Freitag, 17. Mai 2013

Flaggenmeer

Vermehrt habe ich in Diskussionen gelesen, dass es in Deutschland gar nicht mehr möglich sei, zu seinem Heimatland zu stehen und die Deutschlandflagge dürfte auch nur noch zu Fußballspielen rausgeholt werden ohne schief angeguckt zu werden.
Zeitgleich fällt mir aber das Gegenteil auf: Immer mehr Menschen hissen ihre Flaggen in den eigenen Gärten. Bei weitem nicht nur die Nationalflagge (oder Flaggen), sondern beliebt sind auch Flaggen bestimmter Regionen oder Fußballvereine.
Ich habe mal ein Experiment gemacht und eine Woche lang gezählt und aufgeschrieben, welche Flaggen ich gesehen habe. Ursprünglich wollte ich die Flaggen alle fotografieren, nur leider habe ich schnell  festgestellt, dass das häufig gar nicht möglich ist, wenn ich mit dem Auto an welchen vorbeifahre und es einfach auch viel zu viele sind.

Hier mein Ergebnis in Zahlen:
Flaggen insgesamt: 145 (Keine Flagge wurde doppelt gezählt)

Nationalflaggen:
Deutschland: 72
Großbritannien: 17
Italien: 13
Türkei: 5
Portugal: 4
Griechenland: 2
Spanien: 2
Serbien: 1
Frankreich: 1

Fußballflaggen:
FC Schalke 04: 6
Arminia Bielefeld: 4
Hertha BSC: 2
Borussia Mönchengladbach: 2

Regionale Flaggen: 12
Sonstige: 2

Was natürlich auffällt ist die große Präsenz der deutschen Nationalflagge. Ich vermute, dass es innerhalb einer Großstadt ganz anders aussieht, da sich ein Fahnenmast bestimmt nicht so leicht auf einem engen Balkon montieren lässt.
Allerdings hat mich dann doch erstaunt wie viele Flaggen hier zu finden sind. Zuvor habe ich nie so stark darauf geachtet. Teilweise sind ganze Straßenzüge mit der deutschen Fahne geschmückt (jedes zweite Haus hat seinen eigenen Fahnenmast).
Die Frage, die sich stellt ist, ob man das Ganze jetzt positiv oder negativ bewertet? Positiv könnte es ein Zeichen dafür sein, dass es mittlerweile für viele Deutsche anscheinend wieder normal ist, die Zugehörigkeit zum Land zu zeigen. Man kann wieder zu seinem Land stehen - und das sogar außerhalb der Fußballgroßereignisse. Darin sehe ich erstmal nichts Problematisches.
Allerdings könnte dieses meiner Meinung nach im Moment noch gesunde Verhältnis zum eigenen Land ganz schnell umschlagen. Vom übertriebenem Hass und verleugnen, dass Deutschland auch schöne Seiten hat, hin zu einem neuen übersteigertem Nationalgefühl. Ein übersteigertes Nationalgefühl, das zeitgleich wieder mit dem Abwerten anderer Nationen einhergeht, zu Ausgrenzung und Rassismus führt. Solange aber die deutsche Flagge neben der türkischen oder portugiesischen zu finden ist, ist es glücklicherweise mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander.
Ich hoffe, dass das auch bei denjenigen, die immer Jammern, man dürfte nicht mehr zu Deutschland stehen und man müsse doch auch mal wieder Stolz auf sein Land zeigen können, ankommt. Denn diese Kräfte sind es, die dazu führen, dass die Waage ganz schnell kippt und das sollte unter allen Umständen verhindert werden. 

