Donnerstag, 25. August 2016

Warum Trump die bessere Wahl wäre

Die deutsche Medienlandschaft ist sich einig: Trump darf auf keinen Fall Präsident der USA werden.  Trump ist rassistisch. Trump ist sexistisch. Trump ist das Böse in Person.
Bei all dem Hass, der gegen den Immobilienmogul Donald Trump geschürt wird, vergisst man schon fast, wer da eigentlich die andere Wahl ist. Hillary Clinton: Jahrzehntelange Politikererfahrung, schreckt selbst davor, den eigenen Parteikollegen durch hinterhältige Tricks auszubooten nicht zurück und war nicht gerade unbeteiligt an vielen Kriegen der USA - klassischer Präsidentschaftskandidat. Einziger Unterschied zu den vorherigen Präsidenten: Hillary ist eine Frau. Und Obwohl dies für einige auszureichend zu sein scheint als Qualifikation für das höchste Amt der Vereinigten Staaten, sehe ich das anders.
Ich denke, keiner der beiden ist eine gute Wahl, die Wahl zwischen Pest und Cholera – ähnlich wie bei der Wahl des Bundespräsidenten in Österreich, die im Herbst widerholt werden muss.

Ich habe viele Artikel gelesen und Reportagen bzw. Interviews gesehen, die sich mit dem Thema befassen. Besonders interessant auch immer die Kommentarspalten. Zunächst möchte ich mit ein paar Fakten über die jeweiligen Kandidaten beginnen:
Hillary Clinton, ist mit dem ehemaligen Präsidenten Bill Clinton verheiratet, war fast zehn Jahre im Senat vertreten und mehrere Jahre als Außenministerin beim aktuellen Präsidenten Barack Obama tätig. In dieser Position war sie auch damals schon immer nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. So genehmigte sie Waffenlieferungen in über zwanzig Länder, diese überwiesen im Gegenzug „Spenden“ an die Clinton-Stiftung. Dank Hillary Clinton wurden Länder wie Saudi-Arabien, Kuweit oder Katar von den USA mit Waffen beliefert. Dies sind Länder die der Westen allgemein kritisiert, da die Menschenrechte dort nicht gewährleistet werden. Aber Menschenrechte müssen nun einmal zurückstehen, wenn es um Geld für Clinton geht.
Im Fall einer Wahl zur Präsidentin der Vereinigten Staaten möchte Hillary „antiterroristische Aktivitäten“ verstärken und befürwortet eine weltweite Ausweitung der Tätigkeit amerikanischer Geheimdienste. Das bedeutet, mehr Bespitzelung, mehr Bomben und Krieg.

Donald Trump ist im Gegensatz zu Hillary  Clinton bisher nicht als Politiker in Erscheinung getreten. Er war in der Immobilien- und Unterhaltungsbranche tätig, nachdem er das Unternehmen 1974 von seinem Vater übernommen hat. Mit dem Slogan „Make America great again“ (bereits von Ronald Reagan verwendet) bewirbt er seine Kandidatur für das Präsidentenamt der USA.
Er schwingt oft große Reden mit populistischen Forderungen wie eine Mauer an der Grenze zu Mexico zu bauen. Macht zweideutige Anspielungen und wirkt nicht gerade wie ein typischer Politiker. Einerseits möchte er Amerika abschotten (Mauer nach Mexico oder zeitweise Einreiseverbot für Muslime), andererseits bemüht er sich um ein gutes Verhältnis zu Russland.
Er befürwortet es, sich aus der NATO zurückzuziehen (kein Austritt) und nicht mehr so viel Geld in andere Länder bzw. den Aufbau derer zu investieren während Amerika selbst große Probleme hat und stark verschuldet ist.

Dies ist ein privater Blog und die zuvor genannten Informationen sind aus den unterschiedlichsten Artikeln und Interviews, die ich bisher zum Thema gelesen und gesehen habe. Ich mache mir jetzt nicht die Mühe, jedes einzelne hier zu verlinken. Alles müsste sich mit ein wenig googeln schnell belegen lassen.

Interessant finde ich auch, wie die beiden Kandidaten im Wahlkampf miteinander umgehen: Trump konzentriert sich mehr auf seine Ideen (wie bescheuert die auch sein mögen), Clinton hingegen legt neben der Darstellung ihrer politischen Ziele großen Wert darauf, Donald Trump zu diskreditieren. Beispielsweise nennt sie ihn in ihrer Rede „Dangerous Donald“, um so in der Bevölkerung ein Gefühl von Angst vor Donald Trump zu erzeugen.
Viele dieser politischen Aussagen von Clinton werden inhaltlich von deutschen Medien übernommen und auch die deutsche Bevölkerung scheint zu einem Großteil zu denken, Trump sei Böse und Hillary gut. In deutschen Medien habe ich  - übrigens im Gegensatz zu amerikanischen – nicht einen einzigen neutralen Artikel zum Thema gefunden. Falls einer einen weiß, wäre ein Kommentar nicht schlecht.

Im Vergleich der beiden erscheint mir Hillary Clinton als eine größere Gefahr für den Weltfrieden, da sie nur auf den eigenen Vorteil bedacht in der ganzen Welt über Leichen geht.
Trump hingegen möchte sich auf das eigene Land besinnen und dies wieder aufbauen. Ja er mag menschlich ein Arschloch und Sexist sein (den Rassisten nehme ich ihm einfach nicht ab)- , aber er will deshalb nicht die ganze Welt bombardieren.

