Freitag, 19. April 2013

Objektivität gibt es nicht!

Es gibt viele unterschiedliche Meinungen zu allen erdenklichen Themen. Durch Diskussionen versucht man sich gegenseitig anzunähren und für alle die besten Kompromisse zu finden. Wenn mir dann aber Personen begegnen, die von sich behaupten, ihre Meinung sei objektiv, dann weiß ich sofort, mit solchen Menschen hat es keinen Sinn überhaupt eine Diskussion anzufangen, denn die werden nicht diskutieren, die werden höchstens von oben herab einen Monolog halten. Verschwendete Zeit. Ich verschwende meine Zeit nicht gerne mit Leuten, die sich für objektiv halten.
Beispielsweise beim Thema sexistische Werbung: es gibt durchaus haufenweise Werbung, die ich als sexistisch und unangebracht empfinde (!), aber wenn mir dann jemand damit kommt, dass es ein objektiver Fakt sei, dass die Werbung sexistisch ist, halte ich mich aus der Diskussion raus. Selbst wenn ich in dem Moment evtl. die gleiche Meinung habe (abgesehen davon, dass ich mich nicht für objektiv halte). Man sollte immer auch aufmerksam anderen Meinungen zuhören, so kann man vielleicht sogar zu tollen neuen Erkenntnissen gelangen!

Zurück zur Objektivität. Wir alle nehmen die Welt durch unsere eigene Brille wahr. Diese Brille enthält unsere Geschichte, unsere Erfahrungen und die unserer Freunde, unsere Gesellschaft (nicht pauschal, sondern als eigener Kreis zu verstehen).
Ich bin beispielsweise in einem sehr multikulturellem Ort aufgewachsen und habe daher als selbstverständlich in meiner Brille, dass alle Menschen gleiche Rechte und Pflichten haben und individuell viel verschiedener sind als irgendwelche Gruppen bezogen auf Herkunft.
Ich kenne rassistische Beleidigungen aus meiner Kindheit gegen und von den unterschiedlichsten Menschen. Und empfinde es daher auf keinen Fall als richtig, irgendwie deutsche zu benachteiligen oder gar „Deutschenfeindlichkeit“ (hatte ich mal irgendwo gelesen) zu befürworten. Andere Menschen, die evtl. in einem komplett deutschen Umfeld aufgewachsen sind und wenig mit Menschen mit Migrationshintergrund zu tun gehabt haben, kennen aus ihrer Umgebung vielleicht nur negative Äußerungen über nichtdeutsche Herkunft, weshalb für diese evtl. die „Deutschenfeindlichkeit“ als eine Art Ausgleich richtig erscheint.
Wenn ich dieses Hintergrundwissen über andere Menschen habe, kann ich deren Texte anders lesen, sie einordnen. Daher auch mein Text zum Thema „Critical Hetness“ so wie er ist, damit ihr wisst, mit welcher Brille ich auf das Geschehen gucke.

Kein Mensch kann von sich behaupten irgendwelche Dinge, bei denen es unterschiedliche Meinungen gibt, objektiv zu betrachten. Denn diese Brille der eigenen Erfahrungen kann keiner einfach ablegen. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn viel mehr Menschen darüber nachdenken, woher ihre vermeintlich objektive Meinung stammt, um sich dann vielleicht doch einer Diskussion mit gegensätzlichen Meinungen zu öffnen.

Kommentare:

  1. Oha, da kann man schön die Protokollsatzdebatte neu aufmachen. Interessantes Gebiet, die Wahrheitsphilosophie, gerade für Naturwissenschaftler und Ingenieure :) Als solcher stehe ich übrigens natürlich auf dem Standpunkt, daß eine ausreichende Objektivität in den meisten Fällen erreichbar ist.

    Das Problem ist eher (und der Grund, warum ich bei den Worten „Es ist doch Fakt …“ genauso genervt wegschalte wie Du), daß zum einen die wenigsten Menschen tatsächlich „wissenschaftlich“ arbeiten können. Insbesondere haben nach meiner Beobachtung die Leute, die immer am lautesten danach schreien, die größten Defizite („es ist doch Fakt, daß …“ Ja, danke!).

    Zum anderen (und damit zusammenhängend) versagen sogar die Leute, die es können, sobald sie selbst in dem Thema involviert sind. Logisch, „sind ira et studio“ ist eines der Kernprinzipien der wissenschaftlichen Arbeit. Leider kriegen diejenigen das oft nicht mit – und betonen weiter ihre „Objektivität“, was Du hier ja zu Recht anprangerst.

    Aber daraus zu folgern, eine solche gebe es garnicht… halte ich für falsch. Wieviele Meinungen es zu einem Thema gibt, tut übrigens auch nichts zur Sache. (Entweder waren die Amis auf dem Mond oder nicht, das kann man objektiv aussagen.)


    Ich bin etwas betrunken, ein andermal vielleicht mehr und kohärenter :)

    Hab einen schönen Abend




    e

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    1. Ich selbst, übrigens auch als angehende Ingenieurin, bin dennoch der Meinung, dass es gerade in der Wissenschaft wenig bis keine Objektivität gibt.
      Theorien halten, wie du ja auch nur solange, bis jemand eine bessere gefunden hat. Also ist eine niemals objektiv richtig. Wie du selbst schreibst sprichst du von ausreichender Objektivität, wobei es vermutlich unterschiedliche Meinungen darüber geben wird, was nun ausreichend ist.

      Und gerade bei Themen, die nun weniger objektiv eindeutig sind wie das, ob die Amis nun auf dem Mond waren oder nicht (wobei es auch da nur einige wenige Menschen gibt, die objektiv wissen, was wahr ist), ist es noch schwerer. Und dort gibt es einfach keine Objektivität, sondern nur ein Ausstauschen von Meinungen, bei denen man evtl. zu einem gemeinsamen Nenner kommt, der aber dennoch nicht objektiv sein muss.
      Wie ich im Artikel bereits erwähnt habe sind das z.B. Theman wie, Sexismus, Diskriminierung, Machtverhältnisse...

      Viele Grüße,
      Miria

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