Freitag, 23. Januar 2015

Migranten sollen Zuhause deutsch sprechen

Der Skandal um diesen Satz aus der CDU Isuzu bei vielen schon längst wieder vergessen, schön längst wird die nächste Sau durch das Dorf getrieben.
Aber ich möchte doch gerne nochmal darauf zurückkommen, da ich das Thema relativ wichtig finde.  Also jetzt nicht den Populismus der CDU, sondern die Integration von Migranten.
Und ich finde es stimmt, dass Sprache ein wichtiger Schlüssel zur Integration ist.
In einem anderen Blog, in dem damals auch das Thema besprochen wurde, wurde eine Studie genannt, die besagte, dass nur 5% der Migranten und Kinder von Migranten nicht ausreichend deutsch sprechen.  Leider wollte der Autor nicht verstehen, dass die Studie hier Migranten und in Deutschland geborene Deutsche, nämlich die Kinder von Migranten, zusammenfasst. Er wurde in den Kommentaren sehr unfreundlich, dass ich keine Lust mehr auf Diskussion hatte.  Aber das passiert leider öfter, wenn Leuten die Argumente ausgehen.
Ich finde nämlich gerade die Unterscheidung zwischen Migranten und den Kindern extrem wichtig.  Kinder von Migranten haben vermutlich äußerst selten ein Problem mit der deutschen Sprache und der Integration. Im Gegenteil, es kann sogar ein Vorteil sein, zweisprachig aufzuwachsen.  Durch die Schule sind sie alle in der Lage gut Deutsch zu sprechen.  Das Problem sind die tatsächlichen Migranten.  Menschen, die nach Deutschland kommen, dort nur mit ihren Landsleuten zu tun haben, in entsprechenden Vereinen organisiert sind und nur in entsprechenden Läden einkaufen. Diese Menschen haben keinen bis wenigen Kontakt mit deutschen bzw. der deutschen Sprache. Wichtige Briefe müssen dann von den Kindern übersetzt werden, ebenso, wenn offizielle Briefe aufgesetzt werden müssen.
Hier würde es natürlich helfen, wenn Zuhause auch mal deutsch gesprochen wird, einfach zur Übung.  Denn in einer solchen Parallelwelt, in der Migranten teilweise leben, werden sie äußerst selten damit konfrontiert, deutsch sprechen zu müssen.  Und ich verstehe mittlerweile fast mehr russisch als die Eltern von meinem Exfreund deutsch.  Und das. Obwohl die Familie seit fast 15 Jahren in Deutschland lebt...

Kommentare:

  1. Ersmal ein gutes neues Jahr...

    Zum Post bin ich zwiegespalten. Von den Eltern meiner Freunde "aus dem Ausland" - da sind Rumänen, Türken und Ungarn bei, die mit leichtem Akzent perfekt Deutsch sprechen, und Chinesen, wo zumindest Mama zwar viel versteht, aber nix sagen kann. aber mir ist das völlig egal, was die zuhause sprechen. Die haben aber alle viel Wert darauf gelegt, dass ihre Kinder das können, und es ist bei weitem nicht wahr, dass (a) Kinder von Migranten haben vermutlich äußerst selten ein Problem mit der deutschen Sprache und der Integration haben und (b) Durch die Schule alle in der Lage gut Deutsch zu sprechen, da es nicht Aufgabe einer Schule sein kann, den Kindern sprechen beizubringen. Nachdem die alle (mindestens) so alt sind wie ich gab es da zwei Wege: Entweder waren sie sehr klein und kamen in den Kindergarten (kleine Kinder lernen sehr schnell und intuitiv) oder sie hatten einen Sprachkurs.