Dienstag, 23. August 2016

Rechtsstaat vor Medienhetze!

Es macht mich wütend und traurig, zu sehen, wie viele Menschen mit dem Urteil gegen Gina Lisa Lohfink umgehen. Ein Gericht hat sie nach mehrtägiger Verhandlung zu 80 Tagessätzen von je 250€ also insgesamt 20.000€ verurteilt. Das bedeutet, dass für das Gericht eindeutig bewiesen war, dass Gina Lisa bewusst gelogen hat und vorsätzlich die zwei Herren der Vergewaltigung beschuldigt hat. Bei Zweifeln hätte es einen Freispruch geben müssen.
Anhand der Fakten, die zum Fall bekannt wurden, hätte es auch aus meiner Sicht kein anderes Urteil geben dürfen. Ich hätte mich stark über einen Freispruch gewundert.
Ein Gutachter bestätigt nach Sicht der Videos, dass sie keine K.O.-Tropfen bekommen haben kann, da sie tanzt, telefoniert, normal spricht und alles andere als abwesend ist. Noch nach der angeblichen Tat schrieb Gina Lisa einem der Herren, SMS, dass sie ihn vermisse. Angezeigt wurde die Vergewaltigung auch nicht kurz nach der Tat und ein angebliches ärztliches Attest stellte sich ebenfalls als Lüge heraus.
Wie kann dann noch jemand ernsthaft glauben, dass diese Frau in der Situation vergewaltigt wurde?

Wie kann es jetzt sein, dass haufenweise Menschen sich in Kommentaren oder auch Artikeln äußern und dieses Urteil als Skandal betrachten? Wie kann es sein, dass Menschen die Meinung vertreten, Gina Lisa Lohfink hätte freigesprochen werden müssen. Menschen, die weder bei der Beweisaufnahme noch bei der Tat bzw. der Nacht während es zum Sex mit den beiden Herren kam, anwesend waren.

Kommentare wie die folgenden regen mich auf, machen mich wütend und zugleich traurig:



Das Urteil ist nicht der Skandal, sondern wie damit umgegangen wird. Natürlich ist es möglich, dass tatsächliche Vergewaltigungsopfer sich nicht mehr trauen diese anzuzeigen. Aber das falsche Signal war nicht das Urteil, sondern die Tat. Die falsche Verdächtigung. Jede Frau, die einen Mann fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt, trägt dazu bei, dass einem Opfer zunächst nicht mehr geglaubt wird!
Wieso sind so viele Frauen hier auf Seiten der Täterin, die mit ihrem Handeln allen tatsächlichen Opfern in den Rücken gefallen ist?! Das ist für mich einfach unbegreiflich.

Samstag, 20. August 2016

Kann Sexismus legitim sein?

In einer Diskussion bei Onyx ging es um sexistische Einstellungspolitik und für mich stellte sich oben genannte Frage.
In die Post möchte ich weggehen von der reinen Einstellungspolitik und mich auf Sexismus in jeglichen Bereichen konzentrieren.
Zunächst eine kurze Definition, was Sexismus eigentlich ist:

"Bezeichnung für alle Formen der Unterdrückung und der Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit."

Sexistisch ist demnach jede Handlung, bei der ein Geschlecht pauschal dem anderen vorgezogen wird.

Es gibt einige Situationen, in denen Sexismus von allen als in Ordnung akzeptiert wird und andere, in denen dies nur von den wenigsten der Fall ist.

Warum ist es beispielsweise allgemein akzeptiert, bei der Partnerwahl sexistisch zu handeln und von vornherein ein Geschlecht auszuschließen?
Dies tun vermutlich nahezu 90% der Menschen. Für mich persönlich ist es eine komische Vorstellung, weil diese Vorgehensweise ja gleich haufenweise Menschen ausschließt. Ich akzeptiere das Vorgehen und kann es in gewisser Weise nachvollziehen.
Trotzdem finde ich es irgendwie merkwürdig, wenn ich für jemanden als potentielle Partnerin allein aufgrund meines Geschlechts (nicht aus Gründen der Persönlichkeit etc.) nicht in Frage komme.
Dieser allgemein vorherrschende Sexismus wird meiner Meinung nach aus zwei Gründen akzeptiert: erstens es machen fast alle und wollen es auch weiterhin machen; die Gruppe derjenigen, die das nicht tun ist gering. Zweitens es handelt sich hier um einen sehr intimen Lebensbereich, in den man nicht eingreifen will.

Solange Sexismus sich rein auf persönliche Beziehungen beschränkt,  wird er akzeptiert, aber wo ist die Grenze?

Beispielsweise sind viele sich der Meinung, die Vermietung einer Wohnung dürfte nicht von sexistische Kriterien abhängen, da jeder hier Zugang haben muss. Aber was ist in dem Punkt mit WG-Zimmern? Ist es akzeptabel, wenn eine WG  ein Zimmer nur an einen Mann oder eine Frau vermieten will?
Das wird von den meisten bejaht, da das Verhältnis innerhalb einer WG wieder eine intime Nähe ist.
Wenn ich also WG-Zimmer vermiete, ist es auch akzeptiert, sexistisch zu handeln. Wenn ich jetzt ein Haus mit drei oder vier Wohnungen vermiete und der Meinung bin, dort sollte nur Männer bzw. Frauen einziehen, ist das in Ordnung?
Hier werden sich vermutlich die Meinungen unterscheiden, denn eigentlich spielt das Geschlecht keine Rolle. Aber vielleicht möchte ich als Vermieter genau ein Geschlecht unterstützen, weil ich denke, dass ist nötig...

