Dienstag, 2. August 2016

Schön oder hässlich

Wer keine Argumente hat, kommt nicht selten mit dem Argument der Hässlichkeit, um den anderen zu diskreditieren.
Auch in diesem Artikel von Zeit Campus regt sich die Autorin Maaike Kellenberger darüber auf, dass ihr Äußeres kritisiert bzw. bewertet wird statt ihre Kompetenz etc.
Großkotzig ist der Artikel überschrieben mit "Meine Schönheit gehört euch nicht!". Schönheit ist immer subjektiv, liegt nicht selten tatsächlich im Auge des Betrachters.
Was ich nicht verstehe ist, dass für die Autorin die Aussage, die sei hässlich, das schlimmste ist, was sie zu hören bekommen kann. Sie selbst schreibt, andere sollen ihre doch bitte die Kompetenz absprechen, sie als ignorant oder destruktiv bezeichnen und Weiteres, aber eben nicht als hässlich.
Aber genau damit wird der Optik - egal, ob nun schön oder hässlich, neben anderen Eigenschaften einen viel höheren Stellenwert beigemessen, den sie meiner Meinung nach nicht verdient! Alles darf kritisiert werden, aber doch bitte das Aussehen nicht...
Ich sehe auch keinen Grund,  das Äußerliche zu kritisieren, wenn es gar nicht Thema ist, einfach nur so, weil einem das eigentliche Thema am Arsch vorbeigeht. Das gibt es ja leider auch nicht selten: Menschen, die einfach Spaß daran haben, andere Menschen zu beleidigen, wobei das nicht immer nur auf die Äußerlichkeiten abzielt, sondern gerne mal auch einfach pauschal ein Autor als dumm oder Idiot bezeichnet wird.
Für die Autorin aus dem zuvor angesprochenen Artikel wäre das anscheinend weniger ein Problem als die Bezeichnung hässlich. Aber warum diese Sonderstellung? Warum ist es für viele nicht möglich, das Äußere als eine von vielen Eigenschaften, die ein Mensch hat, zu sehen?

Auch Onyx hat sich vor kurzem auf ihrem Blog mit dem Thema befasst. Sie geht allerdings noch mehr auf das Klischee der hässlichen Feministin ein als allgemein auf die Behauptung, eine Person sei hässlich. Sie schreibt:

"Feminismus und/oder „Links“ mit fehlender Attraktivität in Verbindung zu setzen, hat ja eine lange Tradition."

Da kam bei mir die Überlegung, woran das liegen könnte, dass ausgerechnet diese politischen Einordnungen in Verbindung gebracht werden, was Hässlichkeit angeht. Wobei mir Personen, die "links" sind, egal sind. Die meisten, die sich so bezeichneten und ich persönlich kennengelernt habe, waren schon charakterlich hässlich und dadurch völlig uninteressant für mich.

Was den Feminismus angeht, so ist meine Vermutung, dass es tatsächlich den Ursprung haben könnte, dass viele Feministinnen sich gängigen Schönheitsnormen widersetzten und widersetzen. Denn in den Augen mancher ist die Orientierung an eben diesen Normen etwas schlechtes. Man wendet Zeit auf, um für andere, für Männer "schön" zu sein.
Und jemand, der nicht in die gängigen Schönheitsnormen passt, sich diesen sogar bewusst widersetzt, bietet in diesem Punkt Angriffsfläche.
Ich denke allerdings, dass diejenigen, die das tun, sich eher nicht darum gescherrt haben, wenn sie von irgendwelchen fremden Personen als hässlich bezeichnet worden sind. Denn gerade in den Augen von Feministinnen sollte es doch Wichtigeres geben als die eigene Optik. Und genau diese Aussage macht auch onyx auf ihrem Blog:

"Hinter dieser Denke ist ein ziemlich sexistisches Weltbild verankert. Die einzige Aufgabe einer Frau ist es, schön zu sein."

Sie unterstellt, dass diejenigen, die andere als hässlich beschimpfen, eben dieses Weltbild haben. Das mag zum Teil vermutlich auch stimmen, aber bestätigen diejenigen, die sich dann darüber aufregen nicht auch dieses Weltbild, eben weil es sie trifft? Wenn sie es nicht als ihre Aufgabe ansehen, schön zu sein, warum trifft die Betitelung als hässlich sie dann so?
Damit meine ich jetzt nicht Onyx, da sie selbst sagt:

"Die einzige Wirkung, die bei mir eingetreten ist, ist wahlweise herzhaftes Lachen oder facepalmen. In jedem Fall aber die Gewissheit über die Dummheit desjenigen, der mich da treffen wollte."

Mir geht es da ähnlich wie Onyx: wenn der Mensch nichts mit mir zu tun hat, ist es mir schlicht egal und ich denke eher, der andere macht sich lächerlich.
Wenn ich mit jemandem über ein Thema diskutieren möchte, ist es mir völlig egal, wie das Gegenüber aussieht, sondern es geht lediglich um Argumente. Genauso ist es mir egal, ob das Gegenüber mich als schön oder hässlich empfindet. Sollte dies jedoch bei egal welchem Thema das einzige Argument sein, ergibt eine Diskussion keinen Sinn!

Kommentare:

  1. "Sie unterstellt, dass diejenigen, die andere als hässlich beschimpfen, eben dieses Weltbild haben. Das mag zum Teil vermutlich auch stimmen, aber bestätigen diejenigen, die sich dann darüber aufregen nicht auch dieses Weltbild, eben weil es sie trifft?"

    Warum sollte es? Kann man nicht eine Argumentationsstrategie kritisieren, ohne betroffen zu sein? Es ist nun mal eine sehr substanzlose, aber witzigerweise eben auch eine der häufigsten antifeministischen Methoden, Feministinnen zu diffamieren. Das muß doch kritisiert werden können, ohne dass einem unterstellt wird, dass es zutrifft.

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    1. Hast du die beiden folgenden Sätze überlesen oder meinen Artikel nur bis zu dem von dir Zitiertem gelesen?

      Das was du mir hier unterstellst, habe ich so nämlich nicht geschrieben und da nochmal kurz versucht zu verdeutlichen.

      Aber jemand, der von dich selbst schreibt, lieber mit allen möglichen Beschimpfungen betitelt zu werden als mit hässlich, gibt gerade diesem Punkt eben eine besondere Bedeutung. Und das legt die Vermutung eben sehr nahe, dass diese Betitelung trifft.

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    1. Obwohl du es als Frage formuliert hast, habe ich darin doch eine Aussage gelesen, da ich dies als rhetorische Frage verstanden habe:

      "Kann man nicht eine Argumentationsstrategie kritisieren, ohne betroffen zu sein?"

      Für mich klang das so, als würdest du davon ausgehen, ich hätte im Artikel gesagt, dass eine Kritik ohne Betroffenheit mit diesem Weltbild nicht möglich ist.
      Sollte das nicht stimmen, habe ich dich falsch verstanden.

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  3. Wirf einen Blick auf Schwesig. Die "Küstenbarbie"-Nummer ist ein weiteres Puzzlestück.

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