    Dass es tatsächlich Kinder in n-ter Generation gibt, die die Sprache des Landes, in dem sie leben, nicht beherrschen, finde ich entsetzlich und befremdlich. Davon gehört das Privatleben der Leute nicht in die Öffentlichkeit oder gar die Politik, aber es ist schlicht kulturell arschig, sich nicht wenigstens so gut man kann mit der Sprache eines Landes zu beschäftigen, selbst wenn man es nur besucht. Wenn man da leben will, ist es schlichte Mißachtung, und das ist nicht in Ordnung von meinem moralischen Standpunkt. Und das gilt für Deutsche in China, Amerikaner im Irak, Chinesen in Amerika genauso wie für Irakis in Deutschland.

    Komischerweise sind die einzigen, denen das Kackegal zu sein scheint, die Deutschen in China und die Amerikaner im Irak. "Wir" haben es wohl nicht besser verdient. Fragt man sich nur, wie die Amerikaner die Double Standards schaffen. Auch wenn ich gerade verzweifelt versuche, wenigstens ein bisschen Tschechisch zu lernen. Obwohl ich da nur hinfahre, um Zigaretten zu kaufen (und sehr, sehr lecker zu essen).

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    1. Dir auch ein gutes neues Jahr!

      Erstmal zum Thema "Sprache in der Schule erlernen: Ich rede nicht davon, dass die Schule speziell deutsch als Fremdsprache unterrichtet, aber wie du selbst schreibst, lernen Kinder intuitiv. Und genau das meinte ich. Dadurch, dass die Kinder täglich mit der deutschen Sprache konfrontiert sind. Mein Ex, den ich zum Ende des Textes anspreche, kam selbst mit 14 Jahren erst nach Deutschland und konnte nach ca. 3 Monaten deutsch, da er in der Schule jeden Tag deutsch um sich hatte und dadurch natürlich "gezwungen" war, deutsch zu sprechen. Ähnlich auch eine Freundin von mir.

      Ein Sprachkurs ist nicht ausreichend, sondern der tägliche Gebrauch der Sprache, sonst könnte ich schon längst italienisch.
      Ich kann zwar durchaus auf Italienisch einkaufen und auch so gut wie alles verstehen, aber flüssig sprechen noch lange nicht. Das liegt einfach auch daran, dass ich hier in einer Region lebe, in der wenig italienisch gesprochen wird. Alle Kinder lernen hier von der ersten Klasse an italienisch in der Schule, dennoch können es einige in meinem Alter schlechter als ich, weil einfach die Praxis fehlt und bei vielen kein Interesse besteht.

      Kinder in n-ter Generation, die die Sprache nicht beherrschen, sind meine Meinung nach ein Mythos. Es sei denn, es sind Ausdrucksweisen wie "Alter, was geht? ", bei uns in der Jugend liebevoll "Kanakendeutsch" genannt, gemeint.

      Meinen persönlichen Hintergrund und wie ich zu meiner Meinung zum Thema komme: In meiner Kindheit waren 90% meiner Freunde Migranten oder Kinder von Migranten. Und auch heute kommen meine besten Freunde bzw. deren Eltern aus Syrien, Paraguay, Russland oder dem Kosovo... Alle Kinder sprechen perfekt deutsch, mit den Eltern ist eine Unterhaltung häufig schwierig.
      Bei uns in der Schule wurde auf dem Schulhof in der Pause von den Lehrern übrigens darauf bestanden, dass deutsch gesprochen wird.

      Mit deinem letzten Punkt hast du Recht, auch deutsche verhalten sich als Migranten im Ausland ähnlich. In Spanien weiß ich beispielsweise von ganzen deutschen Vierteln, wo man auch kein Spanisch braucht.
      Aber nur weil deutsche sich genauso verhalten, muss man es ja nicht so akzeptieren.

      Liebe Grüße,
      Miria

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    2. Dein erster Post las sich für mich nicht so, als sähest Du da weniger ein Problem (also "Kinder in n-ter Generation"), eher gegenteilig - daher Danke für die ausführliche Antwort; meine Erfahrungen sind eigentlich recht identisch (außer, dass sich unsere Lehrer für uns interessiert hätten).

