Freitag, 1. Juli 2016

Falsche Solidarität

Seit die Verhandlung bezüglich der Falschbeschuldigung durch Gina-Lisa Lohfink bekannt ist, äußerten verschiedenste Medien und ihre Vertreter sich zu dem Vorfall.
Mich wunderte immer wieder, woher diese Menschen ihr umfangreiches Wissen haben. Sie waren in der Nacht als der Vorfall passiert sein soll nicht dabei und die meisten waren wohl auch in der Gerichtsverhandlung über die angezeigte Vergewaltigung nicht dabei.
Dennoch wissen anscheinend viele Journalisten besser über den Fall Bescheid als die zuständigen Richter. Diese hatten nämlich im ersten Prozess die Angeklagten vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen und lediglich wegen der Veröffentlichung von Filmmaterial verurteilt.
Im Nachgang wurde Gina-Lisa ein Strafbescheid wegen falscher Verdächtigung zugestellt, nach dem sie 24.000 Euro Strafe zahlen soll. Dagegen geht sie nun vor. Es wird also verhandelt wegen falscher Verdächtigung und nicht wegen Vergewaltigung wie man teilweise denken könnte, wenn man verschiedenste Medien (speziell auch online) liest.
Gina-Lisa ist hier zunächst kein Opfer, sondern mutmaßliche Täterin in einem Verfahren.
Traurigerweise tun gerade Feministinnen sich damit hervor, jegliche Fakten zu vergessen oder bewusst zu ignorieren. Hier wird Gina-Lisa als Heldin gefeiert oder als Opfer bemitleidet.
 
Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich weiß nicht, wer Opfer und wer Täter ist. Aber ich weiß, dass ich froh bin, in einem Rechtsstaat zu leben, in dem diese Entscheidung einem Gericht und nicht einem wütenden Mob angeführt von irgendwelchen Journalisten überlassen wird!
Warum sollte ich als Feministin und als Frau solidarisch mit Gina-Lisa Lohfink sein? Weil diese zufällig das gleiche Geschlecht hat? Nein, das ist mir zu wenig!
Diese Dame ist weder eine Bekannte noch Freundin, ich sehe daher keinen Grund, ihren Aussagen mehr zu glauben als den Aussagen der beiden Herren, die mit ihr Sex gehabt haben.
 
Auf Twitter gibt es den Hashtag #TeamGinaLisa unter dem sich ebenfalls ihr Unterstüzter und Befürworter versammeln und Aussagen posten wie
 
„nichts rechtfertigt Vergewaltigung außer das deutsche Strafrecht“ oder auch
 
„wir brauchen eine breite gesellschaftliche Solidarisierung mit Betroffenen sexueller Gewalt“
 
Und immer wieder fällt im Zusammenhang mit dem aktuellen Thema auch das Meme „Nein heißt Nein!“.
 
Für viele dieser Menschen steht fest, dass Gina-Lisa Lohfink vergewaltigt wurde, obwohl die angeblichen Täter rechtskräftig freigesprochen wurden!
Ja natürlich kann man sich (und vielleicht sollte man das auch) mit Opfern von sexueller Gewalt solidarisieren. Aber doch nur, wenn das Anliegen eines aus der eigenen Sicht berechtigtes ist. Wenn für mich eindeutig feststeht, wer Opfer und wer Täter ist. Das Geschlecht reicht für mich nicht, um mich mit einer Person zu solidarisieren – wird es nie!
 
Leider machen auch unsere Politiker den Eindruck vergessen zu haben, was Rechtsstaat bedeutet. So scheint Justizminister Heiko Maas eine Verschärfung des aktuellen Sexualstrafrechts zunächst mit den Vorfällen in Köln und nun auch mit dem hier besprochenen Fall in Zusammenhang zu bringen.
Er und seine Parteikollegin Schwesig forderten, ein Nein müsse endlich ausreichen! Wirklich erstaunlich, dass selbst unser Justizminister die aktuelle Gesetzeslage nicht zu kennen scheint.
Würde ein Mitarbeiter eines Unternehmens sich über eine so eindeutige Situation in der Öffentlichkeit so inkompetent äußern, hätte er sicher nicht mehr lange seinen Job. Aber bei unseren Politikern wird gerne mal das ein oder andere ignoriert oder vergessen – außer natürlich wenn die Doktorarbeit nicht ganz korrekt war!
Auch ein Richter vom BGH hat sich in seiner Kolumne in der der zum Fall geäußert. Er beschreibt die aktuelle Rechtslage gut. Auch den zweiten Artikel kann ich diesbezüglich empfehlen. Hier geht er nochmal speziell auf die immer wieder widerholte Aussage "Nein heißt Nein" ein.
Dies sind einige der wenigen Artikel, die sich durch eine sachliche Herangehensweise auszeichnen und nicht von Emotionalität leisten.
 
Emotionalität und Moral sollte keine Grundlage für die Rechtssprechung sein und bitte auch nicht Grundlage für neue Gesetzte oder Gesetzesänderungen!
Menschen, die diese Meinung vertreten, den Rechtsstaat nicht durch einen Lynchmob ersetzen wollen, mit denen bin ich gerne solidarisch – ganz unabhängig davon, was diese in der Hose haben!
 
 

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