht, ist solche, die dem Zweck der Unterhaltung dient. Egal ob Böhmermann oder Charlie Hebdo, beides sollte in erster Linie der Unterhaltung dienen. Wobei immer auch Bestandteile der anderen Zwecke mit enthalten waren. Und immer geht es auch um Kritik. Welche Kritik hat Jan Böhmermann geäußert als er den Präsidenten der Türkei mit allerlei üblen Worten beleidigte?
Meiner Meinung nach lag der Zweck hier nur in der Beleidigung bzw. in einer Art Machspielchen. Selbst wenn Herr Böhmermann sich in der Sendung distanziert hat und gesagt hat, es geht nur darum, mal zu präsentieren, was man nicht machen darf, war das bewusst beleidigend und auch wie Angela Merkel bereits sagte „bewusst verletztend“.
Der Song der Satiresendung Extra 3, der bereits im Vorfeld dazu geführt hatte, dass Erdogan den deutschen Botschafter einbestellen ließ, war hingegen tatsächlich kritische Satire.
Böhmermann ging es jetzt nur darum zu zeigen: Guck mal Erdogan wir können noch viel schlimmer und du kannst nichts dagegen machen! Klassisches Machtspiel.
Wenn es tatsächlich darum ging, eine Grenze aufzuzeigen und mit einem Schmähgedicht zu zeigen, was nicht geht, dann hätte Böhmermann als Zielscheibe vielleicht lieber Juden nehmen sollen.
Wäre interessant, ob die Mehrheit derjenigen, die jetzt hinter Böhmermann stehen, das dann auch getan hätten.
 
Ein wichtiger Punkt finde ich, kommt in der Definition auf Wikipedia etwas zu kurz: Satire richtet sich in erster Linie gegen Mächtige bzw. gesellschaftliche Zustände. Daher wäre Satire gegen Juden oder Schwarze eben keine gute Satire.
Zielscheibe von Satire sind tatsächlich meist Politiker, oft aber auch Religion. Weiterhin stelle ich mir auch die Frage des Standpunktes desjenigen, der die Satire betreibt, derjenigen, an die sie sich richtet und der Person gegen die sie sich wendet.
Denn Machtverhältnisse sind immer unterschiedlich. Ein Schmähgedicht in der Türkei über Erdogan müsste man meiner Meinung nach völlig anders betrachten als eines in Deutschland.
Wer ist Erdogan in Deutschland? In Deutschland hat Erdogan keine Macht. Die Türkei ist nicht einmal Mitglied der Europäischen Union. Politiker versuchen zwar mit ihm zu verhandeln, aber in den Medien und dadurch auch im Großteil der Bevölkerung wird er negativ dargestellt und – und das ist hier von Bedeutung – als eine Art Witzfigur.
Das heißt für die hier lebende Bevölkerung, an die sich Böhmermann richtete (gleichzeitig wohlwissend, dass auch Erdogan das mitbekommen würde), hat Erdogan keine Machtposition. Es hat also nichts mit mutig (behaupten tatsächlich manche) oder guter Satire zu tun, auf diesen Zug aufzuspringen und sich über Erdogan lustig zu machen!
 
Und wo ist jetzt die Grenze? Was darf Satire? Wie weit geht Meinungsfreiheit?
 
Die Grenze sollte dort liegen, wo andere bewusst beleidigt bzw. verletzt werden. Kritik muss nicht beleidigend sein! Ist diese Grenze eine eindeutige scharfe Grenze? Meiner Meinung nach nicht. Denn etwas, was die eine Person aus einer angesprochenen Gruppe nicht interessiert, kann für eine andere verletzend sein. Und wie soll man das nun gesetzlich bewerten können?
Eigentlich doch nicht so kompliziert: In vielen gesetzlichen Regelungen wird nach einem Vorsatz gefragt, dies müsste auch hier angewendet werden. War es für den Satiriker erkennbar, dass er damit andere Menschen verletzt oder sogar gewollt?
In dem Fall liegt eindeutig eine Beleidigung vor (was im Fall Erdogan durch Aneinanderreihung von Schimpfworten nicht schwer zu erkennen sein sollte).
Anders als bei eindeutigen Beleidigungen von Einzelpersonen sieht es aus, wenn ganze Gruppen Ziel der Satire sind: beispielsweise Muslime oder Christen. Hier gilt nicht der Paragraph der Beleidigung, da man nicht ganze Gruppen beleidigen kann. Hier stellt sich immer die Frage, ob es sich bei der dargebotenen Satire um Volksverhetzung handelt…
Da muss dann auch eine entsprechende Abwägung stattfinden. Eine Mohammedkarikatur alleine ist sicher keine Volksverhetzung, wenn aber in dem Zusammenhang immer wieder (nur) Muslime und der Islam das Ziel der Satire sind, sollte man über diesen Fall nachdenken.
 