      Und es freut mich, dass Du, Miria, offenbar ähnlich viele "Migrantenkinder" in Deinem Bekanntenkreis hast wie ich. Und auch mal kontroverse Sachen bloggst.

      Zurück zum Thema: Meine Mutter war bis vor kurzem (da ging sie in Frührente) Grundschullehrerin, 35 Jahre lang immer nur 1. und 2. Klasse abwechselnd, und daher weiß ich (leider) aus erster (und mehr oder weniger glaubwürdiger) Hand, dass es tatsächlich Kinder in n-ter Generation in Deutschland gibt, die kaum Deutsch sprechen. Heute. Früher (wie meine chinesische Freundin) hatten die Sprachkurs neben der Schule – weil gerade eingewandert. Heute? Egal…

      Ich kenne auch einen deutschtürkischer Grundschullerer in eher Deinem Alter, der meinte dazu aber, dass die auch nicht ordentlich Türkisch sprechen, sondern eher einen Mischmasch - insofern mag sich da nicht das Bemühen der Eltern geändert haben (woher soll den Mischmasch denn kommen?), sondern eher das System, wie es vor 24 Jahren, als meine chinesische Freundin nach D kam, sich zum Negativen geändert hat.

      Wobei... ich habe letztens auf einer Party zwei Ukrainerinnen (plusminus ein Land, meine Geografiekenntnisse und Erinnerungsvermögen diesbezüglich sind Mist) kennengelernt, die in der gleichen Firma arbeiten wie ... naja, der Partyveranstalter hat viele Freunde in der Logistik eines Einzelhändlers, da muss man offenbar kein Deutsch können, dachte ich mir. Als ich dann erfahren habe, dass die eine vier, die andere sechs Wochen in Deutschland war und sie alle "Wortprobleme" unter sich klären konnten, blieb mir halt nur übrig, mich enorm zu schämen, wie das mit mir und dem Ausland ist.

      Und die "nur weil"-Deutschen im Ausland... naja, in Spanien (Thailand, Südamerika...) sind da ja viele, die da nur ihr vieles Geld mit mehr Geldwert ausgeben wollen. Leute, die Geld ausgeben wollen, werden ja - wie die "nur weil" Deutschen super toleriert - kein Mensch belästigt Dich mit einer Burha in der Münchner Maximiliansstraße (vor dem Gucci-Shop). Aber für die "normal lebenden" und vor allem arbeitenden (oder sonstwie nicht nur Geld raushauenden) Menschen sind wir uns glaube ich einig, dass Du auch besser Italienisch könntest, wenn um Dich rum nur Italienisch gesprochen würde, richtig? Und dass das in Südtirol anders ist, ist ja nun wirklich nicht Deine Schuld. Und wenn das in Berlin-Neukölln auch nicht anders ist, dann ist das halt auch nicht die Schuld der Zugänger. Sondern dann ist das genau das "Klein-Istanbul"-Problem. Ich kann in central NYC in einem chinesischen Laden chinesische Medikamente kaufen (wenn ich auf Chinesisch danach fragen kann) - damit hat niemand ein Problem. Auf Englisch danach zu fragen hilft nämlich nichts, dann gibt es die auch nicht. Das ist eine Parallelkultur, die niemandem schadet. Analog mit Essen - es gibt in jeder Stadt ein paar "Chinarestaurants", die "auch" eine "chinesische" Karte haben. Die wirst Du nie sehen, da Du sie nicht "bestellen" kannst. Ist auch nicht billiger. Nur anders. Und ist eher befremdlich; z.T. verstößt es auch gegen EU-Dummregularien. Ist aber lecker.

      Wenn Du allerdings in einen "türkischen Supermarkt" gehst, und da alles irgendwie nach einem anatolischen Dorfkaff (in dem Du deine /kg-Preise angeben müsstest und sich alle fair daran halten - ich war da, was sie in D aber nicht machen) - dann ist etwas falsch gelaufen. Sehr.

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