Kommentare:

  1. Jedes zweite Haus hat einen Flaggenmast? Wow, wo wohnst Du denn? :)

    Unser Nachbar daheim hatte übrigens zwei: einen mit der französischen und einen mit der deutschen Flagge. Das hat mich immer beim Heimkommen gefreut, weil er so zeigt, daß er sein Heimatland liebt, aber sich hier in Deutschland trotzdem wohl fühlt.
    Ich habe damals beschlossen, daß ich es genauso machen werde, sollte ich jemals länger im Ausland wohnen.

    e

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  2. Nicht überall hier hat jedes zweite Haus einen Fahnenmast, aber an manchen Straßen schon. Wollte eigentlich auch ein Foto von so einer Straße hier einstellen, aber das mit dem Hochladen klappt momentan leider nicht...

    Das mit den zwei Flaggen finde ich schön, werde ich auch mal so machen :)

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  3. Deutschland hat schöne Seiten, ja. Schöne Landschaften, auch Städte, schöne Dialekte, gerade auch schönen Spargel und Erdbeeren. Alles Dinge, die nichts von ihrer Schönheit einbüßten, würde es das Konstrukt Deutschland nicht geben.

    Wozu man dann stehen soll, sogar unproblematisch, versteh ich NICHT. Hast du ein Beispiel? Oder findest du einfach die Flagge hübsch?

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    1. Für mich bedeutet Deutschland in erster Linie aber auch die Menschen, die hier leben. Denn erst durch die Menschen wird Deutschland so gestaltet, wie es ist. Viele Deutsche haben großartiges erreicht oder geschaffen, worauf man stolz sein könnte. Das Argument, dass man das zwar nicht selbst geschaffen hat, verstehe ich nicht, denn ich bin meistens doch stolz auf andere (Verwandte oder Freunde), wenn die etwas erreicht haben.
      Man kann auch stolz darauf sein, dass Deutschland es geschafft hat, in den letzten Jahren keinen Krieg zu führen (hier in Europa, was das andere angeht vielleicht eher nicht).

      Was bedeutet für dich das Konstrukt Deutschland? Was würde sich deiner Meinung nach (zum Besseren?) ändern, würde es dieses Konstrukt nicht geben?

      Ich habe diese Flaggenzählun allerdings auch aus dem Grund gemacht, dass immer wieder gesagt wurde, man dürfte eben nicht zu Deutschland stehen oder die deutsche Flagge raushängen (außerhalb der Fußballgroßereignisse). Speziell in Diskussionen zum Patiotismus o.ä. stört mich einfach dieses Gejammer, man dürfte ja dies oder das nicht. Und das ist damit klar widerlegt.

      Natürlich finde ich auch die Flagge hübsch, wobei ich da durchaus andere noch schöner finde, z.B. Vatikan oder Portugal.

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  4. Hübsch finde ich die Flagge auch. Ich mag sogar die Nationalhymne.

    Ich sag ja gar nicht dass die Menschen die hier leben alle schlecht sind. Aber um Stolz zu empfinden (ich vermeide dieses Gefühl, weiß aber was du meinst) bedarf es doch einer positiven Leistung. Du sagst: Die Deutschen haben in den letzten Jahren keinen Krieg geführt, relativierst es dann in der Klammer und ich weiß nicht warum du das vorher überhaupt erwähnst.

    Deutschland unterstützt nicht nur Kriege mit seinen Waffen, Deutschland schafft durch sein Konsumverhalten auch Tod und Elend überall auf der Welt. Muss ich jetzt keine Beispiele nennen. Klar ist: Deutschland wäre nicht so friedlich, wäre es nicht eins der reichsten Länder der Welt, und solches kann es nur sein, indem es überall Tod und Elend hinterlässt.

    Wie schon gesagt, will ich gar nicht sagen, dass deswegen alle Deutschen schlecht sind. Ignorant und unersättlich? Ja. Aber menschlich wie überall auf der Welt. Nur ein Grund stolz zu sein, auf Leute die man gar nicht kennt, sondern nur Teil dieses nationalen Konstruktes sind, finde ich absurd und fahrlässig. Wir brauchen keinen Stolz, sondern Bewusstsein, denn es gibt wesentlich mehr zu tun als schon geschafft ist.

