Samstag, 26. Juli 2014

Wir sind Weltmeister!


Ja, ich bin etwas spät dran, möchte aber doch noch etwas dazu sagten. Das finale  Fußballspiel habe ich tatsächlich auch gesehen. Gemeinsam mit Freunden in der Kneipe eines guten Kumpels in Brixen. Zuvor hatte ich nur wenig Aufmerksamkeit der WM geschenkt, da ich selbst gar keinen Fernseher habe. Aber wenn wir deutschen im Finale stehen, darf man das ja nicht verpassen!

Was ich persönlich interessant finde bezüglich des Fanverhaltens: Südtirol scheint beim Fußball tatsächlich zweigeteilt, viele Südtiroler stehen zu der deutschen Fußballmannschaft, aber auch wiederum viele zu den Italienern. Als ich beispielsweise am Montag auf Arbeit fröhlich zu meinem Arbeitskollegen sagte: "Ich bin Weltmeister!" antwortete dieser mit. "Scheiß Piefke!", ich grinste nur. Wusste ich doch zu gut, dass er bei der WM den Italienern die Daumen gedrückt hatte.
Dank des deutschen Sieges, habe ich in der Nacht nur 1,5 Stunden geschlafen. Sowas muss schließlich gefeiert werden - und das haben wir: Mit bestimmt über 100 mit deutschen Flaggen geschmückten Wagen und lautem Hupen ging es im Autokorso durch ganz Brixen. Auf dem Domplatz kam es schließlich nochmal zu einem kleinem Stopp bei dem man laute Gesänge wie "Oh wie ist das schön..." anstimmte.
Ich war ehrlich erstaunt wie viele Fans der deutschen Mannschaft es doch in Südtirol gibt.

Aber da kam mir die Überlegung wie passt denn das zu dem Thema, dass die Fahne in Zusammenhang mit der WM ein Ausdruck von Nationalismus sei? Hier waren hunderte oder tausende Menschen, die die deutsche Fussballnationalmannschaft unterstützen mit italienischer Staatsbürgerschaft in Italien. Wie passt das Argument mit dem Zufall der Geburt und den willkürlichen Grenzen der Nationen? Südtirol hat eine Deutsche Kultur mit italienischem Einfluss. Die Sprache der Südtiroler ist deutsch. Es ist also kein Wunder, dass viele Südtiroler sich irgendwie auch mit Deutschland oder Österreich verbunden fühlen. Und das ganz ohne irgendwelche Grenzen verändern zu wollen (gilt leider nicht für alle). Gerade im Fußball zeigt sich das nicht nur zur WM es gibt hier beispielsweise relativ große Fanclubs vom FC  Bayern oder von Borussia Dortmund und das obwohl Dortmund fast 900km entfernt ist.
Also eigentlich war die Feier des WM Siegs eine große Feier für die Mannschaft, die man mag und das egal, ob man nun deutscher Staatsbürger ist oder nicht...

Leider hat der Vizebürgermeister von Brixen nun Strafen angekündigt für alle, die mit dem Auto auf dem Domplatz waren. Ich bin gespannt, mein Auto fährt momentan nicht, aber drei Freunde wären betroffen.
Leider entwickelt sich das in den Medien wieder zu einem Gegeneinander von Südtiroler gegen Italiener. Schnell wurden Stimmen laut, dass dies nur bei den Fans der deutschen Mannschaft so sei und die Italiener im Jahr 2006 eigentlich viel schlimmer waren. Vor allem wären bei denjenigen viele italienische Faschisten, die rassistische Äußerungen gegenüber Südtirolern gemacht hätten, was nicht geahndet wurde. Um dies zu verstehen, sollte man den Hintergrund wissen, dass Brixens Vizebürgermeister der italienischen Volksgruppe angehört. Und ganz ehrlich, wegen ein paar Faschisten sollte man nicht die ganzen italienischen Fans verteufeln, die friedlich gefeiert haben. Genauso wie auch unter den deutschen Fans dieses Jahr eine Gruppe Neonazis waren. Diese meinten schließlich "Deutschland über alles..." anstimmen zu müssen. Und obwohl ich das Lied und die ursprüngliche Intention von Hoffmann von Fallersleben mag, war mir doch etwas mulmig, da ich genau wusste, mit welcher Intention besagte Personen dies sangen.
Aber eigentlich soll es hier ja um die WM und die fröhliche Feier gehen. Also wir hatten eine großartige Party bis spät in die Nacht und ich freue mich schon auf die EM in zwei Jahren!

Kommentare:

  1. Ich habe letztens auch etwas zu dem "Nazi-Aufschrei" während der WM geschrieben, es regt mich richtig auf! In Berlin ist es so, dass wenn man eine Flagge oder ein Trikot trägt, man von Dtl-Hassern angemacht wird, selbst wenn man ausländische Wurzeln hat (z.B. asiatische). Das ist immer das absurdeste überhaupt...
    LG

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    1. Soweit ist es hier zum Glück nicht. Deutschlandhass ist hier nicht so akzeptiert wie beispielsweise in Berlin. Schließlich ist das ja auch Ausland. Und wer Deutsche beschimpft, weil sie deutsch sind ist, ist meist ein Faschist.
      Habe das aber aus Deutschland am Rande auch mitbekommen... echt traurig sowas.

      Liebe Grüße,
      Miria

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    2. In Ost-Berlin ist es besonders schlimm... Traurig, die Leute, die sich nur über ihren Selbsthass definieren können. Während die Türken aus dem Café um die Ecke bei uns mir, wenn ich ein Dtl-Shirt trug, zuriefen: "Wir gewinnen heute!!", verdrehten die ganzen netten jungen politisch-korrekten Leute die Augen.
      Ich erinnere mich an ein Dach in Friedrichshain, wo dick draufstand "Deutschland verrecke". Na ja, zumindest klingt "verrecken" als Wort sehr dramatisch *hust*
      Ich glaube, nur wir Ausländer lieben Deutschland *lol*

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  2. Hey hey!
    Ich wollte dir nur kurz sagen, dass ich dich für den "Liebster Award" nominiert habe und mich echt freuen würde, wenn du mitmachst ;D
    Hier der Link:
    http://undefiniertesrosa.blogspot.de/2014/09/liebster-award.html
    Liebe Grüße
    Alexandra-Anna
    PS: Ich weiß, dein Blog deckt eher ernstere und wichtige Themen ab, aber ich dachte, ich schreibe dich auch deswegen mal an ;)
    Ich kommentiere hier, weil ich noch nicht dazu kam, deine neueren Einträge zu lesen und ich wollte da nicht einfach was reinkleben, ohne, dass ich mich mit dem Inhalt des Posts auseinandergesetzt habe!

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    1. Das ist total lieb von dir! Vielen Dank! :*

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