Komme ich nun auch zu Arbeitsverhältnissen. Es gibt Arbeitsverhältnisse für die ist eben ein bestimmtes Geschlecht erforderlich und dies wird von allen akzeptiert: Für die Rolle einer Prinzessin am Theater muss ebensowenig ein Mann eingestellt werden wir für einen Modeljob für Dessous.
Andere Arbeitsverhältnisse sind nicht so einfach zu betrachten. Grundsätzlich sollte das Geschlecht keine Rolle spielen, tut es bei einigen Personalern oder Arbeitgebern aber doch.
Begründungen gibt es unterschiedliche:
- Frauen können schwanger werden und fallen deshalb länger aus.
- Männer sind kräftiger und können besser schwere Gewichte heben
- Männer haben ein besseres technisches Verständnis
- Männer können nicht gut mit Kindern umgehen
- Frauen bauen besser menschliche Beziehungen auf.

Sollte es nun erlaubt sein, Frauen bzw. Männer aus besagten Gründen (Vorurteilen) nicht einzustellen?
Ich finde grundsätzlich, sollte es jedem Arbeitgeber frei stehen, seine Mitarbeiter auszuwählen, auch wenn er dabei sexistisch handelt. Je nach Beruf finde ich den Sexismus zwar scheiße, möchte aber gerne in einer Stellenbeschreibung sehen, wenn ein Unternehmen, diese Praxis bevorzugt.
So habe ich die Möglichkeit, dieses Unternehmen für mich als potentiellen Arbeitgeber auszuschließen oder zu sagen, ich finde das in Ordnung und möchte dort arbeiten. Bei einer Stelle bei der eng mit jemandem zusammengearbeitet wird, kann ich es nachvollziehen. Wenn eine Frau zum Beispiel vor kurzem privat Misshandlungen durch einen Mann erlebt hat, möchte sie als Assistentin lieber eine Frau und sollte das auch so auswählen dürfen.
Leider verhindert das aktuelle AGG diese Ehrlichkeit in Stellenausschreibungen. Denn sexistische Einstellungspolitik ist verboten. Gemacht wird sie natürlich trotzdem: es lassen sich immer auch andere Gründe finden, jemanden nicht einzustellen.
So werden immer wieder Menschen Zeit in Bewerbungen stecken, die leider keine Chance auf die angebotene Stelle haben.

Ob Sexismus in den Fällen legitim ist, möchte ich gar nicht allgemein beantworten, denn abseits den genannten Gründen gibt es vermutlich zig weitere (wie das Beispiel mit der Einstellung der Assistentin zeigt) über die ich nicht urteilen möchte.

Was denkt ihr, wann ist Sexismus legitim und wann nicht?

Samstag, 13. August 2016

Am deutschen Wesen soll die Welt genesen...

Zu Beginn möchte ich gerne die Kunstfigur Jilet Ayse der Kabarettistin Idil Baydar zitieren, weil sie hier einfach ausgedrückt hat, was ich so oft denke, wenn ich zurzeit die Kommentarspalten verschiedenster Medien lese:

Als ob alle anderen Menschen auf der Welt keine Werte haben?! Nur Deutsche haben Werte, sonst niemand. Den Wert nicht zu lügen, nicht zu klauen, nicht zu betrügen, andere Menschen nicht Schaden zu tun gibt’s nur in Deutschland und nirgendwo anders! Ja, ich finde, sowas muss man betonen, damit man auf sein ethnozentrischen Wertescheißdreck weiterhin schön draufsitzen kann! 

Die Leute, die tatsächlich ausländerfeindlich und rassistisch sind, sind so oft nämlich diejenigen, die gerade so tun, als wären sie das genaue Gegenteil. Menschen, die einem erzählen, man müsste den ausländischen Männern mitteilen, dass man in Deutschland andere Frauen nicht einfach anpacken dürfen. Aber an Bestrafung oder gar Ausweisung dürfe man gar nicht denken, die wissen das ja nicht besser!
Natürlich wissen die das besser! Natürlich wissen auch afrikanische oder syrische Menschen wie man sich benimmt. Zu behaupten, das wäre nicht so, das ist rassistisch! Es ist rassistisch, davon auszugehen, diese Leute, hätten keine Werte! So ziemlich jeder Mensch auf der Welt weiß, dass man nicht klaut, lügt, stielt und anderen Menschen mit Respekt begegnet!
Der Unterschied liegt nicht zwangsläufig in den Werten, sondern vielleicht darin, wie diese sich in Handlungen wiederspiegeln. Eine Handlung, die für die einen Respekt bedeutet, kann von einem anderen als das genaue Gegenteil interpretiert werden.
Ich habe hier im Blog bereits das Beispiel mit dem Handschlag bzw. dem verweigerten Handschlag angesprochen: Für einen Muslim kann es Respekt bedeuten, sich berührungslos zu begrüßen, für jemand anders kann ein Handschlag Respekt bedeuten.
Aber man muss gar nicht so weit gehen, wenn es um unterschiedliche Darstellung von Werten wie z.B. Respekt geht. Diese Unterschiede gibt es ja nicht nur zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen oder Kulturen.
Simples Beispiel: Ein netter Mann möchte einer Frau helfen, eine schwere Tasche zu tragen. Die eine sieht dies als nett gemeinte respektvolle Geste. Die andere sieht in der Geste die Einstellung, dass er sie für wahlweise zu schwach oder zu blöd hält, selbst die Tasche zu tragen.

