Samstag, 20. August 2016

Kann Sexismus legitim sein?

In einer Diskussion bei Onyx ging es um sexistische Einstellungspolitik und für mich stellte sich oben genannte Frage.
In die Post möchte ich weggehen von der reinen Einstellungspolitik und mich auf Sexismus in jeglichen Bereichen konzentrieren.
Zunächst eine kurze Definition, was Sexismus eigentlich ist:

"Bezeichnung für alle Formen der Unterdrückung und der Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit."

Sexistisch ist demnach jede Handlung, bei der ein Geschlecht pauschal dem anderen vorgezogen wird.

Es gibt einige Situationen, in denen Sexismus von allen als in Ordnung akzeptiert wird und andere, in denen dies nur von den wenigsten der Fall ist.

Warum ist es beispielsweise allgemein akzeptiert, bei der Partnerwahl sexistisch zu handeln und von vornherein ein Geschlecht auszuschließen?
Dies tun vermutlich nahezu 90% der Menschen. Für mich persönlich ist es eine komische Vorstellung, weil diese Vorgehensweise ja gleich haufenweise Menschen ausschließt. Ich akzeptiere das Vorgehen und kann es in gewisser Weise nachvollziehen.
Trotzdem finde ich es irgendwie merkwürdig, wenn ich für jemanden als potentielle Partnerin allein aufgrund meines Geschlechts (nicht aus Gründen der Persönlichkeit etc.) nicht in Frage komme.
Dieser allgemein vorherrschende Sexismus wird meiner Meinung nach aus zwei Gründen akzeptiert: erstens es machen fast alle und wollen es auch weiterhin machen; die Gruppe derjenigen, die das nicht tun ist gering. Zweitens es handelt sich hier um einen sehr intimen Lebensbereich, in den man nicht eingreifen will.

Solange Sexismus sich rein auf persönliche Beziehungen beschränkt,  wird er akzeptiert, aber wo ist die Grenze?

Beispielsweise sind viele sich der Meinung, die Vermietung einer Wohnung dürfte nicht von sexistische Kriterien abhängen, da jeder hier Zugang haben muss. Aber was ist in dem Punkt mit WG-Zimmern? Ist es akzeptabel, wenn eine WG  ein Zimmer nur an einen Mann oder eine Frau vermieten will?
Das wird von den meisten bejaht, da das Verhältnis innerhalb einer WG wieder eine intime Nähe ist.
Wenn ich also WG-Zimmer vermiete, ist es auch akzeptiert, sexistisch zu handeln. Wenn ich jetzt ein Haus mit drei oder vier Wohnungen vermiete und der Meinung bin, dort sollte nur Männer bzw. Frauen einziehen, ist das in Ordnung?
Hier werden sich vermutlich die Meinungen unterscheiden, denn eigentlich spielt das Geschlecht keine Rolle. Aber vielleicht möchte ich als Vermieter genau ein Geschlecht unterstützen, weil ich denke, dass ist nötig...

Komme ich nun auch zu Arbeitsverhältnissen. Es gibt Arbeitsverhältnisse für die ist eben ein bestimmtes Geschlecht erforderlich und dies wird von allen akzeptiert: Für die Rolle einer Prinzessin am Theater muss ebensowenig ein Mann eingestellt werden wir für einen Modeljob für Dessous.
Andere Arbeitsverhältnisse sind nicht so einfach zu betrachten. Grundsätzlich sollte das Geschlecht keine Rolle spielen, tut es bei einigen Personalern oder Arbeitgebern aber doch.
Begründungen gibt es unterschiedliche:
- Frauen können schwanger werden und fallen deshalb länger aus.
- Männer sind kräftiger und können besser schwere Gewichte heben
- Männer haben ein besseres technisches Verständnis
- Männer können nicht gut mit Kindern umgehen
- Frauen bauen besser menschliche Beziehungen auf.

Sollte es nun erlaubt sein, Frauen bzw. Männer aus besagten Gründen (Vorurteilen) nicht einzustellen?
Ich finde grundsätzlich, sollte es jedem Arbeitgeber frei stehen, seine Mitarbeiter auszuwählen, auch wenn er dabei sexistisch handelt. Je nach Beruf finde ich den Sexismus zwar scheiße, möchte aber gerne in einer Stellenbeschreibung sehen, wenn ein Unternehmen, diese Praxis bevorzugt.
So habe ich die Möglichkeit, dieses Unternehmen für mich als potentiellen Arbeitgeber auszuschließen oder zu sagen, ich finde das in Ordnung und möchte dort arbeiten. Bei einer Stelle bei der eng mit jemandem zusammengearbeitet wird, kann ich es nachvollziehen. Wenn eine Frau zum Beispiel vor kurzem privat Misshandlungen durch einen Mann erlebt hat, möchte sie als Assistentin lieber eine Frau und sollte das auch so auswählen dürfen.
Leider verhindert das aktuelle AGG diese Ehrlichkeit in Stellenausschreibungen. Denn sexistische Einstellungspolitik ist verboten. Gemacht wird sie natürlich trotzdem: es lassen sich immer auch andere Gründe finden, jemanden nicht einzustellen.
So werden immer wieder Menschen Zeit in Bewerbungen stecken, die leider keine Chance auf die angebotene Stelle haben.

Ob Sexismus in den Fällen legitim ist, möchte ich gar nicht allgemein beantworten, denn abseits den genannten Gründen gibt es vermutlich zig weitere (wie das Beispiel mit der Einstellung der Assistentin zeigt) über die ich nicht urteilen möchte.

Was denkt ihr, wann ist Sexismus legitim und wann nicht?

1 Kommentar:

  1. Nett, das ist ein Element dessen worüber wir seit einiger Zeit sprechen. Vielleicht lässt es sich hier bündeln. Die einzig stimmige Grenze ist die negativer Freiheit. Rechtlich findest es sich übrigens als "Integritätsinteresse"/"status negativus" bezeichnet. Vereinfacht, denke dir den anderen weg; überlege, ob es ohne ihn dem "Benachteiligten" schlechter gehen würde.

    ""Bezeichnung für alle Formen der Unterdrückung und der Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit."

    Sexistisch ist demnach jede Handlung, bei der ein Geschlecht pauschal dem anderen vorgezogen wird."

    Nicht "demnach". Du kannst schwanger werden. Das ist keine pauschale Beurteilung. Du magst hier vielleicht Einspruch erheben. Jedoch solltest du dir vor Augen führen, dass wir alles probabilistisch beurteilen. Deine Zeugnisse sind probablitisch. Ein Harvard-Abschluss ist probabilistisch. Nichts davon ist Garant der Wahrheit. Die Dinge machen es schlicht wahrscheinlich(er), dass du bestimmte Fähigkeiten hast.

    In welchem Sinn "legitim"?. Versuch den Gedankengang, bedeutet "illegitimer" "Sexismus", dass man jemanden mit Zwang von ihm abhalten darf?

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