Dienstag, 27. September 2016

Nähe von links und rechts


Wie nah sind sich extrem rechts und extrem links?

 
Vor einigen Artikeln hatte ich Leszek in einem Kommentar gegenüber gesagt, dass seine Aussage „NPD-nah“ sei und auch darauf ist er in seinem bisher nicht veröffentlichten Kommentar eingegangen. Ich möchte meine Meinung dazu nun hier als Artikel formulieren und ihm und anderen in der Kommentarspalte die Möglichkeit geben dazu ebenfalls Stellung zu beziehen.
Zunächst zu dem, was Leszek schreibt. Er zitiert aus dem Parteiprogramm der NPD und stellt dem seine Ansicht gegenüber:

„„Die NPD fordert (…) eine gesetzliche Regelung zur Rückführung der derzeit hier lebenden Ausländer. Grundsatz deutscher Ausländerpolitik ist: Rückkehrpflicht statt Bleiberecht.“

Für die NPD ist offensichtlich eine biologisch verstandene Zugehörigkeit zu einem biologisch verstandenen „deutschen Volk“ das zentrale Kriterium für Einwanderung und dauerhaftem Aufenthaltsrecht.

Ich bin Antinationalist und pfeife auf eine rassisch/völkisch verstandenes „deutsches Volk“, für mich ist die Bereitschaft der kulturellen Moderne – Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie – das zentrale Kriterium für Einwanderung und dauerhaften Aufenthaltsrecht.

Rassische/völkische Kriterien gibt es bei mir nicht, für die „Reinerhaltung“ einer essentialistisch und nationalistisch verstandenen „deutschen Kultur“ rühre ich keinen Finger, „nationale Identität“ ist mir zuwider.“

Ich möchte betonen, dass ich mich hier einzig und alleine auf das geschriebene Wort beziehe und keine sonstigen medialen Meinungen berücksichtige.
Zunächst ist mir nicht klar, wie Leszek aus dem Begriff „Ausländer“ das biologische Kriterium herausliest, auf dem sich schließlich seine ganze Unterscheidung aufbaut. Ich sehe keine Definition der NPD für den Begriff „Ausländer“. Wenn ich das Wort „Ausländer“ lese, so bedeutet es in erster Linie (nach meiner Auffassung) „Person mit anderer Staatsangehörigkeit“, hierin kann ich weder ein biologisches noch völkisches Kriterium erkennen.
Was ich sehe ist, dass sowohl Leszek als auch die NPD Kriterien aufstellen für Menschen, die in Deutschland bleiben dürfen. Dass sich diese Kriterien unterscheiden mag stimmen, halte ich aber für weniger relevant als dass sie existieren.

„Die NPD schreibt: „Ein grundlegender politischer Wandel muss die sowohl kostspielige als auch menschenfeindliche Integrationspolitik beenden und auf die Erhaltung der deutschen Volkssubstanz abzielen. Integration ist gleichbedeutend mit Völkermord.“

Ich sage hingegen: Integration ist gut und die wichtigste Integrationsdimension ist die Bereitschaft zur Anerkennung der kulturellen Moderne – Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie – und diese muss im Zentrum einer aufgeklärten modernen Migrations- und Integrationspolitik stehen. Welche Hautfarbe, Herkunft, religiöse, politische, philosophische Weltanschauung ein Einwanderer hat, das ist mir egal, solange er Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie ernsthaft bejaht. Auf die „deutsche Volkssubstanz“ scheiße ich. Aus Sicht der NPD fördere ich mit meiner Einstellung demnach „Völkermord am deutschen Volk“. Man achte übrigens darauf wie die NPD mit dieser Formulierung echte Völkermorde relativiert.“

Hier stimme ich Leszek zu, dass er nicht die gleiche Meinung vertritt wie die NPD. Dennoch habe ich Zweifel an der Aussage, ihm sei die religiöse Weltanschauung der Einwanderer egal, der er sich sehr häufig negativ gegenüber dem Islam geäußert hat. Außerdem frage ich mich noch, wie er ein „ernsthaftes bejahen“ von Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie feststellen möchte.

„Die NPD schreibt:  „Bauliche und kulturelle Veränderungen, etwa durch fremdreligiöse Bauten, sind zu stoppen.“

Ich hingegen sage: Baulicher und kulturelle Veränderungen sind mir egal, wenn sie nicht im Widerspruch zu Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie stehen. Orthodox-konservative-islamisch oder islamistisch genutzte Moscheen stehen dazu im Widerspruch, daher bin ich gegen den Bau solcher Moscheen, aber nicht weil sie „fremdkulturell“ oder „fremdreligiös“ sind, sondern weil sie zur Ausbreitung reaktionärer religiös-politischer Ideologen beitragen, die mit Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie nicht vereinbar sind.“

Fazit welches ich daraus erkenne: Die Motivation ist zwar eine unterschiedliche, aber sowohl die NPD als auch Leszek lehnen den Bau bestimmter Moscheen ab. Natürlich muss man anerkennen, dass die NPD weitergehender ist und jegliche fremde Bauten ablehnt. Aber auch hier ist die Aussage von Leszek durchaus „NPD-nah“, was im Übrigen nicht gleichbedeutend ist mit „komplett gleiche Ansichten wie die NPD“.

„Die NPD schreibt: „Eine besondere Gefahr für Identität und Kultur der deutschen geht nicht vom Islam als Religion aus, sondern von der Islamisierung“

Ich interessiere mich nicht für die Bewahrung einer völkisch-nationalistisch verstandenen „Identität und Kultur der Deutschen“ – im Gegenteil, dazu sage ich: Deutschland verrecke! Mir geht es um die Bewahrung der kulturellen Moderne – Aufklärung, Menschenrecht, Demokratie – und die kulturelle Moderne ist durch zunehmende Islamisierung leider in der Tat bedroht , weil orthodox-konservativer Islam und Islamismus vormoderne autoritäre Herrschaftsideologien und archaische Repressionskulturen darstellen.

Ich bin aber (im Gegensatz zur NPD) nicht gegen einen liberalen, aufgeklärten, modernen Islam in Deutschland, der mit Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie im Einklang ist. Mir geht die Bewahrung der „deutschen Kultur“, der „nationalen Kultur“, der „christlichen Kultur“ im Sinne der NPD nämlich am Arsch vorbei.“

Ob man es jetzt „Identität und Kultur der Deutschen“ oder mit „kultureller Moderne“ bezeichnet sowohl Leszek als auch die NPD sehen die aktuelle Gesellschaft bzw. die Kultur in Deutschland durch die Islamisierung bedroht. Woher Leszek aus dem Satz liest, dass die NPD ein Problem mit dem liberalen Islam hat, erschließt sich mir nicht. Selbst wenn das tatsächlich der Fall ist, ist auch diese Einstellung von Leszek „NPD-nah“.