„Satire darf alles“ wird nur von den Leuten verwendet, die unter dem Deckmantel der Satire beleidigend und verletzend sein wollen. Ich finde es wichtig hier zu sagen: Nein, Satire darf eben nicht alle! Wofür bräuchten wir Gesetze und Paragraphen gegen Beleidigung oder Volksverhetzung, wenn diese unter dem Deckmantel der Satire doch geduldet werden.
 

Kommentare:

  1. Tucholskys Aussage: „Was darf Satire? Alles.“ kann natürlich nur gelten, wenn es sich tatsächlich um Satire handelt. Da die Frage, was Satire (oder auch Kunst im Allgemeinen) eigentlich ist, nicht objektiv beantwortet werden kann, sind die Gerichte inzwischen vom aussichtslosem Versuch abgekommen, zwischen Kunst und strafbaren Handlungen eine strenge Grenze zu ziehen. Auf die Frage des Strafrechts will ich daher gar nicht näher eingehen: Gerichte können auch für Kunst unter Umständen Strafen aussprechen, genauso kann aber ich auch verbotenes und strafbares Verhalten im Einzelfall als sinnvoll beurteilen.
    In diesem Fall gibt meines Erachtens schon die (natürlich völlig unverhältnismäßige) Reaktion vonseiten der Politik den Äußerungen Böhmermanns einen Sinn. Ich bin zwar normalerweise nicht der Meinung, dass beispielsweise beleidigende und bedrohende Kommentare zu einem feministischen Text ein Argument für den Feminismus sind. Hier geht es aber nicht um solche Ideen und Ideologien -- der genaue Inhalt des beleidigenden Gedichtes ist ja ziemlich unwichtig. Inspiriert vom gänzlich unsouveränen Umgang Erdogans mit dem „Erdowahn“-Lied konnte Böhmermann der Öffentlichkeit vielmehr zwei wichtige Dinge aufzeigen: erstens, dass auch in Deutschland sehr wohl erhebliche Einschränkungen der Redefreiheit gelten; und zweitens, wie leicht sich durch solche eigentlich inhaltsfreien Äußerungen in seiner „Quatschsendung“ nicht nur Erdogan, sondern auch die deutsche Politik vorführen lassen.
    Der Aussage: „In Deutschland hat Erdogan keine Macht.“ stimme ich übrigens nicht in vollem Umfang zu. Zwar kann er hier glücklicherweise keine Staatsgewalt nach Gutdünken ausüben, aber er genießt erhebliche Unterstützung aus der türkischen Subkultur in Deutschland, wie besonders die Demonstrationen hierzulande nach dem Putsch in der Türkei zeigen. In seinen letzten Wahlkämpfen hatte er die in Deutschland lebenden Türken auch stark umworben. Das viele davon eine so unkritische Haltung gegenüber Erdogan in unserer modernen Demokratie vertreten, lässt mich zumindest durchaus an den Begriff einer Parallelgesellschaft denken.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "In diesem Fall gibt meines Erachtens schon die (natürlich völlig unverhältnismäßige) Reaktion vonseiten der Politik den Äußerungen Böhmermanns einen Sinn."

      Warum war die Äußerung deiner Meinung nach unverhältnismäßig? Die Regierung musste sich mit dem Thema befassen, da Erdogan nach §103 klagen wollte und dafür muss zugestimmt werden.

      "erstens, dass auch in Deutschland sehr wohl erhebliche Einschränkungen der Redefreiheit gelten; und zweitens, wie leicht sich durch solche eigentlich inhaltsfreien Äußerungen in seiner „Quatschsendung“ nicht nur Erdogan, sondern auch die deutsche Politik vorführen lassen."

