Samstag, 23. März 2013

Echo: Rückblick


Der in diesem Jahr vieldiskutierte Musikpreis der Phono-Akademie ist nun vorbei. Preise sind verliehen, Demonstrationen beendet. Ja, Demonstrationen gab es dieses Jahr vor der Echo-Veranstaltung sogar mehr als nur eine
Die Phono-Akademie hatte nach Vorwürfen zweier Bands, letztendlich (auch auf medialen Druck hin) die Band Frei.Wild von der Nominierungsliste gestrichen. Das gab es noch, nie, dass Künstler gestrichen wurden. Nominierungen laufen normalerweise nur anhand von Verkäufen und davon hatte Frei.Wild ziemlich viele. Allerdings war die Begründung, die Veranstaltung eben nicht politisch werden zu lassen ein Widerspruch zur Handlung. Denn wenn man eine Band aufgrund irgendwelcher Einstellungen streicht, ist dies politisch. Aufgerufen zu einer Mahnwache hat die NPD, die damit gegen den Rausschmiss von Frei.Wild demonstriert. Die NPD lässt natürlich keine Möglichkeit aus, sich irgendwo bemerkbar zu machen. Dagegen gab es eine antifaschistische Demonstration und die Demonstration von Freiwild und den Fans. Denn Frei.Wild und deren Fans möchten sich nicht von einer rechtsradikalen Partei wie der NPD instrumentalisieren lassen. Ergebnis waren ca. 20 Demonstranten der NPD und der antifaschistischen Gegner und über 400 auf Seiten der Band Frei.Wild. Was ich schon deshalb interessant finde, dass dies die spontanste am kürzesten geplante Demonstration war.

Ich möchte jetzt gar nicht darüber diskutieren, ob die Vorwürfe zutreffen, das habe ich bereits bei meinem letzten Artikel zum Thema Echo. Mich interessiert vielmehr, wie politisch war der Echo denn sonst. Was verbreiten die Gewinner des Echos für ein Weltbild, was haben sie für Texte. Denn ich frage mich, wurde hier wirklich nur aus medialem Druck oder politischem Kalkül gehandelt. Normalerweise dürften sich unter den Echo-Gewinnern 2013 eigentlich nach diesem Skandal keiner mit einem fragwürdigen Weltbild mehr finden. Hier mal zwei Beispiele:

Als erstes die Toten Hosen (Album des Jahres, Hit des Jahres) singen in ihrem Song „Bonnie & Clyde“ über verschiedene Verbrechen, die begangen und in dem Song vom lyrischen Ich für gut befunden werden. Vielmehr noch wird versucht anhand der Taten ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Akteure zu erstellen. So heißt es beispielsweise

Was wir zum Leben brauchen
werden wir uns schon irgendwie holen
wir rauben ein paar Banken aus
oder einen Geldtransport
wir schiessen 2, 3, 4, 5 Bullen um
wenn es nicht mehr anders geht
jeder weiss genau, was er da tut
wenn er uns aufhalten will

Hier werden gleich mehrere Verbrechen heroisiert und verharmlost. Unter anderem der Mord an Polizisten. Solche Einstellungen scheinen aber der Phono-Akademie und allen anderen Nominierten beim Echo egal zu sein oder sie finden Polizistenmord fällt im Gegensatz zu Heimatliebe wohl unter künstlerische Freiheit.

Nun zu Deichkind (Gewinner der Kategorie Club/Dance). Wenn ich mir hier die Texte der Band anschaue erkenne ich nicht gleich so eindeutige Ansagen wie bei den Toten Hosen, aber die gesamten Songs zeigen ein Weltbild, in dem Saufen, Party machen wichtiger als alles andere ist und die „normale Gesellschaft“ verhöhnt wird. Beispiele hierfür sind die Songs „Arbeit nervt“ oder „Gut dabei“ mit beispielsweise dem folgenden:

Mein Telefon ist abgestellt
Meine Wohnung ist ein Trümmerfeld
Ich schnorr' mich durch die ganze Welt
Bin das Gegenteil vom Superheld.

Es wird so getan, als wäre es prima auf die Kosten anderer zu leben und sich um nichts zu kümmern. Das ist definitiv ein Weltbild, welches ich zum Kotzen finde! Leider war ich nicht zum Echo nominiert, sonst hätte ich das ja mal auf Facebook erwähnen können…

Fazit ist für mich, die Phono-Akademie ist einen scheiß an irgendwelchen politischen Einstellungen der Nominierten oder gar Gewinner interessiert, sondern lässt sich von Medien und einzelnen unter Druck setzten. Was ist dieser Preis noch wert? Schafft ihn doch einfach ab!
Da die Phono-Akademie erklärt hat, man werde die Regeln überarbeiten, bin ich gespannt auf den Echo 2014, bei dem hoffentlich nicht nur Heimatliebe und Tradition, sondern auch Polizistenmord ausgeschlossen werden - oder der Echo wird einfach abgeschafft, das wäre doch eigentlich die sinnvollste Möglichkeit nach der Aktion in diesem Jahr.
Ach ja, den Preis fürs Lebenswerk bekam Hannes Wader, ehemaliges DKP (vom Verfassungsschutz als linksextremistische Partei eingestuft) Mitglied. Dazu kann man dann wirklich nichts mehr sagen…

Kommentare:

  1. Bei den Toten Hosen geht es, wie hier selbst bemerkt wurde, um ein lyrisches Ich. Da so gut wie jeder die Geschichte von Bonny & Clyde kennt, ist auch für jeden klar erkenntlich, dass es sich um Poesie handelt und nicht um eine vollkommene Bejahung von Gewalt und vor allem Mord. Man kann aber natürlich auch alles seiner Meinung entsprechend hindrehen...

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    1. Natürlich kann man alles seiner Meinung entsprechend hindrehen, genau darum ging es mir ja. Ich glaube selbst nicht, dass die Toten Hosen den Mord bejahen.
      Es ging vielmehr darum genau das zu zeigen, dass man beinahe bei jeder Band solche Lieder erkennt,die man entsprechend hindrehen kann.

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