Weiter gibt Leszek zu bedenken:

„Des Weiteren zeigt die NPD mit dieser Passage, dass sie so wie viele Rechtsradikale – ganz ethnopluralistisch – gar nichts gegen den orthodox-konservativen Islam hat, solange er sich nur nicht in Deutschland befindet, ganz gleich wie schlecht die Menschenrechtssituation durch den Einfluss prämoderner Islam-Interpretationen in islamischen Ländern ist.

Ich hingegen wünsche mir eine schnellstmögliche kulturelle Modernisierung aller islamischen Länder, ich will Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie für alle Menschen, ich will libertären Sozialismus für alle Menschen, ich will Anarchie weltweit!“

Und in diesem Punkt ist meine Einstellung im Gegensatz von der zu Leszek vermutlich eher in der Nähe der NPD. Ich vertrete nämlich die Meinung, dass man seine eigenen Werte nicht von oben herab anderen überstülpen sollte. Egal wie gut und richtig ich die Werte finde oder nicht – so denke ich dennoch, dass jedes Land und jede Kultur das Recht haben sollte, sich selbst zu entwickeln – unabhängig davon, ob diese Entwicklung mit persönlich oder der westlichen Welt passt.
Ich will keinen Sozialismus und möchte diesen auch nicht von anderen Menschen, die ihr eigenes Weltbild bzw. ihre eigene Weltordnung für die bestmögliche halten, für alle Menschen vorgeschrieben sehen. Und wenn mir das Staatssystem, die Kultur etc. eines Staates nicht passt, so will ich weiterhin die Möglichkeit, diesen jederzeit verlassen zu können.

Auch im nächsten Punkt

„Die NPD schreibt: „Jedes Volk hat ein Recht auf Selbstbestimmung und Wahrung kultureller und nationaler Identität“
 
Tja, da haben wir es wieder. Die NPD will die „kulturelle und nationale Identität“ bewahren, ich hingegen will die kulturelle Moderne – Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie – bewahren, und dafür braucht’s keine essentialistisch verstandene „kulturelle Identität“ und schon gar keine „nationale Identität“ – im Gegenteil.“

Ja, da haben wir ihn wieder den Unterschied: Leszek möchte den unterschiedlichen Völkern das Recht auf Selbstbestimmung absprechen, die NPD hingegen nicht. Egal, wie scheiße die NPD sonst ist, hier würde ich auch eher denen zustimmen. Im Übrigen möchte ich noch aus der UN-Sozialcharta zitieren:

„Artikel 1
(1) Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.

(2) Alle Völker können für ihre eigenen Zwecke frei über ihre natürlichen Reichtümer und Mittel verfügen, unbeschadet aller Verpflichtungen, die aus der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf der Grundlage des gegenseitigen Wohles sowie aus dem Völkerrecht erwachsen. In keinem Fall darf ein Volk seiner eigenen Existenzmittel beraubt werden.

(3) Die Vertragsstaaten, einschließlich der Staaten, die für die Verwaltung von Gebieten ohne Selbstregierung und von Treuhandgebieten verantwortlich sind, haben entsprechend der Charta der Vereinten Nationen die Verwirklichung des Rechts auf Selbstbestimmung zu fördern und dieses Recht zu achten.“

Also selbst die Vereinten Nationen äußern sich hier eher NPD-nah als die Meinung von Leszek zu vertreten. Und denen schließe ich mich in diesem Punkt auf jeden Fall an.
Einen letzten Punkt von Leszek möchte ich noch aufgreifen:

„Die NPD schreibt: „Die Möglichkeit zur Heimkehr der Deutschen, die jetzt im Ausland leben, muss jederzeit gewahrt bleiben.“

Wenn sie die deutsche Staatsangehörigkeit haben, ja, wenn sie die nicht haben, nicht unbedingt, ich gebe nichts auf biologische Kriterien, die „deutsche Abstammung“ interessiert mich nicht. Erst Recht würde ich keine ausländischen Rechtsradikalen in Deutschland einwandern lassen wollen, nur weil diese zufällig deutscher Abstammung sind, was die NPD natürlich sicherlich befürworten würde.“

Abgesehen davon, dass der letzte Satz unnötige Polemik ist, kann Leszek einfach nicht nachvollziehen, was andere Menschen fühlen. Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind, in einem anderen Land vielleicht die Staatsangehörigkeit angenommen haben (möglicherweise aus praktischen Gründen). Diese Menschen möchten vielleicht einfach gerne wieder nach Hause, weil sie mit dem Herkunftsland Erinnerungen, Familie und Freundschaften verbinden oder auch, weil sie im anderen Land von Rassismus betroffen sind. Und ohne die Staatsangehörigkeit ist das dann leider sehr schwierig, wieder zurück nach Deutschland zu gehen. Hier habe ich einen persönlichen Bezug, da ich aus nächster Nähe durch enge Freundschaft weiß, wie schwer das dann ist.
Und hier wäre eine Erleichterung für die Rückkehr sicher besser.

Alles in allem stehe ich weiterhin zu der Aussage, dass die ursprünglich von Leszek getätigte Aussage NPD-nah war und sehe trotz langer Zitate nicht, dass er das widerlegen konnte. Er konnte lediglich widerlegen, dass er nicht in allem die gleiche Meinung vertritt wie die NPD, aber dies hatte ich auch niemals unterstellt.
Meine ursprüngliche Aussage diente lediglich dazu, Leszek bewusst zu machen, dass man auch als Linker mit möglicherweise guten Zielen, manchmal Methoden befürwortet, die eher in der rechten Ecke zu verorten sind.

 

Sonntag, 25. September 2016

Bodyshaming

Ich habe mich ja schon das ein oder andere Mal zum Thema Fatshaming geäußert. Und muss sagen, davon halte ich generell nichts. Man solle jeden Menschen mit seinem Körper so akzeptieren wie er ist.
Aber weiterhin halte ich auch nicht viel davon, wenn man beim Versuch, sich für das Richtige einzusetzen, die Waage nicht nur ins Gleichgewicht bringt, sondern sie dann zur anderen Seite ausschlägt. Diese Gefahr sehe ich teilweise bei dem Verhältnis von Mann und Frau durch radikale Feministinnen (die damit der feministischen Sache leider eher schaden als alles andere).
Und mittlerweile sehe ich dieses Problem auch häufig beim Thema Körperformen. Statt Akzeptanz jeglicher Körperformen – weg von der allgemeinen Norm des extrem schlanken – werden die Gegner des Fatshamings leider selbst zu Bodyshamern. Und selbst in „Nachrichten-Magazinen“ wird nicht auf einen Bodyshaming-Kommentar verzichtet. Beim Beitrag zur Fashion Show von Ashley Graham sage die Moderatorin von Explosiv Weekend folgenden Satz:

„Aschley Graham präsentiert ihre Kollektion auf der New Yorker Fashion-Week, wo sonst nur Hungerhaken Mode zeigen, die keine normale Frau tragen kann.“

Ein solcher Satz über dicke Menschen, beispielsweise mit der Bezeichnung der Plus-Size-Modells als fett und nicht normal, würde sicher Wellen schlagen und von mehreren Seiten gerügt werden. Aber schlanke, dünne Models können problemlos als Hungerhaken bezeichnet werden. Hungerhaken, die Mode präsentieren, die keine „normale“ Frau tragen kann. Diese Frauen sind also nicht „normal“.
Ich finde Ashley Graham toll, finde es super, dass sie ihren Weg geht, eine Kollektion rausbringt, die auch fülligere Frauen gut tragen können.
Aber muss ich das positive des einen mit einer Beleidigung des anderen verbinden? Ich finde Sprüche wie „iss mal etwas!“ genauso scheiße wie „du solltest dir das Stück Küchen besser sparen!“
Beides vermittelt dem Angesprochenen, dass er sich verändern sollte, dass er bzw. sein Körper nicht „richtig“ ist. Und dass man mit dem Verhalten dazu beitragen sollte, eine Norm zu erfüllen. Jemand, der nicht in diese Norm passt, muss sich verändern, muss sonst mit Beleidigungen und beinahe „bösartigen“ Sprüchen rechnen.
Einer der schlimmsten Sprüche, den ich als sehr schlanker Mensch zu hören bekommen habe war: „Iss doch mal mehr! So wie du aussiehst, findest du keinen Mann, der würde ja Angst haben, dich zu zerbrechen!“ zu einer Zwölfjährigen, die alles andere im Kopf hatte als irgendeinen Mann zu finden. Und davon ganz bestimmt nicht ihr Essverhalten abhängig machen möchte.

Leute hört doch einfach auf mit Bodyshaming! Und wenn ihr so etwas lest oder hört, dann beschwert euch – egal ob dick oder dünn: jeder Mensch ist ok so wie er ist!

Dienstag, 20. September 2016

Über den Umgang mit muslimischen Flüchtlingen

„Ein“ bisher unveröffentlichter Kommentar von Leszek beschäftigt sich mit genau diesem Thema. Ich werde in diesem Artikel nun einige der Passagen von Leszek zitieren und selbst darauf eingehen. Für Leszek sei angemerkt, dass dieser Artikel sich nicht mit dem Vergleich von linker und rechter Politik beschäftigt (dazu folgt ein weiterer Artikel), sondern ausschließlich mit den Ideen zum Umgang mit Flüchtlingen aus islamischen Ländern.

Leszeks grundlegende Überzeugung ist:

„Eine unkontrollierte Einwanderung von vielen Muslimen in einer modernen westlichen Gesellschaft ohne das von mir befürwortete Differenzierungskriterium – Bereitschaft zur Anerkennung der kulturellen Moderne: Aufklärung, Menschenrechte, Demokratie – und entsprechende Prüfvorgänge führt in politischen Begriffen formuliert zum Import eines großen rechten bzw. rechts-islamischen Blocks. Nicht alle, aber doch die Mehrheit der muslimischen Migranten bringen dann Einstellungen, Werte und Normen mit, die wir in politischen Begriffen ausgedrückt irgendwo zwischen rechtskonservativ und rechtsradikal verorten würden.“
 
Diese Aussage belegt Leszek mit Zitaten aus einer Studie, die man hier abrufen kann. (ich widerhole die Zitate hier nicht, das sie den Artikel meiner Meinung nach unnötig in die Länge ziehen würden.
Wichtigstes Kriterium – für Einwanderung in Integration – ist für Leszek „Bereitschaft zur Anerkennung der kulturellen Moderne: Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie“, dies erwähnt er immer wieder. Aber was genau bedeutet das eigentlich?
Ich möchte mich hier kurz den drei genannten Kriterien widmen. Zunächst Menschenrechte: Ich gehe davon aus, dass Leszek sich hier auf die allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UN bezieht. Diese stellt die wichtigsten Rechte zusammen, die allgemein für alle Menschen gelten sollten. Für das hier besprochene Thema sind insbesondere Artikel 14, Artikel 18 und Artikel 22 interessant. Diese möchte ich hier kurz zitieren:

Artikel 14:
  1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.
  2. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen.
Artikel 18:
Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

Artikel 22:
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind"
 
Ein weiteres wichtiges Kriterium die Demokratie. Demokratie bedeutet letztendlich nur, dass die Herrschaft vom Volk ausgeht. Dies kann über Volksabstimmungen ebenso geschehen wie über Wahlen von Volksvertretern. Eine Monarchie, in der der Monarch also tatsächliche Regierungsmacht hat (auch beeinflusst vom Volk), wäre entgegen Leszeks Kriterien. Das bedeutet, dass Länder wie Belgien, Lichtenstein, Luxemburg, Monaco und Norwegen und entsprechend Personen aus diesen Ländern, die diese Staatsform befürworten nicht nach Deutschland einwandern sollen dürften laut Leszek. Oder er müsste zu dem Kriterium „Demokratie“ eine eigene Definition geben, welche konstitutionelle Monarchien miteinschließt.
Das dritte Kriterium „Aufklärung“ ist meiner Meinung nach am ungenauesten. Als Definition findet sich beispielsweise:
„Als wichtige Kennzeichen der Aufklärung gelten die Berufung auf die Vernunft als universelle Urteilsinstanz, der Kampf gegen Vorurteile, die Hinwendung zu den Naturwissenschaften, das Plädoyer für religiöse Toleranz und die Orientierung am Naturrecht. Gesellschaftspolitisch zielte die Aufklärung auf mehr persönliche Handlungsfreiheit (Emanzipation), Bildung, Bürgerrechte, allgemeine Menschenrechte und das Gemeinwohl als Staatspflicht.“
(Hervorhebungen von mir)

Da ich von Leszek hierzu keine weiteren Erklärungen bekommen habe, nehme ich diese Definition mal als gegeben an.
Nach diesen drei Kriterien möchte also Leszek die Einwanderer/Flüchtlinge differenzieren. Dafür schlägt er „sinnvolle Maßnahmen zur Lösung von Integrationsproblemen im Zusammenhang mit muslimischen Migranten in moderne westliche Gesellschaften“ vor. Diese werde ich hier jeweils kurz zitieren und dann dazu meine Meinung äußern:

„Keine orthodox-konservativen Muslime und keine Islamisten in westlichen Gesellschaften mehr aufnehmen, auch nicht im Kontext der Asyl- und Flüchtlingsmigration. Nur noch säkular-demokratische/aufgeklärte/moderne/liberale Muslime in modernen westlichen Gesellschaften aufnehmen.“
Im ersten Eindruck widerspricht diese Forderung dem Artikel 14 der allgemeinen Menschenrechtskonvention, nach dem alle Menschen ein Recht auf Asyl haben. Dazu erläutert Leszek aber weiter:
„Konservativ-muslimische Flüchtlinge sollen trotzdem nicht im Stich gelassen werden, aber sie in westliche Gesellschaften einwandern zu lassen, ist die falsche Lösung, stattdessen sollten islamische Länder für diese Flüchtlinge in die Pflicht genommen werden und westliche Gesellschaften sollten die Flüchtlingslager in islamischen Ländern finanziell unterstützen, so dass dort dauerhaft ein erträgliches Leben für alle möglich ist.“
Für mich widerspricht sich das mit dem Bestreben, die gegebenen Werte/Kriterien als überall auf der Welt anerkannte zu fördern. Durch die finanzielle Unterstützung für Staaten, die eben diese Kriterien nicht erfüllen, wird indirekt deren Wertesystem unterstützt. Außerdem hat man in dem Moment keinen Einfluss mehr darauf, ob sich dort diejenigen nicht sogar weiter radikalisieren. In westlichen Gesellschaften gäbe es die Möglichkeit, ihnen entsprechende Werte zu vermitteln.
Weiter wünscht sich Leszek die Einführung eines verbindlichen Rechtsbildungsunterrichts. Diese Idee finde ich an sich positiv, denke aber dass genau so etwas vielleicht auch generell in deutschen Schulen unterrichtet werden sollten. Wie viele deutsche kennen sich mit dem deutschen Recht aus?
Also meiner Meinung nach gute Idee und bitte auch auf deutsche Staatsbürger ausweiten.
„Zugewanderte Rechtsextremisten, Islamisten sowie schwerkriminelle Flüchtlinge/Migranten sollten abgeschoben werden.
Die Medien sollten jede Tendenz zur medialen Vertuschung von Kriminalität seitens der Flüchtlinge/Migranten aufgeben und die kriminologische Forschung sollte Flüchtlings- und Migrantenkriminalität hinsichtlich Formen, Verbreitung und Ursachen bei den verschiedenen Gruppen objektiv erforschen und darstellen. Nur so können wirksame Präventions- und Gegenmaßnahmen bezüglich der Kriminalität seitens der Flüchtlingen und Migranten getroffen werden – auch zum Schutz von anderen Flüchtlingen/Migranten – und außerdem liefern fundierte Informationen über die Kriminalität bei Migrantengruppen auch Informationen über deren jeweiligen Integrationsstand.
Meine erste Frage wäre hierzu: Woran lassen sich „Rechtsextremisten“ oder „Islamisten“ erkennen, wenn diese sich nicht strafbar gemacht haben. Und warum sollten diese ohne dass sie sich irgendwas haben zu Schulden kommen lassen abgeschoben werden? Und auch in Kriegsgebiete?
Denn vergessen wir mal nicht Artikel 14 der Menschenrechte (die Leszek schließlich als wichtig erachtet), der besagt: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit;“ jemanden also für seine Gedanken – egal ob in irgendeiner Weise extremistisch – abzuschieben widerspricht den Menschenrechten.
Zum zweiten Teil: Maßnahmen, bei denen die Medien sich in gewisser Weise verhalten sollten, lassen sich nicht durchsetzen – zumindest nicht wenn wir weiterhin von unabhängigen Medien ausgehen. Des Weiteren werden gibt es schon häufig Zahlen, die Aussagen über die Kriminalität machen, teilweise wurden diese nach den Vorfällen an Silvester in Köln auch bekannt gegeben.
Was genau soll Integrationsstand bedeuten? Und verläuft Integration nicht immer individuell statt als Gruppe? Muss ein gut Integrierter Syrer/Araber/Iraner etc. darunter leiden, wenn die Mehrheit seiner Landsleute sich kriminell verhält?
„Es sollte viel stärker versucht werden konservativ-muslimischen Eltern zu vermitteln, dass sie Gefahr laufen, die Zukunft ihrer Kinder in Deutschland zu versauen, wenn sie sie traditionell-konservativ erziehen anstatt Bildung und Integrationsfähigkeit zu fördern und in diesem Sinne mit der deutschen Aufnahmegesellschaft zu kooperieren. Diesbezüglich wäre also daran zu anzusetzen, dass auch die meisten muslimischen Eltern das Beste für ihre Kinder wollen.“

Wieso steht „traditionell-konservativ“ im Widerspruch zu Bildung? Das würde ich anders sehen? Und gläubige Muslime, die das Beste für ihr Kind wollen, werden dieses natürlich in ihrem Glauben erziehen, da man immer davon ausgeht, dass der eigene Glaube eben das Beste ist. Dies in irgendeiner Weise anders hinzubekommen, indem versucht wird, Eltern mit gedrohter Abschiebung zu erpressen, wird sicher nicht zum Ziel führen.
„Bezüglich schlecht integrierter Muslime, die von Sozialhilfe leben, könnte überlegt werden, die Auszahlung von Sozialhilfe von Integrationsleistungen ihrerseits abhängig zu machen. Insofern konservativ-islamische Integrationsverweigerer, die von Sozialhilfe leben, bei fortgesetzter Integrationsverweigerung keine Sozialhilfe mehr bekämen, wären entweder stärker motiviert sich zu integrieren oder sie würden freiwillig in ihrer Herkunftsländer zurückkehren.“
Mir fehlen dabei Kriterien für messbare Integrationsleistung. Ansonsten klingt das für mich nach einem ziemlich willkürlichen Instrument, mit dem man Sozialhilfeempfänger weiterhin in irgendeiner Art und Weise unter Druck setzen kann.
Insgesamt halte ich persönlich wenig davon, Menschen aufgrund ihrer Religion oder die Auslebung derer Asyl zu verweigern. Eine Ausnahme bilden natürlich auch meiner Meinung nach Menschen, die schwere Straftaten begangen haben. Aber einen Menschen alleine wegen einer Einstellung, seinen Gedanken nicht aufzunehmen halte ich für nicht vereinbar mit den Menschenrechten.

 

 

Samstag, 17. September 2016

Sextipps und Ratgeber - Untenrum frei?

Margarete Stokowski hat ein Buch geschrieben. „Untenrum frei“, auf Spiegel Online lese ich kurze Auszüge  aus dem Buch und wundere mich. So schreibt Frau Stokowski beispielsweise davon, wie es für sie und ihre Freundinnen in der Jugend normal war, einen Sexratgeber oder die Tipps aus Zeitschriften wie Cosmopolitan oder Joy zu lesen. Und sie schreibt davon, dass diese eine Frauenbild vermitteln, dass ihr nicht gefällt. Ein Frauenbild, das Frauen sich selbst als Sexobjekt darstellen lässt. Sie schreibt:

„Das Schlimme ist, welche Vorstellung das Buch Frauen von sich als Sexobjekt und -dienstleisterin vermittelt, und zwar im Gewand vermeintlichen Empowerments.“

Hier spricht sie von einem Buch, dass sich „die perfekte Liebhaberin“ nennt, welches damals von einer Freundin gekauft und auch von der Autorin gelesen wurde. Aus besagtem Buch zitiert sie folgende Passagen:

"Sie haben jederzeit die Freiheit, nein zum Sex zu sagen, aber bedenken Sie dabei auch, dass es zur Liebe gehört, füreinander da zu sein, auch wenn man manchmal am liebsten ganz woanders wäre."