    Ganz klares NEIN zu Patriotismus!

    Tisch

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    1. Warum vermeidest du das Gefühl Stolz? Fände ich ernsthaft interessant, weil ich verstehe das nicht. Es gibt viele Positive Leistungen von Deutschen, z.B. auch großartige Erfindungen.

      Ja, das Deutschland oder einige Menschen hier auch viel Mist verzapfen und auch gerade viele deutsche Unternehmen für ein Elend mitverantwortlich sind stimmt.
      Da muss sich natürlich was ändern.
      Aber hier stelle ich mir dann die Frage, warum nicht lieber das Positive sehen als das Negative?
      Natürlich bin ich auch realistisch und sehe, was läuft, aber ich sehe einfach auch zu viel Positives.

      Von mir ein klares JA zu Patriotismus! Aber ein klares NEIN zu Ausgrenzung und Fremdenhass!

      Liebe Grüße,
      Miria

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  5. Ach ja, was ich mit Konstrukt meine: Ich als Norddeutscher fühle mich in den niederländischen Landschaften mehr zu Hause als in Süddeutschland, der Klang des Niederländischen weckt in mit mehr Heimatgefühl als wenn ich Bayrisch höre. Ich fühle mich der mediterranen Küche näher als der fleischhaften deutschen. So etwas wie Deutschland gibt es nur auf dem Papier und ist meiner Meinung nach überflüssig.

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    1. Verstehe immernoch nicht ganz, was du genau mit Konstrukt meinst. Aber du zeigst mit diesem Post auch, dass auch du so etwas wie Heimatliebe kennst, du sagst du fühlst dich Zuhause (was ich jetzt mal nicht als ein negatives Wort auffasse). Das ist doch genau, was ich mit Heimatliebe assoziere. Und gerade als Norddeutscher verbindest du mit deinem Zuhause wohl eher die flachen Landschaften, die in Bayern auch nicht so oft zu finden sind. Und auch der Dialekt ist wohl ähnlicher.
      Ich persönlich fühle mich eben in den Bergen wohler.

      Konstrukt Deutschland benötigt man doch schon dadurch, dass man sich als eine Gemeinschaft auf gemeinsame Gesetze einigen muss. Oder was genau verstehst du jetzt unter Konstrukt. Wie sähe es ohne dieses Konstrukt aus?

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  6. Aber was habe ich denn mit all den Leistungen und Erfindungen zu tun die von Deutschen stammen? Nur weil ich den weinroten Pass habe? Und wann hört diese Identifizierung mit der Idee Deutschland im Rückblick auf? Ich meine, wenn du stolz auf einen deutschen Nobelpreisträger von vor was weiß ich 30 Jahren bist, oder 50 Jahre, so leid es mir tut, aber dann sind wir bald beim Nationalsozialismus. Hört da dann dein Stolz auf und du entwickelst Scham (und zwar die größte der Weltgeschichte) oder hört da deine Identifizierung mit Deutschland auf?

    Und dass "einige Unternehmen Mist verzapfen" ist ja wohl die Schönfärbung schlechthin. Was war noch mal letztens in Bangladesh? Und wie viel Prozent der Deutschen kauft bei solchen Unternehmen? Waffenindustrie vorn dabei, Massentierhaltung vorn dabei. Ich kann mir doch nicht nur das Positive rauspicken und mich damit identifizieren, und den ganzen Scheiß schieb ich einfach zur Seite.

    Wenn schon stolz sein, dann bitte auch schämen! Oder bei sich bleiben und etwas verändern ohne erst einmal Nationalstolz herzustellen.


