Samstag, 25. Oktober 2014

Bin ich ein chauvinistischer Macho-Arsch?

Vielleicht, wenn es um sexuelle Belästigung geht.  Was ich alles gelesen habe, was heutzutage schon unter den Begriff fällt. Nach so mancher Definition bedeutet das tatsächlich, dass jede Frau tagtäglich sexuellen Belästigungen ausgesetzt ist, aber auch viele Männer.
Ja richtig gelesen, ich denke das viele Männer durch Frauen sexuell belästigt werden, aber vielleicht nehmen diese das nur anders war als so manch eine Frau. Fangen wir mal damit an, was alles unter sexuelle Belästigung fällt, oder fallen kann.  Dies ist jetzt keine Liste, was ich persönlich so empfinde, sondern viel mehr, was ich in letzter Zeit in dem Zusammenhang gelesen habe :

- Blicke, z.B. in das Dekolleté
- anzügliche Bemerkungen oder Bewegungen
- Komplimente über das Äußere
- das Aufhängen erotischer Kalender am Arbeitsplatz
- sich selbst in Gegenwart der anderen Person anfassen
- sich in Gegenwart der anderen Person nicht all zu bedeckt kleiden
- eine andere Person anfassen,  vorzugsweise der Klapps auf den Hintern oder Berührungen im Brustbereich

Völlig neutral betrachtet habe ich fast all dies schon erlebt - erlebe vieles täglich -, was dafür sprechen würde, das man als Frau tatsächlich in einer Art Rape Culture lebt. Etwas weiter gedacht, so habe ich fast all dies schon getan und das nicht nur einmal, gegenüber Männern, so wie Frauen, was dafür spricht, dass ich ein chauvinistischer Macho-Arsch bin.
Oder es zeigt vielleicht auch, dass gewisse Kleinigkeiten jetzt eigentlich nicht so schlimm sind und man sie Sache viel eher mit einem Augenzwinkern betrachten sollte. Gerade das Spielen mit gewissen Reizen und auch Klischees macht das Leben doch interessant.
Zwei Beispiele für sexuelle Belästigung,  die ich selbst mitbekommen habe,  mich würde mal die Beurteilung im Bezug darauf, ob das von anderen als sexuelle Belästigung empfunden wird  interessieren.

1. Zwei Autos mit jungen Menschen morgens um vier halten nach einer durchfeierten Nacht nebeneinander vor einer roten Ampel.  In einem der beiden Wagen eine Gruppe junger Männer, im anderen junge Frauen, die Gruppen haben sich vorher nicht gekannt. Dann schaut man sich an und noch in Partystimmung werden die Lippen in einem der Wagen zu Kussmündern geformt und kurz darauf folgt mit Handzeichen die Aufforderung,  doch das Fenster hinunter zu kurbeln, welcher nachgekommen wird.  "Hey sexy X, wo wollt ihr denn hin?  Wollt ihr nicht lieber mit zu uns,  da fällt uns bestimmt was besseres ein außer schlafen!" Dazu noch ein Augenzwinkern. Die Einladung wird natürlich abgelehnt und dann wird die Ampel grün und die Autos trennen sich.

2. An einer Bar stehen ein Mann und eine Frau in einiger Entfernung voneinander. Man sieht sich eine Zeit lang an, lächelt einander zu und flirtet mit den Augen.  Dann verlässt eine der beiden Personen die Bar, um zur Toilette zu gehen. Im vorbeigehen bekommt die andere Person einen Klapps auf den Hintern und ein verschmitzes Lächeln.

Sexuelle Belästigung oder nicht und wie hättet ihr vielleicht als Betroffener reagiert?

Und würden die Situationen unterschiedlich bewertet, je nachdem welches Geschlecht hier handelt?

