Mittwoch, 31. August 2016

Frankreich zieht dich aus!

Frankreich war mir noch nie sonderlich symphatisch. Ich habe generell wenig Bezug zu dem Land. Ich finde die Sprache unangenehm und mir fällt auch kein Grund ein, mal nach Frankreich zu reisen. Dennoch war Frankreich für mich bisher einfach ein europäisches Land, welches auch Werte wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit etc. hochhält.

Nach den neuesten Entwicklungen in Frankreich ist es mir regelrecht unsymphatisch. An einigen touristischen Stränden (beispielsweise Nizza) ist die Freiheit, sich zu kleiden wie man möchte nun eingeschränkt worden:

„Der Burkini wird in den Dekreten der Bürgermeister nicht namentlich genannt. Vielmehr wird Frauen der Zugang zum Strand untersagt, die "keine korrekte Kleidung tragen, die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln beim Baden achtet".“

Man darf nun also nicht mehr mit langer Bekleidung am Strand sitzen. Badebekleidung, die Arme und Beine bedeckt, ist verboten. Und Berichte  zeigen, dass dieses Verbot mit Hilfe der Staatsmacht auch rigoros durchgesetzt wird. Es ist also nun Pflicht, sich beinahe nackt am Strand zu zeigen. Ignoriert wird dabei, dass lange Bekleidung natürlich ein Schutz der Haut ist. Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, die bekanntlich Hautkrebs verursachen kann. Deshalb hatte ich als Kind beispielsweise immer ein Shirt über dem Badeanzug an, um die Haut besser vor Sonne zu schützen.
Jetzt gibt es seit einigen Jahren eine Badebekleidung, die ebenfalls Arme und Beine bedeckt. Der Name „Burkini“ ist leider etwas unglücklich gewählt, aber dennoch ist dieser Badeanzug einfach ein Kleidungsstück, welches die Möglichkeit bietet, dass man sich nicht fast nackt vor fremden Menschen zeigen muss, wenn man zum Schwimmen möchte.
Dieses Kleidungsstück wurde von einer australischen Muslimin erfunden, welche dadurch auch muslimischen Frauen, denen es unangenehm ist, zu viel nackte Haut zu zeigen,  ermöglichen wollte, ganz normal mit anderen Menschen schwimmen gehen zu können. Insofern handelt es sich eigentlich um ein Hilfsmittel zur Integration. Denn wenn ich mich nicht vor anderen Menschen nackt zeigen möchte, dies aber müsste, um zu schwimmen, würde ich lieber auf das öffentliche Schwimmen verzichten.
Frankreich hingegen lädt den Burkini nun symbolisch auf und sieht es daher als säkularer Staat als wichtig an, diesen aus dem öffentlichen Bild französischer Strände zu verbannen. Dennoch sind die Gesetze nicht so formuliert, dass das Verbot nur für Muslime gilt. So offensichtliche Islamophobie zu zeigen traut man sich dann doch nicht. Daher: In Frankreich muss man sich nun entkleiden!
Egal, ob man seine Haut schützen, unansehnliche Narben nicht der Öffentlichkeit preisgeben oder einfach nur nicht so viel Haut zeigen möchte.

Meiner Meinung nach ist dies eine viel zu große Einschränkung der persönlichen Freiheiten von Menschen! Komisch ist, dass dies von vielen Personen nicht gesehen wird. In vielen Kommentaren im Internet lese ich große Zustimmung für das Verbot von Burkinis oft mit haarsträubenden Begründungen: Das Tragen eins Burkinis zeige eine Ablehnung der „westlichen Werte“. Menschen, die einen Burkini tragen, wollen sich nicht integrieren. Jeder sollte sich der vorherrschenden Kultur anpassen. Und so weiter.
Merken diese Menschen nicht, dass sie hier das aufzwingen von knapper Bekleidung für Frauen verteidigen? Merken diese Menschen nicht, dass hier das gleiche getan wird, was man anderen vorwirft? Jemand, der ein Problem damit hat, wenn andere Länder, andere Kulturen Frauen vorschreiben sich bedeckt bekleiden zu müssen, hat auf einmal kein Problem damit, wenn Frankreich Frauen vorschreibt, Haut zeigen zu müssen. Traurig.

Glücklicherweise wurden diese schreckchen Gesetze vom obersten Verwaltungsgericht in Frankreich vor kurzem als nicht rechtmäßig erklärt. Was leider nicht bedeutet, dass es sofort zurückgezogen wird. Immer noch werden Frauen an französischen Stränden diskriminiert und mit Staatsgewalt gezwungen, sich auszuziehen – und die deutschen feiern das statt sich dagegen zu erheben.

Kommentare:

  1. Das sehe ich ähnlich, hatte mich bei meinen Urlaubserinnerungen https://breakpt.wordpress.com/2016/08/27/dreizehnhundertsechsunddreissig/ auch dazu geäußert.

    Ich mache gerne ausgedehnte Strandspaziergänge, barfuß aber sonst meist voll bekleidet, um meine Haut vor übermäßiger UV-Strahlung zu schützen.