      Dass es Einschränkungen der Redefreiheit gibt und man nicht pauschal jeden beliebigen Beleidigen darf, sollte eigentlich jedem klar sein, dafür brauche ich nicht diese Tirade an Beleidigungen von einem Böhmermann.

      Inwiefern wurde die Politik vorgeführt? Einzig die Diskussion, ob es den §103 noch benötigt, war meiner Meinung nach ein gutes Ergebnis dieser Quatschsendung.

      "Zwar kann er hier glücklicherweise keine Staatsgewalt nach Gutdünken ausüben, aber er genießt erhebliche Unterstützung aus der türkischen Subkultur in Deutschland, wie besonders die Demonstrationen hierzulande nach dem Putsch in der Türkei zeigen."

      Damit sehe ich aber nicht irgendeine Macht verbunden. Sonst könntest du auch unterstellen PEGIDA hätte Macht.
      Und die Demonstration nach dem Putsch war keine reine Pro Erdogan Demonstration, sondern es war eine Demonstration für Demokratie in der Türkei und gegen den Putsch bzw. seine Unterstützer.

      "Das viele davon eine so unkritische Haltung gegenüber Erdogan in unserer modernen Demokratie vertreten, lässt mich zumindest durchaus an den Begriff einer Parallelgesellschaft denken."

      Wie kommst du zu dieser Aussage? Wenn ich über das Thema mit Menschen ernsthaft diskutiere ohne vorzuverurteilen, so haben die meisten eben doch eine kritische Meinung. Ich kann auch Merkel gut finden, da sie viel gutes tut, aber dennoch nicht mit allen Punkten ihrer Politik einverstanden sein - so geht es vielen Türken in Deutschland. Es handelt sich nach meinem Eindruck nicht um blinde Unterstützung, sondern um eine kritische Haltung.
      Auch ich halte Erdogan nicht für einen Diktator und finde es eher bedenklich wie die deutschen Medien zur Zeit berichten. (Aber das ist eigentlich ein anderes Thema, das hier jetzt doch etwas zu weit führt).

      Löschen
    2. „Inwiefern wurde die Politik vorgeführt?“

      Auch abgesehen von der Frage, ob §103 überhaupt noch zeitgemäß ist, hätte sich die Bundesregierung öffentlich nicht zum Gedicht äußern müssen, zumal noch gar kein Strafverlangen vorlag. Dass sich eine große öffentliche Aufregung (manche Zeitung schrieb sogar schon von einer Staatsaffäre) entwickelte, geht natürlich auch auf die Verhandlungen mit der Türkei und natürlich die sensationslustigen Medien zurück, aber ein ruhigeres Vorgehen der Politik hätte ich mir schon gewünscht. Wofür gibt es denn dort PR-Profis als Pressesprecher?

      „Dass es Einschränkungen der Redefreiheit gibt und man nicht pauschal jeden beliebigen Beleidigen darf, sollte eigentlich jedem klar sein, dafür brauche ich nicht diese Tirade an Beleidigungen von einem Böhmermann.“

      Naja, in anderen Ländern (d.h. USA) wird die Redefreiheit weitaus stärker gewichtet. Böhmermanns „Schmähgedicht“ ist im Übrigen offenkundig so lächerlich, dass niemand die enthaltenen Aussagen und Beleidigungen allzu ernst nehmen dürfte. Vom Inhalt her gab es natürlich eher einen Grund zur Beanstandung als beim „Erdowahn“, aber Erdogans erzürnte Reaktion bereits darauf zeigte seine Reizbarkeit und mangelnde Urteilsfähigkeit.

      „Damit sehe ich aber nicht irgendeine Macht verbunden. Sonst könntest du auch unterstellen PEGIDA hätte Macht.“

      Wenn Erdogan-Kritiker auch in Deutschland unter Druck gesetzt werden ( siehe z. B. https://www.tagesschau.de/inland/tuerken-deutschland-einschuechterungen-101.html), ist das schon ein Grund zur Sorge. Das gilt natürlich auch, wenn deutsche Rechtsextremisten beispielsweise vor den Wohnhäusern ostdeutscher Bürgermeister aufmarschieren.

