Montag, 4. Juli 2016

Das Lachen der Frauen

 

Lachen Frauen anders? Über andere Dinge? Frauen sind nicht lustig, deshalb gibt es ja auch so wenig weibliche Comedians? Oder haben Frauen keinen Humor, wenn sie nicht über aus ihrer Sicht sexistische Witze lachen wollen?

Ich schaue total gerne Comedy und Kabarett und wenn es darum ginge, spontan fünf Akteure jedes Geschlechts aus diesem Gebiet aufzuzählen hätte ich keinerlei Probleme. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich so etwas gerne sehe oder höre. Wenn man jemanden fragt, der sich vielleicht nicht so intensiv mit Comedy bzw. Kabarett beschäftigt, wen er kennt, so ist sicher einer der bekannteren Mario Barth. Mario Barth, der ganze Stadion füllt und besonders bekannt ist für seine Witze über seine Freundin bzw. über Unterschiede von Männern und Frauen, wird von vielen als sexistisch angesehen. Tausende Leute lachen bei Mario Barth zu Sprüchen wie „Frauen duschen ohne Haare waschen, damit sie am nächsten Tag nur Haare machen können!“
Ich weiß ja nicht, ob das jetzt lustig, sexistisch oder einfach langweilig ist… ich find es nicht lustig. Viele andere Menschen aber anscheinend schon.

Die Autorin des Artikels „Dürfen Frauen über sexistische Witze lachen“ wundert sich darüber, dass eine ganze Gruppe Frauen im Fitnessstudio über die eindeutig sexistischen Witze des Trainers lacht. Sie findet Sprüche wie „Aggressiv, kennste? Oder nur, wenn du deine Tage hast?“.
Im Artikel wird auch eine Diplom-Psychologin erwähnt, die zum Thema Humor forscht und sagt, dass eine wichtige Komponente, damit man über einen Witz lachen kann ist, dass dieser ohne negative Konsequenzen bleibt. Wenn beispielsweise jemand unglücklich irgendwo runterfällt, so ist das nur lustig, wenn man weiß, dass die andere Person sich dabei nicht das Genick gebrochen hat.
In dieser Erklärung findet die Autorin auch den Grund dafür, dass sie nicht über die sexistischen Witze ihres Trainers lachen kann: „Für mich sind diese Witze nicht konsequenzlos. Ich befürchte nämlich schon, dass dieses Bild von Frauen, das er da verbreitet, haften bleibt.“
Diese Befürchtung kann bisher allerdings durch nichts untermauert werden.

Es gibt außerdem noch den Bereich des sog. Schwarzen Humors, das heißt eben Witze über Geschehnisse, die für die vorkommenden Personen nicht konsequenzlos waren. Und es gibt genug Leute, die auch bei diesem schwarzen Humor lachen oder sich zumindest ein Grinsen nicht verkneifen können. Ein Beispiel hierfür ist der folgende Witz, der kurz nach den Anschlägen vom elften September die Runde machte:

„Wie viele Einwohner hat New York?“
„Acht Millionen und ein paar Zerquetschte.“

Leute, die beim Unglück dabei waren oder Freunde verloren haben, werden wohl kaum darüber lachen können.

Meiner Meinung nach funktioniert Humor oft über Klischee und bekannte Ereignisse. Gerade Witze, die mit Klischees spielen gibt es haufenweise. Einerseits natürlich das Thema Männer und Frauen, aber auch verschiedene Nationalitäten oder Regionen (denen wiederum ein oder mehrere bestimmte Klischees zugeordnet werden). Kaum ein Kind bei uns kannte nicht die „Ostfriesenwitze“, die darauf abzielten, dass die Gruppe der Ostfriesen insgesamt etwas kindlich zurückgeblieben ist. Oder Witze über Lipper (aus der Region Ostwestfalen-Lippe), die in erster Linie auf die Sparsamkeit der Lipper deuteten. Ein Witz, der mir hier in Erinnerung geblieben ist, ist der folgende:

„Warum geben Lipper ihren Hühnern heißes Wasser zu trinken?“
„Damit das Ei schon gekocht ist!“

Darf ich über einen solchen Witz nun nicht lachen, weil dieser mit dem Klischee des sparsamen Lippers spielt und die Konsequenz ist, dass man Lipper zukünftig immer mit diesem Klischee im Hinterkopf begegnet? Oder ist Sparsamkeit eigentlich eine positive Eigenschaft – anders als beispielsweise die Dummheit in Blondinenwitzen – so dass es nicht schlimm wäre, würde sich dieses Klischee verbreiten?
Oder ist es gar davon abhängig, ob ich selbst Mitglied der Gruppe bin, über die sich in dem Witz amüsiert wird? Darf ich Ostfriesenwitze oder Lipperwitze machen, wenn ich selbst Ostfriese bzw. Lippe bin? Falls ja, dürften dunkelhäutige Menschen dann auch rassistische Witze machen?
Und was ist jetzt mit Mario Barth, der sich ja durchaus auch über einige negative Klischees des männlichen Geschlechts lustig macht, darf der das?

