Mittwoch, 10. April 2013

Warum Ehegattensplitting vernünftig ist!


Immer wieder regen mich die Leute auf, die sich gegen ein Ehegattensplitting positionieren und bereits anhand ihrer Argumente erkennen lassen, dass sie sich damit nicht wirklich auseinandergesetzt haben. Deshalb möchte ich hier mal einen Text verfassen, auf den ich dann bei Bedarf verweisen kann. Denn mittlerweile habe ich keine Lust mehr immer und immer wieder den Sinn und Hintergrund zu erklären und warum Ehegattensplitting alles andere als unfair ist.

Was bedeutet Ehegattensplitting?
Das ist weitaus weniger kompliziert als es viele Menschen gerne darstellen. Bei der Besteuerung werden die Einkommen beider Ehegatten zusammengefasst und gemeinsam versteuert. Das heißt, dass ein Ehepaar, dass innerhalb eines Jahres z.B. 60 000 Euro verdient immer gleich viele Steuern bezahlt, unabhängig davon, ob beide 30 000 Euro verdienen oder einer der beiden 10 000 Euro und der andere 50 000.
Klingt für mich jetzt erstmal nicht unfair und auch nicht so, dass jetzt ein Modell bevorzugt würde. Denn egal, wer wie viel zum gemeinsamen Einkommen beiträgt, die Steuern bleiben gleich.
Das Argument, dass das Ehegattensplitting der Ehe, bei der eine Person Alleinverdiener ist, Vorteile verschaffe, leuchtet doch anhand dieser einfachen Rechnung nicht ein!

Warum finde ich das jetzt sinnvoll?
In den meisten Ehen ist es wohl der Fall, dass die Partner ihr Einkommen nicht strikt voneinander trennen, da es auch zum Großteil gemeinsame Kosten (Nahrung, Miete, Nebenkosten…) gibt. Daher ist es auch vernünftig bei der Besteuerung davon auszugehen, dass das Geld eben beiden Partnern gleichermaßen zu Gute kommt unabhängig davon, wer wie viel verdient. Und ich frage mich ernsthaft, wäre eine getrennte Besteuerung nicht eine Bevorzugung des Modells bei dem beide möglichst nahezu gleichviel verdienen?
Nicht dass man mich falsch versteht, ich möchte weder das eine noch das andere bevorzugen, sondern keine Unterschiede in der Besteuerung haben. Und warum sollten die Ehepaare aus dem Beispiel zuvor unterschiedlich besteuert werden, obwohl beide das gleiche Geld zur Verfügung haben?
Weiterhin gibt es eine Verknüpfung mit der Unterhaltspflicht: Ehepartner sind sich gegenseitig zum Unterhalt verpflichtet. Das heißt, der Ehepartner, der mehr verdient wäre unterhaltspflichtig dem Ehepartner gegenüber, der weniger verdient. Da dieser innerhalb einer glücklichen Ehe meist nicht explizit überwiesen wird, sondern unbewusst beide über das Geld verfügen, fällt das auch nicht auf. Sondern erst, wenn es zu einer Trennung kommt, muss ein Unterhalt an den geringer verdienenden Ehepartner überwiesen werden.
Unterhaltsverpflichtungen, die geleistet werden (egal, ob an Kinder oder Ehepartner) können wiederum steuerlich geltend gemacht werden.
Das heißt, dass eine Abschaffung des Ehegattensplittings nur zu einer Verkomplizierung des Steuerrechts führen würde, da jeder intelligente Steuerberater im Falle von unterschiedlichen Einkommen den Unterhalt an den Ehepartner absetzen würde. Am Ende wäre die Besteuerung wieder ähnlich wie mit Splitting - aber einige Steuerberater hätten mehr verdient.
Sollte man zu dem Splitting auch noch die Unterhaltsverpflichtung abschaffen sehe ich da noch ganz andere Probleme. Sollte es einfach nur eine steuerliche Absetzbarkeit der Unterhaltszahlungen nicht mehr geben und dann auch das Ehegattensplitting nicht mehr, so würde dies dazu führen, dass der gering bzw. gar nicht verdienende Ehepartner keinen nicht besteuerten Grundfreibetrag mehr hätte, was wiederum weitere Gesetzesänderungen nach sich ziehen müsste bzw. ziemlich asozial wäre.

