Mittwoch, 24. Februar 2016

BeHindernisse

Auf Twitter schreiben seit einige Zeit Menschen unter diesem Hashtag zu ihren ganz persönlichen Behindernissen im Alltag.
Der Kern ist, dass diejenigen nicht behindert sind, sondern behindert werden. Wenn es im Restaurant zum Beispiel nur eine Toilette über Treppen zu erreichen gibt und kein Fahrstuhl dort ist, wie soll diese dann von einem Menschen mit Rollstuhl aufgesucht werden können?
Aber genau solche Punkte sind es, die den meisten Leuten einleuchten, wenn von Behinderung und Barrierefreiheit die Rede ist.


Viel schwieriger ist es aber oft bei "unsichtbaren" Behinderungen bzw. chronischen Krankheiten. Wenn man aufgrund von Depressionen sich tage- oder wochenlang nur Zuhause verkriecht, einfach nichts mehr hinbekommt und dann das Schreiben vom Studentenwerk einem noch den letzten Rest gibt, weil das Bafög wegen nicht Erreichen der vorgeschriebenen Punkte im Studium nicht mehr gezahlt wird. Eigentlich braucht man gerade in dieser Situation Hilfe und Unterstützung statt noch mehr Druck!
Andere Menschen im Umfeld, die unsichtbare Behinderungen nicht als solche erkennen und kommentieren mit "jeder ist mal schlecht drauf" oder "reiß dich mal zusammen" sind auch alles andere als hilfreich. Genau solche Verhaltensweisen führen schließlich dazu, dass Menschen mit psychischen Krankheiten sich nicht mehr trauen, diese zu benennen. Auf Twitter dazu:




All dies sind Behinderungen, die eigentlich nicht sein müssten.
Wir sollten viel mehr mit offenen Augen durch die Welt gehen und versuchen, dabei zu helfen, das so wenig Menschen wie möglich behindert werden.
Was mich richtig erstaunt hat, war folgendes:


Das darf doch in einem so fortschrittlich entwickelten Land wie Deutschland nicht sein!

Und vielleicht hast der Hashtag ein wenig geholfen, dass mehr Menschen ein weiteren Blick bekommen dafür, was für andere behindernd ist.

Kommentare:

  1. "All dies sind Behinderungen, die eigentlich nicht sein müssten. Wir sollten viel mehr mit offenen Augen durch die Welt gehen und versuchen, dabei zu helfen, das so wenig Menschen wie möglich behindert werden."

    Das Problem ist, dass es eben nicht nru darum geht, mit offenen augen durch die Welt zu gehen.
    Eine Rollstuhlrampe/Aufzug kostet zum Beispiel viel Geld..

    Dazu komm der inflationäre Gebrauch von Wörtern wie Depression, Burn-Out etc. Auch wenn eigentlich das entsprechende Krankheitsbild überhaupt nicht vorhanden ist, sondern eigentlich nur die momentane Stimmung gemeint ist.

    als wichtigstes sehe ich aber das Problem, dass diverse Behinderungen, eben nur mit der entsprechenden Erfahrung erkennbar sind. Bzw. man die entsprechende Auswirkung einfach nciht einschätzen kann.

    besonders spannend finde ich da diese Nachricht:
    "Wenn man deine Depression als "Prüfungsangst" betitelt, weil dir nicht geglaubt wird, weil du ja immer so fröhlich bist"
    Hier wird in einem Satz mehr Mitgefühl mit dem eigenen Krankheitsbild gefordert, und gleichzeitig so getan, als ob Prüfungsangst ja nichts schlimmes ist. (Mal abgesehen davon, dass sich ständiges "fröhlich sein" und Depression tatsächlich gegenseitig ausschließen.)
    Bzw. es ist gaaaanz ganz schlimm, dass man ihr das falsche Krankheitsbild zuordnet.

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    1. Hallo Anonym,

      "Das Problem ist, dass es eben nicht nru darum geht, mit offenen augen durch die Welt zu gehen.
      Eine Rollstuhlrampe/Aufzug kostet zum Beispiel viel Geld.."

      Ich meinte da in erster Linie die Behinderungen aufgrund psychischer Probleme. Aber auch eine Rollstuhlrampe ist nicht so unglaublich teuer. Aufzug und ähnliches natürlich schon.

      "Dazu komm der inflationäre Gebrauch von Wörtern wie Depression, Burn-Out etc. Auch wenn eigentlich das entsprechende Krankheitsbild überhaupt nicht vorhanden ist, sondern eigentlich nur die momentane Stimmung gemeint ist."

      Da stimme ich dir zu. Das finde ich ebenfalls total scheiße.
      Ist aber leider oft so, wenn Leute keine Ahnung haben.
      Vermutlich auch in dem Fall, wo von "Prüfungsangst“ die Rede ist.

      "als wichtigstes sehe ich aber das Problem, dass diverse Behinderungen, eben nur mit der entsprechenden Erfahrung erkennbar sind. Bzw. man die entsprechende Auswirkung einfach nciht einschätzen kann."

      Stimmt natürlich. Oft sind das dann auch Dinge, die Menschen einfach nicht merken/sehen können. Ich kann zum Beispiel keine Gesichter erkennen, daß führt dazu, dass Menschen mich als unfreundlich oder arrogant betiteln, weil ich sie in der Stadt nicht grüße. Wobei das für mich eher ein kleines Problem ist und ich mittlerweile dazu übergegangen bin, den meisten Menschen davon zu erzählen und zu bitten, dass sie doch mich ansprechen können, wenn man sich zufällig trifft.
      (zu dem Thema gibt's bald auch einen Artikel)

      "(Mal abgesehen davon, dass sich ständiges "fröhlich sein" und Depression tatsächlich gegenseitig ausschließen.)"

      Nein, das schließt sich nicht aus. Denn es ging nicht um ständig fröhlich sein, sondern darum, dass jemand anders das so wahrnimmt. Und heufig ist eine Krankheit wie Depression einem sehr unangenehm und man möchte nicht unbedingt, dass das jeder mitbekommt.
      Bei mir würden Bekannte wohl auch sagen, dass ich ständig fröhlich bin. Weil ich in den schlimmen Phasen bestimmt nicht bei denen bin, sondern alleine unter meiner Bettdecke oder
      oder bei meinen besten Freunden.

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    2. "Oft sind das dann auch Dinge, die Menschen einfach nicht merken/sehen können. Ich kann zum Beispiel keine Gesichter erkennen, daß führt dazu, dass Menschen mich als unfreundlich oder arrogant betiteln, weil ich sie in der Stadt nicht grüße."

      Wow, das exakt gleiche Problem habe ich auch. Ich kann z.B. auch in Filmen bestimmte Personen nicht auseinanderhalten und dann wundern sich andere immer, dass ich doch wissen muesste wer was ist.

      Spannend! Bin gespannt auf den Beitrag und wuerde mich ueber einen Twitter-Ping freuen (StatistikFan100).

      Liebe Gruesse,

      Hans

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