Samstag, 20. Februar 2016

Trinkgeld oder Tip

Für viele ist es selbstverständlich im Restaurant ein Trinkgeld zu geben. Ich selbst habe mich als ich damals in einer Bar angefangen habe zu arbeiten positiv gewundert, wie viel Trinkgeld die Menschen doch geben.
Jetzt bin ich bei Facebook auf dieses Bild gestoßen:

In den Kommentaren beschweren sich die vermeintlichen Mitarbeiter der Gastronomie über Gäste, die wenig oder kein Trinkgeld geben.
Dort sind Kommentare zu finden wir diese hier:



Ja, man sagt ein angemessenes Trinkgeld legt bei 5-10%. Aber dennoch gibt es keine Verpflichtung, ein Trinkgeld zu bezahlen. Und normalerweise soll das Trinkgeld doch eine Belohnung für guten Service sein und keine Selbstverständlichkeit, die gar indirekt eingefordert wird.
Man sollte immer bedenken, dass Trinkgeld nicht nur von der Art des Service, sondern auch von der finanziellen Situation des Gastes abhängig ist. Ein Gast, der vielleicht selbst wenig Geld hat, gibt zwar wenig Trinkgeld, aber für ihn bedeutet das eventuell schon einen kleinen Verzicht, ein ist zwei Euro zu geben.  Ich finde es einfach extrem unverschämt, wenn sich darüber dann auch noch im Internet ausgelassen wird. Solche Menschen sollten am besten gar kein Trinkgeld bekommen!
Ich selbst gebe übrigens weniger Trinkgeld seitdem ich in der Gastronomie gearbeitet habe. Ja, ich weiß, Trinkgeld ist wichtig und so...
Aber mittlerweile weiß ich einfach auch, was guter Service heißt. Guter Service bedeutet nicht, angebranntes Essen zu bekommen und auf eine Beschwerde hin gebeten zu werden, denn schwarzen Rand ja einfach abkratzen zu können!
Guter Service bedeutet nicht, zwanzig Minuten auf eine Servicekraft zu warten. Guter Service bedeutet nicht, eine halbe Stunde mit meinem leeren Glas allein gelassen zu werden! Guter Service bedeutete nicht auf die Frage nach einer Empfehlung zu hören, ich solle doch einfach mal in die Karte schauen! Guter Service bedeutet nicht, wenn die Servicekräfte lieber eine Zigarette rauchen statt sich um die Tische zu kümmern!
Und es gibt sicher noch viele weitere Punkte, die dazu führen, dass ich eben kein Trinkgeld gebe.
Wenn aber alles passt und die Servicekraft nett und freundlich war, bekommt sie auch ein Trinkgeld. Die Verkäuferin, dir mir netterweise die Kleider zeigt und mich berät aber ebenso. Warum sollte das auf die Gastronomie beschränkt bleiben?

Aber man sollte im Kopf behalten: das Trinkgeld ist immer ein Geschenk, dass man geben kann, wenn man zufrieden mit dem Service war. Der Gast ist nicht dafür verantwortlich, das Gehalt der Servicekraft zu bezahlen (allenfalls indirekt durch die normalen Preise), sondern der Arbeitgeber.
Wenn man sich als Servicekraft auf ein Gehalt von vier oder fünf Euro einläßt (wobei diese Zeiten in Deutschland Dank Mindestlohn vorbei sein sollten),  ist man auch sonst dafür verantwortlich damit auszukommen. Und daher sollten die Servicekräfte dankbar sein dafür, wenn sie vom Gast etwas geschenkt bekommen, statt sich auch noch über die geringe Menge aufzuregen!

Kommentare:

  1. Bei einigen Branchen (Friseuse, Kellnerin) gilt das Trinkgeld als im Gehalt eingepreist ... kann natürlich ein urbaner Mythos sein.

    Ich gebe Trinkgeld strikt nach zwo Kriterien: erstens, Laune; zwotens, Kassenlage.

    Was ich widerwärtig finde und darum selbst vermeide, ist jede Art von gönnerhaftem Gesichtsausdruck dabei (börk).

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    1. Beim Friseur habe ich eigentlich noch nie Trinkgeld gegeben, wäre für mich einfach ungewöhnlich...

      Und natürlich locken Arbeitgeber die Arbeitnehmer auch über das Trinkgeld, indem sie sagen, dass sie zwar ein geringes Gehalt, dafür aber noch viel Trinkgeld bekommen. In der Gastronomie in Deutschland mag das auch stimmen.
      Es liegt meiner Meinung nach dennoch nicht in der Verantwortung des Gastes, für das Gehalt eines Angestellten zu sorgen.

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  2. guter Artikel zum Thema aus der Jungle World
    http://jungle-world.com/artikel/2013/51/49021.html

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    1. Interessanter Artikel.

      "Mit der Integration von Trinkgeld in die Lohnstruktur entsteht eine perfide Abhängigkeit vom Gast: Man wird zur berüchtigten Arschkriecherei verdammt."

      Dem würde ich aber nicht zustimmen. Es geht doch nicht um Arschkriecherei, sondern einfach darum, dass Servicekräfte auch Service bieten, also einfach Ihren Job machen.

      Habe ja im Artikel schon einige Beispiele genannt, was eben nicht zu gutem Service gehört!

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  3. Liebe Miria, es gibt einen geschlechtsspezifischen Unterschied bei Frisörkosten. Die Behandlung der Damen dauert signifikant länger als die der Herren ... Wenn ich für einen Schnitt achtfuffzich zahle, leg ich gelegentlich ein Zehnerle in und empfehle mich ;-)

    Im Übrigen können wir uns, glaube ich, darauf einigen, dass das Einpreisen von Trinkgeldern in Tariflöhne eine Sauerei ist.

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