Donnerstag, 6. Dezember 2012

Sexarbeit

Auf der Mädchenmannschaft ist eine Text zum Thema Sexarbeit erschienen. Hier werden sehr schön differenziert unterschiedliche Meinungen zum Thema angesprochen. Auf mutterseelenalleinerziehend erschien ebenfalls ein Text zum Thema . Es wird dort argumentiert, dass es Prostitution nur ein einer Welt mit Ausbeutung und unterschiedlichen Machtverhältnissen geben würde. Sie betont zwar, dass sie die Sexarbeiter respektiert, aber es dennoch eine schöne Vision wäre, würde es diese nicht geben. Provokant wirft sie die Frage in den Raum: Würdest du diesen Beruf auch machen, wenn ich dir jeden Monat 8000€ überweisen würde?

Ich glaube, dass es verdammt viele Berufe gibt, die Leute unter diesen Umständen nicht mehr machen würden. Ob es Klo putzen, Müllabfuhr, LKW fahren oder Kellnern ist, ich glaube mehr als 90% der Leute, die in diesen Bereichen arbeiten würden den Beruf dann nicht mehr machen. Und vielleicht sind die restlichen paar % diejenigen, die Spaß an ihrer Arbeit haben, auch wenn andere das vielleicht nicht nachvollziehen können, die gerne arbeiten auch in einem Beruf, der vielleicht der Mehrheit der Gesellschaft keinen Spaß machen würde.

Und hier kommt der Knackpunkt; es würde meiner Meinung nach in einer solchen Situation weniger Prostitution geben und keine Möglichkeit mehr, Menschen auszubeuten. Aber es würde immer noch genug Leute geben, die eben Spaß daran hätten und sich weiter Prostituieren würden.
Ich würde es! Nein, momentan arbeite ich nicht direkt in der Sexarbeit, kenne aber einige aus der Branche und die machen das natürlich auch wegen des Geldes, aber auch weil ihnen das definitiv mehr Spaß macht als Klo putzen.
Und ich habe Spaß am Sex, gerne auch mal einen ONS, warum dann nicht auch Geld dafür nehmen. Ja, im Gegenteil, hätte ich jeden Monat 8000€ müsste ich mir keine Sorgen machen, dass sich der Job als Sexarbeiterin negativ auf zukünftige Einstellungsgespräche in anderen Berufen auswirkt, da ich auf diese nicht mehr angewiesen bin!
Und da liegt eigentlich das viel größere Problem: Es gibt immer noch Menschen, die der Meinung sind, Sexarbeiter leiden alle unter ihrem Beruf und sind arme hilflose Opfer. Menschen, die denken, man müsste ihnen nur mal erklären, dass sie ja eigentlich so gar nicht glücklich sein könnten. Menschen, die ihnen weismachen, sie würden ihren Körper verkaufen und nicht nur eine Dienstleistung. Menschen, die Sexarbeiter moralisch in eine ganz böse Ecke stellen und so eben deren berufliche Zukunft gefährden.

Ich möchte hiermit nicht sagen, dass es keine Zwangsprostitution oder keinen Menschenhandel gibt. Dies sind Verbrechen und dagegen soll auch alles getan werden, was nötig ist. Es sollen Angebote zum Ausstieg und Zuhältern der Prozess gemacht werden. Aber nur, weil es schlechte Arbeitsbedingungen bzw. Zwangsarbeit gibt, muss nicht eine gesamte Branche verteufelt werden!  