Aus der Einstellung, die eigenen Werte und Handlungen wären die einzig richtigen wächst das Gefühl der moralischen Überlegenheit. Handlungen, die bei anderen als falsch und widerwärtig angesehen werden, werden plötzlich gut und richtig, weil sie das richtige Ziel haben. Hierzu könnte man auch das Verhalten einiger linker Gruppierungen betrachten, die sich stets als moralisch überlegen betrachten und aufgrund ihrer vermeintlich richtigen Einstellung auch nicht vor Gewalt zurückschrecken (obwohl sonst Gewalt natürlich scharf verurteilt wird).

Und genauso kann man auch das Verhalten mancher Politiker beurteilen. Wenn die westliche Welt meint, ihre eigenen Auslegungen von dem was gut und richtig ist, auf die ganze restliche Welt übertragen zu müssen, dann ist das meiner Meinung nach alles andere als richtig! Wenn man dann noch Bomben verwendet, um angeblich gute Werte zu vertreten, dann ist das nur noch perfide. Wie viele unschuldige Menschen bereits im Namen des vermeintlich Guten sterben mussten macht mich traurig!
Was im großen Zusammenhang Krieg und Unglück bedeutet, fängt im Kleinen an. Nämlich dann, wenn jemand der Meinung ist, eine Frau, die freiwillig ein Kopftuch trägt, müsste gerettet werden. Dann, wenn jemand der Meinung ist, das Richtige zu tun, indem er andere Meinungen und Einstellungen als rechts denunziert. Dann wenn jemand der Meinung ist, Mobbing, Ausgrenzung und Gewalt ist irgendwann das Mittel der Wahl. Immer dann, wenn jemand sich selbst als den Guten betrachtet, der anderen helfen will. Wenn jemand nicht sieht, dass er eigentlich derjenige ist, der Gewalt und Ausgrenzung befürwortet und dadurch auf keinen Fall der Gute.

Deutsche bzw.  „westliche“ Werte sind sicher nicht die einzig guten und richtigen. Diese Überheblichkeit hat schon einmal zu einer nicht gerade schönen Episode in der deutschen Geschichte geführt – daran sollten all diese Personen, die den „armen Ländern/Ausländern“ ja nur helfen wollen mal denken. Genau dann, wenn sie im Hinterkopf wieder glauben, diese wären nur zu blöd, zu wissen, was richtig und was falsch ist!

Mittwoch, 10. August 2016

Was darf Satire?

Immer wieder hieß und heißt es, Satire dürfe alles. Egal ob bei den Anschlägen auf Charlie Hebdo oder bei der aktuellen Debatte um Jan Böhmermann. Satire müsse das doch dürfen.
Aber wo ist die Grenze? Wo der eindeutige Unterschied zwischen Satire und Beleidigung.
Laut Wikipedia wird Satire folgendermaßen definiert:
 
Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die Übertreibung.
 
Weiter heißt es dann:
 
„Satire kann folgende Funktionen haben (nicht alle müssen im Einzelfall gleichermaßen gegeben sein):
  • Kritik: Nach Schiller stellt die Satire die mangelbehaftete Wirklichkeit einem Ideal gegenüber
  • Polemik: Einseitigkeit, Parteilichkeit, Agitation bis hin zur Aggression.
  • Didaktik: direkte oder indirekte Absicht zu belehren und zu bessern.
  • Unterhaltung: Nähe zu Formen der Komik und zur Parodie, von denen sie sich durch die kritische Haltung unterscheidet“
Die Satire, um die es konkret geht, ist solche, die dem Zweck der Unterhaltung dient. Egal ob Böhmermann oder Charlie Hebdo, beides sollte in erster Linie der Unterhaltung dienen. Wobei immer auch Bestandteile der anderen Zwecke mit enthalten waren. Und immer geht es auch um Kritik. Welche Kritik hat Jan Böhmermann geäußert als er den Präsidenten der Türkei mit allerlei üblen Worten beleidigte?
Meiner Meinung nach lag der Zweck hier nur in der Beleidigung bzw. in einer Art Machspielchen. Selbst wenn Herr Böhmermann sich in der Sendung distanziert hat und gesagt hat, es geht nur darum, mal zu präsentieren, was man nicht machen darf, war das bewusst beleidigend und auch wie Angela Merkel bereits sagte „bewusst verletztend“.
Der Song der Satiresendung Extra 3, der bereits im Vorfeld dazu geführt hatte, dass Erdogan den deutschen Botschafter einbestellen ließ, war hingegen tatsächlich kritische Satire.
Böhmermann ging es jetzt nur darum zu zeigen: Guck mal Erdogan wir können noch viel schlimmer und du kannst nichts dagegen machen! Klassisches Machtspiel.
Wenn es tatsächlich darum ging, eine Grenze aufzuzeigen und mit einem Schmähgedicht zu zeigen, was nicht geht, dann hätte Böhmermann als Zielscheibe vielleicht lieber Juden nehmen sollen.
Wäre interessant, ob die Mehrheit derjenigen, die jetzt hinter Böhmermann stehen, das dann auch getan hätten.
 