    Ja, ich halte Deutschland, und andere Staaten, für ein juristisches Konstrukt. Die Medien tragen den Hauptanteil zur Aufrechterhaltung, aber auch das löst sich durchs Internet auf. Nur weil ich in einem Teil der Welt lebe, der an Nationalgrenzen endet und in dem alle Menschen die gleichen Gesetze befolgen müssen, heißt das nicht dass das Grund genug ist mich mit all diesen Menschen mehr zu identifizieren als auf der anderen Seite dieser Grenzen. Ich halte das für sehr künstlich, und ehrlich gesagt für ein ziemlich niederes Bedürfnis.

    Landschaft, Dialekt, Gepflogenheiten, Feste, Dörfer und Städte mit denen ich einen Teil meiner Vergangenheit teile, all das kann Heimat bedeuten. Muss es nicht. Aber ich zum Beispiel habe eine solche Heimat. Und nochmal: es gibt Orte außerhalb Deutschlands, die für mich mehr Heimat sind als manche in Deutschland. Warum ist das eine nicht meine Heimat, das andere schon?

    Danke fürs Veröffentlichen und eine angenehme Woche

    Tisch

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    1. Du hast ziemlich viel geschrieben, ich versuche mal auf alles einzugehen.

      1. Wenn ich auf vergangene Dinge Stolz bin, dann sollte ihc mich doch auch Schämen für etwas wie den Nationalsozialismus.
      --> Ich glaube, dass es ziemlich schwierig zu erklären, aber nein, ich schäme mich nicht. So wie für manche vielelicht Stolz ein Gefühl ist, dass sie nicht nachvollziehen können, ist es für mich Fremdscham - egal ob jetzt für den Nationalsozialismus oder für Menschen in meinem Umfeld. Ich verstehe das einfach nicht.
      Aber natürlich gehört auch diese Zeit und die Verbrechen zu Deutschland und jeder Deutsche sollte sich soweit damit identifizieren, wie es nötig ist, dass sich die Geschichte eben nicht widerholt. (Dazu mehr in meinem aktuellen Blogpost).

      2. Man kann nicht das Positive rauspicken, um sich damit zu identifizieren und den Scheiß zur Seite schieben.
      --> Natürlich nicht, aber man kann auf das Positive doch wohl stolz sein und versuchen das negative so weit es möglich ist zu ändern. Hier ist es zum Beispiel kein Problem die meisten Nahrungsmittel direkt vom Bauernhof zu bekommen, wo man genau gucken kann, wie es den Tieren geht oder wie die Pflanzen behandelt werden.
      Und natürlich ist das, was in Bangladesh passiert ist, scheiße. Und ich bin mir sicher, wenn jeder Einmalkauf mitgezählt wird, kaufen 100% der Menschen hier bei solchen Läden.
      Niemand kann all das Leid auf der Welt beseitigen und indirekt müssen wir uns damit abfinden, dass wir dafür mitverantwortlich sind. Allerdings kann man immer nur so viel tun wie in seiner Macht steht. Wer sich z.B. nichts anderes leisten kann, ist gezwungen bei solchen Läden einzukaufen.
      Also nochmal: Schämen finde ich muss man sich für den Scheiß nicht, aber vielleicht gucken, dass man die Welt ein klein wenig verbessert, wenn man sich das leisten kann.

      3. Juristisches Konstrukt Deutschland. Und niederes Bedürfnis sich mit den Menschen auf dieser Seite der Grenzen mehr zu identifizieren.
      --> Und genau hier glaube ich, dass wir leicht aneinder vorbei reden. Mir geht es weniger um die starren Grenzen als vielmehr um dieses Gefühl Heimat, dass man z.B. auch mehr in seiner Region (die durchaus über Grenzen hinausgehen kann) als in einem völlig fremden Teil Deutschlands finden kann.
      Die Identifizierung kann nunmal nicht nur durch eine Deutschlandfahne, sondern auch durch verschiedene regionale Fahnen gezeigt werden.

