Mittwoch, 9. Januar 2013

Das K-Wort

Ich habe heute zum ersten mal zufällig in einem Artikel das „K-Wort“ gelesen. Gemeint ist Kanake. Der Autor des Artikels geht wohl davon aus, dass es sich dabei um ein ähnlich stark rassistisches Wort handelt, wie das N-Wort. Über dem Text prangt eine Triggerwarnung, da ein rassistisches Wort ausgeschrieben wird, zur Erklärung. Damit wird also davor gewarnt, dass in Klammern hinter dem „K-Wort“ Kanake steht.

Ich habe mich ernsthaft darüber gewundert. Ich habe Kanake niemals als ein rassistisches Wort erlebt. Es wird in meinem Umfeld häufig genutzt, um Mitbürger zu bezeichnen, die ein südliches Aussehen haben und die selbst oder deren Eltern aus dem Ausland kommen, aber niemals im Negativen. Verwendet wird es am meisten von eben jenen selbst. Also habe ich erstmal Kanake gegoogelt, um festzustellen, was es damit auf sich hat und habe den Wikipedia Artikel  gefunden, der differenziert die Bedeutungen erklärt und tatsächlich geht aus ihm hervor, dass Kanake auch als Schimpfwort verwendet wird.
Wie oft habe ich wieder das Gefühl, dass ich in einer anderen Welt lebe als die meisten. Einige meiner engen Freunde kommen aus Syrien oder Albanien und bezeichnen sich eben selbst oft als Kanaken bzw. Ich sie auch manchmal, aber mit Sicherheit niemals als Beleidigung. Und bis jetzt ist mir noch kein Mensch real begegnet, der dieses Wort als Beleidigung aufgefasst hat.
Auch aufgrund der Wortherkunft, Kanake bedeutet einfach „Mensch“, kann ich mir nicht erklären, wie sich ein solches Wort zu einer Beleidigung entwickeln konnte.
Vielleicht hängt meine mangelnde Erfahrung auch mit dem Alter zusammen, auch die meisten Menschen, die das Wort benutzen sind eher jünger als 40.
Interessant wäre auch noch, was das Wort zuerst war, Beleidigung oder Eigenbezeichnung? Wäre es erst eine Beleidigung gewesen, so würde es sich hierbei (in meiner Umgebung zumindest) um einen erfolgreichen Fall des reclaimings handeln. Bisher sieht es aber aufgrund meiner Nachforschungen so aus, als ob „Kanake“ eigentlich ein neutrales Wort ist, welches leider auch von einigen wenigen als Beleidigung genutzt bzw. aufgefasst wird.

Ich frage mich, was das jetzt für mich bedeutet, dass dieses Wort auch als eine Art Beleidigung aufgefasst werden kann. Wie kann ich sicher sein, dass ein Gegenüber das nicht falsch versteht? Also bei den meisten Leuten bin ich mir sicher, dass das nicht falsch verstanden wird. Und in fremder Umgebung bzw. unter unbekannten Leuten, verwende ich das Wort sowieso eher nicht, da es meist als eine Art kumpelhafte Ansprache verwendet wird.
Irgendwie muss ich da noch einiges auseinanderwirren in meinem Kopf…

Kommentare:

  1. Ich kenne Kanake nur als Beleidigung...

    Eine Freundin von mir machte ihr Auslandsjahr in Neukaldonien und kam gar nicht damit klar, dass sich die schwarzen Ureinwohner dort als Kanaken bezeichnen. So heißen die aber nun mal, niemand weiß dort, dass der Begriff in Deutschland negativ konnotiert ist.

    Eben diese Ureinwohner wurden noch bis zu Anfang des 20. Jahrhunderts gerne in europäischen Zoos ausgestellt, wodurch sich das Wort von der Eigenbezeichnung dieser Menschen hin zu einer Beleidigung wandelte (im Sinne von "schwarzer Affe, fremdartig, nicht wirklich ein Mensch"). Ich versteh nicht, warum das in dem Wiki-Artikel nicht steht...

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    1. Wie genau ist das mit den Zoos gemeint? Meinst du wie Tiere ausgestellt? Das ist mir nämlich auch neu, hättest du dazu Quellen?

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  2. Konkret zu Kanaken jetzt nichts, aber diese Zurschaustellung anderer Völker ist gut dokumentiert. "Völkerschau" nannte man das: http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerschau

    Hier ein Einzelschicksal: http://einestages.spiegel.de/s/tb/26053/ota-benga-der-pygmaee-im-zoo.html

    Schon krass, wenn man bedenkt, dass sowas noch nicht mal 100 Jahre her ist...

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