Donnerstag, 28. Juli 2016

Eine Welt voller Misstrauen

Eine Welt voller Misstrauen macht traurig. Das sagt meine Therapeutin. Und irgendwie stimmt es, dass ich in einer solchen Welt lebe. Es gibt extrem wenig Menschen, denen ich vertrauen kann und wenn ich neue Leute kennenlerne, dann habe ich zunächst kein Vertrauen. Sondern diese Personen müssen eigentlich immer und immer wieder zeigen, dass ich ihnen vertrauen kann.
Ich brauche sehr lange, bis ich jemandem vertraue. Im Gegenzug ist es aber auch so, wenn es eine Person einmal in mein Herz geschafft hat, ist diese vermutlich eine Freundschaft fürs Leben. Ein Mensch, dem ich vertrauen kann und der tatsächlich in meinem Herzen ist, will ich eben nicht mehr loslassen. Darum sind die meisten meiner guten Freunde dies tatsächlich zum Großteil bereits seit zehn Jahren oder länger.

Aber bei neuen Menschen tu ich mir schwer. Ich habe kein Problem Menschen kennenzulernen, aber ihnen zu vertrauen – und das macht traurig.
Aber wie soll man in einer solchen Welt vertrauen können? Wie soll ich jemanden, der mir nicht gezeigt hat, dass er mein Vertrauen verdient, einen Vorschuss an Vertrauen geben?
Wie sollte ich jemanden vertrauen können, wenn ich tagtäglich in meinem Umfeld beobachten kann, wie andere Menschen belogen und betrogen werden? Ich will das für mich nicht. Ich will nicht verletzt werden! Darum lasse ich tiefe Gefühle erst gar nicht zu.

Beziehungen sind auch so ein Fall: Einem Freund in einer Beziehung müsste ich vertrauen können und dieses baut sich aber erst langsam auf. Aber die meisten Personen wollen immer alles schnell und sofort – und dann wird man verletzt!
Immer wenn ich es vorsichtig versucht habe, wurde ich wieder enttäuscht. Erst vor kurzem habe ich jemanden kennengelernt, bei dem ich dachte, vielleicht kann sich da ja was entwickeln. Ich habe es versucht mit dem Vorschuss an Vertrauen, habe ihm etwas erzählt, was kaum einer weiß. Ich wollte, dass er es weiß, da das für mich wichtig ist und eine eventuelle Beziehung nicht ein solches Geheimnis haben sollte. Aber statt, dass es positiv war, zu vertrauen, wurde das wissen von der anderen Person genutzt, um mich im Streit zu beleidigen…
Und aufgrund solcher Erfahrungen, bin ich vermutlich glücklicher damit, wenn ich gar nicht mehr versuche, irgendeine Beziehung zu beginnen. Ich weiß, dass vermutlich irgendwann wieder jemand kommen wird, wo ich denke, das könnte vielleicht was werden. Aber derjenige hat es noch schwerer, denn immer neue Verletzungen stärken das Misstrauen.

Wie soll ich in einer solchen Welt vertrauen?
Ja, eine Welt voller Misstrauen ist traurig. Aber was ist die Alternative? Eine Welt voller Verletzungen? Wäre das nicht mindestens ebenso traurig?

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