Dienstag, 23. Juli 2013

Frei.Wild Gipfelsturm

Ich hatte ein sehr schönes Wochenende In Südtirol. Besuch in Brixen, zelten an der Plose direkt unter der Seilbahn, Nachtwanderung, Konzert beim Sonnenaufgang am Gipfelkreuz des Gablers auf 2576m Höhe und gemeinsames Singen am Lagerfeuer. Selbst ein wenig Schnee lag oben auf dem Berg und das im Juli.


Bereits Donnerstagnacht ging es los Richtung Südtirol. Um ein Uhr haben wir uns getroffen, alles schnell ins Auto eingeladen und uns auf den Weg gemacht. Nach vielen Stunden Fahrt auf der einige Baustellen und Staus uns die Nerven raubten, kamen wir dann endlich in Brixen am Treffpunkt, dem Rookies & Kings Store, an. Und von da ging es dann hoch zum Zeltlager. Zelte aufbauen, ein wenig bei kühlen Getränken entspannen (was auch echt nötig war bei den heißen Temperaturen) und dann überraschte uns leider ein heftiges Gewitter. Einige Zelte und Schlafplätze verwandelten sich in reinste Schwimmbecken und der Wanderweg über den Platz wurde zum reißenden Bach. Glücklicherweise war das Spektakel nach ca. einer Stunde vorbei und die Sonne kam erneut zum Vorschein.
Zum Abendessen gab es selbstgemachte (nein, nicht von mir, sondern von sehr tollen und freundlichen Leuten aus der Trametschhütte an der Plose) Knödel und Rindsgulasch. Wirklich sehr lecker.
Anschließend versuchte ich ein wenig zu schlafen, was mir leider aufgrund lauter Musik und Menschen nicht gut gelungen ist. Um Mitternacht sollte bereits das Highlight des Wochenendes starten: eine Nachtwanderung zum Gipfelkreuz mit dortigem unplugged Konzert von Frei.Wild.
Mitten in der Nacht machten sich dann knapp 300 Leute auf den Weg zum Gipfel. Zuvor gab es noch Kuchen und es wurden Lunchpakete für das Frühstück am Gipfel verteilt. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass es auf der Höhe und um die Uhrzeit sehr kalt ist und man sich winterlich warm anziehen sollte, was einige leider dennoch nicht ernst nahmen.
Der erste Schritt war die Fahrt mit der Plosebahn, mit deren Hilfe wir bereits 1000 Höhenmeter überwanden. Die Seilbahn wurde extra für unsere Veranstaltung mitten in der Nacht in Betrieb genommen und brachte alle auf ca. 2000m Höhe. Und dann ging eine mehrstündigeWanderung los. Jeder hatte zuvor eine Stirnlampe bekommen, diese erleuchteten nun den Weg. Das große erste Stück enthielt zumeist nur ein wenig Steigung, aber auch schon hier machten einige schlapp und mussten begleitet von der Bergwacht, die die ganze Zeit mit dabei war, zurück zum Camp. In sich hatten es allerdings die letzten 200 Höhenmeter, die nochmals sehr steil nach oben gingen. Wenn man bedenkt, dass der Großteil der anwesenden Leute bereits zwischen vierzig und fünfzig Stunden ohne Schlaf hinter sich hatte, dann wundert mich, dass es noch so viele Menschen bis oben geschafft haben. Auch ich selbst musste auf dem letzten Stück dann doch mehrmals Pause machen, da meine Beine schlapp machten. 


 
Als wir dann aber um fünf Uhr endlich oben waren und das Konzert begann, war die Anstrengung schnell wieder vergessen. Vor der unglaublich schönen Kulisse der Alpen spielte die Band einige der aktuellen und einige der alten Songs. Bei dem ein oder anderen Lied musste ein Gitarrensolo wegfallen, da auch die Hände der Jungs ziemlich eingefroren waren, was der Stimmung aber dennoch keinen Abbruch tat. Ursprünglich nicht geplant, ließen sie sich doch noch überzeugen „Südtirol“ zu spielen. Obwohl sie erst meinten, das hört sich unplugged nicht gut an, fand ich, dass es sich mit am besten anhörte.
Währenddessen kam auch langsam die Sonne hinter den Gipfeln hervor und tauchte das Ganze in eine wunderschönes Licht.

