Samstag, 8. Dezember 2012

Beziehungsfragen



Ich bin momentan zwar nicht in einer Beziehung, aber auf eine Diskussion im Internet vor allem im Forum der Emma zu dem Thema aufmerksam geworden, daher hab ich mir auch mal dazu ein paar Gedanken gemacht.

Vor kurzem erschien auf einem anderen feministischen Blog schon mal ein Post zum Thema Beziehung und Aufteilung der Arbeit in Beziehungen. Leider finde ich den Text gerade nicht wieder, würde ihn aber gerne verlinken. Hinweise dazu bitte in das Kommentarfeld.

Es gibt viele Varianten eine Beziehung zu gestalten. Es gibt das typische Rollenmodell, die 50/50 Aufteilung, den Hausmann mit Karrierefrau und vermutlich tausend weitere Möglichkeiten.

Jetzt stellte sich die Frage, was es bedeutet, eine gleichberechtigte Beziehung bzw. eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen. Damit im Zusammenhang ist zu unterscheiden, wie eine Beziehung von außen wahrgenommen wird und wie von den Beziehungspartnern - da kann es schon große Differenzen geben.
Wann macht eine Beziehung glücklich, gibt es überhaupt DAS richtige Modell?
Viele Menschen halten ihre Art zu leben für die einzig Richtige und möchten dies auch auf andere Personen und Paare übertragen wohingegen einige der Meinung sind, meine Art ist für mich richtig, muss aber nicht für alle richtig sein. So sehe ich da übrigens auch.

Ausgangsfrage im Emma-Forum war folgende (verkürzt):
Wann ist eine Beziehung gleichberechtigt bzw. gibt es nur die eine Möglichkeit.

Erste Möglichkeit: Die Partner entscheiden alles gemeinsam und im Konsens und versuchen möglichst auch alle Arbeit, die anfällt gleichmäßig aufzuteilen.

Zweite Möglichkeit (Achtung, etwas komplizierter): Ein Paar kann sich zu einem Zeitpunkt gemeinsam auf bestimmte Dinge festlegen, die ab dann gelten, z.B. dass über manche Dinge nur einer der beiden entscheidet. Dieses wäre nach meiner Definition nun auch wieder gleichberechtigt, da der andere vorher die Zustimmung gegeben hat.

Also, dass es sich bei der ersten Definition um eine gleichberechtigte Beziehung handelt ist klar, die Frage ist nur, muss eine gleichberechtigte Beziehung eben nur so aussehen oder geht auch Variante zwei?

Ausgegangen von der Frage kam es dann zu Diskussionen, um welche Entscheidungen es sich handelt und warum es in Abhängigkeit führt, wenn die Frau die Entscheidungen abgibt. Bis zur Frage, wie man das finanzielle in einer Beziehung regelt. Kurz wurde auch der Gedanke angestoßen inwieweit sich das innere Verhältnis zweier Partner vom gesellschaftlichen Verhältnis zwischen Mann und Frau beeinflussen lässt oder wie weit auch die Gesellschaft beachtet werden muss.

Ich würde hier gerne kurz erzählen, wie ich mir meine Beziehung wünsche (bzw. in der Vergangenheit hatte), warum das vielleicht nicht das richtige Modell für alle ist und das allgemein akzeptierte 50/50 Modell nichts für mich ist.

Sehr schön beschrieben hat ein Mann die Art der Beziehung in seinem Profil in einer Community, woraus ich hier gerne zitieren würde. Ich weiß es einfach nicht besser in Worte zu fassen:

Bei mir handelt es sich nicht um einen Dom, Herr, Meister, Sir usw.
Ich bin ich und ich stehe auf persönlich definierte Beziehungen mit Machtgefälle. In dieser geht es mir nicht um Strafen, ich möchte keine Kataloge aufstellen, um mir selber ein Recht zu geben, dir weh zu tun. Eine Frau die mich interessiert, weiß und fühlt, dass sie mir nicht erklären muss, welche Praktiken sie mag und welche nicht, was Grenzen für sie sind und was Tabus. Ich will keine Menschen, die Codeworte oder Ampelspielchen wollen - es geht mir um Authentizität.
CON- steht für den Metakonsens der verbindet, der klarstellt, dass es sich bei einer Beziehung zu mir nicht um einen Fick handelt, sondern eine Verbindung, in der nur einer sagt, was getan wird. Ich setzte meine Wünsche durch, gerne auch mit körperlicher Nachhaltigkeit. Zwang, Unterwerfung, Grenzüberschreitung und auch starke psychische Belastungen finde ich gut.

Für viele wird dies im ersten Moment wohl erschreckend und gewalttätig wirken. Es handelt sich hierbei um eine Beziehung, die eindeutig im BDSM-Bereich angesiedelt ist und zwar 24/7. Das heißt, dauerhaftes Machtgefälle leben.  Es geht dabei nicht nur um Sex, sondern um ein miteinander, dass anders ist als bei anderen, das mich glücklich macht. Als ich den oben zitierten Text zum ersten Mal las, zauberte er mir sofort ein Lächeln ins Gesicht.
Neben der „Gewalt“ entdecke ich hier nämlich sehr viel Gefühl und Liebe und genau das ist es, was ich mir wünsche: 24/7 BDSM-Beziehung mit viel Gefühl und Liebe.

Jetzt wird wohl den meisten klar sein, warum ich nicht der Meinung bin, das meine Art der Beziehung das richtige für jeden ist. Wenn mir eine Person sagt, dass sie eben alles selber und alleine entscheiden möchte auch wenn sie in einer Beziehung ist. Dass sie ihr eigenes Geld und eigenes Konto haben möchte. Dann kann ich das nachvollziehen und denke auch nicht, dass es eine schlechtere Variante ist, so zu leben. Aber mich würde das nicht glücklich machen - das weiß ich! Auch möchte ich nicht immer aufpassen müssen, dass jeder sich bei allem genau hälftig beteiligt.
Über das gleichberechtigt dieser Beziehung lässt sich vielleicht streiten, aber es ist meiner Meinung nach eine Beziehung auf Augenhöhe (trotz des Machtgefälles - schwer zu erklären) und voller gegenseitigem Respekt.

Gesellschaftlich akzeptiert ist es nicht so zu leben. Gesellschaftlich akzeptiert ist je nach Subkultur heutzutage auch das Modell Hausfrau nicht mehr. Ich allerdings wünsche mir eine Gesellschaft, in der jeder auf seine Art und Weise glücklich sein kann.
Ich wünsche mir, dass Außenstehende nicht so sehr in Bereiche eindringen, die mit Ihnen wenig zu tun haben.
Nein, ich bin nicht der Meinung, dass es gesellschaftlich einen schlechten Einfluss hat, wenn ich sage, wünsche mir, dass mein Mann die Macht in der Beziehung hat und sich nimmt was er will und wann er es will.

Ich möchte niemanden bekehren, bin nicht der Meinung, dass die Frau generell weniger zu sagen haben sollte als der Mann (bewahre, dann wäre ich bestimmt nicht Feministin). Ich möchte nur, dass die Hausfrau, die sich liebend gerne um Mann und Kinder kümmert, die „untergebene“ in einer Beziehung mit Machtgefälle, die glückliche Alleinerziehende oder die Karrierefrau mit Hausmann und alle weiteren Modelle gleichermaßen als eigene Wahl der beteiligten Personen akzeptiert und respektiert werden!
Genauso sieht es mit Beziehungen aus, die nicht hetero oder monogam sind, auch hier wünsche ich mir mehr Akzeptanz.
Aber im Gegenzug möchte ich bitte auch nicht von anderen hören, dass ihr Modell das Richtige für alle ist. Was ich teilweise von polyamor lebenden Personen schon mal vernommen habe.

Für eine selbstgewählte glückliche Beziehung unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen!

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