Jemand, der zum Thema von weiblichem Humor und gerade den Unterschieden zwischen diesem und dem männlichen an der Wiener Universität forscht gesagt: „Frauen lachen anders als Männer. Das Lachen von Frauen ist eher ein solidarisches, ein Lachen miteinander. Das Lachen von Männern ist eher ein Lachen übereinander.“

Möglicherweise ist das etwas dran. Allerdings habe ich auch schon häufig gesehen, wie auch Frauen Schadenfreude empfanden und das Lachen ganz und gar nicht miteinander war.
Aber in der  Geschichte des weiblichen Lachens könnte dies tatsächlich als begründet liegen. Früher hat es sich nicht geziemt, wenn Frauen lauthalst lachten – es war unanständig.
So musste eine Frau sich ihr Lachen eher verkneifen. Eventuell gab es Frauenrunden, in denen es dann für die Damen möglich war auch einmal vor Freude zu lachen – abgeschirmt von der Außenwelt. Aus diesem verborgenen Lachen hat sich dann eine Art Solidarität unter den Frauen entwickelt, was den Humor angeht.
Aber da es heutzutage diese Unterschiede schon länger nicht mehr gibt, denke ich, dass auch dieses Relikt aussterben wird.
 
Dies sind allerdings nur meine ersten Überlegungen zum Thema Humor. Ich finde das Thema ziemlich spannend und denke, dass noch weitere Artikel folgen werden. Eventuell dann unter der Betrachtung eines anderen Unterthemas des Humors.
Falls jemand selbst Gedanken oder mögliche offene Fragen hat, gerne auch in die Kommentare damit! :)

Kommentare:

  1. Zu dem Spruch »Aggressiv, kennste? …« erinnere ich mich an @emergencymum auf Twitter, die sinngemäß schrieb: »Ich hab immer Hormone. Entweder ich will dich oder ich kill dich.« Was will ein Fitness-Trainer als Mann da noch hinzufügen?

    Es gibt nur eine Art von Humor, die Grenzen überschreitet: Wenn sich tatsächlich unterdrückte, rechtlose Menschen nicht dagegen wehren können. Wenn also in der Nazizeit im Kabarett Witze über Juden gemacht wurden, wie sie im Buch »LTI« zitiert werden, dann ist das pervers. Es war ab einem bestimmten Zeitpunkt jedem klar, dass Juden als Minderheit das Opfer der NS-Gewalt sind. Oder wenn in der Zeit der Sklavenhalter im Süden der USA von Weißen Witze über schwarze Sklaven gemacht wurden …

    Es gibt aber heute in unserer Gesellschaft keine Gruppe mehr, die in dieser furchtbaren Weise unterdrückt ist. Wer einen Witz wirklich als Beleidigung auffasst, kann vor ordentlichen Gerichten dagegen klagen. NS-Deutschland war für die Juden kein Rechtsstaat und der Süden der USA für die Schwarzen auch nicht –  unser Land ist es aber. Deshalb ist der Witz in dem Fitness-Studio zwar peinlich und dumm, aber die Frauen sind ihm nicht wehrlos ausgeliefert und er hat für sie auch keine wirklich negativen Folgen.

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    1. @stefanolix:
      "Zu dem Spruch »Aggressiv, kennste? …« erinnere ich mich an @emergencymum auf Twitter, die sinngemäß schrieb: »Ich hab immer Hormone. Entweder ich will dich oder ich kill dich.« Was will ein Fitness-Trainer als Mann da noch hinzufügen?"

      Es macht imemrnoch einen Unterschied, ob man sich selbst über negative Eigenschaften von sich äußert oder diese einem von anderen angedichtet werden.

      "Es gibt aber heute in unserer Gesellschaft keine Gruppe mehr, die in dieser furchtbaren Weise unterdrückt ist."