Anschließend gab es ein Gruppenfoto, einige haben sich noch auf den Weg zu einem weiteren Gipfelkreuz gemacht, der Rest ging wieder hinunter zum Camp. Auf dem steilen steinigen Weg abwärts machten meine Beine schließlich schlapp und hörten gar nicht mehr auf zu zittern, so das ich befürchtete die würden mich nicht mehr halten. Erschöpft setzte ich mich auf einen Stein und hoffte, dass es aufhört zu zittern, damit ich weiter gehen kann.
Nach einiger Zeit war ich schon fast am verzweifeln und dachte, es dauert noch einige Zeit bis ich endlich wieder vom Berg runterkomme. Und leider war in dem Moment auch keiner von den anderen oder der Bergwacht zu sehen. Vermutlich war die Gruppe auf dem Rückweg sehr weit auseinander gestreut. In der Dunkelheit zuvor wurde immer darauf geachtet, dass alle beieinander bleiben und die ersten warteten des Öfteren auf den Rest, aber jetzt habe sah ich niemanden mehr.
Dann kamen zum Schluss glücklicherweise noch die Jungs von der Band, die mich dann beim Abstieg unterstützten und so musste ich doch nicht auf dem Berg hocken bleiben und hatte sogar noch eine nette Begleitung. Phillip Burger war zu der Zeit nicht dabei, da er gemeinsam mit einigen wenigen noch den übriggebliebenen Müll auf dem Gipfel einsammelte. Auch zuvor hatte er immer betont, dass niemand Müll hinterlassen solle, da der in der Natur nix zu suchen hat und jeder sollte auch auf dem Weg darauf achten, evtl. Müll mitzunehmen. Das finde ich ziemlich gut, denn bei so vielen Menschen kann es schnell passieren, dass mal was aus der Tasche fällt o.ä. und so achtet jeder darauf, dass der Berg sauber hinterlassen wird.


Wieder im Zeltlager, habe ich mich erstmal zur Entspannung in die Sonne gelegt und dann gab es auch schon Mittagessen. Am Nachmittag wurde eine Art Parcour aufgebaut, den man durchlaufen bzw. einen Teil mit Moutaincarts fahren konnte und für diejenigen, die das am schnellsten schaffen gab es nachher noch Preise. Viele haben daran allerdings nicht teilgenommen, da die meisten durch den wenigen Schlaf und die Wanderung bereits ziemlich kaputt waren. Ich hatte zuerst überlegt, dabei mitzumachen, mich dann aber dagegen entschieden, da ich mich doch noch etwas schlapp fühlte. An den verschiedenen Stationen mussten die Teilnehmer beispielsweise einen Nagel in ein Brett schlagen, unter einem Hindernis hindurchkriechen oder über ein Seil balancieren. Phillip Burger ließ es sich nicht nehmen, den ganzen Spaß am Micro zu moderieren. Sehr humorvoll kommentierte er fast jeden Lauf und versuchte weitere zum mitmachen zu überzeugen. Jeder der dort gerade vorbeikam wurde aufgefordert, sich doch zu beteiligen. Mehr als nur einmal gab es dafür einen Vogelzeig zu Phillip. Zuletzt bestritt Phillip mit seinen Bandkollegen dann auch noch den Parcour. Abends gab es die Siegerehrung und ein Lagerfeuer.



Am Lagerfeuer wurden nochmals einige Songs gemeinsam mit der Band gesungen. Wobei da ziemlich spontan entschieden wurde, auf welche Lieder man gerade Lust hatte. Auch viele der älteren Songs waren dabei. Dadurch war es teilweise mit der Textsicherheit bei einigen (auch der Band) nicht mehr so weit her. Bei einem Lied, weiß gerade nicht mehr welches, wusste kurzzeitig keiner mehr wie es weiter geht, weder die Band, noch die Fans - was zu einigem Gelächter führte. Anschließend diskutierte die Band noch mit uns darüber, wie es weitergeht (Frei.Wild plant eine Pause) und man hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Auch bedauerten sie es, dass sie momentan (bzw. in der Vergangenheit) durch die Presse in eine schlechtes Licht gerückt wurden, wodurch auch einige Fans Probleme in ihrem Umfeld bekommen hatten.
Insgesamt war es ein total schönes Wochenende mit jeder Menge Highlights und verdammt wenig Schlaf. Schlafen war irgendwie nicht mit eingeplant im Programm, so habe ich seit Donnerstagmorgen einzig in der Nacht von Samstag auf Sonntag ca. 4-5 Stunden geschlafen. Ich wundere mich selber wie gut ich das überstanden habe.
Mein Plan ist es auch, wenn ich mal ausgeschlafen bin, erneut auf den Gipfel des Gablers zu wandern, denn eigentlich habe ich gar nicht so eine schlechte Kondition und wandern gehe ich echt gerne. Spätestens nächstes Jahr, wenn ich wieder in Südtirol bin, geht es wieder rauf. 

