Samstag, 12. April 2014

Nur Freundschaft - zwischen Mann und Frau


Ich habe manchmal den Eindruck, so manch einer hält es für unmöglich, dass zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts einfach so gut miteinander befreundet sind. Meist wird davon ausgegangen, dass sich bei einem der beiden mehr entwickeln wird. Ausnahme davon natürlich, wenn einer der beiden homosexuell ist. Wer kennt schließlich nicht das Klischee vom besten schwulen Freund, mit dem man all die Dinge machen kann, auf die Männer normalerweise keine Lust haben wie z.B. shppen gehen oder über andere lästern...
Ich möchte hier kurz von mir und meinen Erfahrungen mit dem Thema erzählen. Und mich selbst interessiert dabei brennend, wie das bei hetero- oder homosexuellen Menschen ist! Ob die das Gegenüber vielleicht anders wahrnehmen, einordnen, kategorisieren?
Zunächst habe ich als bisexueller Mensch die größere Auswahl an potentiellen Partnern, da nicht die Hälfte der Menschheit von vornherein rausfällt. Andererseits gibt es genug Menschen, die ich einfach von Charakter her mag und nie als mögliche Beziehungs- oder Sexualpartner wahrgenommen habe. Natürlich weiß ich auch, ob die Person Mann oder Frau ist, aber das ist mir bei Freunden völlig egal. Aufgefallen ist mir diese andere Wahrnehmung erst als ein guter Freund plötzlich eine Freundin hatte. Komischerweise habe ich da zum ersten Mal bemerkt, dass er ja auch ein Mann ist und nicht nur Person xy. Ist vermutlich schwer zu erklären, wie ich das meine...
Auch habe ich einen sehr tollen Freund, zu dem ich letztens sogar gesagt habe: "Du bist wie mein bester schwuler Freund, nur dass Du nicht schwul bist!" Er hat das glücklicherweise genau so verstanden wie es gemeint war und fand's lustig. Mit ihm kann ich über alle meine Männergeschichten und sonstige Probleme reden, aber ich würde nie auf die Idee kommen irgendwas mit ihm anzufangen.
Dass man auch in gute Freunde verliebt, kann natürlich passieren, muss aber nicht. Und ja, das ist mir auch schon passiert und wir haben uns sogar geküsst. Kurze Zeit später allerdings haben wir uns zerstritten und seitdem nichts mehr miteinander zu tun. Immernoch wenn mir zufällig ein Foto von ihr oder uns zusammen in die Hände fällt, vermisse ich sie. Aber vielleicht ist es so besser - vermutlich wäre aus und sowieso nichts geworden...
Ob bei mir Freundschaft einfach nur Freundschaft ist oder einer sich verliebt, hat bei mir nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit der Persönlichkeit, dem Charakter.
Aber ich weiß nicht wie das bei Heteros ist. Vielleicht nimmt man da das andere Geschlecht wirklich irgendwie anders wahr als das eigene. Gerade Männern wird ja gerne unterstellt, dass sie an Frauen häufig sexuelles Interesse haben.
Vielleicht daher der Mythos, dass Männer und Frauen nicht einfach nur gute Freunde sein können.

P.s. Das Thema "Freundschaft Plus" ist meiner Meinung nach nochmal eine andere Geschichte und würde hier den Rahmen sprengen.

Kommentare:

  1. "Ich habe manchmal den Eindruck, so manch einer hält es für unmöglich, dass zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts einfach so gut miteinander befreundet sind."

    Ich meine, diese These auch schon von Männern gehört zu haben, erinnere mich in letzter Zeit jedoch eher an Frauen, die darüber geklagt haben.

    "Wer kennt schließlich nicht das Klischee vom besten schwulen Freund, mit dem man all die Dinge machen kann, auf die Männer normalerweise keine Lust haben wie z.B. shppen gehen oder über andere lästern..."