"Sie treffen die Entscheidung, meine Damen. Egal, ob Sie schlucken wollen oder nicht, sollten Sie fairerweise erfahren, dass es Männer tatsächlich antörnt, wenn sie sehen, dass ihre Partnerin Sperma schluckt. Die Tatsache, dass sie im Mund ihrer Partnerin ejakulieren dürfen, gibt ihnen das Gefühl, angenommen zu werden."

In beiden Passagen ist meiner Meinung nach die Auffassung vertreten, dass es letztendlich immer die Frau selbst entscheidet, was sie tut und was sie machen möchte. Es wird weiterhin daran erinnert, dass man vielleicht auch einmal für seinen Partner das sein könnte, wenn man selbst vielleicht gerade keine Lust darauf hat. Oder eine Praktik (Sperma schlucken) dem Partner zu Liebe machen könnte. Dennoch wird betont, dass die Frau entscheidet, ob sie das tut oder nicht. Diese Passagen versteht Frau Stokowski hingegen völlig anders:

„Mit anderen Worten: Tun Sie beim Sex auch Dinge, die Sie nicht wollen, damit Ihr Mann sich pudelwohl fühlt. Wenn Sie ihn wirklich lieben, dann hat er ein Recht auf Ihren Körper.“

Nirgendwo ist geschrieben, ein Mann hätte ein Recht auf den Körper einer Frau. Nirgendwo, außer im Kopf von Margarete Stokowski. Hat sie das damals eventuell so verstanden und heute ein Problem mit ihrer damaligen Auffassung, weshalb sie sich komplett gegen entsprechende Ratgeber wendet?
Weiter schreibt die Autorin:

„Es ist nicht so, dass wir unser gesamtes Selbstbild aus solchen Ratgebern holen - aber uns fällt eben auch nicht auf, was für eine abgefuckte Scheiße das ist. Woher soll das kommen, dass man als Frau selbstsicher und fürsorglich mit dem eigenen Körper umgeht und den Sex hat, den man will, wenn man solche "Ratschläge" für normal hält?“

Tja, woher soll das Kommen? Vielleicht aus der Realität? Aus dem Kontakt mit Menschen statt mit Ratgebern?
Was spricht gegen Ratschläge, die einen auch dazu animieren, sich zu bemühen, dass der Partner den Sex hat, der ihm gefällt. Was spricht dagegen, im Bett nicht immer nur an sich zu denken? Sex ist doch immer ein Zusammenspiel von zwei Personen, wobei eindeutig beide ihren Spaß haben sollten. Jeder Partner sollte doch darum bemüht sein, es dem anderen schön zu machen!
Wenn ich beim Sex nur auf mich und meinen Orgasmus konzentriert bin, brauche ich doch nicht den Partner dazu, dann reicht ein Vibrator oder meine Hand. Dann denke ich nur an mich (oder vielleicht den/die geile/n Schauspieler/in aus dem letzten Film) und mein Vergnügen. Aber das ist sicher nicht das, was Sexratgeber meinen, wenn es um guten Sex geht.
Die Auszüge aus dem Buch schließen ab mit:

„Würde die Menschheit dieselben Anstrengungen in die Raumfahrt stecken wie die Redaktionen von Frauenzeitschriften in Blowjob-Ratgeber, könnten wir längst zum Kaffeetrinken auf den Mars.“

Mag möglicherweise stimmten, aber welches Motiv sollte das haben. Ist Kaffeetrinken auf dem Mars ebenso erstrebenswert wie guter Sex? Ganz ehrlich: Was soll ich auf dem Mars, einem Haufen Geröll?

Donnerstag, 15. September 2016

Ich verstehe andere Menschen nicht

Ich mag es Gedichte zu analysieren. Im Abitur in Deutsch habe ich eine eins mit der Analyse eines Barockgedichts geschrieben. Ich mag Barockgedichte. Gedichte analysieren ist einfach, viel einfacher oft als das Gesagte anderer Menschen zu analysieren. Gedichte folgen einem bestimmten Schema und nutzen bestimmte Stilmittel. Bei Menschen ist das häufig sehr sehr unterschiedlich.
Die Mehrheit der Menschen nutzt ebenfalls gewisse Stilmittel, hält sich an bestimmte Konventionen und wenn man dann nicht mitmacht ist man außen vor. Wird teilweise sogar als unfreundlich wahrgenommen. Aber ich kann nicht immer mitmachen. Ich verstehe nicht immer, was erwartet wird, was „normal“ ist.
Ich habe bereits über zwanzig Jahre Übung darin Menschen und deren Gesagtes zu analysieren, dennoch bin ich besser darin, Gedichte zu analysieren, was ich nur in einem Bruchteil der Zeit getan habe.

Für mich ist es einfach schwierig, wenn Menschen etwas anderes sagen als sie eigentlich meinen. Damit meine ich jetzt nicht so eindeutige Stilmittel wie Ironie – das verstehe ich. Das ist klar und deutlich wie eine Metapher im Gedicht.
Ich meine die feinen Nuancen in der Stimme, das was zwischen den Zeilen gesagt wird, aber nicht eindeutig ist. Oft eine unausgesprochene Erwartungshaltung des Gegenübers. Ich mag es klar und deutlich. Ich mag es, wenn jemand einfach nur das sagt, was gemeint ist, das kann ich verstehen, damit kann ich umgehen. Warum zehn Sätze um eine Sache herumreden, wenn man das Gleiche doch in zwei knappen Sätzen viel eindeutiger vermitteln könnte?
Ich selbst sage auch nur, was ich meine, nutze Worte, um zu sagen, was ich will und nicht Tonschwankungen und Augenaufschläge. Trotzdem passiert es auch mir immer wieder, dass andere meinen, in meine Worte meinen etwas hineindeuten zu müssen, was ich gar nicht gesagt und erst recht nicht gemeint habe.
Wenn ich auf eine Frage nach Fakten ausschließlich mit den entsprechenden Fakten antworte, so werde ich leider nicht selten als unfreundlich verstanden – und ich verstehe oft nicht, warum. Ich denke doch, dass der andere eigentlich genau das wissen wollte. Oft ist aber der Fakt, nach dem gefragt wurde nicht ausreichend, sondern es wird eine ausschweifende Erklärung für die Antwort erwartet. Das ist mir in der Situation aber nicht klar.
Menschen lieben zum Großteil Floskeln und Verschlüsselungen. Und das folgt oft irgendwelchen Regeln, die mir selbst in über zwanzig Jahren Training nicht alle geläufig sind.
Häufig fällt es gar nicht auf, dass ich dieses Problem habe. Besonders in einer ruhigen Situation kann ich mir die Mühe machen und analysieren und meistens komme ich damit irgendwie durch, komme irgendwie weiter.
Oft sehe ich in dem Verhalten, welches von anderen anscheinend als normal betrachtet wird eine Heuchelei. Wenn flüchtige Bekannte sich begegnen und einander fragen wie es geht, obwohl keinen der beiden das Wohlbefinden des anderen wirklich interessiert. Ich verstehe nicht wirklich den Sinn dahinter, hinter all diesen Floskeln.
Ich kann dieses Spiel nicht immer mitspielen. Ein Arbeitskollege, dem es ähnlich geht, sagte einmal zu mir: „Es sieht so aus: Entweder du machst mit oder du bist eben das Arschloch. Und ich bin dann lieber Arschloch.“
Komisch eigentlich, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Menschen, die sich klar und eindeutig ausdrücken die unfreundlichen Arschlöcher sind…