      Nun mag Erdogan nicht alle Kritierien eines Diktators erfüllen, die Entwicklung in der Türkei bereitet mir jedoch große Sorgen für die dortige Freiheit und Demokratie. Grund dafür ist Erdogans Umgang mit seinen Kritikern sowie politischen Gegnern und auch mit den Kurden. (Die Gewalt in den Kurdengebieten anzuheizen, um bei den Neuwahlen besser abzuschneiden, gehört gewiss zu den niederträchtigsten politischen Handlungen der letzten Jahre.) Daher sehe ich zwischen Deutschland und der Türkei doch einen Unterschied von Größenordnungen auf der Diktatur-Skala.

      Löschen
    3. „Inwiefern wurde die Politik vorgeführt?“

      Auch abgesehen von der Frage, ob §103 überhaupt noch zeitgemäß ist, hätte sich die Bundesregierung öffentlich nicht zum Gedicht äußern müssen, zumal noch gar kein Strafverlangen vorlag. Dass sich eine große öffentliche Aufregung (manche Zeitung schrieb sogar schon von einer Staatsaffäre) entwickelte, geht natürlich auch auf die Verhandlungen mit der Türkei und natürlich die sensationslustigen Medien zurück, aber ein ruhigeres Vorgehen der Politik hätte ich mir schon gewünscht. Wofür gibt es denn dort PR-Profis als Pressesprecher?

      „Dass es Einschränkungen der Redefreiheit gibt und man nicht pauschal jeden beliebigen Beleidigen darf, sollte eigentlich jedem klar sein, dafür brauche ich nicht diese Tirade an Beleidigungen von einem Böhmermann.“

      Naja, in anderen Ländern (d.h. USA) wird die Redefreiheit weitaus stärker gewichtet. Böhmermanns „Schmähgedicht“ ist im Übrigen offenkundig so lächerlich, dass niemand die enthaltenen Aussagen und Beleidigungen allzu ernst nehmen dürfte. Vom Inhalt her gab es natürlich eher einen Grund zur Beanstandung als beim „Erdowahn“, aber Erdogans erzürnte Reaktion bereits darauf zeigte seine Reizbarkeit und mangelnde Urteilsfähigkeit.

      „Damit sehe ich aber nicht irgendeine Macht verbunden. Sonst könntest du auch unterstellen PEGIDA hätte Macht.“

      Wenn Erdogan-Kritiker auch in Deutschland unter Druck gesetzt werden ( siehe z. B. https://www.tagesschau.de/inland/tuerken-deutschland-einschuechterungen-101.html), ist das schon ein Grund zur Sorge. Das gilt natürlich auch, wenn deutsche Rechtsextremisten beispielsweise vor den Wohnhäusern ostdeutscher Bürgermeister aufmarschieren.

      Nun mag Erdogan nicht alle Kritierien eines Diktators erfüllen, die Entwicklung in der Türkei bereitet mir jedoch große Sorgen für die dortige Freiheit und Demokratie. Grund dafür ist Erdogans Umgang mit seinen Kritikern sowie politischen Gegnern und auch mit den Kurden. (Die Gewalt in den Kurdengebieten anzuheizen, um bei den Neuwahlen besser abzuschneiden, gehört gewiss zu den niederträchtigsten politischen Handlungen der letzten Jahre.) Daher sehe ich zwischen Deutschland und der Türkei doch einen Unterschied von Größenordnungen auf der Diktatur-Skala.

      Löschen
  2. Der Song der Satiresendung Extra 3, der bereits im Vorfeld dazu geführt hatte, dass Erdogan den deutschen Botschafter einbestellen ließ, war hingegen tatsächlich kritische Satire.


    Meine Sicht:

    Der Extra-3-Beitrag war wohlfeile Satire, die zwar für diplomatische Verstimmungen sorgte, aber bei weitem nicht dort hin ging "wo es weh tut".

    Sozusagen "Hofnarren-Satire", bei der der Hofnarr genau weiss, welche Grenze er nicht überschreiten darf. Und solch eine Satire bewegt nichts. Ist nett, belustigt das Volk und den König. Und alles geht weiter wie gewohnt.

    Der Extra-3-Beitrag hätte sich, wie so schön im Medien-Slang heisst, "versendet". Nachtprogramm der ARD und der Dritten Programme.

    Böhmermann dagegen hat das Thema dagegen in die Top-Schlagzeilen gebracht. Und hat dafür im Minimum seine Entertainer-Karriere riskiert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Und solch eine Satire bewegt nichts. Ist nett, belustigt das Volk und den König. Und alles geht weiter wie gewohnt."