Ich finde es gut, dass Menschen sich darauf einigen können, in Zukunft füreinander zu sorgen und sich so gegenseitig absichern. Dies wird vom Staat auch gerne gesehen, wenn es darum geht, dass eine der beiden Personen kein Einkommen hat, wird zunächst der besser verdienende Partner herangezogen, bevor der Staat selbst einspringt. Das führt natürlich wieder zu enormen staatlichen Einsparungen, da dieser sonst haufenweise arbeitslose Ehepartner versorgen müsste.
Daher finde ich auch das Argument, dass der Staat bei einer Abschaffung des Splittings sparen würde echt widerlich! Denn einerseits wird die Pflicht zur finanziellen Versorgung des Ehepartners an den anderen Ehepartner abgegeben, aber andererseits soll dies dann steuerlich nicht anerkannt werden.

Natürlich finde ich es weiterhin nicht richtig, dass dies nur heterosexuellen Zweierbeziehungen vorenthalten bleibt und ich plädiere weiterhin dafür, dass alle Menschen sich zu Versorgungsgemeinschaften zusammenschließen können dürfen!
Denn warum kann ich die gleichen Rechte nicht für mich und meine Freundin beanspruchen, die ich für mich und meinen Freund hätte?

Kommentare:

  1. Ich glaube, da musst Du nochmal nachrechnen bzw. nachforschen. Denn Familien mit Alleinversorgern werden sehr wohl finanziell bevorteilt. Zu Deiner Ausführung mit den Gehälterunterschieden fehlt nämlich noch die Angabe der Änderung des Steuersatzes durch das Splitting, welche einen klaren finanziellen Vorteil für die 50000&10000 Ehe bringt. Damit wäre es mathematisch offensichtlich, was unter Wikipedia ( http://de.wikipedia.org/wiki/Ehegattensplitting ) dazu steht:
    "Ohne das Splittingverfahren hätten Ehepaare im Jahr 2005 bis zu 7.914€ mehr Steuern bezahlen müssen. Dieses Maximum wird erreicht, wenn beide Partner zusammen mehr als 104.304€ versteuern, EIN Ehegatte aber KEINE Einkünfte erzielt (Alleinverdienerehe). Für Paare, bei denen beide Ehegatten GLEICH viel erzielen, bleibt das Splittingsverfahren unabhängig von der Einkommenshöhe stets OHNE Auswirkung.
    Mit Einführung der sog. Reichensteuer im Jahr 2007 erhöhte sich auch die maximal mögliche Auswirkung des Splittings bei hohen Einkommen: sie beträgt jetzt bis zu 15.694€ bei einem gemeinsamen zvE von mehr als 501.462€."

    Wenn also Du und Dein Freund eine Ehe eingehen wollen und einer von Euch nicht arbeitet oder sehr wenig verdient, wird dies gegenüber einer Beziehung mit Deiner Freundin vom Staat doppelt bevorteilt (Ehe selbst und Splitting) .

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    1. Dein Vergleich gilt nur für Paare, die nicht verheiratet sind.
      Wenn beide Paare, die man miteinander vergleicht verheiratet sind macht das keinen steuerlichen Unterschied, wer wie viel verdient!

      Der Vergleich, der bei Wikipedia genommen wurde ist ein Vergleich zwischen einem verheirateten Paar und wie die Steuern bei Einzelbesteuerung wären. Dann ergibt sich tatsächlich ein Unterschied von 7914 Euro.
      Das heißt, ein Ehepaar, was zusammen mehr als 104.304 Euro bezahlt immer gleich viele Steuern, egal wer wie viel verdient - einen Vorteil gegenüber einer Gleichverteilung der Einkünfte gibt es nicht.

      Aber wären die zwei nicht verheiratet und nur einer würde das Einkommen verdienen, würde diese Einzelperson dann 7914 Euro mehr Steuern bezahlen.
      Ein unverheiratetes Paar, dass entsprechend verdient würde genausoviel Steuern bezahlen wie das verheiratete Paar, wenn beide gleiches Einkommen hätten. Es macht hier also keinen Unterschied, ob die beiden als Wirtschaftsgemeinschaft betrachtet werden oder nicht. Das ist mit Splittingvorteil gemeint.