Kommentare:

  1. Vorab: Ich denke nicht, dass Du ein "chauvinistischer Macho-Arsch" bist. Das liegt an dem Wortinhalt von "Macho", der es verhindert, das Wort für Frauen auch nur ansatzweise korrekt zu verwenden. Chauvinistisch könntest Du durchaus sein; das ist nicht geschlechtsbezogen, aber das hat recht wenig mit dem Thema zu tun, also kommen wir dazu:

    Natürlich kann man "sexuelle Belästigung" sehr weit fassen. Je weiter der Begriff gedehnt wird, desto wertloser wird er allerdings - es gibt in meinen Augen doch recht offensichtliche Unterschiede zwischen einem verbalen "geile Titten" und dem Anfassen dieser. Wenn es dann schon sexuelle Belästigung sein soll, Frauen auf die Brüste zu sehen, wenn sie halb aus der Bluse hängen, dann muss es auch sexuelle Belästigung sein, Brüste halb aus der Bluse hängen zu lassen. Hielte ich diese Definition sexueller Belästigung und das in-einen-Topf-werfen zu einer "rape culture" nicht für völligen Blödsinn, ich könnte keine Minute außer Haus gehen, ohne mich sexuell belästigt zu fühlen.

    Zu Deinen Situationen: (1) sehe ich nichts schlimmes daran. Das sind erwachsene Frauen, die müssen mit Worten und Gesten umgehen können, auch wenn sie kindisch oder doof sind. Zudem hat es sie ja sogar interessiert, sonst hätten sie ihr Fenster ja zu lassen können.
    (2) ist grenzwertig, weil: Anfassen. Man sollte Menschen weder Sprechen noch Existieren verbieten oder sich dadurch gestört fühlen, aber wenn einen andere Menschen anfassen, dann kann man das nicht einfach ignorieren. Vor allem ist es auch schwer, reziprok zu reagieren, "zurück anfassen" ist nur schwer proportional hinzubekommen, wenn man die andere Person nicht anfassen will. Ist jetzt aber nicht so, als müsste man da jetzt groß drunter leiden; es ist halt schlicht unter Fremden unangebracht - in unserem Kulturkreis; woanders ist das anders.
    An der konkreten Situation sehe ich explizit gar kein Problem - vom Geschlecht des "Klappsers" völig unabhängig; die beiden haben ja schon geflirtet.
    Zur Reaktion: Ich würde das als sehr eindeutiges Interessensignal verstehen und dahingehend versuchen rauszufinden, ob das eine Aufforderung war, sie auf Toilette zu begleiten. Auf dem Weg würde mir dann wieder einfallen, dass ich verheiratet bin und ich würde mir stattdessen einen sehr teuren Cognac bestellen.

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    1. Warum gehst du dahin aus, dass im ersten Fall nicht die Frauen es waren, die sich entsprechend kindisch verhalten haben? Ich habe beide Beispiele bewusst so formuliert, dass nicht erkennbar ist, welches Geschlecht hier handelt.

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    2. Wenn du schreibst "Die Einladung wird natürlich abgelehnt" ist das für mich Frauenperspektive, da es für mich (und keinen Mann, den ich kenne) keineswegs "natürlich" wäre, die Einladung abzulehnen. Und wupps ist die Geschlechterverteilung da. Liege ich denn falsch?

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    3. Für mich ist das keinesfalls eindeutig. Wenn das für dich so rüberkommt, dann denk dir das natürlich doch bitte einfach weg ;)