Dienstag, 13. September 2016

Dummheit ist Trend

In der Schule war es für einige vielleicht normal, dass die „coolen Kids“ diejenigen waren, die schlechte Noten schrieben und keinen Wert auf Bildung legten. Aber als Erwachsene sollte man das doch überwunden haben. Ich selbst war schon in der Schule froh, dass es in unserer Klasse nicht als „cool“ galt, schlechte Noten zu schreiben, eher im Gegenteil. Was damit zu tun hatte, dass wir die Klasse in unserer Stufe auf dem Gymnasium waren, in der nur die Klassenbesten der umgebenden Grundschulen zusammenkamen (es musste sicher sein, dass man das Gymnasium nicht wieder verlassen muss).
 
Im Moment beobachte ich allerdings auch immer mehr unter Erwachsenen, dass es anscheinend „in“ ist, wenn man eine geringe Bildung bzw. wenig Intelligenz aufweist. Und die Medien orientieren sich mit ihrem Programm immer mehr an den dummen Menschen. Damit meine ich jetzt nicht nur Sendungen wie „Mitten im Leben“ oder irgendwelche Fake Polizeieinsätze und Gerichtsschows, sondern auch Berichte, in denen es eigentlich um Fakten geht. Alles wird so aufbereitet, dass es vermeintlich auch das kleinste Kind versteht. In einem Bericht über Zuckergehalt von Softdrinks wird nicht mehr die Grammzahl des enthaltenen Zuckers angegeben, sondern die Anzahl von Zuckerwürfeln. So als wenn ein normaler Mensch mit Gramm weniger anfangen kann als mit „Zuckerwürfel“.  Und dann werden erstaunte Passanten gezeigt, die angesichts des Stapels Zuckerwürfel, die in einer Dose Cola enthalten sind mit „Oh, wirklich so viel, das hätte ich jetzt nicht gedacht!“ reagieren. Ich sehe das und bin erstaunt über das Unwissen derjenigen, die gerade im TV vorgeführt werden. Auf jeder verdammten Coladose, Saftflasche etc. steht der Zuckergehalt drauf. Wie kann man da noch so dämlich sein, dass man das nicht weiß? Natürlich in Gramm statt in Zuckerwürfel, ist wohl zu kompliziert geworden für unsere Gesellschaft.
Die Größe eines Geländes wird in Reportagen nicht mehr mit Hektar oder Quadratkilometer angegeben, sondern in Fußballfeldern. Was soll denn bitte das?! Gibt es ernsthaft mehr Menschen, die sich für Fußball interessieren und demnach eine Vorstellung von der Größe eines Fußballfeldes haben als es Menschen gibt, die wissen, was ein Hektar ist?
Mich hat das schon als Jugendliche genervt; wie machten mit unserer Schulklasse eine Führung in einem Freilichtmuseum und der Museumsführer erzählte wie groß ein bestimmtes Gelände sei – in Fußballfeldern. Ich hatte als Jugendliche keine Vorstellung von einem Fußballfeld und wollte wissen, wie viel Hektar das sind. Diese Frage konnte mir leider nicht beantwortet werden….
 
Aussagen von Freunden, die sich wundern, wie man sich für politische Themen interessieren bzw. sich längere Zeit über diese unterhalten kann mit dem Zusatz „ mit mir kannst du ja auch gerne reden, aber ich interessiere mich mehr für Schuhe und Schminke!“ machen mich ratlos.
Menschen, die selbst etwas nicht verstehen und sich dann über vermeintlich gebildetere Leute lustig machen: „Der will sich doch nur wichtigmachen, mit seiner Ausdrucksweise!“
Statt genauer nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht so zu tun als handele es sich um etwas Negatives gebildet zu sein, finde ich merkwürdig. Wenn ich etwas nicht verstehe, so frage ich nach. So kann man doch immer nur etwas dazu lernen. Aber etwas zu lernen, sich zu bilden, dass scheint bei der breiten Masse heutzutage nicht mehr erwünscht zu sein.
 
Und gefördert wird es auch nicht mehr. Jeder sollte in Deutschland den Abschluss auf dem Gymnasium machen. Was natürlich zwangsweise zu einer Senkung des Standards führt. Aus meiner Grundschulklasse waren wir zwei, die ein Gymnasium besucht haben, das war normal. Mittlerweile sind es eher zwanzig. Dass die Menschen nicht intelligenter geworden sind, sondern die Anforderungen gesunken, kann ich tagtäglich beobachten.
In der Schule wird nicht mehr eigenständiges Denken, und auch mal mit dem gelernten neue Herausforderungen lösen, gelehrt. Nein, es wird auswendig gelernt – häufig auch nur bis zur nächsten Testarbeit. Und vielleicht beschäftigt man sich ja auch eher mit der Größe von Zuckerwürfeln und Fußballfeldern als mit der eines Hektars.
 
Wenn das allerdings so weiter geht, sind wir in einigen Jahren eine ungebildete dumme Gesellschaft. Der heutige Standard in Deutschland kann sich so nicht halten. Woher sollen die hochqualifizierten, gebildeten Menschen kommen. Woher die Motivation, zu lernen, sich zu bilden, wenn doch selbst Erwachsene Bildung negativ betrachten und ach so erstaunt sind, wie viele Zuckerwürfel ein Softdrink enthält?
 