Ein wichtiger Punkt finde ich, kommt in der Definition auf Wikipedia etwas zu kurz: Satire richtet sich in erster Linie gegen Mächtige bzw. gesellschaftliche Zustände. Daher wäre Satire gegen Juden oder Schwarze eben keine gute Satire.
Zielscheibe von Satire sind tatsächlich meist Politiker, oft aber auch Religion. Weiterhin stelle ich mir auch die Frage des Standpunktes desjenigen, der die Satire betreibt, derjenigen, an die sie sich richtet und der Person gegen die sie sich wendet.
Denn Machtverhältnisse sind immer unterschiedlich. Ein Schmähgedicht in der Türkei über Erdogan müsste man meiner Meinung nach völlig anders betrachten als eines in Deutschland.
Wer ist Erdogan in Deutschland? In Deutschland hat Erdogan keine Macht. Die Türkei ist nicht einmal Mitglied der Europäischen Union. Politiker versuchen zwar mit ihm zu verhandeln, aber in den Medien und dadurch auch im Großteil der Bevölkerung wird er negativ dargestellt und – und das ist hier von Bedeutung – als eine Art Witzfigur.
Das heißt für die hier lebende Bevölkerung, an die sich Böhmermann richtete (gleichzeitig wohlwissend, dass auch Erdogan das mitbekommen würde), hat Erdogan keine Machtposition. Es hat also nichts mit mutig (behaupten tatsächlich manche) oder guter Satire zu tun, auf diesen Zug aufzuspringen und sich über Erdogan lustig zu machen!
 
Und wo ist jetzt die Grenze? Was darf Satire? Wie weit geht Meinungsfreiheit?
 
Die Grenze sollte dort liegen, wo andere bewusst beleidigt bzw. verletzt werden. Kritik muss nicht beleidigend sein! Ist diese Grenze eine eindeutige scharfe Grenze? Meiner Meinung nach nicht. Denn etwas, was die eine Person aus einer angesprochenen Gruppe nicht interessiert, kann für eine andere verletzend sein. Und wie soll man das nun gesetzlich bewerten können?
Eigentlich doch nicht so kompliziert: In vielen gesetzlichen Regelungen wird nach einem Vorsatz gefragt, dies müsste auch hier angewendet werden. War es für den Satiriker erkennbar, dass er damit andere Menschen verletzt oder sogar gewollt?
In dem Fall liegt eindeutig eine Beleidigung vor (was im Fall Erdogan durch Aneinanderreihung von Schimpfworten nicht schwer zu erkennen sein sollte).
Anders als bei eindeutigen Beleidigungen von Einzelpersonen sieht es aus, wenn ganze Gruppen Ziel der Satire sind: beispielsweise Muslime oder Christen. Hier gilt nicht der Paragraph der Beleidigung, da man nicht ganze Gruppen beleidigen kann. Hier stellt sich immer die Frage, ob es sich bei der dargebotenen Satire um Volksverhetzung handelt…
Da muss dann auch eine entsprechende Abwägung stattfinden. Eine Mohammedkarikatur alleine ist sicher keine Volksverhetzung, wenn aber in dem Zusammenhang immer wieder (nur) Muslime und der Islam das Ziel der Satire sind, sollte man über diesen Fall nachdenken.
 
„Satire darf alles“ wird nur von den Leuten verwendet, die unter dem Deckmantel der Satire beleidigend und verletzend sein wollen. Ich finde es wichtig hier zu sagen: Nein, Satire darf eben nicht alle! Wofür bräuchten wir Gesetze und Paragraphen gegen Beleidigung oder Volksverhetzung, wenn diese unter dem Deckmantel der Satire doch geduldet werden.
 

Freitag, 5. August 2016

The 100

Am 27.07 ist endlich die dritte Staffel auch in Deutschland gestartet. Ich muss zugeben, dass dies die erste amerikanische Serie ist, bei der ich nicht eine Folge verpasst habe. Zunächst kurz zum Inhalt, danach werde ich darauf eingehen, was mir persönlich so gut gefällt.

Die Erde ist seit knapp 100 Jahren nicht mehr bewohnbar, da ein Atomkrieg diese radioaktiv verseucht hat. Die Menschheit lebt auf einer Raumstation, der Arc. Da Platz und Ressourcen knapp sind, werden jegliche Straftaten der Erwachsenen mit dem Tode bestraft, nur jugendliche Straftäter bekommen andere Strafen.
Um festzustellen, ob die Erde wieder bewohnbar ist, werden 100 jugendliche Straftäter, ausgestattet mit Armbändern, die ihre Vitalfunktionen an die Arc übermitteln, auf die Erde geschickt.
Dort dauert es nicht lange  bis die feststellen, dass die Erde bewohnt ist. Zwischen den verschiedenen Völkern entwickeln sich Kriege und es werden welche zu Verbündeten. Auch die Liebe zwischen Angehörigen verschiedener Völker kommt nicht zu kurz. Aber auch innerhalb der eigenen Gruppe gibt es einige Konflikte - vor allem darum, wer der Anführer ist.
Auf der Arc kam es in der Zeit zu einem Zwischenfall, welcher dazu führte, dass ein Leben im All nicht mehr möglich ist, und so landen auch die übrigen Menschen aus dem All auf der Erde.
Das war es auch schon mit dem Spoilern,  da bleibt noch genug Spannung für diejenigen, die die Serie noch nicht kennen.

Was mir besonders gut gefällt ist, dass es keine einseitigen Rollen für Frauen und Männer gibt und das völlig selbstverständlich dargestellt wird.
Ob Mechanikerin, Kriegerin oder Anführerin, nichts wird nur mit einem einzigen Wort von einem der anwesenden Männer als "unweiblich" abqualifiziert oder so getan als könnte ein Mann das besser. Einzig einmal Bellamy macht sich Sorgen um seine jüngere Schwester, die unbedingt kämpfen will. Es wird für den Zuschauer nicht klar, ob das mit dem Geschlecht zu tun hat.