    In diesem Zusammenhang die Sicht des homosexuellen Adrian:
    "Mit Frauen z. B. kann man toll shoppen gehen, man kann wunderbar im Café sitzen um beim Latte Macchiatto über Männer und Mode zu tratschen, ja es macht sogar Spaß, sich über den unmöglich designten Schuhmodellen der diesjährigen Saison auszulassen. Das mag alles reichlich klischeehaft klingen, aber ich komme nicht drumherum mir einzugestehen, dass sich meine Kontaktebenen mit Frauen – im Großen und Ganzen – eben auf diese Dinge reduzieren lassen. Will ich über Politik reden, über Wissenschaft, über Wirtschaft, unterhalte ich mich eher mit Männern, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass viel Frauen solche Themen – von Ausnahmen abgesehen – schlicht und einfach weniger interessieren."

    "Und mich selbst interessiert dabei brennend, wie das bei hetero- oder homosexuellen Menschen ist!"

    Steile These: In zweierlei Hinsicht ist Freundschaft für einen Mann das, was Sex für eine Frau ist. Das kann man recht einfach bekommen. Und es nervt, wenn das andere Geschlecht "immer nur das eine will".

    Selbst Männer, die völlig erfolglos bei Frauen sind, haben einige sehr gute Freunde. Es ist für sie auch kein Aufwand, weibliche Freunde zu haben. Freundschaft ist wichtig, aber kein Ziel, das man mühsam erreichen muss. Das schafft man auch so. Daher konzentriert man sich auf das, was weniger leicht zu bekommen ist.

    Es ist für einen Mann verletzend und erniedrigend, wenn er grundsätzlich "nur als Freund" wahrgenommen wird, was gleichbedeutend ist mit "sexuell unattraktiv". Eine gewisse Menge an weiblichen Freunden ist kein Problem; zum Problem wird es erst, wenn nur noch das stattfindet.

    Es ist spiegelbildlich wie bei einer Frau, die eine Beziehung sucht, aber anscheinend "nur für Sex" gut ist. Darum sind viele Männer enttäuscht, wenn die Frau "nur Freundschaft" anbietet, weil sie auf das knappere Gut "Sex (und Partnerschaft)" gehofft haben und Freundschaft in dem Sinne nichts Besonderes ist, in deren Erlangung man viel Aufwand stecken muss.

    P.S.: Würg! Ich muss Cookies von Drittanbietern akzeptieren, um kommentieren zu können.

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    1. Finde deine These ziemlich interessant und glaube, dass da vielleicht was dran ist. Da mir dazu aber einiges einfällt, werde ich dem evtl. mal einen Artikel widmen.

      Ps. Keine Ahnung, warum, ob und wie ich das ändern kann...

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  2. Ich bin weiblich und heterosexuell, habe weibliche und männliche Freunde (wobei unter den engeren Freunden eher weibliche Freunde sind), ich finde einige meiner männlichen Freunde sexuell attraktiv (aber nicht alle), aber sie stellen keine potentiellen Sexualpartner für mich dar. Ich habe einen Partner und ich wüsste nicht, wieso ich mit jemand anderem wie z.B. einem Freund was anfangen sollte.
    Ich weiß aber jetzt nicht, ob meine Meinung so sehr was damit zu tun hat, dass ich heterosexuell bin, sondern eher damit, dass ich bei einer funktionierenden Partnerschaft kein Bedürfnis habe, eine neue/weitere Beziehung mit einem Mann einzugehen.

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  3. Bei mir ist Freundschaft mit einem Heteromann definitiv drin. Aber ich bin auch seit einer Ewigkeit vergeben und liebe meinen Partner sehr.
    Keine Ahnung, ob ich wenn ich single wäre mit einem Mann befreundet sein könnte, wenn ich diesen attraktiv und anziehend finde. Wahrscheinlich eher schwer, denn das Einzige, das bei mir zwischen Freundschaft und Liebe steht, ist nun mal die körperliche Anziehung.
    In meine Freunde "verliebe" ich mich auch - eben platonisch. Ich finde sie auch anziehend, nur eben eher ihren Geist, ihre Persönlichkeit. Wenn zu dieser Persönlichkeit noch ein für mich sexuell anziehender Körper kommt, dann bin ich sehr schnell verliebt. Und das passiert mir eben wenn, dann nur bei Männern, da ich hetero bin. Aber nachdem ich ja wie gesagt seit langem glücklich vergeben bin, sehe ich andere Männer ebenso wenig wie sexuelle Wesen, wie Frauen, und somit mache ich überhaupt keinen Unterschied.

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