Freitag, 9. September 2016

Gut und Böse / Falsch und Richtig

Wir haben leider immer mehr eine Kultur des Schwarz/Weiß-Denkens. Immer mehr scheint für die Medien eindeutig klar zu sein, was gut und richtig und demgegenüber böse und falsch ist. Offene Diskussionen, andere Meinungen, neue Sichtweisen, das ist gar nicht mehr möglich.
Überlegungen zur Diskussion zu stellen, zu hoffen, dass sich damit ernsthaft auseinandergesetzt wird – oft vergeblich. Innerhalb kürzester Zeit muss für den Mainstream feststehen, ob eine Aussage gut oder böse, schwarz oder weiß ist. Einfache Methode dafür: es wird die Frage gestellt, wer die Aussage gemacht hat. Mag man denjenigen, dann ist die Aussage gut, wenn man denjenigen nicht ausstehen kann, ist sie böse. Auf das inhaltliche kommt es nicht mehr an. Man kann doch nicht seine wertvolle Zeit damit verschwenden, sich ernsthaft Gedanken über Inhalte zu machen. Wo kommen wir denn da hin, wenn eine Person, die ich eigentlich nicht leiden kann, vielleicht eine inhaltlich gute Idee hat. Nein, das darf nicht sein, das kann nicht sein.

Diese Welt macht mich traurig. Schwarz und weiß sind nicht gerade die schönsten Farben! Ich mag es lieber bunt. So kann ich viel mehr entdecken, erleben, erkennen, wenn ich dem Gegenüber erst zuhöre und anhand des Inhalts möglicherweise eine Diskussion entstehen lasse.
In der Kommentarspalte auf Facebook zum Thema AfD wurde ich gefragt, was meine Version von Deutschland ist und daraufhin schrieb ich unter anderem folgendes:

„Ich habe keine komplette fertig gedachte Vision. Wie die Autorin richtig schreibt, ist eine Gesellschaft immer im Wandel und so kann es nie eine fertige Vision geben, die für alle Zeiten richtig ist. Mein Wunsch ist politisch gesehen, mehr Diskussion, mehr Sichtweisen und Meinungen. Neue Einblicke und andere Meinungen können dabei helfen, gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Das Problem der etablierten Politiker ist es meiner Meinung nach, dass bei vielen Themen keine Diskussion entsteht, ja nicht einmal entstehen soll. Man ist sich einig und jeder, der eine entgegengesetzte Meinung hat, wird als "rechts" abqualifiziert. Eine der wichtigsten Grundlagen der Demokratie ist eine offene Diskussion. Diese wieder zu ermöglichen, wäre der einzig konkrete Wunsch für Deutschland. Zunächst ergebnisoffen. Die AfD führt im Moment dazu, dass bei manchen Themen wieder diskutiert werden muss, da sie neue Meinung und Sichtweisen einbringt. Das finde ich gut. Unabhängig davon, ob ich die Meinungen der Partei an sich gut oder schlecht finde.“

Das ist im Übrigen auch einer der Gründe, warum ich das Entstehen neuer Parteien (solche, die Erfolg haben und einen bedeutenden Anteil Stimmen erzielen), zunächst immer positiv sehe. Ich habe mich über die Piratenpartei vor einigen Jahren ebenso gefreut wie über die AfD. Zunächst völlig unabhängig vom Inhalt bringen neue Parteien, die andere Ideen haben als die bisherigen, immer frischen Wind und Diskussion – das ist gut für unsere Demokratie.

Wenn jemand eine Idee von der AfD scheiße findet, dieselbe Idee aber unterstützt, wenn sie von der SPD oder CDU kommt, dann stimmt doch etwas mit der Person nicht. Wenn ich etwas scheiße finde, dann finde ich das immer scheiße – egal, wer das auch scheiße findet. Gleichsam finde ich etwas gut – unabhängig davon, wer das auch gut findet.
Nicht jeder, der die gleiche Meinung hat wie ich in einem bestimmten Punkt, ist mein Freund. Genausowenig teile ich jede Meinung einer Person, nur weil wir in einem Punkt gleicher Meinung sind. Warum ist es gerade bei der politischen Diskussion so schwer zu sagen: „Ich finde die AfD scheiße wegen …., aber mit …. Könnte sie vielleicht Recht haben.“ Warum ist die derzeitige Diskussion beschränkt auf: „Ich finde die AfD scheiße und deshalb ist alles scheiße, was die sagen und alles scheiße, was jemand sagt, der irgendwas von denen gut findet. Und warum ich die scheiße finde ist egal bzw. weil halt!“

Seit wann ist das eine Art zu diskutieren? Seit wann sollte das eine Art zu diskutieren sein?

Die Welt ist nicht so einfach in gut und böse  oder schwarz und weiß zu teilen! Ich hätte gerne viel mehr bunt! Eine bunte Welt für alle! Eine Welt voller unterschiedlicher Meinungen und Positionen!




Donnerstag, 8. September 2016

Diskussionsstil: Rational oder emotional

Es gibt Menschen, die eher sachlich und mit etwas Abstand zum Thema diskutieren und solche, die meist emotional diskutieren.

Wenn beispielsweise in einer Diskussion jemand das Argument bringt, Einwanderer in Deutschland sind meist unterdurchschnittlich intelligent oder gebildet. Dann ist dies eine sachliche Aussage (welche evtl. falsch sein mag) und hat keinen emotionalen Bezug.

Die sachliche Antwort wäre beispielsweise einen Beleg für diese Behauptung zu fordern oder sich über mögliche Gründe Gedanken zu machen (sollte sich die Aussage als wahr herausstellen).

Die emotionale Antwort wäre in dem Fall: „Du Rassist, mit dir brauche ich gar nicht zu diskutieren!“

Daran erkennt man schon, dass es schwierig ist, wenn eine Person mit einem sachlichen Diskussionsstil auf eine Person mit einem emotionalen Diskussionsstil trifft. Für denjenigen, der jetzt Rassist schreit war die Behauptung zuvor rassistisch, weil er bei jedem Satz eine zweite Ebene erkennt, eine Gefühlsebene. Das bedeutet, wenn jemand sachlich sagt, Einwanderer wären unterdurchschnittlich intelligent versteht die emotionale Person „Ausländer sind dumm“, in dieser Aussage ist natürlich Rassismus enthalten. Die emotional agierende Person übersieht aber, dass dies gar nicht die Aussage des Gegenübers war. Viel mehr geht sie hier ihre eigene Interpretation bzw. ihre eigenen Unterstellungen gegenüber der anderen Person an.

Genauso ist es andersrum für eine Person mit sachlichem Argumentationsstil schwierig zu verstehen, warum auf Fakten plötzlich mit unsachlichen Beleidigungen (wie hier Rassist) oder sonstigen Beschimpfungen geantwortet wird, obwohl man doch an einer faktenbasierten sachlichen Diskussion interessiert wäre. Jemand, der ein Thema sachlich betrachtet kann trotzdem Gefühle haben und selbst einen Bezug zum Thema, versucht jedoch von diesem zu abstrahieren. Der persönliche Bezug kann als ein Beispiel zur Bestätigung von Fakten herangezogen werden, übertrifft jedoch nicht gleich jede sachliche Ebene.