Auch die Beziehung zwischen zwei der Anführerinnen wird völlig selbstverständlich dargestellt.  Die Homosexualität wird wird nicht in einem einzigen Moment diskutiert. Einziger Konfliktpunkt ist, dass es sich um zwei unterschiedliche Völker handelt, die nicht immer in Frieden miteinander verbunden waren.

Auch Rassismus wird indirekt thematisiert als Octavia, die zum Volk der Skypeople gehört, sich in Lincoln aus dem Volk der Grounder verliebt. Die beiden Völker sind zu dem Zeitpunkt verfeindet und diese Liebe wird von keiner Seite positiv gesehen. Obwohl Lincoln sich positiv zu den Skypeoplen äußert, wird er angefeindet, da er eben zu einem anderen Volk gehört.
Später in der dritten Staffel herrscht zwischen den Groundern und den Skypeople Frieden und Lincoln und Octavia leben zusammen im Camp Arcadia, welches von den Skypeoplen gegründet wurde.

Die Mischung aus Action, Liebe und einer postgender Gesellschaft macht die Serie spannend und abwechslungsreich!
Daher kann ich es nur jedem empfehlen, nächsten Mittwoch Abend pro sieben einzuschalten und nicht gleich zu verzweifeln, wenn man nicht alles gleich durchblickt.

Donnerstag, 4. August 2016

Gutmenschen-Bullshit-Bingo

Immer wieder begegnen mir die typischen Floskeln derjenigen, die sich selbst so gerne moralisch über andere erheben, aber sonst vor Taten scheuen.

Ein paar habe ich versuch mal hier zusammenzufassen. Besonders gut lässt sich das Bullshit-Bingo bei Facebook-Kommentarspalten spielen! ;)


Aber man muss auch mal an die Kinder denken!
Damit stehst du eindeutig in der rechten Ecke!
Frauen und Kinder…
 
Das hat auch schon Hitler damals gesagt!
 
 
Rassismus gegen Weiße gibt es nicht!
Das macht mich zutiefst traurig!
Immer diese Verschwörungs-
theorien
Das ist eine Gefahr für die Demokratie
 
Da ist jemand nicht mal in der Lage … richtig zu schreiben.
 
Das hat alles nichts damit zu tun!
 
Das ist eine Gefahr für die Meinungsfreiheit!
 
 
Das Symbol wurde schon von den Nazis benutzt!
 
Das ist Rassismus pur
Auch deutsche Männer begrapschen Frauen!
Die sind eindeutig rechts, bei den Fans!
Nicht alle Ausländer sind kriminell!
Da muss man doch was gegen tun!
 
Wir müssen diesen Aufmarsch verhindern!
 
Anderen geht es doch viel schlechter.
Die Armen Tiere müssen dafür leiden!

 
Ich habe mich bewusst nicht auf ein Thema konzentriert, denn diesen Typus Mensch trifft man leider überall und bei jedem Thema weiß er seinen Senf dazu zu geben.

Mit dem Bullshit Bingo macht das Lesen der Facebook Kommentarspalten doch gleich viel mehr Spaß! Und den wünsche ich euch jetzt auch! J

Dienstag, 2. August 2016

Schön oder hässlich

Wer keine Argumente hat, kommt nicht selten mit dem Argument der Hässlichkeit, um den anderen zu diskreditieren.
Auch in diesem Artikel von Zeit Campus regt sich die Autorin Maaike Kellenberger darüber auf, dass ihr Äußeres kritisiert bzw. bewertet wird statt ihre Kompetenz etc.
Großkotzig ist der Artikel überschrieben mit "Meine Schönheit gehört euch nicht!". Schönheit ist immer subjektiv, liegt nicht selten tatsächlich im Auge des Betrachters.
Was ich nicht verstehe ist, dass für die Autorin die Aussage, die sei hässlich, das schlimmste ist, was sie zu hören bekommen kann. Sie selbst schreibt, andere sollen ihre doch bitte die Kompetenz absprechen, sie als ignorant oder destruktiv bezeichnen und Weiteres, aber eben nicht als hässlich.
Aber genau damit wird der Optik - egal, ob nun schön oder hässlich, neben anderen Eigenschaften einen viel höheren Stellenwert beigemessen, den sie meiner Meinung nach nicht verdient! Alles darf kritisiert werden, aber doch bitte das Aussehen nicht...
Ich sehe auch keinen Grund,  das Äußerliche zu kritisieren, wenn es gar nicht Thema ist, einfach nur so, weil einem das eigentliche Thema am Arsch vorbeigeht. Das gibt es ja leider auch nicht selten: Menschen, die einfach Spaß daran haben, andere Menschen zu beleidigen, wobei das nicht immer nur auf die Äußerlichkeiten abzielt, sondern gerne mal auch einfach pauschal ein Autor als dumm oder Idiot bezeichnet wird.
Für die Autorin aus dem zuvor angesprochenen Artikel wäre das anscheinend weniger ein Problem als die Bezeichnung hässlich. Aber warum diese Sonderstellung? Warum ist es für viele nicht möglich, das Äußere als eine von vielen Eigenschaften, die ein Mensch hat, zu sehen?

Auch Onyx hat sich vor kurzem auf ihrem Blog mit dem Thema befasst. Sie geht allerdings noch mehr auf das Klischee der hässlichen Feministin ein als allgemein auf die Behauptung, eine Person sei hässlich. Sie schreibt:

"Feminismus und/oder „Links“ mit fehlender Attraktivität in Verbindung zu setzen, hat ja eine lange Tradition."