      Bist du also der Meinung, dass Judenwitze in der heutigen Zeit in Ordnung sind?

      "...er hat für sie auch keine wirklich negativen Folgen."

      wie kannst du dir da sicher sein? Auf die Gesellschaft bezogen und nicht auf die direkte Situation.

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  2. Naja, negative Folgen haben Frauenwitze vielleicht nicht unbedingt (unvoreingenommenes Denken fördern sie sicher auch nicht).
    Aber es ist schlicht nervig, wenn man als humorlos bezeichnet wird, weil man sie einfach bescheuert findet. Und umgekehrt finden Männer Männerwitze auch nicht lustig und gelten dabei nicht als humorlos. Dann heißt das Argument gerne: "Männerwitze SIND halt nicht lustig! Es IST eben so!"

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    1. Es geht doch jedem mal so, dass er über irgendeinen Witz nicht lachen kann. Und es wurde auch jeder schonmal humorlos genannt.
      Allerdings würde ich tatsächlich behaupten, dass Männer, im Durchschnitt, besser Witze und Anekdoten erzählen können. Spannende Geschichten zu erzählen und die Frau zum Lachen zu bringen ist einfach ein elementarer Baustein für männliches Flirten. Schließlich will jede Frau einen Mann mit (passendem) Humor. Das heißt aber auch dass Männer das viel öfter "üben und trainieren".

      das heißt aber nciht, dass es nciht hervorrangede weibliche Kabarettisten gibt ;-)

      Und Männerwitze sind nicht prinzipiell unlustig. Sie werden nur meistens schlecht erzählt oder sind ähnlich platt wie die Witze des Fitnesstrainers.

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    2. @Irenicus:
      "Allerdings würde ich tatsächlich behaupten, dass Männer, im Durchschnitt, besser Witze und Anekdoten erzählen können."

      Woran machst du genau dieses "besser" fest? Wie kann man bewerten, ob ein Witz gut ist oder nicht? Ist das nicht immer auch vom Gegenüber abhängig, ob dieses den Witz lustig findet oder nicht?

      "Und Männerwitze sind nicht prinzipiell unlustig. Sie werden nur meistens schlecht erzählt oder sind ähnlich platt wie die Witze des Fitnesstrainers."

      Was meinst du hier mit Männerwitzen? Witze über Männer? Hätte hier ein Beispiel:

      Kommt eine Gehirnzelle in das Gehirn eines Mannes: "Haaallooo, wo seeeid ihr? Haaallloo!"
      Plötzlich kommt eine zweite Gehirnzelle vorbei: "Hey, was tust du denn hier? Wir sind alle unten!"

      Wenn man den gut erzählt, Lachen eigentlich so gut wie alle (unter der Annahme, dass der Witz noch nicht bekannt ist.).

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    3. "Wie kann man bewerten, ob ein Witz gut ist oder nicht? Ist das nicht immer auch vom Gegenüber abhängig, ob dieses den Witz lustig findet oder nicht?"

      Es geht ja eben genau nicht um den Witz. (bzw. nicht nur) Sondern um den Erzählstil ;-) Und den bewerte ich am Ende (subjektiv) damit ob ich es lustig finde oder nicht, oder objektiv, sprich wie viele Leute wir sehr gelacht haben.

      "Wenn man den gut erzählt, Lachen eigentlich so gut wie alle"
      Da sagst du es ja selbst. ;-) beim Lesen hab ich nicht mal drüber geschmunzelt, aber ich bin sicher, wenn man ihn richtig vorträgt, ist er lustig.

      Genauso finde ich die Witze von Mario Barth eigentlich überhaupt nicht lustig. Kein Stück, aber ich kann mich imerhin 3-4 minuten über ihn amüsieren, weil er das hervorragend rüberbringt. Danach geht er mir aber auf den Sack.

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  3. Solange gelacht wird, ist alles gut. Wie häufig wurde Satire genutzt, um gegen bestehende Gegebenheiten anzuwitzeln (aktuell durch die Diskussion von Achim Winter und Jan Böhmermann befeuert).
    Die besten jüdischen Witze kommen von den Juden selbst.
    Ich selbst arbeite in einer Abteilung, in der Männer und Frauen fast paritätisch besetzt sind. Die Männer-Frauen Witze sorgen immer für die meisten Lacher von beiden Seiten. Nur haben wir eher junge Frauen im Team, die (nachdem ich sie befragt habe, weiss ich es sicher) sich nicht benachteiligt fühlen, weil sie eine Frau sind.

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