 

Ich persönlich diskutiere eher sachlich und rational statt emotional. Für mich ist es tatsächlich schwierig, wenn man auf Fakten und evtl. Beispielen aus dem eigenen Leben plötzlich Entgegnungen wie „du bist arrogant“, „du bist naiv“ oder ähnliches bekommt. Selbst wenn ich tatsächlich arrogant wäre, so ist das doch in dem Moment gar nicht das Thema (sollte sich die Frage als so interessant herausstellen, könnte man dazu ja eine eigene Diskussion eröffnen).

Meist versuche ich die Diskussion zurück auf sachliche Ebene zu ziehen, was mir aber nur selten gelingt. Da ich auf solche Unterstellungen anstelle einer rationalen Diskussion wenig Lust habe, ist danach die Diskussion für mich auch beendet. Das finde ich sehr schade. Denn ich mag es mit Menschen zu diskutieren, besonders bei unterschiedlichen Meinungen. Durch die Diskussion mit jemandem, der eine konträre Meinung zu meiner eigenen hat, lerne ich andere Sichtweisen kennen und neue Blickwinkel werden eröffnet. Manchmal habe ich noch gar keine gefestigte Meinung zu einem Thema (Beispiel AfD, wo es auch nicht wenig Diskussion im Moment gibt), aber werde in der Diskussion in eine Ecke gedrängt, da das Gegenüber versucht die Diskussion auf eine emotionale Ebene zu ziehen.

Das ist anstrengend für mich und wirklich schade, wenn ich ursprünglich den Diskussionspartner aufgrund interessanter Ideen und Überlegungen geschätzt habe.

Natürlich könnte eine emotional diskutierende Person jetzt argumentieren, ich solle mich auf deren Diskussionsstil einlassen. Aber das ist mir dann doch zu anstrengend. Dafür müsste ich bei jeder Darstellung irgendwelcher Fakten darüber nachdenken, welche anderen Dinge eine zweite Person dort hineindeuten kann.

Mir wäre es lieber, wenn der andere Diskussionspartner vielleicht auch einfach mal versucht die Worte und Fakten als die zu begreifen, die tatsächlich gesagt oder geschrieben wurden. Und falls man doch wieder Rassismus oder Sonstiges in irgendwelchen Fakten vermutet, vielleicht einfach nochmal genau nachfragen, so lassen sich am einfachsten Missverständnisse vermeiden!

 

Sonntag, 4. September 2016

Meine Sommerhits

Musik macht gute Laune, besonders Sommerhits. Eigentlich wollte ich das schon vor einiger Zeit mal machen, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen. Daher jetzt hier meine 10 liebsten Gute-Laune-Sommerhits (auch wenn der ein oder andere schon nicht mehr ganz aktuell diesen Sommer ist):

Platz 10: Andreas Gabalier – Hulapalu
 


Platz 9: Frei.Wild – Yeah Yeah Yeah (Video leider nicht auf Youtube gefunden)


Platz 8: Juan Magan – Baila con migo (Video leider nicht auf Youtube gefunden)


Platz 7: J-ax – uno di quei giorni
 

 
Platz 6: Dolly Style - Rollercoaster
 

 
Platz 5: Alvaro Soler - Sofia

 

Platz 4: Deorro feat. Adrian Delgado  - Perdóname

 

Platz 3: Ivan Fillini vs. DJ Matrix – Bella signora

 

Platz 2: Tungevaag & Rabaan - Samsara

 

Platz 1: Baby K – Roma – Bangkok

 

Bei dieser Aufzählung habe ich keine Chartplazierungen berücksichtigt, sondern einfach meine ganz persönlichen Sommerhits aufgezählt. Songs, die mir gute Laune machen und die vielleicht (obwohl in Italien ein Hit) in Deutschland so gar nicht bekannt sind. Vielleicht kann der ein oder andere so auch für sich interessante Musik entdecken!

Habt ihr auch einen ganz persönlichen Sommerhit? Auch wenn der vielleicht auch schon aus dem letzten Jahr ist, immer her damit in die Kommentare!

 

Freitag, 2. September 2016

Doppelte Staatsbürgerschaft

Seit einiger Zeit wird der Ruf nach einer Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft laut. Anscheinend sind manche Leute der Meinung, die Loyalität zu einem Land hängt von dem Pass ab. Besonders nach der Demonstration gegen den Putsch in Köln, bei dem viele türkischstämmige Personen teilgenommen haben, glaubt man das offensichtlich. Aber was würde sich ändern, wenn alle Menschen auf der Demonstration nur den deutschen Pass gehabt hätten? Nichts. Ein Gefühl zu einem Land hängt nicht von einem Stück Papier ab und wird sich nicht dadurch ändern.
Für viele Menschen ist eine doppelte Staatsbürgerschaft wichtig, da sie Familie und Verwandtschaft im entsprechenden Ausland haben. So haben sie die Möglichkeit diese ohne aufwendige Visaverfahren regelmäßig besuchen zu können. Ein Pass hat eben viele praktische Gründe. Und natürlich kann durch die eigene Herkunft und der Bezug zur Familie im anderen Land auch der gefühlsmäßige Bezug zu einem anderen Land bestehen.

Auch ich möchte in Zukunft zwei Staatsbürgerschaften haben: die deutsche und die italienische. Ich habe die deutsche Staatsbürgerschaft schon mein Leben lang und auch wenn ich nicht mehr in Deutschland lebe, so habe ich dennoch einen Bezug zu dem Land. Meine Familie und viele meiner Freunde leben in Deutschland. Natürlich ist es innerhalb der EU problemlos möglich, durch verschiedene Länder zu reisen und ich bräuchte die Staatsbürgerschaft nicht. Aber durch den großen persönlichen Bezug möchte ich diese nicht abgeben, da ich auch nicht 100% sicher bin, nie wieder in Deutschland zu leben – auch wenn es zurzeit nicht so aussieht.
Dass ich nächstes Jahr die italienische Staatsbürgerschaft beantragen möchte, hat für mich verschiedene Gründe: zum einen praktische: Für die Beantragung oder Verlängerung eines Reisepasses müsste ich nicht zwangsläufig zum deutschen Konsulat, welches über 400km entfernt ist. Ich kann bei Wahlen die Politik des Landes mitentscheiden, in dem ich lebe, was ich für wichtig halte, da diese direkt Einfluss auf die Bewohner eines Landes hat.
Ich würde das eher als praktische Gründe einstufen. Aber ich sehe darin auch nicht das Problem. Auch wenn ein Türke die deutsche Staatsbürgerschaft aus ebensolchen Gründen annehmen sollte: Wo liegt das Problem?
Warum sollte man sich entscheiden müssen? Man kann mehrere Freunde haben, mehrere Menschen mögen, man kann auch mehrere Länder mögen und sich in diesen wohl fühlen.