Ein paar weitere Fotos findet iher noch bei der neuen südtiroler Tageszeitung

Ps: Nachdem ich die Band nun persönlich kennenlernen konnte, braucht mir keiner mehr damit kommen, dass es sich bei denen um Nazis oder auch nur Nationalisten handelt. Ich habe mir meine Meinung nun aus erster Hand gebildet und bin mir sicher, das ist absoluter Quatsch! 

Kommentare:

  1. Wow!
    Das ist doch mal ein Hammer-Erlebnis. Auch wenn ich die Musik nicht so toll finde, daß ich dafür extra dorthin anreisen würde: daß die Jungs so eine Aktion (mit)machen ist beeindruckend.

    Und was den Körper und Schlafentzug angeht: solange man sonst einigermaßen fit ist, steckt der das locker weg. Im Juni beim Elbhochwassereinsatz haben wir teilweise auch die eine oder andere Nacht einfach ausfallen lassen. Und ich habe Bundeswehreinheiten gesehen, die seit einer kompletten Woche jede Nacht nur drei Stunden geschlafen hatten – und das bei härtester körperlicher Arbeit.



    e

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    1. Ja, das war wirklich hammer! Die Reise lohnt sich schon alleine aufgrund der schönen Landschaft Südtirols, die Alpen sind einfach immer eine Reise wert. :)

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  2. Bushido kritisieren, aber frei.wild gut finden, das nenn ich rosinenpickerei.

    der eine ist ein fake-gangster mit dem kalkül eines ökonomen wenn er seine provokationen von sich gibt, die anderen sind Südtiroler (und deshalb ja erlaubt patriotisch, wehe das wären bayern) deutschtümler, mit ner menge heimat-liebe pathos was auffallende ähnlichkeiten zu einer gewissen szene hat, auch wennse sicherlich nicht de holocaust leugnen.

    oh und beide machen kack-musik.

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  3. "Bushido kritisieren, aber frei.wild gut finden, das nenn ich rosinenpickerei. "

    Ist Geschmack nicht immer Rosinenpickerei? Selbst wenn mir Bushido gefallen würde, bedeutet das noch lange nicht, dass ich Rapper mit ähnlicher Attitüde genauso mögen muss. Und zwischen Frei.Wild und Bushido ist ja wohl nicht nur was den Stil, sondern auch was die kritisierten Inhalte angeht ein großer Unterschied.

    "der eine ist ein fake-gangster mit dem kalkül eines ökonomen wenn er seine provokationen von sich gibt, die anderen sind Südtiroler (und deshalb ja erlaubt patriotisch, wehe das wären bayern) deutschtümler, mit ner menge heimat-liebe pathos was auffallende ähnlichkeiten zu einer gewissen szene hat, auch wennse sicherlich nicht de holocaust leugnen."

    Warum dürfen Südtiroler nach deiner Auffassung patriotisch sein und Bayern nicht? Ich finde es nicht schlimm, wenn man sagt, man liebt seine Heimat. Heimat heißt schließlich nicht nur das Land, sondern auch sein Umfeld, seine Freunde, die Umgebung. Ich liebe meine Heimat ist nicht gleichbedeutend mit "Ich hasse alle anderen", wird leider immer wieder verwechselt bzw. so gedeutet. Hatte dazu auch mal einen Text verfasst: http://nur-miria.blogspot.de/2013/03/heimatliebe.html
    Isofern verstehe ich mich selbst auch als ein wenig patriotisch (bedeutet für mich etwas Positives) und ich bin weder Bayer noch Südtiroler.

    Bushido hingegen greift in seinen Texten direkt andere Personen an und rappt einen Haufen frauenfeindlichen Mist zusammen. Allerdings glaube ich, dass mir die Person in einem persönlichen Gespräch durchaus symphatisch sein könnte, da er wie ich ja schrieb eben nicht dumm und asozial ist im wirklichen Leben.

    Was mich noch interessieren würde: Was bedeutet für dich "Deutschtümler"?

    "oh und beide machen kack-musik."

    Ich will dir hier deine Meinung gar nicht absprechen, ist eben Geschmackssache!

    Liebe Grüße,
    Miria

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  4. Miria,
    Du bist manchmal zu nett. Findet



    e.