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  2. Nun, zumindest ein Teil der Punkte, die du angeführt hast, würde von mir (und auch vom Staat) als belästigend angeführt werden:
    - Blicke, z.B. in das Dekolleté, sind natürlich keine Belästigung. Solange es bei den Blicken bleibt. Solche Blicke können schon ekelhaft sein, je nachdem, von wem sie kommen, aber das ist wohl eher eine persönliche Befindlichkeit, auf die man keine Rücksicht nehmen kann. Wenn man schon mit Blicken Schwierigkeiten hat, dann muss man sich wohl wirklich verhüllen. Menschen suchen es sich auch nicht immer aus, worauf sie starren. Das kann durchaus unbewusst passieren. Ich bin weiblich und hetero und habe auch schon in das eine oder andere pralle Dekolletè gestarrt - und ich finde Brüste ganz bestimmt nicht sexuell erregend. Große Dekolletès sind einfach ein Blickfang, ob man sie nun schön findet oder nicht.
    - anzügliche Bemerkungen oder Bewegungen: können belästigend wirken, sind aber, solange es dabei bleibt, nur ein Ärgernis. Ist es eigentlich schon feministisch/bitter, wenn man einen Menschen unsympathisch/eklig findet, der ungefragt anzügliche Bemerkungen macht?
    - Komplimente über das Äußere: kommt darauf an, welche es sind. "Du bist eine schöne Frau/ein gutaussehender Mann" ist sicher keine Belästigung, aber "Geile Titten, ey/geiler Arsch/boah, hast du viel in der Hose" finde ich nun unangebracht. Das ist schlicht unhöflich. Vielleicht nicht mal chauvinistisch (je nachdem, von wem es kommt - wenn es der Chef/die Chefin ist, die ein solches "Kompliment" macht, dann kann da schon Geringschätzung dahinterstecken), aber pubertär.
    - das Aufhängen erotischer Kalender am Arbeitsplatz: in einer Werkstatt ok, in einem Großraumbüro mit hauptsächlich Frauen als "Besatzung" dämlich. Ich würde den Kalender vielleicht abhängen, bzw. demjenigen, der ihn aufgehängt hat, auf den Platz legen. Je nachdem, wie "erotisch" die Bilder sind. Wenn es nur hübsche Frauen in ästhetischen (!) Posen sind, fände ich es natürlich weniger schlimm, als wenn es Pornostars sind, die mit gespreizten Beinen ohne Unterhöschen und vielleicht auch noch Vibrator, den sie an die Geschlechtsteile halten, dasitzen. So etwas will ich auf meinem Arbeitsplatz nicht sehen. Ich würde ja auch in einem gemischten Büro keinen Kalender mit männlichen Pornostars aufhängen, die eine Erektion haben.
    - sich selbst in Gegenwart der anderen Person anfassen - strafbar, und zu Recht. Es ist außerdem eine krankhafte Handlung.
    - sich in Gegenwart der anderen Person nicht all zu bedeckt kleiden: wieso sollte das denn eine Belästigung sein? Sollen vielleicht auch alle Leute am Strand einen Burkini tragen?
    - eine andere Person anfassen, vorzugsweise der Klapps auf den Hintern oder Berührungen im Brustbereich: Belästigung. Jeder hat das Recht darauf, in Ruhe gelassen und nicht angetatscht zu werden. Erst recht nicht in der Nähe der Geschlechtsorgane oder direkt auf den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Als Mann im Brustbereich angefasst zu werden ist wohl weniger schlimm, aber ich finde es eigentlich auch nicht in Ordnung, einen Mann dort zu begrabschen. Man fasst Fremde nicht ungefragt an. Eigentlich nicht mal an den Händen/Schultern.

    Und zu den beschriebenen Situationen:
    Ich finde beide dämlich, und zweitere ist belästigend. Man fasst einer fremden Person nicht an den Hintern. An die Schulter, den Oberarm, die Hand, ok. Wenn der Sache ein Flirt vorausgegangen ist. Aber nicht an den Po.
    Erstere ist keine Belästigung aber kindisch in hohem Maße. Ich hoffe, dass nicht der/diejenige, der/die am Steuer sitzt, diese Worte gegröhlt hat, da wohl niemand so redet, der nicht entweder besoffen oder unter 17 ist.

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    1. @Anonym: Ich finde Deine Ansichten sehr vernünftig. Und auch wenn Deine eine Frage nicht an mich ging:

      > Ist es eigentlich schon feministisch/bitter, wenn man einen Menschen unsympathisch/eklig findet, der ungefragt anzügliche Bemerkungen macht?

      ... und ich eher Antifeminist bin, würde ich da ganz klar "nein" sagen. Es ist voll normal, bestimmte Menschen aufgrund bestimmter Verhaltensweisen unsympathisch oder eklig zu finden. Ich könnte jetzt spontan nicht einmal sagen, was ich von jemandem hielte, der _gefragt_ anzügliche Bemerkungen macht (wenn das jetzt außerhalb einer konkreten erotischen Situation stattfindet). Oder vom Fragenden.

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    2. @anonym:
      "Ich würde ja auch in einem gemischten Büro keinen Kalender mit männlichen Pornostars aufhängen, die eine Erektion haben."