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  2. Das Problem ist: Du siehst die Kopfbedeckung in diesem Fall lediglich als Kleidungsstück wie viele andere, als etwas, was man trägt, weil man irgendwie aus persönlichen Gründen nicht zuviel Haut zeigen möchte. Das ist aber leider nicht so. Die Begründung für die Bedeckung v.a. die des Kopfes ist die der Erkennbarkeit einer "sittlichen Frau". Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Frauen, die sich nicht bedecken, eben in dieser Logik unsittlich sind. Du begehst, wie viele, den Fehler, die entsprechenden Kleidungsstücke lediglich als eine Frage des persönlichen Geschmacks zu interpretieren und nicht als Ausdruck einer bestimmten Ideologie, die Frauen in feste Kategorien teilt, sie innerhalb eines "gut" "schlecht"-Schemas kategorisiert.

    LG

    Margret

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    1. Hallo Margret,

      "Du siehst die Kopfbedeckung in diesem Fall lediglich als Kleidungsstück wie viele andere, als etwas, was man trägt, weil man irgendwie aus persönlichen Gründen nicht zuviel Haut zeigen möchte. Das ist aber leider nicht so."

      In diesem Artikel geht es nicht um irgendeine Kopfbedeckung, sondern um das konkrete Gesetz in Frankreich, welches nunmal einfach lange Kleidung an bestimmten Stränden verboten hat.

      "Die Begründung für die Bedeckung v.a. die des Kopfes ist die der Erkennbarkeit einer "sittlichen Frau". Was im Umkehrschluss bedeutet, dass Frauen, die sich nicht bedecken, eben in dieser Logik unsittlich sind."

      Hier beziehst du dich jetzt konkret auf das Kopftuch (was eigentlich nicht das Thema im Artikel ist), kurz dazu: Jain.
      Einerseits stimmt es natürlich, dass eine Frau eine Kopftuch trägt, da sie die Haare als einen Reiz betrachtet, dem man nicht jedem beliebigen Mann zeigt. Andererseits sagt das aber meiner Meinung nach nichts über die Ansicht über andere Personen aus, die keine Kopftuch tragen. Eine Muslimin ist sehr wohl in der Lage zu erkennen, dass sie es für sich zwar als richtig empfindet, aber andere Menschen ein anderes Gefühl zu ihrem Körper bzw. ihren Reizen haben und entsprechend andere Dinge bedecken.

      Ein Kopftuch kann noch viel mehr: Ein Kopftuch kann einem Geborgenheit geben, weil man es als persönlichen Bezug zu Allah sieht, als ein Symbol. Ein Kopftuch kann einem Ruhe und Entspannung geben, da man nicht so oft angequatscht wird und sexuell konnotierte Bemerkungen ausbleiben (zumindest in Deutschland).
      Ich halte übrigens jede Frau dazu in der Lage, bei entsprechenden Bemerkungen, jemanden zurecht zu weisen. Weiss aber auch, dass es manchmal nervig ist und ein Kopftuch kann helfen.

      "Du begehst, wie viele, den Fehler, die entsprechenden Kleidungsstücke lediglich als eine Frage des persönlichen Geschmacks zu interpretieren und nicht als Ausdruck einer bestimmten Ideologie, die Frauen in feste Kategorien teilt, sie innerhalb eines "gut" "schlecht"-Schemas kategorisiert."

      Auch hier sehe ich das nur teilweise so wie du. Diese Kategorisierung wird in erster Linie von Außenstehenden vorgenommen. Und ja natürlich möchte ein muslimische Frau einem sittsamen Bild entsprechen, wenn sie solche Kleidung trägt. Aber das wollen alle strenggläubigen Frauen so - egal ob Muslimin, Christin oder Jüdin (wobei hier entsprechende Vorschriften meiner Meinung nach eher noch ziemlich bekloppt umgesetzt werden, z.B. Perücke statt Kopftuch).

      Ich glaube, dass ich das in dem kurzen Kommentar jetzt nicht so detailliert darstellen konnte, wie ich gerne würde. Vielleicht kommt bald ein Artikel zum Kopftuch - dieser war es nicht ;)

      Liebe Grüße,
      Miria

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  3. "nunmal einfach lange Kleidung an bestimmten Stränden verboten hat. "

    Es sind ganz speziell der Burkini und ähnliche Kleidungsstücke verboten worden, also komplett körperbedeckende Kleidung in Verbindung mit einem Kopfteil, der die Haare bedeckt.

    "Auch hier sehe ich das nur teilweise so wie du. Diese Kategorisierung wird in erster Linie von Außenstehenden vorgenommen. "

    Nein, diese Kategorisierung ist der muslimischen Verschleierung immanent. Es ist ihre eigentliche Begründung. Die Kopfbedeckung dient dem Zweck, die muslimische Frau als sittsame, ehrbare Frau erkennbar zu machen. Andere Frauen werden entsprechend als unehrbare Frauen klassifiziert und auch so behandelt. Insofern stellt der Schleier, der in diesem Sinne getragen wird, eine Ehrverletzung und eine Herabwürdigung aller unverschleierten Frauen dar. Quasi eine Zweiklassengesellschaft aus Heiligen und Huren(als extremstes Beispiel die jesidischen jungen Frauen, die als Sexsklavinnen des IS völlig entmenschlicht werden). Ich finde das hochproblematisch und letztlich auch nicht verfassungskonform. Den Schleier nur als religiöses Symbol im Sinne eines Kreuzes, Davidsterns oder Omzeichens zu begreifen oder gar als einfaches Kleidungsstück, ist deutlich zu kurz gedacht.

    LG

    Margret

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