Da kam bei mir die Überlegung, woran das liegen könnte, dass ausgerechnet diese politischen Einordnungen in Verbindung gebracht werden, was Hässlichkeit angeht. Wobei mir Personen, die "links" sind, egal sind. Die meisten, die sich so bezeichneten und ich persönlich kennengelernt habe, waren schon charakterlich hässlich und dadurch völlig uninteressant für mich.

Was den Feminismus angeht, so ist meine Vermutung, dass es tatsächlich den Ursprung haben könnte, dass viele Feministinnen sich gängigen Schönheitsnormen widersetzten und widersetzen. Denn in den Augen mancher ist die Orientierung an eben diesen Normen etwas schlechtes. Man wendet Zeit auf, um für andere, für Männer "schön" zu sein.
Und jemand, der nicht in die gängigen Schönheitsnormen passt, sich diesen sogar bewusst widersetzt, bietet in diesem Punkt Angriffsfläche.
Ich denke allerdings, dass diejenigen, die das tun, sich eher nicht darum gescherrt haben, wenn sie von irgendwelchen fremden Personen als hässlich bezeichnet worden sind. Denn gerade in den Augen von Feministinnen sollte es doch Wichtigeres geben als die eigene Optik. Und genau diese Aussage macht auch onyx auf ihrem Blog:

"Hinter dieser Denke ist ein ziemlich sexistisches Weltbild verankert. Die einzige Aufgabe einer Frau ist es, schön zu sein."

Sie unterstellt, dass diejenigen, die andere als hässlich beschimpfen, eben dieses Weltbild haben. Das mag zum Teil vermutlich auch stimmen, aber bestätigen diejenigen, die sich dann darüber aufregen nicht auch dieses Weltbild, eben weil es sie trifft? Wenn sie es nicht als ihre Aufgabe ansehen, schön zu sein, warum trifft die Betitelung als hässlich sie dann so?
Damit meine ich jetzt nicht Onyx, da sie selbst sagt:

"Die einzige Wirkung, die bei mir eingetreten ist, ist wahlweise herzhaftes Lachen oder facepalmen. In jedem Fall aber die Gewissheit über die Dummheit desjenigen, der mich da treffen wollte."

Mir geht es da ähnlich wie Onyx: wenn der Mensch nichts mit mir zu tun hat, ist es mir schlicht egal und ich denke eher, der andere macht sich lächerlich.
Wenn ich mit jemandem über ein Thema diskutieren möchte, ist es mir völlig egal, wie das Gegenüber aussieht, sondern es geht lediglich um Argumente. Genauso ist es mir egal, ob das Gegenüber mich als schön oder hässlich empfindet. Sollte dies jedoch bei egal welchem Thema das einzige Argument sein, ergibt eine Diskussion keinen Sinn!

Sonntag, 31. Juli 2016

Nein ist kein Stoppwort!

Ich hatte lange Zeit eine Postkarte an der Wand hängen, auf der genau dieser Satz abgedruckt war, aber leider weiß ich nicht mehr, wohin die (nach mehreren Umzügen) verschwunden ist.
Nachdem jetzt der Slogan „Nein heißt Nein“ in aller Munde ist, möchte ich hier mal über das Nein an sich erzählen.
Was genau bedeutet Nein? Ist es immer jedem klar? Und wenn ich nein sage, weiß mein Gegenüber dann zwangsläufig, welche Handlung er gerade unterbrechen soll? Mich anfassen, mit mir Reden, anderen Frauen nachschauen, alles kann in einer Situation gemeint sein!
Selbst wenn klar ist, dass es bedeutet, etwas zu unterlassen, wie soll denn klar sein, was genau? „Da wird ein emphatischer Mensch ja wohl alleine drauf kommen!“ könnte nun eine typische Aussage sein. Aber wie schwierig allein der Bezug ist, sieht man aktuell beim Fall Gina Lisa: Bezog sich ihr „nein“ auf den Geschlechtsakt selbst oder nur auf das Filmen desselben? Die einen sagen ersteres, die anderen zweites. Wichtig ist in dem Zusammenhang nicht nur, wie das Wort nein gemeint ist, sondern auch, ob dies für den Gegenüber eindeutig ist.
Auch Wikipedia erklärt das Wörtchen nein im Übrigen folgendermaßen:

Nein ist die negative Antwort auf eine Frage, die positiv oder negativ beantwortet werden kann (Entscheidungsfrage), und bedeutet somit die Negation der positiv formulierten Aussage, nach deren Wahrheitsgehalt gefragt wird. In Hinblick auf Sprechhandlungen hat das Wort „nein“ unterschiedliche Bedeutungen; häufig bringt es einen Widerspruch zum Ausdruck oder fordert zum Unterlassen einer Tätigkeit auf.

Bei der jetzt zu diskutierenden Fragestellung kann nur der zweite Satz gemeint sein: es wird durch das Nein zum Unterlassen einer Handlung aufgefordert. Insofern kann man natürlich versuchen, das Nein als Stoppwort zu verwenden. Wenn man aber nicht noch mind. einen Satz hinzufügt, der Auskunft darüber gibt, welche Handlung denn jetzt gestoppt werden soll, hat man ein Problem. Denn in dem Punkt ist Nein alles andere als eindeutig.