      Was soll deiner Meinung nach Satire bewegen. Was ist der Zweck der Satire?
      Warum werden in Form der Satire haufenweise Greultaten (Mord, Folter, Spionage, Erfindung von Kriegsgründen...) der Amerikaner bekannt gegeben und keinen interessiert es?

      Wie könnte Satire etwas bewegen ohne beleidigend und verletzend zu sein?

      Löschen
    2. Es gibt wohl die einen, die etwas bewegen wollen, und es gibt die anderen, die damit unterhalten wollen...

      Spott um des Spottes willen - institutionalisiert beispielsweise im Karneval...

      Spott um der Veränderung willen - ein wichtiges Element in autokratischen Gesellschaften, wo es gilt, Nischen in der Repression zu finden. Man suche nach: "Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann".

      Aber auch Spott in der Absicht, die bereits gefestigte Meinung beim Leser/Hörer über das Lachen ins Wanken zu bringen...

      Ob die Wirkung beleidigend/verletzend/kränkend ist, ist nicht nur eine Frage des Absenders. ("Was kümmert es eine alte Eiche, wenn sich die wilde Sau dran scheuert")

      Wo die Grenzen sind, bestimmt der Rechtsstaat. Aber jede Bestimmung hat ihre Schwächen, jede Bestimmung weckt irgendeinen Geist, der das Hintertürchen sucht - und oft auch findet.

      Und eines dieser Hintertürchen ist beispielsweise das grammatische Konstrukt der indirekten Rede, das grammatische Konstrukt des Konjunktivs, des Optativs, des Potentialis.

      Und dieses Hintertürchen nutzte Böhmermann mit seiner Wendung "Ich zeige jetzt mal, was verboten wäre, würde man es wie folgt formulieren..."

      "...etwas bewegen ohne beleidigend und verletzend zu sein?"

      Um etwas zu bewegen, gilt es jemanden zu bewegen. Von alleine bewegt sich nichts. Jemanden bewegen, ohne dass er es will, ist naturgemäss immer eine Grenzverletzung...

      Löschen
    3. "Es gibt wohl die einen, die etwas bewegen wollen, und es gibt die anderen, die damit unterhalten wollen..."
      Mir persönlich gefällt die Mischung aus beidem.
      Aber ich habe den Eindruck, dass den meisten Leuten egal ist, was auf der Welt abgeht bzw. sie lassen sich eher von Populisten als von Satirikern bewegen...

      "Ob die Wirkung beleidigend/verletzend/kränkend ist, ist nicht nur eine Frage des Absenders. ("Was kümmert es eine alte Eiche, wenn sich die wilde Sau dran scheuert")"

      Natürlich, aber es muss eben für die Strafbarkeit gewisse Grenze geben, die möglichst objektiv bewertbar sind.

      Was das Hintertürchen von Böhmermann angeht, bin ich gespannt wie Gerichte das bewerten.
      Und ihm war natürlich bewusst, dass er sich wegen Bekleidung strafbar machen könnte, nur deshalb der Versuch mit dem Hintertürchen.

      "Um etwas zu bewegen, gilt es jemanden zu bewegen. Von alleine bewegt sich nichts. Jemanden bewegen, ohne dass er es will, ist naturgemäss immer eine Grenzverletzung..."

      Hängt einerseits bin der Definition der Grenzen bzw. Grenzverletzung ab. Manche Grenzen sind starr und sollten nicht verletzt werden, andere wiederum sind und sollten flexibel sein...

      Löschen
  3. "Welche Kritik hat Jan Böhmermann geäußert als er den Präsidenten der Türkei mit allerlei üblen Worten beleidigte?"

    Er hat die "Unterhaltungsindustrie" kritisiert, die Nuhrs, die Richlings, die Welkes, die Ehrings...

    ... und damit auch sich selbst...

    ... und letztendlich die Satire-Konsumenten, die entspannt am späten Abend sich "auf was Lustiges" freuen.

    Und ich denke, das war auch der innere Grund der öffentlichen Empörung in Deutschland. Er hat uns unseren "lustigen Fernsehabend kaputt gemacht".

    Schon Konfuzius sagte: "Immer nur lustig, wenn auch zuweilen listig, wird irgendwann lästig."

    AntwortenLöschen