      Dies verstehen leider viele Menschen falsch und gehen davon aus, dass ein Paar mit ungleichem Verdienst einen Vorteil hätte, was aber echt nicht so ist. Der Vorteil besteht lediglich im Vergleich zwischen unverheiratet und verheiratet.
      Ich habe da nichts vergessen, wenn du möchtest suche ich dir auch noch die entsprechenden Paragrafen raus, habe die Steuergesetzte alle hier ;)

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    2. Ach so, und ich muss noch einen Gedankenpunkt anfügen: das wir ja nicht die 50&10tausend mit der 30&30tausend Ehe vergleichen können. Der Alleinverdiener mit dem Einkommen von 30000 kann ja nicht einfach auf einen 50000 Job wechseln. Hier handelt es sich um zwei Familien mit unterschiedlichen Einkommensklassen.
      Deutlich wird der Vorteil, wenn wir eine 50&10tausend mit einer 50 und 30tausend Ehe vergleichen. Erstere wird dann einen höheren steuerlichen Vorteil erzielen.

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    3. Es tut mir leid, aber ich habe den Eindruck, Du legst Dir die Argumente zu Recht.

      Die Frage war doch nach dem Vorteil DURCH die Ehe. Dann müssen wir doch Verheiratete mit nicht verheirateten Paaren mit äquivalenter Einkommensverteilung vergleichen.

      Wenn wir das einfach überkreuzt vergleichen, also unverheiratetes mit gleichem Einkommen und verheiratetes mit unterschiedlichen Einkommen, macht das inhaltlich keinen Sinn. Das sind unterschiedliche Familien, das ist wie Äpfel und Birnen.

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    4. Nein, die zweite wird höhere steuerliche Vorteile erzielen, als die erste. Auch wenn man das auf den ersten Blick nicht denkt.

      Hier mal die Zahlen.
      50&10tausend:
      Steuern ohne Ehe: 13275 Euro
      Steuern mit Ehe: 12510 Euro
      Differenz: 765 Euro

      30&50tausend:
      Steuern ohne Ehe: 19102
      Steuern mit Ehe: 18014
      Differenz: 1088

      (Berechnung ohne irgendwelche Freibeträge anhand von §32a Einkommnsteurgesetz)

      Generelll ist der Steuervorteil bei einem höheren Gesamteinkommen größer, da auch die Steuern selbst sich erhöhen. Also wird eben nicht eine Ehe, in der einer nicht oder sehr gering arbeitet bevorzugt.

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    5. Ok, mit der Seuerrechnung kennst Du Dich offensichtlich besser aus.
      Trotzdem bin ich noch nicht überzeugt. Denn Letzlich gibt es den Steuerlichen Vorteil ja nur für EinkommensUNTERSCHIDE. Rechne doch noch mal vor, wie hoch die Steuereinsparung für ein Paar mit 50&50tausend Einkommen ist. Laut Wikipedia müsste das ja 0 sein. stimmt das? Und kannst Du für obige Rechnung noch die Prozentsätze für die einzelnen Einkommen angeben?

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    6. Ich habe jetzt mal hier nachrechnen lassen: http://www.nettolohn.de/rechner/splitting-veranlagung-steuer.html (ähnliche Zahlen hier: http://www.zinsen-berechnen.de/einkommensteuerrechner.php )
      Und wegen des Ergebnisses antworte ich schon vor einer neuen Antwort von Dir.