      4. Warum ist das eine nicht meine Heimat, das andere schon?
      --> Würde ich so nicht sehen. Ich habe auch eine solche Heimat und fühle mich hier sehr wohl. Allerdings hatte ich als Kind auch quasi eine "zweite Heimat" auf Mallorca in einem kleinen Dorf, wo wir jeden Somemr mehrere Wochen verbracht haben. Dort kannte ich mich genauso aus, hatte genauso meine Freunde wie hier. Auch das war ein Teil meiner Heimat. Und ich glaube, wenn ich dort mal wieder hinfliegen würde, würde ich mich genauso Zuhause fühlen.
      Demnach ist Heimat für mich nicht an Grenzen gebunden.

      Dir auch eine angenehme Woche und ich veröffentliche natürlich mit Freude eine interessante Diskussion.

      Viele Grüße,
      Miria

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  7. "Natürlich nicht, aber man kann auf das Positive doch wohl stolz sein und versuchen das negative so weit es möglich ist zu ändern."

    Das Positive belassen und das Negative ändern. Eine maximal rationale Haltung, wozu dann hier der Stolz?

    Auf den Punkt: Wenn man sich mit einer Gruppe (hier: den Deutschen) identifiziert, sollte man – rational agierend – Positives fördern und Negativem entgegenwirken. Dabei KANN sicherlich ein gewisses Gruppenbewusstsein hilfreich sein (wie gesagt lehne ich das für mich persönlich ab). Wenn diese Gruppe aber das Positive hervorhebt, indem sie einen Stolz auf die Gruppe entwickelt und diesen zelebriert, sich auf der anderen Seite aber weigert von ihr verursachte negative Wirkungen hervorzuheben, kann es passieren das jene verdrängt werden und von der Gruppe nicht mehr mit der Gruppe in Verbindung gebracht werden.

    So in dem Bangladesh-Beispiel: Tut mir leid, aber dass manche gezwungen sind in "solchen Läden" zu kaufen, halte ich für Verdrängung einer Gesellschaft, die es für normal hält sich laaange vor der Unbrauchbarkeit ihrer Kleidung neue kaufen zu müssen. Das mag jetzt weit hergeholt klingen, weil nicht nur die, die stolz auf Deutschland sind wie die Verrückten konsumieren. Aber dass hier so FREI (unersättlich) konsumiert werden kann und deswegen alle friedlich sind, darauf sind die Stolzen meist besonders stolz. Und verdrängen, dass das nur möglich ist weil durch unsere Lebensweise Millionen von Menschen bis in den Tod ausgebeutet werden.

    Ich möchte mal sehen, dass die mit den Flaggen in ihren Gärten Konferenzen organisieren sich zu besinnen nicht mehr so viele Klamotten kaufen zu müssen oder wenigstens mehr dafür zu zahlen. Dass aus Stolz Verantwortung entsteht, das wär doch mal was.


    Langsam schweift´s auch ab. Etwas wirr, aber das macht die Uhrzeit.

    Schönes Wochenende

    Tischtuch

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  8. "So in dem Bangladesh-Beispiel: Tut mir leid, aber dass manche gezwungen sind in "solchen Läden" zu kaufen, halte ich für Verdrängung einer Gesellschaft, die es für normal hält sich laaange vor der Unbrauchbarkeit ihrer Kleidung neue kaufen zu müssen."

    --> Das sehe ich anders. Es gibt durchaus Menschen, die von nur wenigen hundert Euro im Monat leben müssen und dann kann man sich eben nur solche Klamotten leisten. Und ich weiß ja nicht, ob dir vielleicht einfach die Qualität dieser Ware nicht bekannt ist, aber Kleidung von Kik oder Primark hält eben auch nicht besonders lange...

    "Aber dass hier so FREI (unersättlich) konsumiert werden kann und deswegen alle friedlich sind, darauf sind die Stolzen meist besonders stolz. Und verdrängen, dass das nur möglich ist weil durch unsere Lebensweise Millionen von Menschen bis in den Tod ausgebeutet werden."

