Dienstag, 28. Januar 2014

Südtirol und rechts

Seit gut zwei Monaten lebe ich jetzt in Südtirol und mein Bild aus Deutschland bzw. meinem kleinen Heimatort in Deutschland bezüglich der Existenz von Rassismus oder Rechten wurde ganz schön angekratzt. Für mich war es immer normal, dass ich jeden Menschen gleich behandel, egal wie er aussieht oder wo er herkommt. Ich unterscheide alleine aufgrund des Charakters. Aber ich bin in einem Ort aufgewachsen, wo ich als Deutsche eine von vielen Nationalitäten war und nicht in der Mehrheit, ein Großteil meiner Freunde hat einen Migrationshintergrund.
Hier sieht die Sache anders aus: es gibt weit weniger Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund als daheim. Und ich bin selbst ein Mensch, der wie ich vielleicht schon mal schrieb nicht übertrieben schnell Rassismus sieht, aber hier habe ich schon so viel in die Richtung gesehen und gehört wir in Deutschland in den letzten 25 Jahren nicht. Traurig macht mich dabei, das gewisse Aussagen von Freunden kommen, die ich wirklich sehr gerne mag. Aussagen wie: Die Italiener sind nicht unser Problem. Das Problem sind die Ausländer. Und mit Ausländer meine ich die Albaner und Pakistaner und nicht Deutsche oder Österreicher (dieser Zusatz kam, als ich erwähnte, dass ich als Deutsche hier ja auch Ausländerin bin).
Hier gibt es lange nicht so viele Albaner wie in meinem Heimatort und ein Problem gab's da nie. Eine meiner besten Freundinnen ist Albanerin!
Erschreckend ist es auch, wenn ich gewisse rechtsradikale Tättowierungen an Freunden sehe, die diese zwar laut eigener Aussage betreuen, aber noch nicht haben überstechen lassen. Wenn ich meine Einstellung wirklich geändert habe, warum trage ich dann immernoch die Reichsflagge unter der Haut?
Dann gibt es da noch eine Lehrerin die gegenüber ihren Schülern erklärt, man könne die Juden an ihrer Nase von anderen unterscheiden und des Weiteren seien Juden überdurchschnittlich intelligent.
All das macht mich echt ein wenig traurig und ich bin erst seit zwei Monaten hier!
In Deutschland ist der Pegel meiner Meinung nach teilweise schon zu weit in die andere Richtung geschlagen und man ist überempfindlich, aber hier ist man definitiv nicht empfindlich genug! Und während ich das schreibe wundere ich mich noch selbst über meine eigenen Worte...

1 Kommentar:

  1. Ich weiß nicht, ob Du Deine Meinung mittlerweile geändert hast!??
    Ich habe zwei Nationalitäten, nämlich die deutsche und die italienische (Südtirol). Das was Du schreibst verstehe ich sehr gut, aber ich möchte es gerne relativieren.

    Ich lebe in Deutschland (NRW) und bin immer nur ein paar Wochen in Bozen.
    Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt meine Sichtweise umzuschalten, wenn ich nach Bozen komme. Südtirol ist nicht Deutschland und hat auch daher nicht die deutsche Geschichte.
    In den ersten Tagen fällt mir das was Du schreibst auch immer auf. Auf den ersten Blick sieht es auch so aus, weil ich als Deutscher eine völlig andere Sichweise habe. Auf den zweiten Blick sehe ich es in der Sichtweise als Südtiroler. Südtiroler sind nicht ausländerfeindlicher als Deutsche. Möglicherweise sogar weniger. Die Art damit umzugehen ist eben völlig anders. In Südtirol herrscht noch nicht ein so extreme verbale political correctness, allerdings sehr wohl eine im nicht verbalen Umgang. Ich als Deutscher bin aber gerade auf das verbale stark sensibilisiert. Es liegt vielleicht auch daran, dass in Südtirol eben fast flächendeckend deutsch gesprochen wird.
    Sprichst Du italienisch? Auf italienisch hört sich das auch wieder anders an. Die restlichen Italiener sehen die Südtiroler sich gegenüber als "ausländerfeindlich" (Südtirol - Italien) an, aber nicht den anderen Ausländern gegenüber.

    Jenachdem wo Du in Südtirol bist ist der Anteil mit sichtbaren Migrationshintergrund ähnlich hoch, wie zum Beispiel in NRW. Mein Eindruck ist allerdings, daß sich viel schneller ändert. Einige Nationalitäten sind für wenige Jahre da und verschwinden dann plötzlich wieder. Vor 15 Jahren waren es die Albaner, dann die Nigerianer, dann die Peruaner und jetzt die Pakistanis.

    AntwortenLöschen