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    1. Danke, bin halt ein Engel ;)

      Finde es aber schade, dass der Kommentator nicht mehr auf meine Fragen eingeht...

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  5. okay, also zu den gemeinsamkeiten von frei.wild und bushido: musikalisch natürlich keine, aber beide acts gelten als "umstritten", siehe aktuelle bushido kontroverse und frei.wilds echo-auftritt, der nicht stattfand.

    was den patriotismus angeht: eine deutsche band die ähnliche texte schreiben würde, wäre beim echo nicht mal auf der einladungsliste gelandet, falls du österreicherin oder schweizerin bist, tuts mir um meinen ton oben leid, sorry, aber wenn du deutsche bist dann weißt du was ich meine: patriotismus ist in deutschland hochgradig umstritten, das muss man nicht gut finden, ich denke jeder darf sein land lieben/schön/gut finden, aber musikalischer pathos, verklärung der eigenen heimat und so münden halt in einer zugänglichkeit zur rechten szene. und das wäre für ne deutsche band das ende, bei den südtirolern (wahlweise auch schweizern) ist das okay, bei deutschen ghet das nicht.

    und zur rosinenpickerei: ich bin kein freund von bushidos musik, aber man könnte auch, ähnlich wie du bei frei.wild argumentierst, herausarbeiten, dass er ja die sprache der strasse spricht, die gewisse realitäten in deutschen ballungszentren ungeschminckt widerspiegelt, die "disses" ja als metapher dienen und den unmut der jugend über die gegenwärtigen zustände...blabla, du weisst schon, so feuilliton gelaber dass ihm den integrations-bambi eingebracht hat :)

    damit will ich nur sagen, man kann einen "umstrittenen" act so oder so sehen, aber wenn man den einen kritisiert und den anderen lobt sollte man fairerweise beide seiten beleuchten

    PS: abgesehen von musik und texten mit denen ich echt nichts anfangen kann, das unplugged auf nem berg konzert klingt wie ne tolle sache, und so fan-kontakt direkt aufbauen ist auch was , das ner menge aktueller band abgeht

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    1. "aber beide acts gelten als "umstritten" "

      "umstritten" ist ja ein ziemlich allgmeines Wort. So könnte man auch sagen, beide machen Musik - ohne Differenzierung.
      Wie ich schon schrieb, macht es einen Unterschied, WARUM eine Band oder ein Sänger umstritten ist.

      "und das wäre für ne deutsche band das ende, bei den südtirolern (wahlweise auch schweizern) ist das okay, bei deutschen ghet das nicht. "

      Leider hast du immer noch nicht geantwortet, warum du das so siehst? Ich verstehe nicht, warum das für die einen ok sein soll und für die anderen nicht?

      Rekordhalter in Sachen ECHO sind übrigens die Kastelrutzer Spatzen (13 Echo Auszeichnungen). Ebenfalls eine Südtiroler Band, die von Heimat singt. Einige der Lieder wurden auch von Phillip Burger, dem Sänger von Frei.Wild geschrieben.
      Wo ist da der Unterschied,warum gibts bei denen kein Problem, obwohl inhaltlich gleiche Themen bedient werden - nur das eine ist Rock-, das andere Volksmusik. Wird hier nicht auch mit zweierlei Maß gemessen?

      "und zur rosinenpickerei: ich bin kein freund von bushidos musik, aber man könnte auch, ähnlich wie du bei frei.wild argumentierst, herausarbeiten, dass er ja die sprache der strasse spricht, die gewisse realitäten in deutschen ballungszentren ungeschminckt widerspiegelt, die "disses" ja als metapher dienen und den unmut der jugend über die gegenwärtigen zustände...blabla, du weisst schon, so feuilliton gelaber dass ihm den integrations-bambi eingebracht hat :) "

      So ähnlich hat Bushido im Interview ja argumentiert. Und ich fände das sogar gar nicht so schlimm, wenn die Rapper das untereinander machen würden. Es stimmt eben, dass in bestimmten Gebieten Leute anders sprechen (ich rede mit meinen Freunden auch teilweise so). Das Problem ist, er beleidigt und zieht Leute mit hinein, die mit dieser Szene an sich nichts zu tun haben wie z.B. Politiker.

      Viele Grüße,
      Miria

      Ps. Toll, dass du doch noch was geschrieben hast und ich würde mich echt über eine Antwort dazu freuen, warum Patriotismus für die einen ok ist und für die anderen nicht - ich verstehs einfach nicht.

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