    --> In gewisser Weise wird das natürlich verdrängt. Aber andererseits denke ich auch, dass es verdrängt werden muss. Denn wenn man durchgängig an alles schreckliche in der Welt denkt, kann man selbst nicht mehr glücklich werden und wirklich geholfen ist dadurch auch niemandem. Wenn man die finanzieleln Mittel hat und die Zeit hat, sich zu informieren, kann man natürlich bewusst einkaufen, aber wirklich großartig was ändern tut man damit auch nicht.

    "Ich möchte mal sehen, dass die mit den Flaggen in ihren Gärten Konferenzen organisieren sich zu besinnen nicht mehr so viele Klamotten kaufen zu müssen oder wenigstens mehr dafür zu zahlen. Dass aus Stolz Verantwortung entsteht, das wär doch mal was. "

    --> Du wirst dich vielelicht wundern, aber genau das ist es was ich beobachte (jetzt vielleicht nicht unbedingt Konferenzen). Viele Menschen, die sich zugehörig fühlen zu ihrer Heimat, möchten diese auch bewahren und handeln demnach meist ökologisch sinnvoll. Natürlich trifft das nicht auf alle zu, aber bei Menschen, die keinen Bezug zu Deutschland in der Form haben sehe ich das weniger.

    Viele Grüße,
    Miria

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  9. Miria, du sagst dass es verdrängt werden muss, dass man Menschen (noch einmal:) bis in den Tod ausbeutet, weil man gesellschaftlich dazu gezwungen ist sich neue Klamotten zu kaufen. Ich sehe ja ein dass man es mit Altkleidern in dieser Gesellschaft nicht immer einfach hat, aber dass der Zwang zu neuem so groß ist, dass da Leute für draufgehen müssen, halte ich doch für sehr gewagt. Ich verstehe die Beweggründe, aber weigere mich hier von einem Zwang zu sprechen.

    Ich glaube, dass man durch Konsum so gut wie alles ändern kann: Fleischfreie Ernährung ist um ein vielfaches (!) klimaverträglicher als fleischhaltige. Und wie gesagt: vor allem der Konsumraum, immer etwas neues zu brauche. Unübersehbar viele Klamotten im Schrank, alle 5 Jahre mal ein neues Sofa, jedes Jahr ein neues Handy. Der Kapitalismus frisst die Welt. Womit wir jetzt von Heimatliebe zu Kapitalismus gekommen wären.

    Thisch

    (Ich lebe übrigens von wenigen hundert Euro im Monat; wenn ich Voll zeit arbeiten würde könnte ich aufstocken. Hier in Berlin kriegt man Second Hand T-Shirts hinterher geschmissen, dass ich mir letztes Jahr sogar zwei faire T-Shirts kaufen konnte. Meine Guten also)

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    1. Nein, der Zwang besteht nicht, dass die Leute bis in den Tod ausgebeutet werden, aber der Zwang für einzelne Personen, sich nichts teureres leisten zu könen besteht. Und ich sehe die Verantwortung hier nicht bei diesen Menschen, die ohnehin schon genug Probleme haben, sondern viel mehr bei den Unternehmern, die eben auch unter solchen Bedingungen produzieren lassen, um sich selber noch mehr Geld in die Tasche zu stecken.

      Ich glaube im Gegensatz zu dir nicht, dass man mit Konsum so gut wie alles ändern kann. Was fleischfreie Ernährung angeht, stimme ich dir so pauschal auch nicht zu. Deine Aussage stimmt nicht auf Rindfleisch bezogen, nicht aber z.B. auf Geflügel.
      Und das Restliche wäre vielleicht tatsächlich mal ein eigener Post wert zum Thema Kapitalismnus.

      Miria

      (Ich glaube, wir leben einfach in verschiedenen Welten, in einer Großstadt wie Berlin ist es vielleicht auch einfacher an Second Hand Kleidung zu kommen)

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