      Wo gibt's denn so etwas zu kaufen, das wäre mal was für mein Büro ;)

      "Erstere ist keine Belästigung aber kindisch in hohem Maße. Ich hoffe, dass nicht der/diejenige, der/die am Steuer sitzt, diese Worte gegröhlt hat, da wohl niemand so redet, der nicht entweder besoffen oder unter 17 ist."

      Ja, kindisch vielleicht, aber was ist daran schlimm, wenn Erwachsene auch mal kindisch sind, ohne alkoholisiert zu sein. Meiner Meinung nach sollte ruhig jeder mal ein bisschen kindisch sein...
      Die Frage ging hier in erster Linie um Belästigung, die du mit nein beantwortet hat.

      "Ist es eigentlich schon feministisch/bitter, wenn man einen Menschen unsympathisch/eklig findet, der ungefragt anzügliche Bemerkungen macht?"

      Warum sollte es? Jeder hau das Recht, seine Umgebung unsympathisch zu finden! Niemand muss es gefallen, gewisse Bemerkungen zu bekommen. Die Frage ist nur, kann oder sollte es dem anderen verboten werden, diese zu machen oder kam man damit leben so etwas einfach unsympathisch bzw. eklig zu finden?

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  3. In meinen Augen ist Situation 1 in keinster Weise Belästigung. Durch das Runterkurbeln des Fensters signalisiert die andere Seite eindeutig eine Bereitschaft angesprochen zu werden. es wird ja wohl keiner glauben, dass nach diesen eindeutigen Zeichen (wie Kussmund etc.) nach dem Weg gefragt wird.

    Situation 2 ist kritisch. Hier kommt es doch sehr darauf an, wie viel vorher geflirtet wurde, und wie sicher ich sein kann, dass auch wirklich ich gemeint war. Nach längerem "Vorspiel" fände ICH so ein deutliches Zeichen von einer Frau total super. Ich würde es mir umgekehrt alledings eher verkneifen. Da würde ich die Frau vorher erst mal ansprechen. Denn nur weil jemand ein bisschen mit mir flirtet heißt das noch lange nicht, dass ich in irgendeiner Wiese mehr will. Trotz allem fände ich es schmeichelhaft und käme mir nicht "vergewaltigt" vor.

    Ich fand es auch schmeichelhaft als mir in einer Schwulenbar auf den Arsch gehauen wurde, obwohl ich absolut hetero bin. Kenne aber auch genug Männer die da extrem empfindlich drauf reagieren bzw. reagieren würden (und deshalb nicht in eine Schwulenbar gehen).

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    1. @anonym:
      "Nach längerem "Vorspiel" fände ICH so ein deutliches Zeichen von einer Frau total super. Ich würde es mir umgekehrt alledings eher verkneifen. Da würde ich die Frau vorher erst mal ansprechen. Denn nur weil jemand ein bisschen mit mir flirtet heißt das noch lange nicht, dass ich in irgendeiner Wiese mehr will. Trotz allem fände ich es schmeichelhaft und käme mir nicht "vergewaltigt" vor."

      Warum diese Unterschiedliche Bewertung? Warum würdest du dir bei anderen verkneifen, was du selbst als total super von einer Frau finden wirst?
      Bist du generell der Meinung, daß Frauen sich hier mehr erlauben können als Männer?

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  4. Ich glaube, dass sich Frauen sexuell eindeutiger gegenüber Männern verhalten können, weil Männer diese Art der "Belästigung" positiver aufnehmen. Ob das daran liegt, dass das gesellschaftlich eher akzeptiert wird,oder biologisch begründet durch einen durchschnittlich höheren Sextrieb von Männern ist, oder einfach daran liegt dass Männer das schlichtweg seltener passiert, so dass Sie das weniger als Belästigung empfinden kann ich dir nicht sagen.

    Dabei geht es aber nur um die Reaktion des "betroffenen" Manns. Was nicht heißt, dass das allgemein gesellschaftlich toleriert wird. Ich glaube dass Frauen allgemein eher mit Stigmata wie "Schlampe" etc. rechnen müssen. Aber sie müssen nicht mit Ohrfeigen oder anderen direkten "Konsequenzen" rechnen.

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