      Einkommen 50.000 & 50.000 Euro: Steuerersparnis ist 0,00 Euro
      Einkommen 50.000 & 30.000 Euro: Steuerersparnis ist 483,19 Euro
      Einkommen 50.000 & 10.000 Euro: Steuerersparnis ist 2.017,16 Euro
      Einkommen 50.000 & 0 Euro: Steuerersparnis ist 4.889,93 Euro

      Und noch ein Beispiel, also den Extremfall mit Gesamteinkommen über 100.000:
      Einkommen 100.000 & 0 Euro > Ersparnis von 8.581 Euro (= 8,5% !!!)
      Einkommen 65.000 & 35.000 Euro > Ersparnis von 731 Euro (= 0,7%)
      Einkommen 100.000 & 35.000 Euro > Ersparnis von 771 Euro (= 0,5%)

      Bei zweiterem und dritterem Fall ist jedoch vom Gehalt des Geringerdieners mit 35.000 Euro nach Steuerabzug nur noch 7658 Euro übrig, da dieser ja in die schlechtere Steuerklasse rutscht. Der Mehrverdiener hat zwar dafür mehr. Aber dies ist auch ein Signal an den Geringverdiener, er kann sich das arbeiten so gut wie Sparen, sich um den Haushalt kümmern etc.
      Was Du oben aufrechnest, stimmt also einfach nicht. Oder Du musst mir das jetzt nochmal erklären, warum Du auf andere Ergebnisse kommst.

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    7. Die unterschiedlichen Zahlen haben zwei Gründe. Zum einen habe ich nur die Einkommensteuer ohne Solidaritätszuschlag berechnet und zum anderen habe ich mich anscheinend bei den 30T verrechnet. Kann dir aber leider nicht genau sagen, wo, da ich nochmal nachgerechnet habe und ähnlich Zahlen erhalten habe wie deine Seite (allerdings ohne Soli). Tut mir leid.

      Natürlich gibt es bei einer Gleichverteilung des Einkommens keine Steuerersparnis durch eine Eheschließung, da diese Variante schon im voraus die geringen Steuern bezahlt, die andere erst nach einer Eheschließung zahlen würden.

      Dein Argument am Ende des Kommentars zieht meiner Meinung nach nicht, weil genau diese Betrachtung innerhalb einer Ehe ja nicht mehr gemacht wird. Das Einkommen wird als ein gemeinsames betrachtet und nicht als ein hohes und ein geringes und daher kann nicht davon ausgegangen werden, dass einer jetzt mehr und einer weniger hat. Auch in der Ehe bleibt es den Partnern überlassen auf eine gemeinsame Veranlagung zu verzichten, wenn man seine Gelder trennt und dann als der Geringverdiener mehr behalten möchte.

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  2. "Die Frage war doch nach dem Vorteil DURCH die Ehe. Dann müssen wir doch Verheiratete mit nicht verheirateten Paaren mit äquivalenter Einkommensverteilung vergleichen.!"

    Das es da einen Vorteil gibt habe ich ja gar nicht bestritten, im Gegenteil, ich will diesen doch gerne für alle Versorgungsgmeinschaften.
    Was ich bestreite ist lediglich, dass das Ehegattensplitten das Einverdienermodell unterstützt.

    "Wenn wir das einfach überkreuzt vergleichen, also unverheiratetes mit gleichem Einkommen und verheiratetes mit unterschiedlichen Einkommen, macht das inhaltlich keinen Sinn. Das sind unterschiedliche Familien, das ist wie Äpfel und Birnen."

    Ich habe versucht zu erläutern, was bei Wikipedia gemacht wurde. Nicht mehr und nicht weniger.

    Oder wo genau habe ich deiner Meinung nach Äpfel mit Birnen verglichen?

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  3. Wir haben hier zwei Fragen vermischt
    1.) Befördert das Ehegattensplitting die Alleinverdienerehe?
    2.) Sollte die Ehe an sich vom Staat finanziell gefördert werden?
    Zu 1) rechnen wir jetzt oben im ursprünglichen Diskussionsast. Zu 2): Nenne mir doch mal einen Grund, WARUM die Ehe überhaupt finanziell gefördert werden soll, also abgesehen von der Diskussion um das Ehegattensplitting? Denn das war ja der Grund meiner Teilnahme an dieser Diskussion hier.
    Was begründet eine finanzielle Bevorteilung von Menschen durch den Staat, die verheiratet sind (und sich fast die Hälfte später wieder scheiden lässt), gegenüber Menschen, die nicht verheiratet sind???? Welches Interesse verfolgt der Staat damit?

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