Montag, 4. Februar 2013

Sexismus - verwirrt



Die Frage in der Überschrift ist als eine offene Frage zu verstehen. Ich habe den Artikel von Natalie, in dem sie sich selbst als eine Sexistin bezeichnet gelesen und der hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, so dass ich jetzt einen eigenen Post zum Thema verfasse.

Auch ich habe Beispiele für Situationen, in denen ich sexistisch handele, ich würde dabei nicht so weit gehen, mich selbst als Sexistin zu bezeichnen. Denn nach meiner Definition ist ein Sexist jemand, der darüber nicht nachdenkt, sondern es einfach so für richtig hält, Männer und Frauen unterschiedlich zu behandeln.

Ich handele sexistisch…
… wenn ich beim ersten Date erwarte, dass er mir die Tür aufhält und bezahlt. (Beim zweiten Date zahle dann ich, denn ich mag lediglich die Geste und muss nicht irgendwie von einem Mann ausgehalten werden).

… wenn ich einen Mann bitte, mir bei Arbeiten zu helfen, die lästig sind und als typisch männlich angesehen werden, z.B. Möbel aufbauen, Auto reparieren etc. (Wäre vielleicht nicht sexistisch, wenn ich davon wirklich keine Ahnung hätte und wüsste, dass der spezielle Mann das wirklich besser kann, ist aber meist nicht so).

… wenn ich mir extra kurze Kleidung und tiefen Ausschnitt anziehe, um in der Disko Getränke ausgegeben zu bekommen. (Das heißt nicht, dass das immer mein Ziel ist, aber ab und an ganz praktisch)

Wahrscheinlich gibt es auch noch andere Situationen, in denen ich sexistisch handele. Die Frage, die sich mir nun stellt ist, ist das wirklich problematisch? Ich bin mir selbst da nicht sicher, denn in der genannten Situation schade ich direkt niemandem, habe noch nie jemandem gezwungen, mir zu helfen oder mir was auszugeben. Das Angebot kommt meist vom Gegenüber. Ob ein Mann sich dadurch etwas erwartet (schon oft gehört, dass es so wäre), ist mir in dem Moment egal. Ich schlafe nur mit einem Mann, auf den ich Lust habe, dass kann jemand sein, den ich in einer Disko kennenlerne oder auch nicht.

Wenn man das jetzt mal von der persönlichen Ebene weg betrachtet, dann könnte das Argument gebracht werden, dass ich durch mein Verhalten Frauen schade, die das nicht so haben wollen.
Frauen, die sich herabgesetzt fühlen, wenn ein Mann ihnen die Tür aufhält oder das Getränk bezahlt, weil in ihrer Wahrnehmung mitschwingt, dass diese Geste beinhaltet sie könnten es nicht alleine. Frauen, die stolz darauf sind, ihre Möbel selbst aufzubauen und sich nicht ernst genommen fühlen, wenn ein Mann ihnen diese Arbeit abnehmen will, weil er denkt, sie könnten das nicht.
Alle diese Frauen könnten nun auf Männer treffen, die ich zuvor in ihrer Einstellung bestärkt habe durch mein Verhalten. Ich schade demnach den Frauen, die eben nicht so behandelt werden möchten. Sie müssen denjenigen dann wieder klar machen, dass es nicht angebracht ist, die Rechnung zu übernehmen o.ä.
Aber liegt das in meiner Verantwortung? Ist nicht jede Frau selbst für ihr Glück verantwortlich (natürlich mit Einschränkungen)? Kann ich nicht jeder anderen Frau zutrauen, einem Mann zu sagen, was ihr passt und was nicht?
Gibt es nicht auch noch viele andere Frauen, die „ein wenig Sexismus“ (keine Ahnung, wie ich das sonst ausdrücken soll) gut finden. Helfe ich dann nicht diesen Frauen, in dem ich die Männer in ihrer Annahme bestätige?

Viele fordern allerdings, dass das niemand mehr gut finden sollte und sich die Gesellschaft dahin entwickeln sollte, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass jeder selber zahlt und man Türen nur unabhängig vom Geschlecht aufhält (falls eine Person beispielsweise Hilfe braucht). Wir alle sollen unsere Einstellung dahin entsprechend ändern.
Aber warum ist die Meinung derjenigen, die dies fordern besser und richtiger als die derjenigen, die gerne einen kleinen Unterschied in ihrem Leben haben?

All diese Fragen sind völlig offene Überlegungen. Ich bin mir selbst nicht sicher, was bei diesem Thema für mich das Richtige ist, daher lassen sich mit Sicherheit auch einige Widersprüche in diesem Text finden. Aber vielleicht kann ich durch weitere Anregungen, irgendwann zu einem Fazit kommen…

Nachtrag: Gerade im Zusammenhang mit der aktuellen Sexismus-Diskussion finde ich es wichtig, dass hier auf keinen Fall von irgendwelchen Belästigungen oder Beleidigungen die Rede ist (die evtl. nach so manch einer Definition auch unter Sexismus fallen könnten) !

1 Kommentar:

  1. Ich hab deinen Blog gerade zufällig gefunden, aber ich finde deinen Post sehr interessant, ich habe auch Probleme mit dieser Frage und bin irgendwie zwiegespalten... jedenfalls glaube ich, dass weder die eine noch die andere Einstellung komplett richtig ist. Dass man sich keine Sorgen machen muss, jemandes Einstellung zu bestärken oder zu verändern, denn der Mann, von dem man sich die Tür aufhalten lässt, sollte sich einfach bewusst sein, dass Menschen verschieden sind und nur, weil diese Frau sich so verhält, kann eine andere ganz anders sein. Ich glaube, offen bleiben ist das Ziel. Und auch Frauen, die nicht "wie Frauen" behandelt werden wollen, sollten wissen, dass der andere das ja nicht wissen kann und einfach nur freundlich sein will. Letztendlich kann man ja einfach sagen, dass man seine Möbel selbst hochtragen will. Es geht doch eigentlich nur um Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Andererseits, wenn man sich eine Gesellschaft ohne Unterschiede wünscht, ist es schon verständlich wenn man nicht will dass die Umgebung sofort davon ausgeht dass man alles nicht kann, nur weil man eine Frau ist. Also quasi eine grundlegende Veränderung will. Aber zur Zeit ist es eben nicht so, und vielleicht ist beiden Parteien geholfen, wenn man einfach immer beide Möglichkeiten erwägt und weiß, dass es für den anderen auch nicht einfach ist.
    Jetzt hab ich hier mal meinen Senf dazugegeben. Ich hoffe, das hilft irgendwie. ^^

    Liebe Grüße
    Julia

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