Die anfangs erwähnte Postkarte war natürlich auf den BDSM Kontext bezogen und ist da sehr passend. Kein Paar würde sich für „Nein“ als Stoppwort (auch Safeword) entscheiden. Ein Nein rutscht einem schon mal unabsichtlich raus, wenn etwas zwar unangenehm ist, aber genau das einem ja wiederrum gefällt, einen geil macht.
Ein Stoppword ist daher meist ein Wort, das niemals zufällig fällt wie beispielsweise „Schmetterling“ oder „Bahnhof“. Bei diesen individuell vereinbarten Worten gibt es auch keine Missverständnisse wie bei einem allgemeinen Nein. Das Stoppwort bedeutet, dass alle Handlungen für den Moment unterbrochen werden müssen (natürlich beinhaltet das auch, dass die Stimmung dann weg ist), daher wird es meist nicht leichtfertig, sondern tatsächlich nur im Notfall verwendet, wenn irgendwas nicht stimmt.
Mit einem Stoppwort macht man keine Scherze. Ein Stoppwort ist nicht dafür da, um es spielerisch zu überwinden. Ein Stoppwort muss immer und in jedem Fall respektiert werden!
Diese Eigenschaften eines Stoppwortes zeigen schon, dass ein Nein dafür denkbar ungeeignet ist. Denn auch wenn viele sich das gerne wünschen, dass ein Nein wie ein Stoppwort zu verstehen ist, so sehen wiederum viele andere Menschen das anders. Ein Nein ist kein allgemeines Stoppwort, zumindest nicht im Verständnis der meisten Menschen.
Natürlich kann man sagen, dass es toll wäre, wenn man ein solches allgemeines Wort hätte, dass von jedem so respektiert wird wie ein Safeword im BDSM-Kontext, aber aktuell gibt es das nicht.
Das bedeutet auch, dass man individuell bei sexuellen Begegnungen immer auf den anderen achten muss bzw. demjenigen mitteilen muss, wenn ein Stoppwort benötigt wird.
Schon zur eigenen Sicherheit sollte man nicht davon ausgehen, dass ein Nein als Stoppwort funktioniert. Denn selbst wenn es das  Gesetz bald tatsächlich so versteht, ist die Mehrheit der Menschen vermutlich nicht mit dem Gesetz vertraut, sondern handelt eher nach dem Gefühl, welches aus jahrelanger Erfahrung mit Nein stammt und dieses ist eben häufig: Nein bedeutet gib dir mehr Mühe.

 

Donnerstag, 28. Juli 2016

Eine Welt voller Misstrauen

Eine Welt voller Misstrauen macht traurig. Das sagt meine Therapeutin. Und irgendwie stimmt es, dass ich in einer solchen Welt lebe. Es gibt extrem wenig Menschen, denen ich vertrauen kann und wenn ich neue Leute kennenlerne, dann habe ich zunächst kein Vertrauen. Sondern diese Personen müssen eigentlich immer und immer wieder zeigen, dass ich ihnen vertrauen kann.
Ich brauche sehr lange, bis ich jemandem vertraue. Im Gegenzug ist es aber auch so, wenn es eine Person einmal in mein Herz geschafft hat, ist diese vermutlich eine Freundschaft fürs Leben. Ein Mensch, dem ich vertrauen kann und der tatsächlich in meinem Herzen ist, will ich eben nicht mehr loslassen. Darum sind die meisten meiner guten Freunde dies tatsächlich zum Großteil bereits seit zehn Jahren oder länger.

Aber bei neuen Menschen tu ich mir schwer. Ich habe kein Problem Menschen kennenzulernen, aber ihnen zu vertrauen – und das macht traurig.
Aber wie soll man in einer solchen Welt vertrauen können? Wie soll ich jemanden, der mir nicht gezeigt hat, dass er mein Vertrauen verdient, einen Vorschuss an Vertrauen geben?
Wie sollte ich jemanden vertrauen können, wenn ich tagtäglich in meinem Umfeld beobachten kann, wie andere Menschen belogen und betrogen werden? Ich will das für mich nicht. Ich will nicht verletzt werden! Darum lasse ich tiefe Gefühle erst gar nicht zu.

Beziehungen sind auch so ein Fall: Einem Freund in einer Beziehung müsste ich vertrauen können und dieses baut sich aber erst langsam auf. Aber die meisten Personen wollen immer alles schnell und sofort – und dann wird man verletzt!
Immer wenn ich es vorsichtig versucht habe, wurde ich wieder enttäuscht. Erst vor kurzem habe ich jemanden kennengelernt, bei dem ich dachte, vielleicht kann sich da ja was entwickeln. Ich habe es versucht mit dem Vorschuss an Vertrauen, habe ihm etwas erzählt, was kaum einer weiß. Ich wollte, dass er es weiß, da das für mich wichtig ist und eine eventuelle Beziehung nicht ein solches Geheimnis haben sollte. Aber statt, dass es positiv war, zu vertrauen, wurde das wissen von der anderen Person genutzt, um mich im Streit zu beleidigen…
Und aufgrund solcher Erfahrungen, bin ich vermutlich glücklicher damit, wenn ich gar nicht mehr versuche, irgendeine Beziehung zu beginnen. Ich weiß, dass vermutlich irgendwann wieder jemand kommen wird, wo ich denke, das könnte vielleicht was werden. Aber derjenige hat es noch schwerer, denn immer neue Verletzungen stärken das Misstrauen.

Wie soll ich in einer solchen Welt vertrauen?
Ja, eine Welt voller Misstrauen ist traurig. Aber was ist die Alternative? Eine Welt voller Verletzungen? Wäre das nicht mindestens ebenso traurig?