Donnerstag, 21. Februar 2013

Solidarität

Ich bin nicht solidarisch! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die ein Verbot der Prostitution fordern! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die eine Verstaatlichung diverser Unternehmen aus der Versorgungsbranche fordern! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die fordern, eine Frau dürfe im Bett nicht unterwürfig sein! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, die mich verbiegen und in ihre Vorstellung von einer Frau pressen wollen! Ich bin nicht solidarisch mit Frauen, nur weil sie Frauen sind!

Solidarität laug Wikipedia
Solidarität (abgeleitet vom lateinischen solidus für gediegen, echt oder fest; Adjektiv: solidarisch) bezeichnet eine, zumeist in einem ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus (vgl. auch Solidargemeinschaft).

Wie die Definition sagt, es geht um gemeinsame Ziele und Werte. Und Die oben beschriebenen Forderungen widersprechen meinen Zielen und Werten. Natürlich kann ich mit Menschen solidarisch sein, die gleiche Ziele haben wie ich und diese im Erreichen ihrer Ziele unterstützen. Bzw. auch mit Leuten, die eine Ziel haben, dass zwar nicht meins ist, aber in mein Wertesystem passt. Ich kann diese Menschen unterstützen.
Ich bin gedanklich solidarisch mit allen Frauen, die sich in Indien erheben und gegen das System kämpfen, welches Vergewaltigung als harmlose Normalität betrachtet. Ich kann zwar von hier aus nicht wirklich etwas tun, aber ich kann darauf aufmerksam machen. Und Leuten sagen, dass es scheiße ist, was da passiert.
Wenn aber Frauen im Namen des Feminismus Forderungen aufstellen, die nicht meine sind (z.B. Prostitutionsverbot), dann berührt mich auch nicht die Forderung als Frau bzw. Feministin doch bitte solidarisch zu sein! Ist es nicht viel sinnvoller hier Gleichgesinnte zu suchen, die solidarisch sind - völlig unabhängig vom Geschlecht? Mit Sicherheit lassen sich auch einige Männer finden, die entsprechende Forderungen unterstützten und diese sollten solidarisch mit eben jenen Feministinnen sein und nicht ich!

Bitte fordert nicht mehr Solidarität aufgrund des Geschlechts, denn meine gibt es nicht! Und wenn etwas meine Unterstützung verdient gibt es die schon ganz alleine ohne diese vorwurfsvolle Forderung! 
Deshalb wünsche ich mir, dass mit mir alle Menschen (!) solidarisch sind, die die gleichen Ziele und Werte haben wie ich! 

Kommentare:

  1. Vor allem das Übernehmen von Werten im Rahmen/Namen der Solidarität ist der Part, bei dem meine Bauchschmerzen meist anfangen.

    Ich kann mich noch gut an den „Bildungsstreik“ gegen Studiengebühren hier in Hessen erinnern. Zuerst nur die Feststellung, man sei aus Gründen gegen Studiengebühren (bin ich prinzipiell auch) und es sei nötig, gegenüber sozial schlechter gestellten Studenten solidarisch zu sein. Keine Ursache.

    Als nächstes wurden dann unter der Flagge dieses Bündnisses Vorlesungen gestürmt, lernende Kommilitonen beschimpft, bei Demos CDU-Stände dem Erdboden gleichgemacht. Ne, danke, dafür gibt's von mir keine Solidarität und auch sonst nix.

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  2. Volle Zustimmung. Dieser Ruf nach Solidarität nervt, weil er die Forderung beinhaltet, alleine deswegen für eine Überzeugung zu kämpfen, weil eine andere Person es verdient habe, ihre Überzeugung durchzusetzen. Aus welchem Grund? Wenn eine Ansicht gut ist, bin ich gerne bereit, sie zu unterstützen. Wenn sie schlecht ist, werde ich sicher nicht dafür einspringen, nur weil die andere Person zufällig das gleiche Geschlecht hat oder in einem nicht privilegierten Umfeld aufgewachsen ist. Ja, der Gender Pay Gap ist scheiße. Ja, der strukturellen Diskriminierung von Bevölkerungsgruppen muss etwas entgegen gesetzt werden. Nein, daraus folgt nicht, dass ich jede beliebige Forderung unterstützen muss, die von irgendeiner Person gestellt werden, die in diesen Bereichen die gleichen Ansichten hat wie ich.

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