Weiterhin wird von vielen Feministinnen (nein, lange nicht alle, ich bezeichne mich auch selbst als Feministin!) gesagt, dass den Frauen geholfen werden muss, aber Männer, die die Sexarbeit in Anspruch nehmen, bestraft werden müssten. Aber warum?!
Wenn zwei erwachsene Menschen sich in einem gemeinsamen Vertrag darauf einigen, dass eine Person der anderen für eine Dienstleistung Geld bezahlt, geht das Außenstehende nichts an! Ich hab in meinem Freundeskreis sowohl Männer, die sagen sie würden die Dienstleistung einer Sexarbeiterin nie in Anspruch nehmen, weil sie sich dann irgendwie schlecht fühlen würden als auch solche, die regelmäßig zu Prostituierten gehen.
Mit beidem kann ich gut leben, jeder soll machen, was er will. Ich habe mich mal längere Zeit mit einem guten Freund, der schon häufiger bei einer Sexarbeiterin war, darüber unterhalten, was für ihn der Vorteil ist und warum er nicht einfach irgendwo in der Disko eine Frau kennenlernt. Auch wenn das für viele nicht nachvollziehbar ist, es gibt es Frauen, die feiern gehen, um sich dort einen Mann mit nach Hause zu nehmen.
Ganz klarer Vorteil der Sexarbeit war seiner Meinung nach, das eben von Anfang an alles klar ist, dass es um eine Dienstleistung geht, dass niemand sich am nächsten Tag meldet und von Liebe redet.
Diese klaren Regelungen sind ein großer Vorteil, warum auch ich teilweise lieber Sexarbeit betreiben würde, statt mir einen Typen aufzureißen. Denn es kommt nicht selten vor, dass diese dann anhänglich werden. Bei klar abgesteckten Verträgen ist das anders.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn in der Gesellschaft ein umdenken passiert. Denn nur weil es Zwangsprostitution gibt, sollte die freiwillige Prostitution nicht verboten werden oder als moralisch verwerflich gelten.

Denn: MEIN KÖRPER GEHÖRT MIR!

ps. es findet sich auch noch ein Text, dem ich vollkommen zustimmen möchte auf thisisyourdaughter

Kommentare:

  1. Hallo Miria,

    das ist im Prinzip meine Position, und ich sehe mich auch als Feministin. Ich finde, es geht nicht, dass einige, es gut meinende Frauen, übergriffig behaupten, eine Sexarbeiterin, die das freiwillig macht, irre sich und müsse bekehrt werden.

    Ich würde allerdings lieber Klos putzen als gegen Geld mit Menschen Sex zu haben, um die Feministen jetzt vollends zu verwirren. :)

    Lieben Gruss, Christine

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  2. @Mira

    Du schreibst:

    Weiterhin wird von vielen Feministinnen (nein, lange nicht alle, ich bezeichne mich auch selbst als Feministin!) gesagt, dass den Frauen geholfen werden muss, aber Männer, die die Sexarbeit in Anspruch nehmen, bestraft werden müssten. Aber warum?!

    Kommentar:

    Das Problem der Bestrafung von FreierInnen ist doch noch Folgendes:

    Wie wir aus der Drogen- und Alkoholprohibition (hier insbesondere in den USA der 1920/30er Jahre) wissen, nützt eine Bestrafung meistens überhaupt nichts. Gesoffen, gekifft, gespritzt, gekokst etc. wird trotzdem, aber eben auch vielmach mit den negativen Folgen, die eine Prohibition/Bestrafung mit sich bringt: Es bildet sich ein Schwarzmarkt (viele Personen verdienen daran und es ist lukrativ, weil durch die Bestrafung/Prohibition auch die Preise in die Höhe schnellen), vielfach leidet auch die Qualität der Ware darunter (gepanschter Alkohol oder gestrecktes Heroin etc.), was wiederum zum Schaden der KonsumentInnen (Süchtigen) ist und durch die Illegalisierung kommt es vielfach noch viel schneller zu einer Verelendung der süchtigen Personen. Bei der Bestrafung der FreierInnen wird eben die Prostitution in die Illegalität abgedrängt, sodass die Arbeitsverhältnisse von Prostituierten um Einiges schlechter werden, als wenn gute gesetzlich verankerte Arbeitsbedingungen für Prostituierte geschaffen werden.

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    1. Sehe ich genauso wie du. Danke, dass du das als Ergänzung noch erwähnst.

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