Donnerstag, 7. März 2013

Sexuelle Orientierung und Schubladen


Menschen denken immer und überall bei jedem Thema in irgendwelchen Schubladen. Diese Schubladen helfen dabei, andere Menschen oder auch Gegenstände oder was auch immer sofort irgendwie einordnen zu können. Wenn z.B. etwas vier Räder, Sitze und ein Lenkrad hat, kommt automatisch die Assoziation „Fortbewegungsmittel“.
Das Problem mit den Schubladen ist allerdings, dass es bei Menschen, die wir einordnen meist nicht so einfach ist wie bei einem Auto. Gerade was die Sexualität von Menschen angeht, neigen wir dazu, in Schubladen zu denken.
Nicht nur indem bei bestimmten oder ungewöhnlichen Verhaltensweisen Vermutungen angestellt werden, ob die entsprechende Person evtl. homosexuell ist (muss man das eigentlich wirklich wissen?!), sondern auch indem wir uns öfter immer selbst in irgendwelche Schubladen einsortieren. Gerade bei der Sexuellen Orientierung habe ich noch keinen erwachsenen Menschen kennengelernt, der nicht sich selbst irgendwo einsortiert hat: heterosexuell, homosexuell, bisexuell, pansexuell, asexuell… (vielleicht gibt’s da sogar noch mehr Schubladen, dass sind nur die, die mir spontan einfallen).
Dieses sich selbst einsortieren gibt Sicherheit. Man hat etwas, worauf man sich beziehen kann, worauf man zurückgreifen kann.
Oft funktioniert das aber leider durch Abgrenzung zu den Menschen, die sich in den anderen Schubladen befinden. Heterosexuelle Menschen wollen häufig deutlich machen, dass sie nicht homosexuell sind. Was bei einigen leider durch ein übersteigertes Ego oder durch homophobe Äußerungen  passiert. Homosexuelle Menschen sind auch wieder mit bestimmten Vorurteilen konfrontiert, sobald ihre sexuelle Orientierung bekannt Wird. Bisexuelle Menschen, müssen sich von homosexuellen Menschen anhören, dass sie das ja gar nicht ernst meinen, sondern sie einfach mal etwas ausprobieren möchten und von Heterosexuellen, dass sie ja eigentlich schwul wären, nur nicht richtig dazu stehen. Pansexuelle und Asexuelle müssen sich generell dem Vorurteil stellen, dass es Menschen wie sie gar nicht gibt oder die Leute da einfach gar nichts mit anzufangen wissen.
Helfen die Schubladen also hier wirklich weiter? Mir persönlich hilft es nur weiter, wenn ich an meinem Gegenüber interessiert bin (und das nicht nur freundschaftlich), dann möchte ich natürlich schon wissen, gibt es da überhaupt eine Chance.
Ein Mann, der sich selbst klar als homosexuell definiert, wird sich sexuell wohl nicht für mich als Frau interessieren und daher muss ich dann keine Energie in irgendwelche Versuche investieren, die sowieso im Sande verlaufen.
Komischerweise sehen Männer das teilweise anders und finden gerade homosexuelle Frauen auf eine Art anziehend. Sind diese Männer naiv oder so von sich selbst überzeugt, dass sie denken, sie hätten eine Chance, obwohl eine Frau eigentlich nicht an einem Mann interessiert ist? Ich frage mich das ernsthaft.
Ohne jemanden zu fragen, kann ich ihn theoretisch nie sicher einer bestimmten Schublade zuordnen, selbst wenn ich ein küssendes Pärchen sehe, sagt das noch wenig über die sexuelle Orientierung aus: Ein Mann und eine Frau könnten sowohl, hetero- , bi- oder pansexuell sein, zwei Personen des gleichen Geschlechts homo-, bi- oder pansexuell. Trotzdem ordnen über 90% der Menschen die beiden vermutlich wieder gleich in eine Schublade ein. Bei Mann und Frau wird das Label heterosexuell und bei einem gleichgeschlechtlichen Paar das Label homosexuell aufgedrückt. Ohne nachzufragen, ohne nachzudenken.

Kommentare:

  1. Ich finde es immer seltsam wenn ich darüber nachdenke, dass ich für die meisten leute automatisch heterosexuell bin. Sicherlich noch mehr seit ich mit meinem Freund zusammen bin. Klar, wieso sollte ich auch "ich bin bisexuell!" rumrufen, aber es ist wirklich komisch, dass das nie als option im raum steht.

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    1. Geht mir ähnlich. Speziell wenn aus Verwandtenkreisen die Frage gestellt wird, wieso ich denn keinen festen Freund habe. Niemals wird gefragt, wieso ich keine feste Freundin habe.
      Es wird einfach nicht hinterfragt. Ich glaube, für die meistem Menschen ist man so lange heterosexuell bis man das irgendwie widerlegt.

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