Dienstag, 18. Februar 2014

Option - Spuren der Erinnerung

Vor paar Tagen war ich im Stadttheater Bozen bei der Premiere der Vorstellung "Option - Spuren der Erinnerung", eine Kombination aus Schauspiel und Berichten von Zeitzeugen, teilweise direkt auf der Bühne, teilweise über Videoeinblendungen. Bisher wusste ich zwar, was die Option ist und was geschichtlich los war, aber die Berichte von den Menschen, die direkt dabei waren, waren sehr berührend und trieben einem teilweise die Tränen in die Augen.
Für alle, die nicht wissen, was damals passiert ist, hier ein kurzer Überblick: Im Zuge des Einmarsch der Deutschen in Österreich im Jahr 1938 kam auch bei der Südtiroler Bevölkerung eine Hoffnung auf die baldige "Befreiung" Südtirols durch Hitler. Doch im Jahr 1939 wird die Südtirolfrage geklärt, indem eine Umsiedlung der Südtiroler in das Deutsche Reich und im Zuge dessen die Italienisierung Südtirols zwischen Italien und Deutschland vereinbart wird. Dies ist der Beschluss der Option. Bis zum Ende des Jahres 1939 müssen die Südtiroler sich entscheiden, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und in das Deutsche Reich umsiedeln wollen oder bleiben und damit ihre Kultur und auch ihre Sprache aufgeben. Die Gesellschaft spaltet sich, teilweise entzweien sich ganze Familien. Jede Seite hält die andere für Verräter: die einen verraten ihre Heimat, die anderen ihre Kultur und ihr deutsches Volk.
Was die Menschen damals erlebten, wie Freundschaften und Familien daran zerbrachen und einem Südtiroler die Kenntnisse der italienischen Sprache das Leben retteten, all das erfährt man in der Vorstellung von den Beteiligten Personen selbst.
Nach Beendigung des Krieges sind viele wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Und zum Abschluss des Stückes ist genau das Thema: was bedeutet eigentlich Heimat?

Hierzu gab es viele Zitate aus Briefen und Überlegungen der Optanten. Wer jahrzehntelang in Deutschland oder Österreich gelebt hat und dann nach Südtirol zurückgekehrt, wo ist dessen Heimat? Heimat ist dort, wo man sich wohl fühlt. Heimat bedeutet die eigene Sprache und Kultur. Heimat heißt Freunde und Zuhause. Ein Mensch kann durchaus mehr als nur eine Heimat haben. All diese Überlegungen haben mich zum nachdenken gebracht und auch persönlich berührt, da ich -auch wenn ich erst kurz hier bin- meine Heimat und mein Zuhause in Südtirol gefunden habe. Südtirol ist in meinem Herzen, aber trotzdem ist auch mein kleines Dorf in Deutschland für mich Heimat.
Ich bin froh für alle Menschen, dass in Südtirol mittlerweile eine großartige Autonomie existiert und die Menschen friedlich zusammenleben können. Keiner muss sich mehr verstecken, weil er deutsch spricht, es gibt offizielle deutsche Schulen statt geheim, illegal und bedroht in irgendwelchen Katakomben. Aber man merkt, dass viele die Geschichte nicht vergessen haben und auch heute schnell Italienisierung befürchten, beispielsweise wenn es um die Einführung zweisprachiger Schulen geht.
Ich glaube, jetzt habe ich schon mehr in diesen Text gepackt als ursprünglich geplant. Zum Abschluss kann ich nur jedem empfehlen, der in nächster Zeit in Südtirol in der Nähe von Bozen ist, sich das Stück anzusehen, um so ein Teil Südtiroler Geschichte hautnah erleben zu können!

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