Samstag, 28. September 2013

#nudelnmitketchup und Klassismus

Habe gerade bei Robin diesen Artikel entdeckt, indem sie über das inzwischen sehr verbreitete Hashtag #nudelnmitkechup, welches das Thema Klassismus aufgreift, und seine Entstehung. (Robin war unmittelbar daran beteiligt).
Durchgewühlt durch Twitter und einigen Artikeln zum Thema, Idee für diesen Text gehabt. Irgendwie brachten mich die vielen unterschiedlichen Posts und Meinungen auf Twitter so wie auch Artikel zum Thema Klassismus auf verschiedene Gedanken, die ich jetzt mal versuche etwas zu strukturieren:

  1. Leute aus verschiedenen Welten scheinen andere Sprachen zu sprechen und sich nicht zu verstehen - aneinander vorbeireden.
  2. Was bedeutet Luxus - wer ist reich?
  3. Klassismus ist nicht zwangsweise vom Geld abhängig, sondern kann auch Leute treffen, die evtl. genug Geld, dafür aber geringe Bildung oder Migrationshintergrund haben.

Im ersten Moment scheinen das vielleicht drei völlig unterschiedliche Themen zu sein, aber alles hängt zusammen mit Klassismus.

Zu 1. aneinander vorbei reden
Tweets, die darüber berichten, wie wenig manche Menschen zu Verfügung haben und dass andere im Umfeld keine Rücksicht nehmen. Ausgehen müssen, um soziale Kontakte zu erhalten beispielsweise. Und dann Kommentare wie „weniger rauchen und saufen, dann muss man auch nicht nur nudelnmitketchup essen“.
Da ist bestimmt was Wahres dran. Wenn ich rauchen oder übermäßig viel Alkohol trinken würde, so könnte ich mir vermutlich gewisse andere Dinge, die mir mehr bedeuten nicht mehr leisten. Aber sollte es nicht jedem Menschen selbst überlassen sein, wofür er sein, wenn auch weniges, Geld ausgibt? Wird das Rauchen oder Trinken denjenigen auch vorgeworfen, die nur so mit Geld um sich schmeißen, weil sie es von ihren Eltern in den Arsch gesteckt bekommen?
Kann es wirklich sein, dass die Menschen aus verschiedenen Welten sich einfach nicht verstehen. Dass es da Menschen gibt, die denken, arme Leute sind immer und überall selbst schuld an ihrer Armut und können nicht mit Geld umgehen. Während sie selbst an einem Abend mehrere hundert Euro versaufen? Merken die einfach nicht, wie es für manche Menschen wirklich aussieht? Und dann die Leute, die sich darüber beklagen, dass Bafög nicht elternunabhängig gezahlt wird… damit das reiche Anwaltssönchen noch ein paar hundert Euro mehr im Monat hat?!
Das führt mich gleich zum Thema 2

Zu 2. Was ist eigentlich Luxus und wann ist jemand reich?
Ich selbst bin definitiv nicht reich, verdiene mit meinem Nebenjob aber soviel, dass ich davon ohne Probleme leben und mir auch mal was gönnen kann. Aber wie bereits gesagt, ich rauche nicht und gehe wenig weg - lebe schon sparsam, um mir gewisse andere Dinge leisten zu können.
In einigen Bereichen lege ich Wert auf Qualität, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass es häufig auf die Dauer günstiger ist, ein Kleid beispielsweise für 70 oder 80 Euro zu kaufen als eins für 10 Euro, welches nach ein paar Wochen bereits durch ein neues ersetzt werden muss, da es sich auflöst. Andere wundern sich und denken, das ist Luxus und ich müsste reich sein, da meine Kleidung gut ist, meine Wohnung groß (ein Freund von mir meinte, seine Wohnung sei so groß wie mein Wohnzimmer) und meine Hobbies Segelfliegen und Theaterbesuche. Aber all das kann ich mir nur leisten, da ich auf den Luxus verzichte, jedes Wochenende Feiern zu gehen oder zu Rauchen. Und natürlich, da ich viel arbeite.
Wirklicher Luxus wäre es, nicht bei jedem Einkauf darüber nachdenken zu müssen, ob ich mir vielleicht noch eine Kleinigkeit gönnen könnte, nicht beim Weggehen darüber nachzudenken, höchstens ein oder zwei Getränke zu trinken. Nicht Überlegen zu müssen, ob ich meine Freundin besuchen kann oder den Sprit für die Fahrt zur Arbeit benötige.
Reich ist jemand, der sich darüber keine Gedanken machen muss.

Zu 3. Klassismus geht nicht nur materiell
In manchen Familien, in manchen Elternhäusern ist ein Besuch im Theater normal, es wird viel gelesen und über allgemeine Themen wie Gesellschaft und Politik diskutiert. In anderen Familien gibt’s rtl als abendfüllendes Programm. Egal, wie unterschiedlich oder gleich später die finanziellen Möglichkeiten der Kinder sind, was Allgemeinbildung angeht, bietet das erste Elternhaus eindeutig Vorteile. Auch dadurch und dass man weiß, wie man sich in welcher Gesellschaft verhält und worüber man reden kann, wird man viel leichter Fuß fassen, Netze und Verbindungen knüpfen können, die wiederum von Vorteil sind.
Wer sich unangemessen verhält (vielleicht ohne Kenntnis davon) oder gewisse Fachsprache nicht versteht, wird leicht ausgegrenzt. Dies kann natürlich einerseits durch ein weniger gebildetes Elternhaus als auch durch einen Migrationshintergrund der Fall sein. Jemand der noch nicht lange in Deutschland ist, die Sprache evtl. noch nicht so gut beherrscht, hat die gleichen Problem auch wenn er sonst noch so gebildet ist. 
Villeicht sollte man bei der Diskussion um Klassismus nicht nur den materiellen Faktor berücksichtigen, sondern auch beispielsweise Bildung.

Gibt’s jetzt noch ein Fazit?
Irgendwie nicht - oder vielleicht doch… Jeder sieht die Situation aus seiner Perspektive und man sollte auch mal nicht so hart sein, wenn man sich aufgrund verwendeter Fachtermini ausgegrenzt fühlt. Vielleicht ist das nicht beabsichtigt und der anderen Person ist gar nicht bewusst, dass sie sich gerade eines ausgrenzenden Fachterminus bedient.
Andererseits solle alle Menschen auch versuchen nicht durch Sprache Menschen auszugrenzen, die einen anderen Bildungshintergrund haben. Keine sprachlich elitären Kreise bilden. Keine Bemerkungen a la: gib dein Geld doch für andere Dinge aus und anderen Menschen gehts noch viel schlechter.
Und mal öfter über den eigenen Tellerrand schauen schadet gewiss auch keinem!

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